Vorwort.

(I-V) Schlicht und einfach ist die „Geschichte der Benediktiner Abtei Muri-Gries“ abgefasst. Ich trachtete mit Fleiss die Quellen zu sammeln und selbe nach Vermögen gewissenhaft zu verwerthen. Manches mag mir entgangen sein; ich hoffe aber nachkommende Mitbrüder werden das Fehlende ergänzen und das Mangelhafte in der Darstellung ersetzen.

Der Hauptgrund, der mir zum Niederschreiben dieser Blätter die Feder in die Hand drückte, war die Liebe zum Stifte, dessen Mitglied zu sein ich die Ehre habe, die Liebe zum Hause Habsburg-Lothringen, dessen Unterthan ich vom ersten Tage meines Lebens gewesen bin, und die Liebe zu meinen jetzt lebenden und künftigen Mitbrüdern, die mit Recht von mir verlangen können, dass ich die historischen Berichte von Alt-Muri auf Neu-Muri übertrage, weil der Schöpfer mich in die günstige Lage versetzte, selbe zu vernehmen und der Nachwelt zu übermitteln. Ich bin nämlich einer der ersten, der nach der Aufhebung Muri's in Gries (1847) eintrat und (1849) die hl. Profession ablegte, und kam schon im Frühling 1852 nach Sarnen, in die Schweiz, wo ich als Professor über 29 Jahre wirkte. In diesem langen Zeitraume hatte ich oft, besonders während der Ferien, Gelegenheit in der Seelsorge nahe bei Muri und in Muri selbst Aushilfe zu leisten, Land und Leute kennen zu lernen, mit und neben den Mitbrüdern des alten Muri zu leben, von Augen- und Ohrenzeugen einzelne Ereignisse zu vernehmen und die Pfarr- und Gemeindearchive daselbst zu durchgehen; auch hatte ich Zeit gefunden, nebst dem Klosterarchive in Gries die Staatsarchive von Obwalden, Luzern und Aarau zu benützen, Berichte von Zürich und den verschiedenen Klöstern der Schweiz mir zu verschaffen, die Archive in Dettingen, Glatt und Sigmaringen zu besuchen, und (I-VI) hatte endlich das Glück, inner- und ausserhalb der Schweiz nicht wenige Freunde, welche mir mit grösster Zuvorkommenheit Hilfe leisteten, zu finden. Diesen Allen, welche mir nur irgend einen Beitrag zur vorliegenden Geschichte lieferten, spreche ich den wärmsten Dank aus.

Von den Handschriften dienten mir als die besten Quellen:

  1. Miscellanea1 von P. Augustin Stöcklin;
  2. Annales und Ecclesiastica von P. Anselm Weissenbach2;
  3. Annales von P. Leodegar Mayer3 und
  4. Tractatus de Congregationibus O. S. B. praesertim Helvetica et Recensio virorum illustrium, qui ab anno 1602 usque 1785 in dicta Congregatione floruerunt.4

Die Titel der von mir benützten Druckwerke konnte ich wegen Mangel an Raum nicht immer vollständig angeben. Aus gleichem Grunde durfte ich auch die Urkunden in extenso nicht abdrucken lassen. Jedoch die Urkunden und Quellen für die älteste Muri-Geschichte gönnte mir die „Allgemeine geschichtsforschende Gesellschaft der Schweiz“ in ihrem Organ „Quellen zur Schweizer Geschichte, III. Band, Kloster Muri“ (Basel 1883, Verlag von Felix Schneider) abdrucken zu lassen.

(I-VII) Zu diesen gehören die sogen. Acta Murensia. Deren Alter und Glaubwürdigkeit wurden im vorigen Jahrhundert von P. Marquart Herrgott (Genealog. Habsburgica I.) und P. Rusten Heer (Anonymus denudatus) aus St. Blasien angezweifelt. Dr. Hidber zog die Echtheit der Stiftungsurkunde von 1027 wie auch den kaiserlichen Bestätigungsbrief für Muri (1114) in Zweifel (Schweiz. Urk. – Reg., Nr. 1289 und 1578).

In jüngster Zeit bestritt Dr. Theodor von Liebenau nicht bloss die Echtheit eben genannter Documente, sondern hat auch wiederholt das Alter und die Glaubwürdigkeit der Acta Murensia (vgl. Argovia IV., Entstehungszeit der Acta, Aarau 1866; Adler, Jahrbuch der k. k. heraldischen Gesellschaft, Wien 1883 und 1885, Druck von Carl Gerold's Sohn)5 angegriffen. Ich bin zwar diesen Gegnern schon im Nachwort meiner Ausgabe der Acta, der Urkunden und des Hermetschwiler Nekrologiums und später. in der heraldischen Zeitschrift „Adler“ (Wien 1884)6 entgegen getreten. Allein weil der letztgenannte Gegner das folgende Jahr im „Adler“ in ungebührlicher Weise gegen die eben berührten ältesten Quellen der Geschichte Muri's auftrat, so halte ich es für meine Pflicht, seine Einwürfe einlässlicher zu widerlegen, um so für unsere Muri-Geschichte eine feste Grundlage zu gewinnen.

A. Entstehungszeit und Glaubwürdigkeit der Acta Murensia.

Mein Gegner glaubte seine Ansicht, dass die Acta Murensia7 erst um das Jahr 1338 entstanden seien und daher wenig Glauben verdienen, in seinen zwei ersten Abhandlungen auf folgende Gründe stützen zu können: (I-VIII)

  1. auf die Schreibweise der Orts- und Personennamen;
  2. auf die Namen der Heiligen, deren Reliquien in Muri verehrt wurden;
  3. auf die angeführten Besitzungen des Klosters Muri;
  4. auf die Namen der später lebenden Personen;
  5. auf die Unkenntniss der ältern Geschichte;
  6. auf die Abneigung des Chronisten gegen das Haus Habsburg;
  7. auf die offenbare Tendenz der Schrift selbst.

Bevor ich diesen Gründen entgegentrete, muss ich dem Leser meine Ansicht über die Entstehung der Acta Murensia darlegen.

Niemand zieht in Zweifel, dass die Acta in ihrer gegenwärtigen Gestalt aus einer Feder herrühren, und dass die Schrift dem 14. Jahrhundert angehört. Sehe ich aber auf den Inhalt, so bin ich genöthigt, zwei Urheber der Acta anzunehmen, wovon der erste (Anonymus) der Mitte des 12. Jahrhunderts angehört, und der zweite um das Jahr 1280 lebte.

I. Die Behauptung, der erste oder ältere Anonymus habe in der Mitte des 12. Jahrhunderts gelebt, ist auf Folgendes gegründet:

1. Die Schreibweise deutet auf das 12. Jahrhundert hin, ebenso die einzelnen Ausdrücke, wie pisalis, thurciboldus (-curcinboldus) u. s. w., die alten Formen der Ortsnamen, als: Adololdiswile, Watigisso, Regenfridswile, jetzt Retschwil am Baldeggersee etc., und solcher Ortsnamen, die im 14. Jahrhundert bereits ausser Uebung waren, wie Waltrat, Mutukingen, Erbrechtingen, Vinse etc.;

2. erwähnt der Anonymus (Blatt 35 b und 36 a, meine Editio S. 94, 95) eines Kaufes unter Abt Ronzelin 1128, spricht vom habsburgischen Grafen Albrecht II, der 12 Jahre darnach (1141) starb, fügt bei, dass sein Neffe Graf Werner III.; ein von Albrecht dem Kloster um fünfzig Talente verpfändetes und von diesem erst zu Ertrag gebrachtes Gut nur gegen Verzicht auf die 50 Talente und Rückgabe eines mitverpfändeten Gutes in Göslikon und von 18 mansus in Schafhusen dem Kloster beliess, meldet, dass die Gemahlin des Grafen Albrecht, Judenta, in Acherlon zwei Aecker und in Muschon Wiesenland dem hl. Martin in Muri geschenkt habe, und sagt endlich: „Es ist ungewiss (incertum est), ob er (Graf Werner III.)
diese Huben dem hl. Martin wegnehme oder lasse“ (auferat an (I-IX) dimittat). Der ältere Anonymus schreibt hier offenbar nicht lange nach Graf Albrecht's II. Hinscheiden, also kurz nach dem Jahre 1141;

3. weise ich auf jene Stelle hin, welche den Umbau des Altares in der Kapelle des hl. Johannes Evang. in Muri unter dem Abte Ronzelin und dessen Einweihung durch Ulrich II. von Konstanz († 1140) erzählt (Bl. 19 b). Bei Angabe der in das Sepulchrum dieses Altares eingelegten Reliquien sagt der Berichterstatter zu besserer Bekräftigung, dass er dieses selbst gesehen und gehört habe („sicut ego ipse vidi et audivi“), und schreibt somit hier als Augen- und Ohrenzeuge;

4. lässt die Uebereinstimmung der Acta mit dem ältesten Hermetschwiler Nekrologium leicht erkennen, dass der Verfasser jener Acta mit dem Verfasser des Nekrologiums8 gleichzeitig lebte, oder mit ihm identisch sei; sicher arbeiteten beide in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Denn der Verfasser der Acta gibt die Reihenfolge der vier ersten Muri-Aebte Burkard, Luitfrid, Rupert und Ulrich in derselben Ordnung und mit den nämlichen Todestagen an (Bl. 7 a, b; 11 a), wie selbe im Hermetschwiler Nekrologium (13. Jänner, 31. Dez., 26. Jänner und 24. März) verzeichnet sind, und zwar schrieb diese vier Aebte, deren letzter im Jahre 1119 starb, in genanntes Nekrol. die erste Hand ein, während der fünfte Abt, Ronzelin, gest. um das Jahr 1145, schon von einer andern Hand, in anderer Form (obiit) und ohne „noster“ und „quintus abbas“ eingetragen ist; auch steht der Name dieses Abtes, wenn schon in erster Spalte, wie es billig, nach dem Namen eines einfachen von erster Hand geschriebenen Mönches von Muri, Daraus geht hervor, dass der, welcher das Hermetschwiler Nekrologium anlegte, um das Jahr 1145 schon gestorben war oder wenigstens die Feder niedergelegt hatte. Das Gleiche muss auch vom ersten Anonymus der Acta gesagt werden, der, während er den Todestag und die Regierungsdauer der vier ersten Aebte genau angibt, den Tod Ronzelin's und den der nachfolgenden Aebte gar nicht meldet, Wäre nur ein Verfasser der Acta, der noch 1300 geschrieben, gewesen, er würde sicher, wie es bei den ersten Aebten geschehen, auch bei den unmittelbar vor 1300 verstorbenen (I-X) Aebten Tag und Jahr ihres Todes angegeben haben, was aber nicht der Fall ist.

5. Man kann nachweisen, dass alle in langer Reihe in den Acta angeführten Heiligen, deren Reliquien in Muri verehrt wurden, vor 1100 lebten.9 Sollte etwa Muri keine Reliquie eines innerhalb der Jahre 1100 und 1300 lebenden Heiligen oder Seligen gefunden haben? Oder hat es die Achtung vor denselben zu dieser Zeit verloren? Unmöglich. Es folgt nothwendig, dass der Aufzeichner der Heiligenreliquien eben in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gelebt habe.

6. Einen ähnlichen Beweis bietet uns der in die Acta eingetragene Bücherkatalog Muri's (Bl. 17 a-18 b). Mit Bestimmtheit wird man kaum einen Autor der vielen genannten Bücher finden, der nach 1140 gelebt hätte. Alois Schulte hat fast dieselbe Ansicht.10 Er schreibt: „In dem Katalog der sehr reichhaltigen Bibliothek von Muri scheint mir das jüngste Buch die Homilie des Cäsar von Heisterbach zu sein. Da dieser 1240 starb, im Katalog seiner Schriften von 1237 bereits seine Homilien erscheinen, so dürfte die vorliegende Redaktion des Bibliothekkataloges schwerlich jünger als 1237 sein. Diese Grenzmarke für die späteste Entstehungszeit des Bibliothekkataloges würde noch vollends wegfallen, wenn unter den „omelie Cesarii“ nicht die Homilien des Cäsars von Heisterbach zu verstehen wären, sondern die des Cäsar von Arles. Dann würde die Abfassung des Katalogs in noch frühere Zeit zurückgeschoben“. Doch während G. Becker11 diesen Katalog dem 12. Jahrhundert zuschreibt, will ihn Alois Schulte nicht in dasselbe zurückversetzen; findet aber, dass der zweite Anonymus an dem Texte der vorliegenden Handschrift des ersten Anonymus nicht viel geändert habe, weil es unerklärlich, dass in dem sonst geistig so thätigen Kloster in den nächsten 80 (oder wohl mehr) Jahren, in welche die Ausbildung der Literatur des kanonischen Rechtes, die Blüthe der Scholastik und die Anfänge (I-XI) der Mystik fallen, an Muri spurlos vorübergegangen sei, obwohl der Schluss des Bibliothekkataloges die grösste Freude an Büchern athmet und dringend die Instandhaltung und Vermehrung der Bibliothek fordert („Libros autem oportet semper describere et augere“ etc.). „Dieser Schlusssatz“, bemerkt Schulte weiter, „ist gewiss ganz gedankenlos vom zweiten Anonymus abgeschrieben worden. Wenn somit in den Acta Murensia seit dem Anfange des 13. (besser: seit der Mitte des 12.) Jahrhunderts nicht viel mehr geändert ist, so gewinnen ihre Angaben wieder an Werth“.

7. Röpell schreibt in seinem „Grafen von Habsburg“ (S. 58) über die Acta: „Die ganze Erzählung derselben von der allmählig sich entwickelnden Gewalt Lanzelin's und seiner Söhne ist so natürlich und den Zeiten angemessen. Die Nachrichten, die. sie uns von den Nachkommen Radebot's geben, finden sich durch Urkunden bestätigt; die Angaben der kleinsten Details, der Güterbesitzungen des Klosters stimmen überein mit den darüber vorfindlichen Urkunden und lassen uns den Schluss machen, dass der Verfasser jener Acten sehr genaue und gute Quellen zu seiner Arbeit benützte“. Fürwahr, so ist es. Ein Verfasser des 14. Jahrhunderts hätte das alles, weil viele Quellen durch den Brand (1300) zu Grunde gegangen, unmöglich zustande bringen können.

Daher vermag auch mein Gegner in diesen Acten nicht zahlreiche und grobe Fehler zu entdecken, wenn er schon schreibt:12 „In gleichzeitigen echten Urkunden und Documenten, die 100 bis 200 Jahre nach der Stiftung von Muri geschrieben worden sind, sehen wir uns vergeblich nach einer Stütze für die Acta Murensia um, vielmehr stehen alle älteren Documente im ärgsten Widerspruche mit dem Anonymus Murensis“. Diese wegwerfende Beurtheilung der Acta sollen fünf von ihm angeführte Unrichtigkeiten derselben rechtfertigen:

  1. „Nirgends wird Ita als Schwester Bischof Werner's, und

  2. Werner nirgends als Lothringer genannt;

  3. keine Geschichtsquelle setzt Werner's Tod ins Jahr 1027;

  4. vergebens sehen wir uns nach einer (I-XII) Urkunde, einem Nekrologium oder sonst einer glaubwürdigen Geschichtsquelle um, in welcher Ita von Lothringen die Stifterin von Muri genannt wird;

  5. eine Grafschaft Windisch oder Altenburg wird vor den Acta Murensia oder ausser denselben in älterer Zeit nirgends erwähnt“. –

Zugegeben, alle diese Angaben des Anonymus wären wirklich in den Acta enthalten, so verdiente die Arbeit unseres Hauschronisten, der keine weitere historische Verbindungen hatte, in Anbetracht der wenigen Unrichtigkeiten gewiss noch hohe Achtung und Glaubwürdigkeit. Sehen wir aber die angeführten Fehler etwas näher an, so fallen auch von diesen einige weg, und es bleibt eine geringe Zahl übrig.

In der ganzen Geschichte der Habsburger ist die schwierigste Frage, welchem Hause hat Bischof Werner angehört? Der Anonymus Murensis behauptet entschieden: Bischof Werner sei ein Bruder der Gräfin Ita und des Herzogs Theoderich von Lothringen gewesen (Bl. 2 b; 3 a). Hier mag der Anonymus wirklich geirrt haben. In Uebereinstimmung mit meinem Gegner nehme ich an, Bischof Werner sei kein Lothringer, sondern ein Habsburger gewesen, und zwar vermöge der Gründe, die Liebenau im „Adler“ angibt.13 Verfolge ich aber dieses Geschlecht der Habsburger weiter rückwärts, so schliesse ich mich Alois Schulte's Ansicht an, der nach erbrachten Beweisen also schreibt: „Man könne vielleicht mit dem gleichen Rechte, wie man die Wiege des Hauses Habsburg im „Eigen“ an der Reuss und Aare sucht, sie in das Gebiet zu beiden Seiten des Rheines von Basel bis unterhalb Breisach, vorn Schwarzwald bis zu den Vogesen verlegen. Vielleicht ist dort in der Dorfkirche von Ottmarsheim noch heute die Kapelle der Pfalz erhalten, in welcher die Habsburger des 11. Jahrhunderts wohnten“.14

Doch der ausgesprochenen Behauptung meines Gegners in der Abhandlung „Zur Frage über die Anfänge des Hauses Habsburg“ (Adler, 1885, S. 108): „die Identität des in den Acta Murensia erscheinenden Guntram des Reichen (Guntramnus (I-XIII) dives) mit dem im Jahre 952 auf dem Reichstage zu Augsburg des Hochverrathes bestraften Grafen gleichen Namens könne nicht glaubwürdig gemacht werden“, möchte ich keineswegs unbedingt beipflichten. Denn sein angezogener Hauptbeweis hiefür ist gänzlich missglückt (S. 109). Er fasst nämlich Guntram den Reichen (Bl. 1 b) und Guntram von Wohlen (Bl. 25 a, b) irrthümlich als eine Person auf, woraus dann nothwendig weitere Unrichtigkeiten entspringen. Unrichtig ist zunächst, dass „Guntram die Bauern in Muri bedrängte“. – Weder Guntram der Reiche (dives) noch Guntram der Uebermächtige (praepotens) von Wohlen haben die Bauern von Muri bedrängt, sondern der Sohn des erstem, Kanzelin (Lanzelin), bedrückte und vertrieb sie (Bl. 1 b ), während. Guntram von Wohlen sich der Bedrückung der Bauern in Wohlen (Bl. 25 a, b) schuldig machte. – Unrichtig ist ferner, dass Guntram der Reiche „neben dem Sohne Kanzelin auch eine Tochter Euphemia hatte“. Diese Euphemia war keine Tochter Guntrams des Reichen, sondern eine Tochter Guntrams von Wohlen (Bl. 25 b). – Drittens ist unrichtig, dass die Bauern von Muri den „aargauischen Guntram“ (ist Guntram der Reiche oder der von Wohlen gemeint?!) auf dem Reichstage von Solothurn verklagten, sondern diese Klage wurde von den Bauern von Wohlen gegen Guntram den Uebermächtigen erhoben (Bl. 25 b).

Aus solchen unrichtigen Prämissen mussten sich dann auch nothwendig unrichtige Schlüsse ergeben. Die Acta Murensia zeigen keineswegs „deutlich“: 1. dass „der in (?) Muri lebende Guntram (also weder Guntram der Reiche noch der Uebermächtige) zwischen 1018 und 1027 gestorben sein oder von 1002 bis 1027 gelebt haben müsse“. Guntram der Reiche starb eher vor 1018, weil sein Kleinsohn, Werner, der 27 Jahre auf dem bischöflichen Stuhle von Strassburg sass, schon 1028 verschied; Guntram von Wohlen aber entschlief eher aus dem Grunde nach 1027, weil sein Kleinsohn Rudolf die Besitzungen in Wohlen erst 1106 an das Kloster Muri verkaufte. – Zweitens geht aus den Acta Murensia nicht deutlich hervor, dass die klagenden Bauern von Wohlen (nicht Muri) gerade 1018 auf dem Reichstage zu Solothurn erschienen seien; besser wäre die Annahme, sie seien unter Kaiser Konrad II. im Jahre 1038 (I-XIV) oder unter Heinrich III. 1045 dahin gekommen, weil es erstens unsicher ist, dass 1018 ein Reichstag in Solothurn war und zweitens weil eher in diese Zeit15 die Lebenszeit Guntram des Uebermächtigen fällt. – Drittens geht nicht deutlich aus den Acta hervor, dass Guntram der Reiche im Aargau, noch weniger, dass er in Muri gelebt habe, obwohl die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist.16

Indessen lieferte Wilhelm Gisi über den von Kaiser Otto I. depositirten Guntramnus comes in den „Forschungen zur deutschen Geschichte“17 eine treffliche Abhandlung. Er weist nach, dass dieser Guntram ein Sohn des Nordgau-Grafen Hugo und der Hildegarde sein müsse, und vermuthet, er sei vor 952 Graf von Breisgau gewesen. In Rücksicht dessen, was Gisi über diesen Guntramnus comes sagt und Alois Schulte, Grossherz. Archivrath in Karlsruhe, in seinen „Habsburger Studien“ andeutet, halte ich es nicht für unmöglich, dass der genannte Guntramnus comes identisch sei mit dem Guntramnus dives der Acta Murensia; ich lasse aber diese Frage als unentschieden auf der Seite.

Ich gehe jetzt zur zweiten und vierten Unrichtigkeit über, die m. G. in den Acten entdeckt haben will, nämlich: der Anonymus lässt die Gräfin Ita vom Hause Lothringen abstammen, bezeichnet sie als Stifterin (besser: Mitstifterin) des Klosters Muri, während sie doch in keiner Urkunde, keinem Nekrologium oder sonst in einer glaubwürdigen Geschichtsquelle als solche angegeben wird.

Das von m. G. Angeführte ist richtig. Daraus folgt aber noch keineswegs, dass der Anonymus Murensis Irriges gesagt habe. Auch Bischof Werner ist im Hermetschwiler Nekrologium nicht als Stifter angegeben, sondern am 28. Oktober lesen wir in demselben nur: „Werinherus episcopus“. Ueber die Abstammung dieser Ita will ich nicht viele Worte verlieren, weil die Sache noch nicht aufgehellt, mithin noch eine offene Frage (I-XV) ist. Zwar sagt m. G. wiederholt,18 dass die lothringischen Geschichtsquellen aus dieser Zeit von einer Ita, Tochter des herzoglichen Hauses, nichts wissen. Allein das Schweigen dieser auch einlässlichen Quellen vom 10. und 11. Jahrhundert ist noch kein zwingender Beweis, dass sie gar nicht existirt habe oder nicht in irgend einem Verhältnisse zum lothringischen Hause gestanden sei. Erscheint sie auch in keinem andern Documente als in den Acta Murensia, so sprechen diese doch von ihr so oft und in so bestimmten Ausdrücken, dass der strengste Kritiker zugeben muss, die Gräfin Ita habe existirt und habe an der Stiftung des Klosters Muri einen grossen Antheil. Uebrigens bemerkt W. Gisi,19 indem er den „Ursprung des Hauses Rheinfelden“ behandelt, dass die Angabe des Muri Genealogus (Bl. 1 a), Graf Kuno von Rheinfelden sei ein Bruder Herzog Theoderichs von Oberlothringen gewesen, auf Missverständnissen beruhe, und stellt in Aussicht, den verwandtschaftlichen Zusammenhang der Häuser Habsburg und Rheinfelden später zu besprechen. Sicher wird sich ihm auch die Gelegenheit bieten, ein gründliches Wort, wie wir solches von ihm zu vernehmen gewohnt sind, über die Gräfin Ita zu sprechen.

Die dritte Unrichtigkeit des Anonymus Murensis, dass er für das Todesjahr Bischof Werner's 1027 anstatt 1028 setzte, ist von keinem Belange.

Bedeutender möchte aber die fünfte Unrichtigkeit sein: dass „eine Grafschaft Windisch oder Altenburg vor den Acta Murensia oder ausser denselben nirgends erwähnt wird“. Ich bin mit m. G. einverstanden, dass wohl schwerlich eine Grafschaft Windisch wird bestanden haben. Aber selbst der Anonymus Murensis weiss von einer solchen Grafschaft nichts. Wohl schreibt er in den Acta (Bl. 1 b): „qui rogaverunt Kanzelinum, comitem de Altenburg“; aber keineswegs spricht er hier von einer Grafschaft (comitatus) Windisch oder Altenburg. Vielmehr ist unter diesem Altenburg die Grafschaft Klettgau, wie ich später zeigen werde, verstanden. Diese fünfte Unrichtigkeit fällt somit gänzlich weg. Genug hievon.

(I-XVI) II. Ich habe oben (S. VIII) behauptet, dass für die Acta Murensia zwei Anonymi – zwei Autoren – angenommen werden müssen. Vom ersten Anonymus habe ich die Zeit, wann er schrieb, nachgewiesen. Es erübrigt noch zu beweisen, dass ein zweiter gegen das Ende des 13. Jahrhunderts lebte, der dem Schriftstücke des ersten Einiges, zumeist Oekonomisches, beifügte, ohne bedeutende Veränderung im vorhandenen Texte, wie Alois Schulte richtig bemerkt, vorzunehmen.

Ich stütze diese Ansicht auf folgenden Grund: Zufolge oben (S. VIII-XI) angegebener Beweise hörte der erste Anonymus bald nach 1141 zu schreiben auf, und dennoch begegnen uns, besonders in der zweiten Hälfte der Acta, Personen und Ereignisse, die ohne Zweifel entweder den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts oder dem 13. Jahrhunderte angehören. So ist auf dem Blatte 20 (a, b) von „Istud – Est ergo“ auf den zwischen Habsburg und Muri obwaltenden Streit hingewiesen, der am 26. Dez. 1243 zu Gunsten des Klosters beigelegt ward;20 ferner erscheinen in diesen Acta (Bl. 3 3 a) zwei Heinriche, welche als Ministerialen Habsburgs von 1207-1254 lebten;21 ebenso besassen die Grafen von Habsburg Güter in Nerach und Hasle (Bl. 38 b) mit „Unrecht“, über welche Orte sie erst nach dem Aussterben der Kiburger (1264) die Gerichtsbarkeit erhielten; weiter ist auch der Ankauf des Horben und anderer Güter zur Zeit des Abtes Anselm von Muri (1177 - ca. 1195) und später (Bl. 36 b-37 a) erwähnt; endlich sind den Acta Urkunden beigegeben, die aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammen. Daraus erhellt, dass ein zweiter Mönch später zu dem vorhandenen Texte Zusätze machte, jedoch nicht viele.

Bereits wurde nachgewiesen, dass die Aufzeichnung der Reliquien wie auch der Bibliothekkatalog nach 1141 höchst wahrscheinlich keine Zusätze erhielten. Während der erste Anonymus fleissig von den Vorstehern des Klosters, ihrem Leben und Tode, und auch von den Kastvögten spricht, hören wir vom zweiten Anonymus über die Aebte und Kastvögte Muri's (I-XVII) nach 1141 sehr wenig sprechen. Dieser hat hauptsächlich nur Oekonomisches im Auge, während der erste wirklich eine Hauschronik schrieb.

Bezüglich der Frage, wann der zweite Anonymus lebte, bleibe ich bei dem in meiner „Entgegnung auf die Anfänge des Hauses Habsburg“ Gesagten:22 er mag um das Jahr 1280 gelebt haben; dem füge ich aber bei: er mag noch 1300 am Leben gewesen sein, und dann solche Urkunden, die das Feuer zerstört hatte, die aber in Copien vorfindlich waren, den Acten beigegeben haben. Die erste Hälfte meiner Behauptung stütze ich auf nachstehende Beweise. Die Besitzungen der Habsburger in Nerach und Hasle sagen, dass der zweite Anonymus nach 1264 lebte; dasselbe bezeugen indirekt auch die Güter von Rattlisberg (am Albis, Kt. Zürich), welche in den Jahren 1259 und 1260 von Muri an das Kloster Kappel verkauft wurden23 und in den Acten nicht vorkommen; dann fehlt auch das Gut „Güpf“ in Birmenstorf, welches Abt Heinrich I. am 13. Februar 1278 als „Leibgeding“ der Gemahlin des Ritters von Schönenwerd schenkungsweise anwies;24 endlich fehlen in den Acten die Besitzungen Muri's in Schönenthülen, die in den päpstlichen Diplomen von 1179, 1189 und 1247 erscheinen, die im Jahre 1267 als Erblehen vom Abte Heinrich I. noch verliehen25 und am 9. Mai 1285 durch Vergabung an St. Urban abgegeben wurden. Anderseits fehlen in den Acten aber auch die Güter „an der Matten“ in Schongau, welche urkundlich Ritter Heinrich von Wangen 1279 für einen Jahrtag an das Kloster Muri verschenkte;26 es fehlen nicht weniger der Rütihof zwischen Niederwil und Dotikon und der Werwilerhof (heute Weissenbach), die nach dem österreichischen Urbar (angefertigt 1300 - ca. 1300) nach Muri gehörten, und endlich der Hof in Bünzen mit dem Kirchensatz daselbst, den Muri 1321 von den Rüsseggern kaufte.27

(I-XVIII) Ueberhaupt fehlen alle Güter und Besitzungen in den Acta, die Muri nach 1264 erlangte, und deren Urkunden gerettet wurden. Dem gegenüber sagt aber m. G.: „Es ergibt sich zur Evidenz, dass die Acta erst nach dem Klosterbrande vom Jahre 1300 entstanden sind, wenn wir beachten, welche Urkunden der Autor der Acta jenem Werke einverleibt hat“, nämlich die „von ca. 1166, die Urkunde Graf Albrecht's von ca. 1199, das Diplom der Cardinäle (von 1095), die Urkunde König Heinrich's von 1114 und die Urkunde (eher Regest) über die Erwerbung der Güter in Horben (? 1190) – also(?) nur solche Urkunden, deren Originale jetzt nicht mehr vorhanden sind. Dagegen hat der Autor der Acta keine jener Urkunden seinem Werke einverleibt, die in Original nach dem Klosterbrände sich noch erhalten hatten“.28 Die angeführten Thatsachen sind wahr. Die in den Acten angeführten Urkunden sind wirklich nicht mehr im Original vorhanden, und die vorhandenen Originalien sind in denselben nicht angeführt, Aber dem kann ich nicht beistimmen, dass aus dem Grunde sich zur Evidenz ergebe, die Acta in ihrer Gesammtheit seien erst nach dem Klosterbrande vom Jahre 1300 entstanden. Evident ist die Entstehung der Acta nach dem Klosterbrands erst dann erwiesen, wenn sich kein anderer Fall bezüglich der in ihnen angeführten Urkunden mehr denken lässt. Doch hier lässt sich ein anderer Fall denken; denn es hätte zufällig geschehen können, dass gerade die wenigen von den zwei Anonymi wegen ihrer Wichtigkeit copirten und angeführten Urkunden später zu Grunde gingen, zumal eine so grosse Menge verloren ging. Allein der von m. G. angeführte Satz der Acta (Bl. 8 b): „que carta (libertatis), quia adhuc in promptu est, non est necesse, hic eam scribere, qui velit, accipiat et legat“, soll diese Möglichkeit ausschliessen. Und gerade diese in einem Regest gegebene Urkunde ist ein Beweis, dass der Autor nicht nur solche Urkunden, die nicht im Original vorhanden waren, seinem Werke inserirte, sondern auch solche, die noch im Original eingesehen werden konnten. Was der Gegner vom Regest der angekauften Güter in Herben sagt, das gilt auch vom Regest der carta libertatis; denn die handelnden (I-XIX) Personen, der Inhalt und die Zeugen sind beiderseits gleichmässig angegeben. Der Beweis m. G. hat also die Evidenz verloren. Ich bringe noch ein zweites Zeugniss, dass eine Urkunde noch Jahrhunderte nach dem Brande von 1300 im Original vorhanden gewesen, während sie längst in den Acta schon copirt war. Der geschworene Landschreiber zu Schwyz, Ulrich Oechslin, hatte jedenfalls die Urkunde vom 1114 am 21. März 1558 im Original in den Händen;29 denn in der Einleitung zu seiner offiziellen Uebersetzung dieser Urkunde ins Deutsche sagt er klar: Georg Stöub von Schwyz habe ihm im Auftrage des Abtes Johann Christoph von Muri einen Brief (quandam litteram) Kaiser Heinrich's IV. eingehändigt und zwar sei dieser Brief ganz unverletzt, vollständig und mit dem Zeichen des Kaisers bekräftigt gewesen (praesentavit et tradidit omnino integram, perfectam, eiusdem imperatoris signo signatam et roboratam).30 Diese amtlichen Worte eines beeidigten Mannes zeigen unwiderleglich, dass die Kaiserurkunde von 1114 im Jahre 1558 unverletzt und mit dem Siegel Kaiser Heinrich's IV. gehörig versehen im Original vorhanden war.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass zwei Autoren der Acta angenommen werden müssen, von denen der erste, der das Meiste und Wichtigste schrieb, um das Jahr 1141 lebte, während der zweite, der Weniges beifügte, um das Jahr 1280 arbeitete. So lassen sich alle Schwierigkeiten der Acta überwinden. Wer aber m. G. folgen will, der wird auf Fragen stossen, die er sich nie lösen kann; z. B. wie es komme, dass der Autor um das Jahr 1140 als Augen- und Ohrenzeuge spricht? dass er bis 1140 genau und sicher schreibt, ausgenommen, wenn er die „sapientes viri“ (Bl. 2 b; 3 a; 9 b) nicht beachtet und seine eigene Wege geht; warum er nach dieser Zeit so einsilbig und trocken wird? warum er den Tod der unmittelbar vor 1300 lebenden Aebte nicht angibt etc.?

(I-XX) III. Meine Ansicht bezüglich der 2 Autoren gewinnt aber noch mehr an Stärke, wenn ich die sieben oben angeführten Gründe, die. mein Gegner zur Aufrechterhaltung seiner Behauptung angibt, näher in's Auge fasse.

1. Die Schreibweise der Orts- und Personennamen in den Acta Murensia weisen nicht auf einen Autor des 14. Jahrhunderts hin, sondern auf einen Copisten dieser Acta,31 der im 14. Jahrhundert lebte. Ich glaube dies aus Folgendem darthun zu können:

  1. das Linnenpapier war um das Jahr 1300 in Süddeutschland noch nicht allgemein im Gebrauch; der erste und zweite Anonymus schrieben diese Hauschronik wegen der Wichtigkeit jedenfalls auf Pergament. Ein Copist um das Jahr 1350 durfte schon Linnenpapier nehmen;

  2. die Schrift gehört nicht dem 13., wohl aber dem 14. Jahrhundert an, während der Inhalt auf Verfasser des 12. und 13. Jahrhunderts, wie gezeigt wurde, hinweist;

  3. auf einen Copisten des 14. Jahrhunderts weist auch die verschiedene Schreibweise der Ortsnamen hin; denn der Schreibende behält bald die alte Form bei, bald erlaubt er sich, selbe in die neue umzuwandeln. So schreibt er (Bl. 23 a) auf dem Rande als Leitwort „Mure“ und im Texte steht „Mura“; wieder gibt er auf dem Rande (Bl. 29 a) „Salbrunnen“ und im Texte schreibt er „Salinborren“; auf dem Bl. 31 a stossen wir sogar auf eine doppelte Modernisirung, auf dem Rande schreibt er „Wolfenschies“ und im Texte hat er für „Wolfenschiezzen“ – „Wolfenschiessen“. Mithin gebraucht er im Texte nur schüchtern die neuere Schreibweise, während er auf dem Rande für seine Leitwörter sich ganz frei bewegt. Ja in einer Stelle (Bl. 33 a) ahmt er sogar auch die Schriftzüge seiner alten Vorlage nach, indem er im Ortsnamen „Nesslibach“ die alte Form des Buchstabens „N“ nachbildet, dessen Aehnlichkeit mit dem Buchstaben „H“ alle älteren Herausgeber der Acta Murensia zu der Leseart „Hesslibach“ verleitete. Daraus folgt, dass ein Copist das heute als Manuscript in Aarau vorhandene Exemplar schrieb. Dieser gab dann auf dem Rande (I-XXI) die Leitwörter, wovon die meisten roth, nur wenige schwarz sind, bei und machte auch den kleinen Index.

Trotz der scharfen Bemerkungen m. G.32 halte ich aufrecht, dass „inter silvas“ nicht „Unterwalden“, sondern nach dem Zusammenhange „bei den Wäldern“ heisse; denn so erklärte diese Worte Franz Rohrer selig, Professor der Kirchengeschichte in Luzern, der zugleich ein Unterwaldner war und an Fähigkeiten und Kenntnissen meinem Gegner nicht nachstand. Auch Fridolin Kopp, der eine gute Ausgabe der Acta 175033 besorgte, fasste diese Worte im gleichen Sinne auf, weil er die Anfangsbuchstaben nicht in Majuskel setzen liess, was er sonst bei den Ortsnamen fleissig beobachtete. Ebenso halte ich aufrecht, dass gemeine Bürger schon im Anfange des 13. Jahrhunderts ihre besonderen Geschlechtsnamen hatten.34

2. Noch weniger wird mein Gegner Jemanden für seine Ansicht, die Acta seien nach 1300 entstanden, gewinnen, wenn er Namen der Heiligen, deren Reliquien in Muri verehrt wurden (Bl. 15 b), zu dem Ende anführt. Ich gebe zu, dass die katholische Kirche nur einen Adolf unter die Heiligen zählt, nämlich den 1222 verstorbenen Bischof von Osnabrück. Von dem in den Acta genannten Adolf ist aber nicht gesagt, ob er „sanctus“ oder „beatus“ sei. Daher können ebenso gut die Reliquien des sel. Adolf (Adulf), Bischof's von Mastrich,35 gestorben um das Jahr 650, oder die des sel. Adolf, Erzbischofs von York, gestorben 1002,36 gemeint sein, und zwar um so mehr, weil beide Benediktiner waren. Möglicher Weise konnten es auch Reliquien St. Adolfs sein, den man seit 846 zu Neuwiler im Elsass verehrte, wo die Namen Adolf und Adelf gleichmässig gebraucht wurden.37 – Die Kaiserin Adelheld, gestorben am 16. Dez. 999, wurde nie förmlich heilig gesprochen; daher steht auch ihr Name nicht im römischen Martyrologium. Ihre Verehrung und demnach die Verehrung ihrer Reliquien (I-XXII) ist jedoch seit ältesten Zeiten geduldet (Du Chesne). Sollten noch andere Namen der Heiligen, die der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts angehören, gefunden werden, so wären diese einfach vom zweiten Anonymus der ersten Aufzeichnung beigefügt worden.38

3. Allein den Schwerpunkt der Beweise scheint mein Gegner für seine Ansicht auf die in den Acten angegebenen Besitzungen zu legen. Zuerst spricht er vom Besitze im Grafenort, der in den Acten gar nie erscheine, und doch im Jahre 1210 mit Engelberg gegen Rechte in Gersau vertauscht worden sei.39 Mein Gegner sollte aber wissen, dass der eigentliche grosse Besitz von Grafenort damals dem Habsburger Grafen Rudolf II. und nicht dem Kloster Muri gehörte, und dass genannter Graf diesen Besitz mit Engelberg (den es heute noch inne hat) für Güter in Sarnen eintauschte. Muri besass in dem weiten Complexe des Grafenortes nur ein Höflein (praedium), und dafür wurde es in Gersau entschädigt. Doch gesetzt, Grafenort wäre ein Besitz Muri's gewesen, so müsste derselbe keineswegs in den Acten stehen, weil der Tausch vor 1280 geschah. – Die Mittheilung: „Aristouw etiam et Gerüt huc ex toto pertinet“, ist wohl vom ersten Anonymus. Dieser Mittheilung sind jedoch zur Begründung des ursprünglichen, zur Zeit des ersten oder zweiten Anonymus aber schon gestörten Rechtes die bedeutungsvollen Sätze beigefügt: „Quia nunquam auditum est, ab alia fundatione esse separata“ , nämlich von den innerhalb der angegebenen Grenzen der Stiftungsgüter von der Gräfin Ita (Bl. 21 a); „sed cum plus (für palus), fügt der Anonymus bei, esset silvosa, jusserunt comites de Habspurg venatores suos silvam extirpare domosque ibi edificare“ (Bl. 27 b). Somit ist genau angegeben, wie im 11. und 12. Jahrhunderte habsburgische Dienstleute in Aristau und Gerüt zu Besitzungen kamen, und so erklären sich auch die Streitigkeiten, welche Muri mit dortigen Besitzern in den Jahren 1285-1359 zu führen hatte und grösstentheils gewann.40 Allein dessenungeachtet war Muri im 14. Jahrhundert (I-XXIII) keineswegs im Besitz von ganz Aristau. Man denke z. B. nur an die Besitzungen der Frau Katharina, Tochter Arnold's von Baar, welche im Jahre 1351 daselbst Güter um 900 GI. an Ritter Hermann von Heidegg verkauft.41 Hätte der Verfasser der Acta nach 1300 gelebt, er würde nicht „Aristauw ... huc ex toto pertinet“ haben schreiben können.

4. Den stärksten Beweis glaubt mein Gegner für seine Behauptung in dem Satze zu finden: „Plus (für palus) autem, cui nomen est Lutingen, empta est ex magna parte cum x talentis a quodam milite, qui vocabatur Mangolt de Eschibach“ (Bl. 27 b). Dieser Mangold von Eschenbach, Ritter, soll nach der Ansicht meines Gegners der 1294-1338 lebende und urkundlich oft erscheinende Mangold von Eschenbach sein. – Allein man beachte: dieser Eschenbacher heisst nie Ritter (miles), sondern nur „domicellus“ (Junker); dann sind während des Streites, den Muri mit den Baarern wegen der Güter in Lutingen bei Birri (Pfarrei Muri) in den Jahren 1285-1308 führte, die Eschenbacher nie als nachbarliche Grundherren daselbst genannt; endlich besass Muri 1285 schon die Hälfte der Güter in Lutingen42 und es konnte Junker Mangold von Eschenbach in diesem kleinen Complexe nach Abzug dessen, was den Baarern gehörte, gewiss nicht Güter im Werthe von X Talenten besitzen und darüberhin das Kloster noch gleichzeitig mit andern Gütern daselbst beschenken. Daraus folgt, dieser Ritter müsse ein älterer, urkundlich nicht vorkommender sein. Eine Stelle der Acta Murensia, welche sagt, ein Albrecht von Eschenbach (ebenfalls in keiner Urkunde genannt) sei in Muri als Mönch eingetreten und habe 20 Talente als Aussteuer bei seiner Profess ins Kloster gebracht (Bl. 34 a), scheint den eben aufgestellten Schlussatz zu bestätigen. Freilich behauptet mein Gegner dem gegenüber, die Genealogie des Hauses Eschenbach sei vom 12. bis 14. Jahrhundert „vollkommen“ aufgehellt, und citirt dafür J. E. Kopp, H. Escher und A. Allein Kopp, der gründlichste Kenner dieses Geschlechtes unter den angeführten Autoritäten, lässt den ersten Eschenbacher, Herrn (I-XXIV) Walther, urkundlich im Jahre 1153 auftauchen.43 Doch dieser ist damals schon im Besitze vieler Güter, zweier Burgen (Schnabelburg und Eschenbach), erscheint dann öfters an der Seite von Grafen und Freiherren, an den Tagen Kaiser Friedrich's I. und stiftet mit seinen Brüdern Konrad (Abt zu Murbach) und Ulrich (Propst zu Luzern) wie auch mit seiner Gemahlin und den Kindern das Cistercienser Kloster Kappel am Albis. Das lässt mit Grund vermuthen, dass diese Edlen lange vor 1153 in Eschenbach gehaust und ihren Reichthum gesammelt hatten, und die Vermuthung, Ritter Mangold und der Mönch Albert haben vor 1153 gelebt und ihre Vergabungen und Verkäufe an Muri gemacht, gewinnt dadurch neuen Halt. Noch mehr werde ich in dieser Ansicht bestärkt, wenn ich bedenke, dass Mangold von Eschenbach, der bis 1338 erscheint, stark verschuldet war und nicht wohl Vergabungen machen konnte. Am meisten aber werde ich darin bestärkt, wenn ich die Beweisführung meines Gegners, warum der Anonymus den verschuldeten Mangold „Ritter“ titulirte, ansehe. Er sagt nämlich: erstens habe der Anonymus die „Standesverhältnisse (principes, comites, nobiles, milites, liberi, servi) gar nicht beachtet“. Diesen Satz will er durch Nachfolgendes begründen: a. rechnet der Anonymus die Grafen von Tierstein und Nellenburg zu den principes (Bl. 8 a). So ist es. Georg Waitz44 bemerkt aber, dass dieser Standestitel im 11. bis 13. Jahrhundert kein scharf abgegrenzter gewesen sei, was auch mein Gegner in einem folgenden Satz zugesteht, indem er schreibt, dass in längst verschwundener Zeit „die comites zu den principes gerechnet wurden“. Und wirklich nennt die Urkunde vom Jahre 1210 Rudolf II. von Habsburg „princeps“.45 Dieser erste Beweis meines Gegners ist also für seine aufgestellte Behauptung kraftlos; – b. sollte Chuono nobilis de Ruodan (Bl. 32 a) beweisen, dass der Anonymus die Standesverhältnisse nicht genau beachte. Der Gegner citirt Herrgott (? Genealog.) I. Seite 131. Da kann ich aber keinen „Chuono de Ruodan“ finden. Kopp46 (I-XXV) findet die ersten Glieder aus diesem Geschlechte und zwar als Ritter im Jahre 1237; – c. wird vom Gegner angeführt „Ymzo nobilis de Ufhusen“ (Bl. 32 a). Dieser erscheint wie Chuono von Ruodan urkundlich nirgends. Mein Gegner verweist mich bezüglich des Ymzo auf Kopp47 und sagt in seiner Anmerkung 96: „die Burg und Herrschaft Ufhusen gehörte den Freiherren von Affoltern auf Waldsberg; die Edelknechte von Ufhusen kommen noch im 14. Jahrhundert vor“. – Allein am besagten Orte ist keine Rede, dass die Freiherren von Affoltern die Burg und Herrschaft Ufhusen auch besessen hätten, sondern Kopp sagt nur, dass „Herr“ Werner, der letzte seines Stammes (Affoltern), drei Schupossen zu Ufhusen um 20 Pfd. Berner Pfen. an Abt und Konvent von St., Urban 1278 verkauft habe. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts war Ufhusen (nach Segesser, Rechtsgeschichte I., 651) im Besitze der Herren von Büttikon, in deren Händen es noch lange verblieb. Was von dieser Angabe meines Gegners zu halten sei, überlasse ich meinen Lesern. Indessen erscheint als Zeuge im Jahre 1181 ein Werner von Uffhusen48 und 1246 ist die Rede von einer schon verstorbenen „domina de Ufhusen“.49 Das gibt zu erkennen, dass die Herren von Ufhusen im 12. bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts blühten;50d. doch am schlimmsten steht es mit dem „nobilis vir de Küssnach“ (Bl. 10 a), den mein Gegner besonders betont. Dieser vir de Küssnach heisst Eghard, – der Gegner hat den Namen verschwiegen; er wohnte am Zürichersee, – der Gegner verschweigt auch das und citirt dafür Kopp (Geschichte der eidgen. Bünde II. 1, 131 ff.) und Geschichtsfreund (Bd. XV., S. 146), die an den angeführten Stellen von den im 13. und 14. Jahrhundert zu Küssnach am Vierwaldstättersee wohnenden Rittern sprechen. Der Text des Anonymus aber lautet also: „Cumque hoc firmasset ... in manus cuiusdam nobilis viri nomine Eghardti de Chüsnach, castello quodam, quod est iuxta Turricinum (I-XXVI) lacum“. Aus der Erzählung des Anonymus geht zugleich klar hervor, dass dieser vir nobilis am Ende des 11. Jahrhunderts lebte. Dies bestätigt sogar eine Urkunde von Allerheiligen vom 2. Juni 1087, in welcher er als Zeuge – „Eggehardus de Kussenach“51 auftritt. Dem Gesagten füge ich keine Glossen bei. Uebrigens mögen die Leser wissen, dass der Titel „nobilis“ auch Rittern im 12. und 13. Jahrhundert gegeben wurde. Denn es sagt J. E. Kopp bei Gelegenheit, da Graf Hartmann (der jüngere) von Kiburg dem Landcomthur Dietrich um das Jahr 1256 die Erlaubniss verlieh, auch solche in den Deutschorden aufzunehmen, welche den Ritterschmuck nicht haben, aber doch aus ritterlichem Geschlechte rechtmässig abstammen (quam alios homines nomen et characterem nobilitatis – habentes):52 „In diesem Sinne nennen sich zuweilen die Ritter und Ritterssöhne nobiles“. Und Waitz53 schreibt: Das Wort „adelich“ (nobilis) bezeichnet vorzüglich im 11. Jahrhundert den, welcher auf eigenem Grunde und Boden sass“. Mein Gegner weiss also mit den in den Acta vorkommenden nobiles nichts anzufangen, weil in diesen Gegenden wegen Mangel an Urkunden Ritter aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, die damals Vergabungen nach Muri machten, selten in Documenten erscheinen. Sie sind daher nebst Eggehard am Zürichersee ein neuer Beweis, dass der erste Anonymus in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts lebte, und der Ritter Mangold von Eschenbach aus dieser Zeit stammt.

Mitten in die mühevoll herbeigeführten Beweise, dieser Mangold von Eschenbach gehöre dem 14. Jahrhundert an, bringt mein Gegner als solchen auch die Bezeichnung des Kaufpreises für die Güter in Lutingen „cum x talentis“ und behauptet, dass „bei uns nur in Mark, Viertelsmark und Schillingen“ bis zu Anfang des 14. Jahrhunderts gerechnet wurde. Allein mein Gegner weiss vielleicht besser als ich, dass man schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts zugleich mit Talenten in Süddeutschland rechnete. Meine Leser wollen die Güterbeschreibung (I-XXVII) des Klosters Allerheiligen vom Jahre 1150 nachlesen.54

Endlich sollte ich auch den zweiten Beweis meines Gegners, warum der Anonymus den bis 1338 lebenden Mangold von Eschenbach möchte „Ritter“ (miles) genannt haben, näher ins Auge fassen. Allein der ist kaum ein Wahrscheinlichkeitsbeweis, wie es selbst mein Gegner fühlt; denn er schreibt: man dürfe annehmen, Mangold habe nach 1318 den Ritterschlag erhalten, weil er 1321 etc. nicht mehr Junker heisst. Werthlos möchte dann auch der Satz meines Gegners sein: „Die concives (Bl. 37 b) gehören ohne Zweifel zur Bürgerschaft zu Meyenberg“; denn der Anonymus sagt nicht deutlich, ob der Kauf der Güter in Horben vor oder nach 1255, wo Meyenberg noch castrum heisst, abgeschlossen wurde. Zugleich bemerkt Du Cange, das Wort „castrum“ habe auch die Bedeutung von „oppidum“.

5. Ich komme nun zum fünften Beweis meines Gegners, die Unkenntniss der älteren Geschichte, der für die Entstehung der Acta Murensia nach 1300 sprechen soll. Die Fehler und Mängel, welche in diesem vorkommen, habe ich oben S. XI ff. einlässlich behandelt; daher sehe ich ab von einer weitern diesbezüglichen Erörterung.

Den 6. und 7. Beweis für die späte Entstehung der Acta – die Abneigung des Anonymus der Acta gegen das Stifterhaus und der Zweck bei deren Abfassung, halte ich kaum der Erwähnung werth. Der Zweck der zwei Mönche von Muri bei der Abfassung der Acta war: den Mitgliedern des Klosters zu zeigen, wie und durch wen das Gotteshaus gestiftet, wie es päpstlich und kaiserlich geschirmt wurde und welche Freiheiten und Besitzungen es erlangt hatte. Diese Tendenz konnte ein Schreibender vom 12. wie vom 13. und 14. Jahrhundert haben. Wie sollte also dieser Umstand eine Beweiskraft für die späte Abfassung der Acta haben?

Besser sollte dieselbe durch die Abneigung, ja, den glühenden Hass des Schreibers gegen die Stifterfamilie begründet werden, weil ein solcher Hass gegen die Habsburger erst nach (I-XXVIII) 1300 möglich war. Mit grösstem Fleisse suchte mein Gegner alle Stellen aus den Acta zusammen,55 welche diesen Hass Muri's nicht bloss gegen die Stifterfamilie, sondern „gegen alle Reichen“ darthun sollten. Und fürwahr, aus der Darstellung meines Gegners möchte man fast meinen, der Anonymus von Muri wäre der ärgste Socialdemokrat gewesen, und sei, weil er so unartig schrieb, nach der Ansicht meines Gegners aus einer Bauernfamilie entsprungen. Doch wer zu viel beweist, beweist nichts. So behauptet mein Gegner, das Kloster Muri ist seit der Mitte des 13. Jahrhunderts von der Stifterfamilie, namentlich beim Brande vom Jahre 1300, kaum eines Blickes gewürdigt worden. Zum Beweis dieses Satzes stellt er unbegründete Vermuthungen auf. So schreibt er: a. Burkard von Frick habe bei der Aufnahme des österreichischen Urbars den Herzögen einige Rechte vindicirt. Welche, sagt mein Gegner nicht; b. das Stifterhaus habe nach 1240 nicht mehr in seinem ältesten Hausstifte seine Grabstätte gewählt. Der Muri-Hauschronist, P. Anselm Weissenbach, sagt aber: Heilwig, Gräfin von Kiburg, die Mutter König Rudolfs I., gestorben am 30. April,56 wurde im Jahre 1260 in Muri begraben.57 Also Habsburg wählte auch nach 1240 die Grabstätte in Muri; c. sagt er: von der Zeit, da Graf Rudolf IV. (später König) mit dem gebannten Kaiser Friedrich II. hielt (ca. 1241) sei nie mehr ein intimes Verhältniss zwischen dem Kloster und dem Stifterhause eingetreten.

(I-XXIX) Als Beweis bringt er, dass weder König Rudolf I. noch König Albrecht I. noch König Friedlich (III.) dem Kloster Muri, ungeachtet es wegen des Brandes vom Jahre 1300 „in grösster Noth“ war, irgend eine Hilfe leisteten. Es ist wahr, dass sich von 1240-1399 keine wichtige vom Hause Habsburg gemachte Vergabungen urkundlich nachweisen lassen; es kann aber a. auch nicht urkundlich gezeigt werden, dass in diesen Zeiten zwischen Habsburg und Muri ein so andauernder, glühender Hass, wie mein Gegner dem Leser glauben machen möchte, bestanden habe; b. ist es nicht sicher, dass Muri 1300 wirklich in grosser Noth sich befand, wenn es schon wegen allfälligen Mangels an Wohnungen einen Mitbruder, Ulrich Businger, damals nach Zwiefalten geschickt haben soll. Dieser Ulrich möchte aber eher beim zweiten Brande 1363 nach Zwiefalten gekommen sein; denn erstens erscheint er urkundlich erst am 7. September 1389 und am 16. März 1395; zweitens ist es nicht gewiss, dass 1300 ein Heinrich Abt in Muri gewesen sei; eher regierte damals Rudolf I., während es gewiss ist, dass 1363 ein Heinrich Abt in Muri war; drittens melden Mönche aus Zwiefalten im vorigen Jahrhundert nach Muri, Sulger, der Mittheiler dieser Anwesenheit eines Mönches von Muri in Zwiefalten in Folge eines Brandes, sei in den Angaben der Jahreszahlen unsicher und das Original, welches Sulger citire, sei nicht mehr vorfindlich.58 Drittens bringt mein Gegner wiederholt die Urkunde von 1279 als Beweis für die zwischen Muri und Habsburg bestehende Abneigung. Mir ist das aber unerklärlich. Wohl sagt Kopp,59 dass die beiden Söhne König Rudolf's (Albert und Hartmann, die Siegler der Urkunde) ungewöhnlicher Weise nicht Königssöhne (filii Romanorum regis) genannt sind. Kopp folgert aber nur daraus, weil die drei Abdrücke dieser Urkunde60 „R.61 prepositus Beronensis (Rudolf von Froburg, † am 28. September 1272) haben: dass die Verhandlung (I-XXX) in eine frühere Zeit zurückgreift, d. h. dass die Angelegenheit vor 1272 besprochen, aber erst 1279 verbrieft wurde. Einen Streit mit den Rittern von Baar findet Kopp in dieser Urkunde nicht; denn er hebt für seine Geschichte folgenden Inhalt heraus: „Drei Huben zu Waltoswile im Kirchspiele Boswil, welche der Ritter Arnold von Waltoswile besessen, hierauf Graf Albrecht von Habsburg an Muri und Hermetswile zu zwei und einem Theile vergabt und dann Abt und Konvent dem Ritter von Hohenfels um 24 Mark zu Pfand gesetzt hatten, lösete nachwärts Burghard von Baar, Schultheiss zu Bremgarten, unter der Bedingung, dass er mit Frau und Kindern sie auf Lebenszeit gegen einen Jahreszins zu geniessen habe. Indem nach Burghard's Tod Wittwe und Sohn dessen Verpflichtungen und Rechte übernommen, verkauften sie zugleich an Abt Heinrich zwei Schupossen um 8 Pfd. Pfennige und traten für 10 Pfd. die Mühle zu Waltoswile, ihr Erbe vom Gotteshause, mit allem Rechte an dasselbe ab; nur das Vogteirecht über Huben und Mühle, wofür aus dem Speicher zu Muri ein Mütt Hafer bezahlt wurde, behielt der Sohn sich und seinen Erben vor“. Wo sind hier die Richter, wenn es ein Streit sein sollte? Die Durchlauchten Herren Albert und Hartmann besiegeln einfach das Verhandelte auf Bitte der friedlich sich einigenden Parteien.

Unbillig ist die Zumuthung meines Gegners, dass der König Friedrich († 1330) und sein Bruder Leopold, geschlagen bei Morgarten 1315 († 1326), und die übrigen herzoglichen Brüder des „armen Klosters“ (Muri) nicht gedachten. Denn wie hätten diese sich um Muri annehmen sollen, da sie von den Eidgenossen und von König Ludwig dem Bayer hart bedrängt waren! Im Gegentheil Muri musste sich wegen der andauernden Kriege der Habsburger – der österreichischen Leute, annehmen, indem es wegen Verpflegung und Versorgung (I-XXXI) der Söhne österreichischer Ministerialen in der Umgebung grosse Ausgaben machte; denn es meldet die Inkorporationsbulle der Pfarrei Bünzen vom Papste Johann XXII. (25. April 1325): „Verum propter guerras, quae in illis partibus diutius ingruerunt ac nimiam susceptionen hospitum, quos ex gentibus dilectorum filiorum ducum Austriae et aliorum nobilium, cum in medio terrae dictorum ducum dictum monasterium consistere dignoscatur, iidem abbas et conventus (Murens.) sustinuerunt, eosque oportet continue sustinere“.62 Wenn also Muri die geliebten Söhne der in den Kriegen mit den Eidgenossen unglücklich gewordenen Habsburger Dienstmannen längere Zeit verpflegte und sich dadurch selbst in Armuth stürzte („tantis debitis et paupertatis oneribus est oppressum“ – des Brandes von 1300 geschieht keine Erwähnung);63 wer sollte noch sagen, Muri sei nach 1240 in keinem intimen Verhältnisse mehr mit dem Stifterhause gestanden! Das Gesagte möge genügen. Die nachfolgende Geschichte wird diesen Vorwurf ohnehin widerlegen. Der Impietät hat sich Muri weder gegen die Stifterfamilie noch gegen irgend eine Regierung schuldig gemacht. Begangenes Unrecht hat es nicht bloss im 12. und 13., sondern in allen Jahrhunderten getadelt. Sogar im 19. Jahrhundert, im Jänner 1841, protestirte Adalbert II. feierlich gegen die ungerechte Aufhebung des Klosters, ohne die Loyalität gegen die aargauische Kantonsregierung zu verletzen.

Die sieben Beweise meines Gegners entkräfteten meine Behauptung hinsichtlich der Zeit, wann die zwei Verfasser der Acta Murensia lebten und schrieben, nicht. Daher eile ich mit ihm zu seinen

IV. Schlussätzen.

1. Die unter Propst Reginbold († 1055) geschriebenen Bücher, die zur Zeit des ersten oder zweiten Anonymus abgenutzt (quorum aliqua pars jam vetustate defecerunt) oder geraubt waren, bieten keinen Beweis für die späte Entstehungszeit der Acta, weil sie durch vielen Gebrauch ebenso gut 1140 oder 1280 abgenutzt sein konnten, wie nach 1300. Dasselbe (I-XXXII) gilt von den Gütern. – Der St. Johannes Altar in der Muri-Pfarrkirche, der unter Abt Ulrich um das Jahr 1110 geweiht wurde, war um das Jahr 1140 nicht „Altershalber zusammengestürzt“ (Bl. 19 b ), sondern der erste Anonymus, der als Augen- und Ohrenzeuge schreibt, sagt einfach: „Sed quia altare male compositum (schlecht gebaut) fuit, sub abbate Roezelino effregimus ipsum altare et, sicut modo est, collocavimus“, zugleich bemerkt er, dass die Reliquien wegen Feuchtigkeit vermodert waren (ex humore terre conputruerunt). Ein schlecht gebauter Altar muss oft schon innerhalb 10 oder 20 Jahre abgebrochen werden.64 – Anderes übergehe ich.

2. In der zweiten Abtheilung des Schlusses hat mein Gegner an der Spitze folgenden Satz: „Wären die Acta Murensia in früherer Zeit entstanden, so müssten sie genaue Nachrichten über die Kämpfe zwischen der päpstlichen und kaiserlichen Partei enthalten, welche in der Zeit Kaiser Heinrich's IV. in Alemanien wütheten. Der Autor der Acta Murensia hatte hiervon auch nicht die leiseste Ahnung“.

Ich finde es sehr unbillig, einen Hauschronisten, der nur die Angelegenheiten seines Klosters den Mitbrüdern überliefert, zumuthen zu wollen, dass er von politischen Kämpfen und Parteiungen schreibe. Mit besserem Rechte könnte ich meinem Gegner gegenüber sagen: Wären die Acta Murensia nach 1300 entstanden, so müssten sie genaue Nachrichten über die Kämpfe zwischen dem Habsburger-, Nassauer-, Luxenburger- und Wittelsbacher Hause, wie auch zwischen den Habsburgern und Eidgenossen (Schlacht bei Morgarten 1315) enthalten. Der Autor der Acta lässt aber nicht einmal erkennen, dass er diese Ereignisse vernommen hätte.

Der Anwesenheit des Abtes Wilhelm von Hirschau und des Grafen Burkard von Nellenburg in Muri bei der Regelung der Verhältnisse dieses Stiftes „vor dem Ausbruche des Kampfes zwischen der kaiserlichen und päpstlichen Partei“ 1082, kann ich aus dem Grunde keine politische Bedeutung, die der Anonymus hätte ahnen sollen, beimessen, weil der volle Ausbruch (I-XXXIII) des Kampfes zwischen der kaiserlichen und päpstlichen Partei bereits schon zwei Jahre vorher (1080) geschehen war, indem Heinrich IV. den Guibert, Erzbischof von Ravenna, zum Gegenpapst (Clemens III.) wählen liess, und demselben huldigte, mit dem Versprechen, ihn nach Rom zu führen, wie er auch wirklich nach Besiegung des Gegenkönigs (15. Oktober 1080) schon am 21. Mai 1081 vor Rom erschien.65 Endlich wie sollte die Herbeiziehung der Gründung einer Confraternität (eines Gebetsvereines für die verstorbenen Mitglieder) zwischen Abt Wilhelm von Hirschau, Abt Uto von St. Blasien und Abt Luitfrid von Muri66 beweisen, dass der Anonymus der Acta Murensia nicht im Entferntesten den wichtigen Moment vor dem Ausbruche des Kampfes zwischen der kaiserlichen und päpstlichen Partei erblickte, da diese Confraternität zufolge Nachweis Dr. Baumann's erst um das Jahr 1090, jedenfalls nach der Erwählung Luitfrid's zum Abte von Muri (1085) und nach dem Tode des Papstes Gregor VII. ins Leben gerufen wurde. Daher tadelt mein Gegner den Autor der Acta mit Unrecht, dass ihm der Kampf der Habsburger mit den Lenzburgern im Jahre 1082 (eher 1085) „sichtlich nur eine Privatfehde, statt ein Glied im grossen Kampfe, der damals die Welt bewegte“, zu sein schien.

Uebrigens mögen die Leser die Gründe meines Gegners für seine Behauptung und die Beweise für meine Ansicht über die Entstehungszeit der Acta Murensia ruhig erwägen und darnach ihr Urtheil bilden. Ich gehe jetzt zur Beweisführung eines andern Satzes über:

B. Der in den Acta Murensia angegebene Guntram der Reiche ist höchst wahrscheinlich der Stammvater des Hauses Habsburg und möchte im Elsass oder Breisgau gehaust haben.

In diesem Satze liegt eine doppelte Annahme: (I-XXXIV)

I. Guntram der Reiche ist höchst wahrscheinlich der Stammvater des habsburgischen Hauses.

Dies erhellt zunächst aus dem, was der Anonymus der Acta Murensia hierüber sagt. Er theilt in wenigen Worten (Bl. 1 b) mit: der Sohn Guntram's des Reichen (divitis) sei Kanzelin, Graf von Altenburg, gewesen, und Kanzelin habe wieder einen Sohn Radeboto, den er später Graf nennt, gehabt (Bl. 2 b und 3 b u. s. w.).

Da die Glaubwürdigkeit des Anonymus trotz einiger Lücken und Mängel nicht erschüttert ist, ja, durch die von Oswald Redlich im Statthaltereiarchiv zu Innsbruck aufgefundene Urkunde vom 1. März 1064 noch mehr an Ansehen und Zuverlässigkeit gewonnen hat,67 halte ich diese Mittheilung des Anonymus so lange für wahr und richtig, bis bessere Quellen selbe als falsch darzustellen vermögen, die aber der Verfasser zu den „Anfängen des Hauses Habsburg“ zu erbringen noch nicht im Stande war.

Die Aussagen des Anonymus über die Anfänge des habsburgischen Hauses werden dagegen bekräftigt durch die treffliche Arbeit des Archivrathes Alois Schulte, „Studien zur ältesten und älteren Geschichte der Habsburger und ihrer Besitzungen“.68 Ueberzeugend hat dieser an der Hand oben erwähnter Urkunde vom 1. März 1064 folgende Sätze dargethan: Rudolf der Gründer des Klosters Ottmarsheim, ist ein Bruder Radbot's und gehört zur Habsburger Familie;69 die drei Brüder, Bischof Werner, Radbot und Rudolf, stehen unzweifelhaft an der Schwelle der habsburgischen Geschichte. Ist dem also, und werden die Mittheilungen der Acta Murensia durch die auf Grund der Urkunde vom 1. März 1064 gewonnenen Resultate des Alois Schulte in diesen Theilen bestätigt, so gewinnt auch die Angabe des Anonymus, Guntram der Reiche stehe an der Spitze des habsburgischen (I-XXXV) Hauses, neuen Halt. Dies anerkennt auch Oswald Redlich in seiner Recension der Studien des Alois Schulte,70 indem er schreibt: „Dieser neu gewonnenen Grundlage zufolge wird es denn auch möglich sein, die Genealogie der Habsburger mit mehr Berechtigung als bisher nach rückwärts zu verfolgen und über mehr oder weniger haltlose Hypothesen hinaus zu gesicherten Ergebnissen zu gelangen“. – Aus dem Angezogenen ergibt sich, dass Guntram der Reiche höchst wahrscheinlich der Stammvater des habsburgischen Hauses sei.

Gestützt auf die Resultate dieser beiden Forscher, so wie auf eigene Forschung über die Stammesbesitzungen der Habsburger und über das Herzogsgeschlecht der Ediconen tritt im neuen „Jahrbuch für Schweizer Geschichte“ Oberlehrer E. Krüger in Zürich mit einer Studie: „Zur Herkunft der Habsburger“, in die Oeffentlichkeit, welche die Frage, so weit dies überhaupt möglich ist, im Sinne der Ediconen-Abstammung der Habsburger lösen will. Der eben genannte Historiker weist auf die Thatsache hin, dass Guntram der Reiche, der von der Chronik von Muri genannte Stammvater der Habsburger, genau um dieselbe Zeit gelebt haben muss, wie der 952 wegen Hochverraths verurtheilte Egisheimer Guntram, und behauptet als äusserst wahrscheinlich, dass beide Guntram eine und dieselbe Person sind.

Ich wende mich zum zweiten Theile meines aufgestellten Satzes:

  1. Dieser Guntram möchte im Elsass oder Breisgau gehaust haben.

Die Beweise hiefür nehme ich wieder zumeist aus Schulte's „Habsburger Studien“. Derselbe zeigt auf Grund der an das Kloster Ottmarsheim von Rudolf vergabten Güter, dass in der Mitte des 11. Jahrhunderts (vgl. Urk. vom 1. März 1064) die habsburgische Familie zwar Theile ihres Besitzthums in der Schweiz und einzelne in Schwaben gehabt habe, dass aber der wichtigste Theil ihrer Besitzungen im Ober- und Unterelsass und im Breisgau gelegen war (Separatabdr., S. 6-15). Das (I-XXXVI) Kloster Muri erhält die Hauptbesitzungen in seiner Umgebung, doch auch solche im südlichen Breisgau und im Oberelsass. Rudolf gründet sein Kloster im Winkel zwischen Ill und Rhein und begabt es dort und in den beiden andern Gauen, und gleichwohl sind – wenigstens im Elsass – die Habsburger auch später gerade an diesen Orten noch begütert. Ein späterer Habsburger (Otto II.) wird bei Ottmarsheim auf seinem Schlosse Budenheim ermordet71 und ein anderer beschliesst nicht weit davon seine Tage72. Das Alles beweist, dass die Habsburger mit dieser Gegend auf das engste verwachsen waren und zwar, bevor sie die Grafschaft daselbst erhielten.

Dann beachte man, dass sie ihre Macht im Elsass nicht durch die Uebertragung der Grafschaft bekamen, sondern die Grafschaft wurde ihnen übertragen, weil sie ein mächtiges Geschlecht dieser Gegend waren. Darum heisst Rudolf, der Sohn des Grafen Lanzelin von Altenburg, obwohl nicht Graf, „vir illustris“73, zumal, wie Schulte richtig bemerkt (H. Studien, Separatabdr., S. 17), die in dieser Beziehung liegende Standesqualification nicht durch die Bekleidung oder Nichtbekleidung eines Grafenamtes bedingt ist. Demnach, schliesst derselbe Schulte, „kann man vielleicht mit dem gleichen Rechte, wie man die Wiege des Hauses Habsburg im „Eigen“ an der Reuss und Aare sucht, sie in das Gebiet zu beiden Seiten des Rheins von Basel bis unterhalb Breisach ... verlegen. Vielleicht ist dort in der Dorfkirche von Ottmarsheim noch heute die Kapelle der Pfalz erhalten, in welcher die Habsburger des 11. Jahrhunderts wohnten“.

Schulte sucht die zuletzt ausgesprochene Ansicht aus der Construktion der heutigen Pfarr- ehemals Klosterkirche zu beweisen (H. Studien, Separatabdr., S. 5). Er sagt nämlich: „dass es sich hier um eine Nachbildung der Achener Pfalzkapelle handelt, anerkannte sofort Schnaase, ganz so, wie dasselbe (I-XXXVII) Vorbild auch auf andern Pfalzhöfen der Karolinger nachgeahmt wurde“. Vergleicht man aber die Anlage der Klosterfrauenkirchen, Chöre u. s. w. mit dieser Anlage, so sei es klar, bemerkt er weiter, dass kaum eine andere Construktion erdacht werden konnte, welche weniger dem Zwecke entspräche, die Nonnen den Blicken der übrigen Menge zu entziehen. „Wie das Münster zu Aachen alle seine andern Nachahmungen und die späteren doppelschossigen Burgkapellen eben Kapellen zur Hausandacht, Pfalzkapellen waren, so ist es auch wohl bei Ottmarsheim der Fall. Es ist somit höchst wahrscheinlich uns eine alte habsburgische Pfalzkapelle in der Kirche von Ottmarsheim erhalten, und ihre für die damalige Zeit prächtige Bauart beweist am sichersten den Reichthum des Hauses. Es ist das einzige Beispiel, dass von Seiten eines Edlen der Pfalzkapellenstil des Kaiserhofes nachgeahmt wurde“.

Dem Gesagten pflichtet auch Oswald Redlich bei und schreibt (Zeitschrift für österr. Gymnasien, l. c.): „Mit diesen Anzeichen für ein angesehenes Geschlecht stimmt der reiche Grundbesitz, mit welchem Ottmarsheim dotiert wurde. Und Schritt für Schritt lässt sich nun verfolgen, wie auch die andere habsburgische Gründung, Muri, an eben denselben Punkten, wie Ottmarsheim, Besitzungen inne hatte, die von den Habsburgern herrührten. Die Güter der beiden Klöster bilden zusammen gerade im Breisgau und im gegenüber liegenden Theile des Elsasses einen beinahe geschlossenen Bezirk – kein Zweifel, dass damit ein altes Machtgebiet der Habsburger nachgewiesen ist“.

Wenn nun der Anonymus der Acta Mur. Guntram, den Stammvater der Habsburger, den Reichen, und dessen Sohn, Lanzelin, einen Grafen nennt, so steht das mit dem Gesagten der zwei oben angeführten Gewährsmänner vollkommen im Einklange; nur ist nicht bestimmt ausgedrückt, welche Grafschaft dieser Lanzelin inne hatte, höchst wahrscheinlich die von Klettgau, wo eine Altenburg, dem Kloster Rheinau gegenüber, auf einer vom Rheine umflossenen Halbinsel stand.

Dies veranlasst mich, zu einem weitem Satze überzugehen: (I-XXXVIII)

C. Radeboto, der Habsburger, war Graf und höchst wahrscheinlich im Klettgau.

I. Den schwächsten Beweis, den ich in meiner „Entgegnung“74 für die Behauptung, der Habsburger Radeboto sei Graf gewesen, anzog, lasse ich fallen, weil kein hinreichender Grund vorhanden ist, annehmen zu dürfen, dass dieser Radeboto mit jenem Grafen Radbot, der im alten Nekrologium, das aus Niedermünster stammt und in Muri aufbewahrt wurde,75 erscheint, identisch sei. Da aber die übrigen Beweise aufrecht bleiben: dass Radebot im Hermetschwiler Nekrologium am 30. Juni als „comes“ eingezeichnet ist, in den Acta Mur. in der zweiten Hälfte seines Lebens immer „Graf“ heisst (Bl, 2 b, 4 au. s. w.) und dass seine Tochter Richenza einen Grafen von Lenzburg heirathen konnte,76 so bleibt meine Behauptung, der Habsburger Radeboto sei Graf gewesen, aufrecht.

II. Den eben genannten Gründen fügte ich noch einen andern bei: dieser Radeboto möchte derselbe sein, der am 29. Oktober 1023 in einer Urkunde des Klosters Rheinau als Graf von Klettgau erscheint.77 Wenn mir auch für die Identität des Habsburger Radeboto mit dem Grafen Radbot im Klettgau keine zwingende Beweise zu Gebote stehen, so glaube ich doch, dass sie stärker sind, als die, welche der Verfasser „Zur Frage“ dagegen vorzubringen vermag. Der positive Beweis, welchen dieser anziehen will, ist falsch und ganz irrig. Wer immer das Actenstück vom Jahre 1027,78 worin Bischof Werner von Strassburg seine Bestimmungen für das neu gestiftete Kloster Muri trifft, durchliest, wird darin keinen Radeboto finden, sondern Lanzelin, den leiblichen Bruder des eben genannten Bischofs, der wirklich damals noch nicht Graf, sondern nur „militie cingulo preditus“ war. – Indessen wichtiger ist der andere Beweis, mit welchem mein Gegner diesen sehr (I-XXXIX) missglückten zu stützen glaubte, dass nämlich am 10. Juli 1045 und später,79 so viel bekannt, kein Habsburger die Grafschaft Klettgau inne hatte. Das ist aber nur ein Wahrscheinlichkeitsbeweis, dass die Habsburger auch früher diese Grafschaft nicht inne gehabt haben möchten. Wohl war es damals Regel, dass die Grafschaften von dem Vater auf den Sohn übergingen und dauernd in den Händen bestimmter Familien blieben.80 Ja, diese Regel erscheint sogar als ein Recht, welches der König nur anzuerkennen hatte, namentlich nachdem K. Konrad II. am 28. Mai 1037 im Feldlager vor Mailand die Constitutio de feudis gegeben hatte.81 Allein die Gelehrten glauben, dass diese Constitutio de feudis sich nicht auf die Grafschaften beziehe, und selbst der eben angerufene Waitz sagt, dass auch später Absetzungen vorkommen (ohne Angabe des Grundes); „aber es sei mehr eine Frage der Macht als eine blosse Anwendung des Rechtes, warum es sich in solchen Fällen handelt“. Doch nebst der Macht kann es ja Gründe der Güte für die Versetzung gräflicher Familien von einer Grafschaft in die andere geben. Und gerade das mag das Hauptmotiv gewesen sein, warum Radeboto's Nachkommen aus dem Klettgau verschwinden und in dem Elsass, wo sie die wichtigsten Besitzungen hatten, als Grafen auftauchen. Dass K. Heinrich II. und K. Konrad II. dem Hause Radeboto's gewogen waren, beweist das Zutrauen, das beide Kaiser dessen Bruder, dem Bischof Werner von Strassburg (vgl. Wipo), schenkten. Noch verständlicher würde uns diese Versetzung werden, dürften wir ganz sicher den Guntramnus comes als identisch mit dem Guntramnus dives der Acta Murensia denken; denn so wäre diese Versetzung nur eine Wiedererstattung des dem Grafen Guntram abgenommenen Grafenlehens an seine Nachkommen. Die Habsburger konnten somit vor 1045 die Grafschaft Klettgau besessen und dafür eine andere erhalten haben.

Während also mein Gegner die Identität des in den Acta Murensia genannten Grafen Radeboto mit jenem in der Urk. (I-XL) vom 29. Oktober 1023 vorkommenden Grafen nicht zu entkräften vermag, glaube ich selbe, wenn nicht durch evidente, doch durch gute Beweise stützen zu können.

Hier handelt es sich um einen Grafen im südwestlichen Alamannien. Einfache Grafen wurden damals in Deutschland wohl höchst selten von einem Herzogthum auf eine weit entlegene Grafschaft eines andern Herzogthums entsendet. Daher dürfen wir nicht denken, dass etwa Graf Radbot, der bei Regensburg,82 oder jener Graf Radbot, der bei Klausen in Tirol ca. 100583 Vergabungen machten, im Jahre 1023 die Grafschaft Klettgau hätten inne haben können, sondern wir müssen einen solchen Radbot in einer angesehenen Familie Alamanniens suchen, und den bietet uns das wohl begüterte, vom Klettgau nicht ferne gelegene Haus Habsburg, aus welchem ein Glied bereits den bischöflichen Stuhl in Strassburg erlangt hatte. Dieser Beweis erhält noch mehr Kraft, wenn wir bedenken, dass bis dahin kein anderer Graf Radbot, als dieser Habsburger im Anfange des 11. Jahrhunderts in Alamannien aufgetaucht ist.

Kein geringer Beweis, Radeboto von Habsburg sei Graf in Klettgau gewesen, ist auch der, dass sein Vater Lanzelin diese Grafschaft inne gehabt hatte. Der Anonymus der Acta Murensia nennt Lanzelin einfach „comitem de Altenburg“ (Bl. 1 b). Altenburg war aber ein Gerichtsplatz im Klettgau; denn es bringt Rusten Heer84 aus dem Werke des P. Muos (S. 22) eine Urkunde vom Jahre 892, welche folgenden Schluss hat: „Actum in pago Clegowe in villa Altenburg coram Gozberto comite anno V. regis Arnulfi“. Schon urkundlich finden wir sichere Beweise, dass sich Grafen anfangs des 11. Jahrhunderts, nach ihren Burgen, wo sie hausten, nannten,85 den Chronikschreibern war dies, die Grafen damals nach ihren Burgen zu nennen, noch mehr geläufig. Daraus erhellt, Altenburg bezeichnet die Grafschaft Klettgau, Lanzelin hatte sie inne und sein (I-XLI) Sohn Radeboto ist ihm zufolge der bestehenden Regel der Erblichkeit der Grafschaft86 in derselben nachgefolgt. – Dass die Habsburger auch wirklich Connexionen mit der Grafschaft Klettgau hatten, erkennen wir daraus, dass der Bruder Radeboto's, Rudolf, das Kloster Ottmarsheim mit Gütern im Klettgau (Dorfe Hallau) beschenkte, wodurch wir den Beweis erhalten, wie Alois Schulte ganz richtig87 bemerkt, dass die Habsburger auch hier Besitzungen hatten. „Somit ist es nicht unwahrscheinlich, dass der comes Radeboto, der 1023 als Graf im Klettgau vorkommt, mit dem der Acta Mur. identisch ist“. – Dann fährt er weiter: „In der Kaiserurkunde (von 1023) heisst er nach seiner Grafschaft, in dem jüngern Berichte des Historikers (sein Vater) nach der Gerichtsstätte, wie das ja bei vielen Grafengeschlechtern der Fall ist“.

Einen weitem Beweis, dass die Habsburger schon am Anfange des 11. Jahrhunderts Grafen gewesen, bringt Alois Schulte, Archivrath in Karlsruhe, indem er in seinen „Habsburger Studien“ (III. Abtheil.)88 sagt, es lasse sich mit einiger Wahrscheinlichkeit feststellen, dass der Habsburger Otto I., Sohn des Grafen Radeboto, in den Jahren 1003-1025 im Besitze der Landgrafschaft Oberelsass gewesen sei.

Ich muss den Blick noch auf ein anderes Document werfen, das nicht wenig angestritten wird und für die Muri-Geschichte ebenso wichtig ist, wie die Acta, nämlich auf

D. das Actenstück vom Jahre 1027.

Der Verfasser „Zur Frage über die Anfänge des Hauses Habsburg“ stellt das für Muri von Bischof Werner gegebene und auf das Jahr 1027 angeschriebene Actenstück glattweg als Falsum hin. In meiner „Entgegnung“ behauptete ich,89 dieses Document sei zufolge Schriftcharakters zum Behufe, als Vorlage (I-XLII) für die Erlangung der kaiserlichen Urkunde vom Jahre 1114 zu dienen, am Anfange des 12. Jahrhunderts entstanden, und ich fügte bei: das Actenstück sei eine möglichst genaue Zusammenfassung damaliger Tradition über Muri's Stiftung, den Bestand seiner Rechte und Verhältnisse zum Hause Habsburg. Die Beweise hiefür nahm ich aus dem chronikartigen Eingange und dem mangelhaften Schlussprotokoll, was ein wirklicher Fälscher wohl sicher, die Urkundenform damaliger Zeit besser einhaltend, vermieden hätte. Dann zeigte ich, dass der Inhalt des Actenstückes aus einer von Bischof Werner 1027 vor seiner Abreise nach Constantinopel, wo er 1028 starb, für Muri hinterlassenen Aufzeichnung genommen worden sei, und bewies endlich, dass der Inhalt nicht dem 11. Jahrhundert widerspreche.

Der Verfasser „Zur Frage“ zieht daraus den Schluss: ich gebe indirekt eine Fälschung zu – und wolle doch nicht an eine Fälschung glauben. – Ich gebe weder direkt noch indirekt eine Fälschung zu und glaube auch nicht an eine Fälschung.90

Oswald Redlich weist nach,91 das Urkundenwesen habe im 11. und 12. Jahrhundert ausserhalb der kaiserlichen Hofkanzlei nicht in allen Ländern dieselben genauen Formen gehabt; aus den Zeiten des Erzbischofes Gebhard von Salzburg (1060-1080) sei eine ganze Reihe besiegelter Authentica vorhanden, die jedoch, wären sie bloss durch ein Traditionsbuch erhalten, gewiss nur als einfache unbeglaubigte Acte angesehen würden. Redlich bespricht dann (S. 861-364) einen besondern Fall einer Urkundenrenovation, wobei Alles – Datirung, Schrift, Siegel, Form etc. auf eine Fälschung hinweisen, und doch gibt er die Versicherung, „dass eine schlimme Absicht bei diesem Vorgehen ... ferne lag und der Inhalt richtig sei.“ Am Schlusse vieler solcher Fälle sagt er: „All das ist aber ein neuer Beweis dafür, mit welcher Naivität man dabei vorging ... Alle diese Dinge bewegen sich auf dem schlüpferigen Zwischengebiete von voller Echtheit bis zu voller Fälschung... Immerhin werden wir uns hüten müssen, um einzelner Widersprüche (I-XLIII) willen gleich das Ganze in das Gebiet der Fälschung zu verweisen.“

Demnach bleibe ich, bis zwingende Gegenbeweise kommen, bei der in der „Entgegnung“ kundgegebenen Ansicht und erwidere auf die neuen Einwürfe meines Gegners Folgendes:

1. Das Siegel kann nicht als eine Fälschung angesehen werden. Oswald Redlich sagt:92 „An einem sehr einfach formulirten Tauschacte zwischen Admunt und Lamprecht um das Jahr 1130 ist das Siegel des Erzbischofes (von Salzburg) gehängt, ohne dass dessen irgend welche Erwähnung geschieht“. – Wohl ist im Actenstücke vom Jahre 1027 von einer „sigilli impressione“ die Rede. Allein dieser Theil des Schlussprotokolls gehört offenbar noch zu den vom Bischof Werner von Strassburg für Muri schriftlich hinterlassenen Bestimmungen, die man wörtlich am Anfange des 12. Jahrhunderts zum Zwecke einer Authentik abschrieb. Um den ursprünglichen Text zu unterscheiden und anzudeuten, wann der Bischof die Bestimmungen für Muri niederschrieb, fügte man die Jahreszahl in Majuskelschrift bei, siegelte das Ganze und liess es mit dem Recognitionszeichen der kaiserlichen Kanzlei bekräftigen. Wer das Siegel beigab, wird, weil das Actenstück darüber schweigt und dasselbe abgefallen ist, wohl nie entschieden werden können. Wahrscheinlich rührt es vom Vogte des Muriklosters, Graf Adalbert II. von Habsburg, her, der hiemit im Jahre 1114 auch bezeugte, dass der Inhalt dieses Documentes der Wahrheit entspreche. Denn es sagt Jul. Ficker:93 „Um den Act zu beglaubigen und somit zur Urkunde zu machen, kann selbst die stillschweigende Zufügung eines Siegels genügen, insoferne man das dahin auffasste, dass die siegelnde Person dadurch das im Texte Berichtete als ein von ihr abgegebenes Zeugniss anerkennt“. – Einer „Siegelfälschung“ durch die Konventualen Muri's, zumal das Siegel ganz zerstört ist und darüber kein sicheres Urtheil abgegeben werden kann, muss demnach widersprochen werden.

2. Der Inhalt des auf das Jahr 1027 datirten Actenstückes entspricht dem 11. Jahrhundert. Um die Behauptung: (I-XLIV) der Rechtszustand, dass der Vogt bei freier Wahl so viel wie möglich aus der Stifterfamilie genommen werde, komme erst der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zu, zu widerlegen, zog ich die Schenkungsurkunde für Beromünster vom Jahre 1036 herbei, in der sich ein ähnlicher Rechtszustand, wie in der Urkunde vom Jahre 1027, vorfindet; dann wies ich in meiner „Entgegnung“ (l. c., S. 3) nach, dass gerade wegen dieses Hausgesetzes zwischen Lenzburg und Habsburg eine Privatfehde entstanden sei, und dass selbe endlich um das Jahr 108594 zu Ottmarsheim bei Lenzburg zum Austrag gebracht wurde, wobei die Bestimmung wegen der Vogtwahl im gleichen Sinne, wie Bischof Werner sie angeordnet hatte, ihre Bestätigung fand (Bl. 9 b).

Meiner Behauptung, der Rechtszustand, den Kastvogt bei freier Wahl aus der Stifterfamilie zu nehmen, habe schon im 11. Jahrhundert bestanden, gebe ich noch einen dritten Beweis bei, der die Richtigkeit meiner Annahme beinahe zur Evidenz erhebt. Alois Schulte schreibt in seinen Habsburger Studien (Separatabdr., S. 4): „In den Bestimmungen über das Vogteiverhältniss (der Urkunden vom 21. Mai 1053 und 29. Jän. 1063), welche wohl auf die Bulle Leo's IX. zurückgehen, ist zweierlei auffallend: zunächst die für diese Zeit ganz seltene Selbständigkeit des Klosters (Ottmarsheim) – wird doch selbst der (jeweiligen) Aebtissin unter den Erben des Vogtes die Auswahl gestattet ...; dann zweitens die Bestimmung über die Erbfolge in der Vogtei; nach dem Tode des Stifters soll zunächst die Wittwe, dann einer der Söhne und männlichen Nachkommen nach der Wahl der Aebtissin und schliesslich eine der Töchter und deren Erben folgen.“

Wer sieht nicht ein, dass Rudolf, der Stifter des Klosters Ottmarsheim, im 11. Jahrhundert die nämlichen Satzungen bezüglich der Kastvogtwahl gegeben, wie sein Bruder, Bischof Werner von Strassburg, für Muri! Sind jene Urkunden echt, so sind es auch dem Inhalte nach die von 1027 und 1114. (I-XLV) Nur setzt die Anerkennung selbst der weiblichen Erbfolge in der Vogtei zu Ottmarsheim eine tiefe Abneigung gegen die weltlichen Brüder des Stifters, Radeboto und Lanzelin (den jüngern) voraus, wie sie auch durch die Erzählung der Acta Murensia bestätigt wird.

Aus dem Mitgetheilten erhellt, das auf das Jahr 1027 datirte Actenstück sei keine dolose Fälschung, sondern ein authentisirter Traditionsact.

Schliesslich bemerke ich noch: a. das Kloster Muri hätte wohl, um einen Act über die Verhältnisse zum Hause Habsburg zu erhalten, auf dem Wege der gerichtlichen Zeugenvernehmung dieses Document herstellen können (Adler, 1885, S. 110). Viel leichter jedoch und mit geringerem Aufwande konnte dies durch das Siegel des Kastvogtes Adalbert II. geschehen. Dieser war ja in Basel anwesend (Urk. von 1114) und fand sicher bei der kaiserl. Kanzlei ebenso viel Glauben, als mehrere vorgeführte Zeugen.

b. Die Anschuldigung meines Gegners, dass sich das Kloster Muri der Fälschung eines Recognitionszeichens und eines Siegels an einer Urkunde schuldig gemacht habe, weise ich in Rücksicht der nur von meinem Gegner vorgebrachten Vermuthungen mit Entrüstung zurück. Zwar bemerkt er, seine „Beschuldigung“ richte sich nicht gegen den ganzen Konvent, sondern nur gegen „die superklugen Mitglieder desselben“. Allein unmittelbar vorher schreibt er: wir können „der Siegelfälschung nur den bezichtigen, zu dessen Gunsten die Urkunde ausgeführt wurde“. – Aber welche Vortheile sollten die einzelnen „superklugen Mitglieder“ des Klosters durch die allfällige Fälschung erlangt haben? Das vom Gegner Gesagte und die Verdächtigung, der Anonymus Murensis habe die Fälschungsgeschichte durch die Worte: „Quod alia scriptura narrat ... , hoc propterea sapientibus viris visum est melius“ (Bl. 3 a, b) „aufgedeckt“, führen nothwendig zum Schlusse: mein Gegner nehme an, im Kloster Muri seien im 12. und 14. Jahrhundert zwei Parteien gewesen, die sich einander bekämpften und Urkunden und Chroniken fabricirten, welche Fabrikate der Konvent dann gutmüthig als die wichtigsten Quellen und Vertheidigungsmittel für seine Rechte angenommen, den weltlichen Behörden zur (I-XLVI) Bestätigung vorgelegt und bis zur Aufhebung 1841 als solche gebraucht habe. Wer dieser Ansicht huldigen will, für den verliere ich kein Wort.

Ich wende mich nun zur Widerlegung der Gründe, die mein Gegner anführt, um

E. die Unechtheit der Urkunden von 1027 und 1114 gemeinsam darzuthun.

Von der Kaiserurkunde vom Jahre 1114 meldet mein Gegner im „Adler“ (1885, S. 110): ein schweizerischer Forscher habe selbst die Ansicht ausgesprochen, die Urkunde von 1027 dürfte ein Falsum aus der Zeit Herzogs Rudolf IV. († 27. Juli 1365) gleich derjenigen von 1114 sein. Fast unmittelbar darnach stellt er den kühnen Satz auf: „Da die Urkunden von 1027 und 1114 der durchaus unverdächtigen Bulle Innocenz II. von 1139 widersprechen, so müssen wir annehmen, es seien beide nach 1139 entstanden“. Beweise für dieses Widersprechen besagter Urkunden mit der Bulle von 1139 bringt mein Gegner weder vorher noch später. Auch in der Abhandlung „Anfänge des Hauses Habsburg“ (Adler, 1883, Separatabdr. S. 2, 3) kann ich keine entdecken. Sonderbarer Weise ist dem Worte „widersprechen“ eine Note (17.) beigegeben, die gar nicht zur Sache gehört. Sie beginnt: „Wegen einer späteren Ita von Lothringen“ etc. Doch lassen wir das bei Seite. Ich könnte zwar auch nur einfach behaupten: die 3 Urkunden stehen bezüglich der Bestimmung des Kastvogtes (darum handelt es sich hauptsächlich) in keinem Widerspruche. Allein mir glaubt man nicht aufs Wort, und daher muss ich nothwendig die Texte der drei Documente wörtlich folgen lassen:

1. Die Bulle von 1139 hat bezüglich des Kastvogtes: „Liceat insuper vobis ad utilitatem et servitium vestri loci advocatum constituere, et nullus ibi aliquo tempere statuatur, nisi quem vos communi fratrum vestrorum consilio eligere decreveritis“.

2. Das Actenstück von 1027 sagt: „Ipse autem abbas communicato fratrum consilio advocatum de mea posteritate, que prefato castro Habesburch dominetur, qui major natu fuerit, (I-XLVII) tali conditione eligat, ut si quas oppressiones intolerabiles monasterio intulerit, et inde secundo et tertio commonitus incorrigibilis extiterit, eo abjecto alius de eadem progenie, qui in eodem sit castro Habesburch, sine contradictione subrogetur. Hoc adjecto, ut si masculinus sexus in nostra generatione defecerit, mulier ejusdem generis, que eidem castro Habesburch hereditario jure presideat, advocatiam a manu abbatis suscipiat, quam advocatiam neque a rege neque ab alia persona, nisi a solo abbate, cuiquam suscipere liceat. Et si quis aliter ad eam accesserit, ipsâ, quam illicite usurpaverat, omnimodis privetur. Porro nec ipse abbas eandem advocatiam ut beneficium, sed ut quandam commendationem et monasterii tuitionem cuiquam committat. Sed nec ipse, qui prestitus fuerit advocatus, quicquam de rebus monasterii sive in fundis sive in mancipiis sive de ipsa advocatia cuique prestare audeat“.

3. In der Kaiserurkunde von 1114 lesen wir: „Constituit etiam, ut major natu filiorum suorum, commendante sibi abbate, advocatiam habeat, non in beneficium et jus proprium, sed ad securioris et grate defensionis suffragium, qui non pro terreno comodo, sed pro eterna mercede sollicitus et studiosus bona et constitutam libertatem monasterü et justitiam defendere voluerit. Hie denique abbate petente a rege accipiat bannum legitimum et ter in anno, si necesse fuerit, aut in ipso loco aut ubicunque vel quandocunque abbati visum fuerit, invitatus ab illo veniat et ibi placitum justum pro causis et necessitatibus monasterii rite peragat. Nullum autem aliud servitium, jus aut beneficium sibi pro hoc concedi recognoscat, nisi eternam Dei mercedem et tertium bannum et conswetudinariam justitiam et illis trium placitorum diebus in uno quoque unum maltrum de frumento et unum fruitschingum et unum siclum de vino et cetera ad hoc pertinentia. Propterea constituit, quod, nisi abbate volente et advocante bona et loca monasterii suis frequentiis temerarius et sine causa minime adeat vel attingat nec presurnptuosus in eis plaeitum quodlibet vel pernoctandi licentiarn habeat, nec omnino aliquem advocatum pro se faciat, nec aliquam absque ratione calurnniam, perversionem aut injuriam monasterio, abbati vel familie faciat. Si autem non ut advocatus, sed potius calumniator et pervasor monasterii fuerit, (I-XLVIII) omnino potestatem habeat abbas cum consilio fratrum hunc penitus reprobare et alterum regia adjutum potestate, si aliter fieri non potest, sibi utiliorem undecunque eligere“.

Daraus ersehen wir, dass die Bulle von 1139 der Kürze wegen nur das Wesentliche – die freie Vogtwahl, heraushebt, während die zwei anderen Documente auch die Pflichten des Kastvogtes berühren, welchen Lohn er bei deren Erfüllung zu erwarten hat, und was ihm bevorsteht, wenn er sie vernachlässigt oder die Befugnisse überschreitet; dass aber die zwei letztem Urkunden der erstem widersprechen, wird kein Vernünftiger herausfinden. Da der Obersatz meines Gegners unrichtig ist, so kann ich dessen Schlussatz: die zwei Urkunden von 1027 und 1114 seien nach 1139 entstanden, ebenfalls nicht für richtig ansehen.

Für das Entstehen der zwei genannten Documente nach 1139 will mein Gegner Beweise bringen. „Wäre das Diplom von 1114, schreibt er, im Jahre 1173 wirklich schon vorhanden gewesen, so hätte sich der Abt von Muri ohne Zweifel dasselbe von Kaiser Friedrich I., der damals in Lenzburg, also in unmittelbarer Nähe von Muri, sich aufhielt, bestätigen lassen“. – Dieses Bestätigenlassen bezweifle ich erstens aus dem Grunde, weil Friedrich I. damals im Kirchenbanne (seit 1167) war,95 zumal nicht nachgewiesen werden kann, dass Muri auf die Seite Friedrich's getreten sei; zweitens kamen später ähnliche Anlässe, die Könige Rudolf I., Albrecht I. etc. erschienen ebenfalls in der Nähe Muri's und waren nicht gebannt, Friedrich II. war 1212 zu Constanz, und dennoch liess Muri die Kaiserurkunde nicht bestätigen. Man sage aber nicht, König Albrecht 1. sei mit Muri nicht in gutem Verhältnisse gestanden; denn die Gemahlin des Königs, Elisabeth, schenkte am 12. Juli 1307 einen Hof in Alpnach den Frauen zu St. Andreas in Engelberg und bestimmte, dass der jeweilige Abt von Muri über die Einkünfte dieses Frauenklosters wache;96 – drittens wäre die Kaiserurkunde von 1114 ein aus späterer Zeit stammendes (I-XLIX) Falsum, so könnte man gar nicht begreifen, dass Muri erst 1415 um eine echte königliche Bestätigungsurkunde sich umgesehen hätte, denn ausser der von 1114 konnte ich bis 1415 keine solche Bestätigungsurkunde finden; noch unbegreiflicher wäre dann viertens, wie diese ganz gewiss echte königliche Bestätigungsurkunde vom Jahre 1415 von „Freiheiten, Rechten ... Privilegien und Handvesten“, die Muri von seinen (K. Sigismund) „Vorfahren, römischen Kaisern und Künigen“ erhalten hatte, sprechen könnte, wenn nicht schon eine echte, wohl beglaubigte Kaiserurkunde vorhanden gewesen wäre! Fünftens muss noch erwähnt werden, dass Ulrich Oechslin, apostolischer Protonotar und geschworener Landschreiber von Schwyz am 21. März 1558 die Kaiserurkunde vom Jahre 1114, wie oben (S. XVIII, XIX) nachgewiesen wurde, im Originale in den Händen hatte.

Will mein Gegner dem gegenüber auf seiner Ansicht beharren, die zwei Urkunden seien in den Jahren 1179 bis 1189 „interpolirt“ – also gefälscht worden, so muss er bessere Gründe, nicht bloss Vermuthungen erbringen. Mir einmal genügt das nicht, nur zu sagen: die päpstliche Bulle „deute auf die Zwistigkeiten hin, welche dem Kloster Muri den Wunsch nach freier Vogtwahl (aber war diese nicht schon 1085 öffentlich in einer Versammlung zu Ottmarsheim von Habsburg ausgesprochen worden?) nahe legen mochten“. Hiefür citirt dann mein Gegner die betreffende Stelle aus der Bulle vom 18. März 1179:97 „ut si advocatus vester advocationis jura transgressus (fuerit), ... liceat vobis, alium advocatum eligere“. Es ist wahr, dass diese Bestimmung nicht in den zwei vorausgehenden päpstlichen Bullen (1139 und 1159) steht, und sie wird auch ohne Zweifel auf Wunsch des Klosters Muri der Bulle von 1179 beigefügt worden sein; es ist ferner wahr, dass diese gleiche, Bestimmung in der Bulle vom 13. März 1189 wiederkehrt; und dass durch diese die Vogtwahl auf das Haus Habsburg beschränkt wird: „liceat vobis alium advocatum eligere natu majorem de castro Abespurc“. Der Schluss meines Gegners aber, die zwei Urkunden von 1027 und 1114 seien von 1179 bis (I-L) 1189 interpolirt worden, ist nebst dem früher Gesagten schon aus dem Grunde unzulässig, weil der Konvent von Muri zufolge der Hindeutung des Papstes Innocenz II. in der Bulle vom Jahre 1139 ohne Zustimmung des Hauses Habsburg keine Bestimmungen bezüglich der Vogtwahl selbständig machen konnte. Denn es heisst in dieser Bulle: „Confirmamus vobis, quecunque eitlem loco a fratre nostro Werinhario Argentinensi episcopo (also das Actenstück von 1027 lag in Rom 1139 vor) et ejus nepote Wernhero comite de Habekspug (hier erkennen wir leicht die charta libertatis von 1082 und die Kaiserurkunde von 1114) eorumque consanguineis collata sunt, qui nimirum idem cenobium (Mure) de suis rebus fundasse noscuntur atque omnino vinculo apostolice dignitatis (Hinweis auf die Bestätigungsurkunde der Cardinäle vom Jahre 1095) illud, si quis temerario ausu hoc, quod ipsi cum magna devocione fecerunt, infringere vellet, firmaverunt“. Der Konvent war somit an die Bestimmungen der Stifterfamilie gebunden, und hätte er sich 1179 und 1189 ohne Einwilligung derselben erlaubt, solche noch nicht vorhandene Bestimmungen bezüglich der Vogtwahl und der Pflichten dieses Vogtes in die Bulle einfügen zu lassen, so würde der damalige Kastvogt von Muri, Graf Albrecht der Reiche, ohne Zweifel protestirt haben, und die einseitig gemachten Anordnungen wären wirkungslos gewesen. Gesetzt, es wären die Documente von 1027 und 1114 bezüglich des Kastvogtes mangelhaft gewesen oder sie hätten vor 1179 gar nicht existirt, so würde sich jetzt, da Kaiser Friedrich I., vom Banne gelöst, 1183 nach Constanz kam, die beste Gelegenheit geboten haben, eine Kaiserurkunde für Muri zu erlangen. Doch wir haben nicht die leiseste Andeutung, dass derartiges damals angestrebt worden wäre, oder dass ein Zwist zwischen Muri und dem Kastvogte bestanden hätte, im Gegentheil, dieser schenkte ja dem Kloster das bekannte Reliquienhorn, Daraus geht klar hervor, die zwei Documente von 1027 und 1114 existirten schon im Jahre 1139.

Auch die Geschichte Muri's spricht dafür, dass die Kaiserurkunde vom Jahre 1114 und mit ihr zugleich die Urkunde von 1027 als echt von jeher von der Stifterfamilie angesehen wurde. Die Bestimmung, dass der Vogt nach eingelegter Bitte (I-LI) des Abtes den Blutbann vom deutschen König empfange und dreimal im Jahre ordnungsgemäss die Gerichte halte, ist nur in der Kaiserurkunde ausgedrückt, und der Kastvogt von Muri musste dieser Bestimmung, wie die Urkunde von ca. 123898 es deutlich ausdrückt, fleissig nachkommen. Hätten sich wohl Habsburger Grafen einer solchen nach 1179 durch Interpolation eingeschmuggelten Verordnung sogleich gutmüthig unterzogen?!

Ebenso blieb auch die Bestimmung der Kaiserurkunde, einen Kastvogt „undecunque eligere“, „si aliter fieri non potest“, bestehen. Denn dieses Recht übte Muri wirklich nach 1415 aus, indem es die neuen Herren des Landes, die Eidgenossen, „quia aliter fieri non potuit“, zu ihren Kastvögten wählte, ohne desshalb vom Hause Habsburg Tadel zu erhalten.

Hier tritt mir aber mein Gegner mit der Behauptung entgegen: das Statut von 1082 (besser 1085): der Aelteste aus den Habsburgern empfange vom Abte die Advocatie (Bl. 9 b), habe sich nicht erhalten, und weist auf den von ihm (Adler, 1885, S. 111) erbrachten Beweis hin, dass auf den im Jahre 1111 verstorbenen Otto II., Sohn des 1096 verschiedenen Grafen Werner II., nicht der älteste Sohn Otto's II. (Werner III.) in der Advocatie gefolgt sei, sondern Otto's Bruder, Adalbert II., und schliesst dann: „Von einer successio hereditario jure kann also nicht die Rede sein“. – Man beachte aber wohl, dass der Ausdruck „hereditario jure“ in der Urkunde von 1027 sich nicht auf die Advocatie, sondern auf das Schloss Habsburg bezieht. Bischof Werner von Strassburg braucht diesen Ausdruck damals, da er bei Abgang eines männlichen Nachkommen auch einem Weibe, welche nach Erbrecht die Habsburg inne habe (presideat), die Advocatie zusagt (vgl. oben S. XL VII). Ferner kann dieser Ausdruck (hereditario jure) schon darum sich nicht auf die Advocatie beziehen, weil Bischof Werner dem Abte und Konvente von Muri die Vogteiwahl frei gab, was auch die Bulle von 1139 ausspricht, nur setzen der Bischof Werner (1027), die Versammlung zu Ottmarsheim (1085) und die übrigen Urkunden insoferne dieser freien Wahl Schranken, dass der Konvent von Muri vorab den Aeltesten (I-LII) aus seiner Verwandtschaft als Kastvogt wähle, oder wenn dieser hiefür unfähig ist, Einen aus seinen Verwandten nehme. Hätte nach dem Tode Otto's II. zufolge Erbrechtes sein Sohn Werner III. in der Advokatie sogleich dem Vater folgen müssen, so wäre einerseits die freie Vogtwahl illusorisch gewesen, und anderseits würde dadurch das Statut Bischof Werners und die Bestimmung zu Ottmarsheim, welche das Senioratsgesetz festsetzten, umgestürzt worden sein, indem an die Stelle des Senioratsgesetzes die Primogenitur getreten wäre. Dass aber Bischof Werner das Senioratsgesetz zur Geltung bringen wollte, erklären die Versammlung von Ottmarsheim und die Kaiserurkunde von 1114. Erstere spricht aus (Bl. 9 b): „Der Gewählte empfange die Advocatie vom Abte nicht als hätte er das Recht dazu oder hätte er sie geerbt“ („advocatiam ab Abbate accipiat non pro aliquo proprio jure vel hereditate“), sondern nach den in der Versammlung ausgesprochenen und 'dem Abte gegebenen Rechten und Freiheiten („secundum scita privilegii cuncta accipiat“). Die Kaiserurkunde sagt diesem entsprechend: „major natu, commendante sibi abbate, advocatiam habeat non in beneficium et jus proprium“. Daher muss der im Eingangsprotokoll der gleichen Kaiserurkunde befindliche Satz, sollte er nicht mit dem Beschlusse von Ottmarsheim und mit andern Bestimmungen in demselben Documente im Widerspruche stehen, folgenden Sinn haben: „idem comes (Wernharius), a quo monasterium sive abbatia (Mur.) hereditario jure possessa est“ (Blatt 11 b), – Graf Werner hatte vermöge des Erbrechtes die Habsburg inne und so die Leitung des Klosters (Advokatie) erlangt.

Die wichtigsten Gründe, die mein Gegner ins Feld geführt hat, sind demnach nicht im Stande zu beweisen, dass die Kaiserurkunde unecht sei. Daher übergehe ich die unbedeutenden Einwürfe und wende mich noch einmal zum Actenstücke von 1027, um bezüglich desselben ein allfälliges Missverständniss zu beseitigen.

Mein Gegner sagt (Adler, 1885, S. 111): Da ich selbst zugebe, dass vor dem Jahre 1114 das Diplom von 1027 jedenfalls nicht existirt und das Statut von 1082 sich nicht erhalten habe, so ist es ihm nicht erklärlich, wie ich bei „Erwähnung (I-LIII) der Streitigkeiten von 1082 (besser 1085) auf das seinem Inhalte nach ganz unbekannte Hausstatut verweisen konnte“. Allein in meiner „Entgegnung“ sagte ich nur: genanntes Document habe die gegenwärtige Form in den Jahren 1100-1114 erhalten; 2. wies ich nach, dass die Arenga, die Bestimmungen für das Kloster Muri, von Bischof Werner von Strassburg herrühre, die er vor seiner Abreise 1027 nach Constantinopel auf eine manualis cedula memorialiter, wie er es für die Abtei St. Stephan gethan, niedergeschrieben hatte, – dass somit der Inhalt des vor 1114 in Form eines Traditionsaktes gegebenen Documentes 1082 und 1085 ganz gut bekannt war. Leider wurde dem vom Bischof Werner gegebenen Hausstatut wegen der Vogtwahl nicht nachgegangen, und darum möchte nebst anderen uns ganz unbekannten Ursachen zwischen den Habsburgern und Lenzburgern eine Fehde entstanden sein, die 1085 zu Ottmarsheim bei Lenzburg beigelegt wurde. Auch mein Gegner stimmt in der Hauptsache schliesslich mit mir überein, indem er schreibt: „In Otwingen (-Ottmarsheim) wurde daher der status quo hergestellt, d. h., die Vogtei dem ältesten männlichen Sprossen des Hauses Habsburg übertragen“. – Dass die damalige Zeitlage – Kampf zwischen der Kirche und dem K. Heinrich – die Hauptursache dieser Fehde gewesen, kann ich nicht glauben, als eine Nebenursache mag sie auf selbe Einfluss gehabt haben.

Die innern Gründe, warum Graf Werner II. von Habsburg die Kastvogtei von Muri aus den Händen gelassen hatte, dass demnach von 1082-1085 dieselbe zwei fremde Häuser, von Regensberg und Rüssegg, besassen, hat uns der Muri Anonymus wirklich verschwiegen. Misshelligkeit zwischen dem Grafen und Konvente möchte ich nicht als Hauptursache des Aufgebens der Advokatie ansehen. Eher glaube ich sie, wenn ich jede Animosität bei Seite lasse, in den „scita privilegii“ zu finden, die durch die „carta libertatis“ in einer hohen Versammlung des Abtes Giselbert von St. Blasien und der Grafen Rudolf von Tierstein und Burkard von Nellenburg etc. dem Kloster Muri verliehen wurden. Hat aber dabei wirklich eine Animosität einen Einfluss gehabt, so möchte eine solche Abneigung zwischen dem Grafen Werner und dem Prior Rupert (I-LIV) sich vorgefunden haben. Denn dieser Prior blieb nur drei Jahre in Muri und strebte umsonst nach der Abtwürde, während sein Nachfolger, Luitfrid , diese Würde sogleich erhielt; nach der Rückkehr Rupert's nach St. Blasien übernimmt Graf Werner sogleich wieder die Advokatie auf Bitten des Abtes Luitfrid und der Mönche von Muri und erneuert das alte, von Bischof Werner gegebene Statut wegen der Vogtwahl; endlich kommt dieser Rupert nach dem Hinscheiden des Grafen und des Abtes Luitfrid aus St. Blasien sofort (1097) wieder nach Muri und zwar als Abt und regiert die Communität glücklich bis zum Jahre 1109 (Bl. 9 a, b; Bl. 11 a).

Endlich muss ich noch einige Worte sprechen über

F. das älteste Hermetschwiler Nekrologium.99

Mein Gegner schreibt in der Abhandlung „Zur Frage“ (Adler, 1885, S. 112): „Ich halte wie früher100 die Ansicht, das Nekrologium von Hermetschwil sei ursprünglich für Muri geschrieben und später für Hermetschwil fortgesetzt worden, für die richtige“. Im Jahre 1883 hat sich aber mein Gegner bei der Beweisführung für seine Ansicht drei Verstösse zu Schulden kommen lassen: 1. Dieses älteste Hermetschwiler Nekrologium ist nicht bis ins 16. Jahrhundert fortgesetzt worden, sondern bis 1441; denn in diesem Jahr ist das neue jetzt noch von den Frauen gebrauchte Nekrolog angefertigt worden und in das alte wurde seitdem kein Name einer verstorbenen Person eingezeichnet;101 2. das älteste Nekrologium verschweigt zwar den Namen der Gräfin Ita, nicht den des Grafen Radeboto, wie mein Gegner glauben machen will; denn Radeboto ist am 30. Juni von der ersten Hand als „Radeboto comes“ eingetragen; 3. am 28. Oktober steht einfach „Werinherus episcopus“, ohne die Buchstaben F. N. C. (fundator nostri conventus). (I-LV) – Ob unter der am 23. Juli, „wo im neuen Nekrolog (sollte heissen: neuen Nekrol. von Muri) Ita's Name figurirt“, eingetragenen Tarnburg etwa die erste Meisterin des Frauenklosters Hermetschwil verstanden werden soll, lasse ich, weil sie als „sanctimonialis“ eingeschrieben ist, dahingestellt. Jedoch dem Schlusse dieser von meinem Gegner übel geführten Beweise: „hätte Gräfin Ita sich um die Stiftung des Klosters Muri irgend welches Verdienst erworben, so würde ihr Name im alten Nekrolog unfehlbar zu finden sein“ (Adler, 1883, Sep., S. 15), kann ich insoferne ruhig beipflichten, dass ich weiter schliesse und sage: weil also ihr Name nicht darin zu finden ist und weil sie ganz sicher dem Männerkloster zu Muri einen grossen Gütercomplex (Acta, BI. 21 a) geschenkt hat, so ist das der beste Beweis, dass dieses Nekrologium ursprünglich für die Frauen in Hermetschwil bestimmt worden sei. Die Behauptung meines Gegners: die Frauen von Hermetschwil haben von Bischof Werner, vom Grafen Radeboto und Grafen Werner II. etc., deren Namen doch in diesem Nekrologium stehen (Adler, 1885, S. 112), nichts erhalten, ist unbegründet; denn gerade weil die Höfe und Güter, welche die Frauen in Hermetschwil und an anderen Orten erhielten, ausserhalb der Grenzen der von der Gräfin Ita an Muri geschenkten Güter lagen, so kann mit Fug angenommen werden, dass sie vom Bischof Werner und von den genannten Grafen, deren Namen im Nekrologium verzeichnet sind, herkommen und zwar um so mehr, weil der Anonymus der Acta (Bl. 27 a) ausdrücklich sagt: „Hermentswile prima fundatio est istius loci“. Dass ferner auch die Namen des Propstes Reginbold und des Abtes Burkard, die vor der Ankunft (1082) der Klosterfrauen lebten, in diesem Nekrologium stehen,102 hat seinen doppelten Grund. Erstens hatten diese als Vorsteher des Männerklosters in Muri diese Güter vor ihrer Ankunft verwaltet, also waren die Frauen ihnen Dank schuldig; zweitens sollten die Frauen, weil sie dem Männerkloster incorporirt und unterworfen waren, für alle Mitglieder desselben beten; daher sind auch die vor ihrer Ankunft verstorbenen einfachen Konventualen (I-LVI) in ihr Nekrologium eingeschrieben, wie Wenelo (17. März). Der Nachweis, warum der Name der Gräfin Ita nicht in diesem Nekrologium steht, fällt somit zu meinen Gunsten aus und ich nehme ihn als ersten Beweis für meine Behauptung in Anspruch.

Wäre zweitens berührtes Nekrologium nicht gleich anfangs den Frauen in Hermetschwil zum Gebrauche übergeben worden, so würden sie 100 Jahre und darüber desselben entbehrt haben, was nicht glaublich ist; ebenso würde das Männerkloster in Muri von 1032 bis ca. 1140 gar kein Nekrologium gehabt haben, was noch weniger annehmbar ist. Drittens hätte man in Muri den Abt Walther I., der urkundlich am 27. Dezember 1167 erscheint,103 nicht so leicht in dieses Nekrologium einzutragen vergessen; in Hermetschwil ist so etwas eher begreiflich. Viertens im beigegebenen Martyrologium (S. 4 7-121 ), finden wir neben Martinus Bischof104 (11. November) der durch Majuskelschrift und rothe Punkte hervorgehoben ist, auch St. Nikolaus, Bischof (6. Dez.), nebst den Muttergottestagen mit rothen Punkten ausgezeichnet, was deutlich beweist, das Nekrologium nebst der Beigabe (Martyrologium und Regel des hl. Vaters Benedikt) sei ursprünglich für Hermetschwil bestimmt gewesen; denn St. Nikolaus (6. Dez.) war in den ältesten Zeiten nebst der seligsten Jungfrau Maria dort Kirchenpatron. – Fünftens wurde dieses Buch auch für Einzeichnung der Stiftungen und Vergabungen gebraucht, die aber einzig Hermetschwil betreffen. So ist S. 122105 eine Vergabung vom Jahre 1243 (Indiction prima) eingezeichnet. Diese machten Vislare und seine Gemahlin Agatha an die seligste Jungfrau Maria und den hl. Nikolaus in Hermotswile. Dieser Vergabung gehen aber vier voraus, alle von verschiedenen Händen eingetragen, wovon zwei sicher in das 12. Jahrhundert hinaufreichen. Uticha von „Premegarton“ gibt nämlich einen Hof in „Wida“ für das Kloster „Hermotswilare“ u. s. w. Endlich sind S. 121 die römischen Ziffern mit den lateinischen Benennungen zwar nicht von der (I-LVII) ersten Hand, aber jedenfalls von einer Hand des 12. Jahrhunderts angegeben (z. B. X = decem, L = quinquaginta etc.], Dies lässt deutlich erkennen, das Buch sei gleich anfangs für die Klosterfrauen in Hermetschwil bestimmt gewesen; denn die Fratres scholastici bedurften einer solchen Erklärung der römischen Ziffern nicht und die Laienbrüder lesen gewöhnlich keine Nekrologien.

G. [Berichtigungen]

I. Berichtigungen und Ergänzungen zu meiner Ausgabe der Acta Murensia. (Basel, 1883, bei Felix Schneider.)

106

S. 5. Beim Habsburger-Stammbaum wäre nach Schulte's neuesten Habsburger-Studien107 zu Judenta, der Gemahlin Albrecht's II., zu ergänzen: „aus dem Hause Ortenburg-Hirrlingen“ (Zollern); bei Gertrud, der Tochter Werner's III., wäre zu berichtigen: „Gemahlin Theoderich' s III. von Mümpelgard “, während ich sie für die Ehefrau Theoderich's II. hielt (l. c., s. 14).

S. 6. 1. Z. v. o. Lies: 952 für 959.

S. 15. 20. Z. v. o. Lies: 30. April für 27. April.

S. 21. Am Rande lies: Blatt 4 a für 5 a.

S. 40. Füge zu Anm. 1 die Bemerkung hinzu: Diese Ruinen standen bis 1865.

S. 84. Anm. 10. Lies: Berghöfe an der Reppisch, Pfarrei Dietikon, Kt. Zürich für Pfr. Berikon, Bez. Baden, Kt. Aargau.

S. 86. Anm. 1. Streiche: 11. Januar.

S. 86. Anm. 2. Lies: 5. Okt. für 21. Febr.

S. 87. Anm. 3 ist die Angabe der Sterbetage für Ulrich und Bucco als irrig zu streichen.

(I-LVIII) S. 95. Anm. 3. Lies für: „müssen wir das Schaffhausen“ etc. – müssen wir nicht das Schaffhausen, gelegen im Kirchspiele zu Staufen bei Lenzburg, Kt. Aargau (Argovia III., 289-302), verstehen, sondern eher an das an der Nordseite des Kaiserstuhles im Breisgau gelegene Königsschaffhausen denken (Schulte, l. c.).

S. 106. Ueber die Regierungszeit der Aebte siehe dieses Werk. S. 125. Anm. 4 sind die Worte: „Graf von Habsburg“, insoferne Neugart (Episcop. Constant. II., 145) recht hat, zu streichen. Diesem gegenüber vgl. E. Fr. von Mülinen (Helv. sacra 1., G) und Gams (Series Episcoporum, 261), welch' letzterer es jedoch in seinem ersten Supplementbande (S. 77) in Zweifel zieht.

S. 128. 10. Z. v. o. Nach „Muri-Archiv in Aarau“ sollte stehen: „Abdruck: Hidber, Diplom. Helvetica, pag. 90“. – Wenn sich im Abdrucke der Urk. vom 29. Sept. 1188 in meiner Edition der Acta Mur. S. 127 und 128 wirklich Fehler eingeschlichen haben sollten, dass „Babenbergensis“ statt Bambbergensis, „habeat“ für debeat etc. gelesen werden muss, so wolle man selbe nach Einsicht des Originals verbessern.

S. 154. 6. Z. v. o. Lies: miles der Scheinko (-Schenk) für miles de Scheinko.

S. 157. 1. Z. v. o. Lies: 26. für 25. Aug.

S. 159. Am 10. Okt. erscheint im Herm. Nekrologium: „Eine Küngin von Dadenberg m. re.“ – Küng ist ein Geschlechtsname im Kt. St. Gallen und Aargau. Diese Klosterfrau (monialis re., vielleicht regis) war eine Kling (nicht Königin oder Kunigunde) von Dadenberg. Sie möchte die letzte sein, die vor 1441 noch in das Herm. Nekrol. eingetragen wurde. – Weil Dörflinger und A. unter dieser „Küngin von Dadenberg“ eine Kunigunde vom gräflichen Geschlechte Toggenburg erkennen wollten, machte ich die Bemerkung, dass man an keine „Kunigunde von Toggenburg“ zu denken habe, welche Notiz Theod. von Liebenau in der Zeitschrift „Adler“ besonders einfältig und lächerlich fand.

S. 161 sind die Anmerkungen denen im Texte entsprechend zu nummeriren.

S. 167 ff. Vgl. die Vorrede zu diesem Werke.

II. Berichtigungen und Ergänzungen zum vorliegenden Bande.

108

(I-LIX) S. 5, Anm. 1. Setze: ecclesie nach argentine.

S 6, Anm. 3. Lies: 25 a und b für Bl. 24, 25.

S. 7, Anm, 2. Lies: das Einsiedler Nekrologium für Dasi Ensiedler Nekrol.

S. 16, Anm. 1. Lies: Acta Murensia Bl. 4 a für a.

S. 42, Anm. 7. Streiche 30. Febr.

S. 42, Anm. 9. Lies: 32 a für 33 s.

S. 47, Anm, 1. Lies: der sie statt der er es.

S. 52, Anm. 3. Lies: 30. April für 22. März.

S. 53, Anm. 1. Lies: 15. Jänner für 5. Jänner.

S. 62, Anm. 1. Ueber die Thätigkeit Einsiedelns für die Reform deutscher Klöster vgl. Ringholz's Abhandlung in „Studien und Mittheilungen aus dem Benediktiner-Orden“, 1886, I., 50 ff.

S. 67, 17. Z. v. o. Setze nach „ungelöst“ Beistrich und füge hinzu: während das Album Engelbergense (Luzern, 1882), S. 23 ihn ohne nähere Begründung aus St. Blasien kommen lässt („e S. Blasii Monasterio in Hercynia accitus“).

S. 77, Anm. 2. Lies: 1127-1138 für 1116-1138.

S. 78, Anm. 1. Lies: Helv. sacra II., 86 für I., 86.

S. 84, 4. Z. v. o. Lies: Rattlisberg für Lattlisberg.

S. 97, 8. Z. v. u. Lies: A. (Arnold) Custos, streiche daher Anm. 6.

S. 99, 5. u. 3. Z. v. u. Lies: Hermann von Froburg für Hartmann.

S. 112, 5. Z. v. o. Lies: Cistercienserinnen für Cistercienser.

S. 118, Anm. 4. Füge bei: „die vorgenannte Liederhandschrift, die seit dem dreissigjährigen Kriege in Paris lag, kam 1888 (I-LX) wieder in die Bibliothek von Heidelberg zurück“ (Kathol. Bewegung, 1888, VII., 102 und 103).

S. 130, Anm. 2. Lies: Dei ordinatione statt de ordinatione.

S. 134, 22. Z. v. o. Lies: Peculium für Peculeum.

S. 152, 10. Z. v. u. Lies: 24. April für 25.

S. 154, 8. Z. v. o. Füge nach 1311 ein: ja schon 1288 u. s. w.

S. 161, 1. und 14. Z. v. o. Lies: Rudolf IV. statt Leopold.

S. 166. Vgl. über das gute Verhältniss Leopold's von Oesterreich zum Gegenpapste Clemens VII. den Anzeiger für Schweiz. Gesch. XIX., 215. Der Afterpapst ermunterte ihn in einem Schreiben in der Treue: „ut ex tam potentibus principibus fidelis et potens domus Austriae tuo sub regimine triumpho gaudeat inmarcessibili“.

S. 176, Anm. 3. Streiche: Argovia etc. und setze hiefür: Stadtarchiv Sursee und Geschichtsfrd. III., 88 und VI., 82

S. 185, Anm. 2. Lies: Argovia VIII., 175 für 75.

S. 188, Anm. 5. Lies: 156 statt 146.

S. 189, Anm. 4. Lies: 158 für 148.

S. 216, Anm. 5. Lies: VIII., 50 für 5.

S. 246, Anm. 11. Streiche das Citat: Argovia VIII., 37.

S. 249, 21. Z. v: o. Lies: 23. Jänner für 20.

S. 290, 9. Z. v. u. Lies: Freiämtler für Freiämter.

S. 319, Anm. 6. Lies die theilweise verblichene Jahrzahl: 1561.

S. 351, Anm. 5. Lies: 84 für 841.

S. 358, 7. z. v. o. Lies: 10. Nov. für 10. Okt.

S. 372. Füge zum 4. Jänner bei: Rudolf m. und zum 13. Jänner: Heinricus m.

S. 375. Ergänze zum 22. Juni: Chonradus sac m. f. n c und am 29. Juli schalte ein: Heinricus m.

S. 377. Füge bei: 1267 lebte Fr. Johannes Grusch (vgl. diesen Band, S. 128).

S. 378, 7. und 6. Z. v. u. Streiche die Angabe des Todestages.

S. 382, 19. Z. v. o. Lies: 1453 für 1853.

Gries bei Bozen am Tage des hl. Alphons 1888. Der Verfasser.


  1. Miscella historica Monasterii Murensis collecta industria P. Augustini Stöcklin ex Monasterii Murensis chartario aliisve fidedignis documentis ad historiam ejusdem Coenobii compilandam, anno 1630.“ – Sehr schätzenswerth; 591 Folioseiten.

  2. Annales Monasterii Murensis O. S. B. ab anno 1027 usque ad annum 1693 partim ex veteribus ejusdem Coenobii documentis novisque tum abbatis Tschudi tum Augustini Stöcklin notatis eruti et compilati per Anselmum Weissenbach“; 823 Folioseiten. „Ecclesiastica Monasterii Murensis seu ejusdem in Ecclesiastico statu origo, progressus et incrementum ... per Anselmum Weissenbach, vener. Capit. Secretarium, anno 1688“; 754 Folioseiten.

  3. Annalium sive Historiæ Monasterii Murensis continuatio ab anno Domini 1693 usque ad annum completum 1750, compilata a P. Leodegario Mayer p. t. ejusdem Monasterii Decano, 1751“. – Zwei Grossquartbände, wovon der erste die Geschichte Muris bis 1730 inclusive auf 972 Seiten und der zweite bis 1750 auf 1023 Seiten erzählt.

    Diesen Annalen gab P. Leodegar Mayer noch einen kleineren Band – Statistisches, bei.

  4. Compilirt von P. Mauriz Hohenbaum van der Meer, Kapitular des Klosters Rheinau, abgeschrieben von Fürstabt Gerold Meyer von Muri; 361 Folioseiten.

  5. „Die .Anfänge des Hauses Habsburg“; – „Zur Frage über die .Anfänge des Hauses Habsburg“.

  6. Entgegnung auf die „Anfänge des Hauses Habsburg“, Separatabdr. 10 Folioseiten.

  7. Diese Acta wurden letzte Zeit von der Kantonsbibliothek in das Staatsarchiv in Aarau übertragen.

  8. Abdruck in den Quellen zur Schweizer Geschichte III., Kloster Muri, C.

  9. Die von meinem Gegner angeführten Gegenbeweise sind, wie ich später zeigen werde, nicht stichhaltig.

  10. Habsburger Studien, Separatabdr. aus den „Mittheilungen des Instituts für österreich. Geschichtsforschung VII.“, S. 19.

  11. „Catalogi bibliothecarum antiqui“. Bonn, 1885, S. 250.

  12. Adler, „die Anfänge des Hauses Habsburg“, 1883, Separatabdr., Seite 15.

  13. Weil ich diese Gründe in meiner „Entgegnung“ im Adler (1884) wiederholte, so halte ich ihre Anführung für überflüssig. Uebrigens habe ich schon in meiner Edition der Acta Murensia Werner als Habsburger bezeichnet (S. 5, 10, 178, 179, 188).

  14. Habsburger Studien, Separatabdr., S. 17. – Mehreres hievon später.

  15. Jahn Alb., Geschichte der Burgundionen II., Seite 485-487.

  16. Anzüglichkeiten, welche sich mein Gegner bei dieser Darstellung gegen mich erlaubte, lasse ich unbeachtet.

  17. Band XVI., Seite 287-297.

  18. Adler, Jahrg. 1883, Separatabdr. S. 6 und 1885, S. 109 u, 110.

  19. Anzeiger für Schweiz. Geschichte, 18. Jahrg. Seite 25, 40. W. Gisi glaubt, Kanzelin habe sich wirklich Graf „nach Altenburg bei Windisch“ genannt (Anzeiger f. schw. Gesch., XIX. S. 270, 278).

  20. Archiv Muri in Aarau.

  21. Herrgott, Geneal., vol. I., p. XXVII.

  22. Adler, 1884, Separatabdr„ S. 4; vgl. Nachwort meiner Edit. der Acta, S. 17 4 ff.

  23. Meyer von Knonau, Regesten von Kappel, Nr. 81, 82.

  24. Zapf, Monumenta, p. 161, 162.

  25. Archiv St. Urban, jetzt Staatsarchiv Luzern.

  26. Archiv Muri in Aarau.

  27. Archiv Muri in Aarau.

  28. Adler, 1885, S. 110, 111.

  29. Die unbegründete Geringschätzung der Person Oechslin's (Adler, 1885, S. 111) vermag mir den Glauben an die amtlich niedergeschriebenen Worte eines beeidigten Landschreibers nicht zu rauben, und weil er Protonotarius apostolicus war, müssen seine Kenntnisse nicht gering gewesen sein.

  30. Das Wörtchen „eiusdem“ vertritt genügend die Beschreibung des kaiserlichen Siegels oder Monogramms.

  31. Die Beschreibung der handschriftlich in dem Staatsarchive zu Aarau vorfindlichen Acta sehe man in Argovia IV. und Quellen zur Schweiz. Gesch. III., Kloster Muri, S. 168.

  32. Adler, 1885, S. 112.

  33. Typis principalis Monasterii (Muri), p. 78.

  34. Herrgott, Geneal., vol. II., 213, 223, 232.

  35. Bucelin, Chronolog. Bened., p. 430.

  36. Mabillon, saec. III. Bened.

  37. Gallia christiana V., p. 834; Grandidier, Oeuvres I., 166 ff.

  38. Mein Gegner konnte bis anhin keinen finden.

  39. Herrgott, Geneal.,, vol. II., 211, 212.

  40. Kurz und Weissenbach, Beiträge I., 137, 434-438; Archiv Muri in Aarau.

  41. Kurz und Weissenbach, Beiträge I., 138.

  42. Kurz und Weissenbach, Beiträge I., 434.

  43. Eidgen. Bünde II., 1, 374 ff.

  44. Deutsche Verfassungsgeschichte V., S. 410 ff.

  45. Herrgott, Genealog. I., 131.

  46. Eidgen. Bünde II., 1, 442 ff.

  47. Eidgen. Bünde II., 1, 399 f.

  48. Herrgott, Geneal. II., 194.

  49. Daselbst, S. 286.

  50. Die 30 ersten Bände des Geschichtsfreundes des V-örtlichen Vereines sprechen von ihnen nicht.

  51. Quellen zur Schweizer Gesch. III., Kloster Allerh., S. 16.

  52. Gesch. der eidgen. Bünde II., 1, 407, Anm. 8.

  53. Deutsche Verfassungsgesch. V., S. 384.

  54. Quellen zur Schweizer Gesch. III., S. 126 ff.

  55. Adler, 1883, Separatabdr. S. 13, Anm. 106.

  56. In meiner Ausgabe der Acta Murensia (Basel, bei Felix Schneider, 1883, S. 15, Linie 20 von oben sollte es statt 27. April 30. April heissen.

  57. Annales, p. 224 (nicht 244, Adler, 1884): „cujus corpus ad Monasterium Murense defertur“, Weil mein Gegner diese Angabe nicht direkt widerlegen kann (Adler, 1885, 112), so möchte er die Quelle, die ich citirte, discreditiren. Ich berief mich einfach auf „P. Anselm Weissenbach, Annales (in Muri-Gries), p. 224“. Er aber schreibt: „Der Hinweis auf die spätern Funde von Gräbern (ich habe gar nicht auf diese Funde von Gräbern hingewiesen, und auch P. Anselm hat dies nicht gethan; denn dieser schloss die Annales 1693 ab und starb 1696, während die Gräber der Habsburger erst 1701 geöffnet wurden) und Stöcklin's Chronik ist hier nicht zutreffend“ (Stöcklin schrieb keine Chronik, sondern sammelte fleissig Acta für die Muri-Geschichte – Miscellanea). Eine solche Art der Beweisführung ist eines Gelehrten unwürdig.

  58. Adler 1883 und 1885 (S. 112).

  59. Gesch. der eidgen. Bünde II., 1, 482, Note 4.

  60. Fridolin Kopp, Vindic. Act. Mur., p. 277-281; Herrgott Geneal. II., 487 sq.; Kurz und W., Beitr. I., 21 ff.

  61. Ich lese D. (vgl. meine Editio der Acta Mur., S. 132). Weil ich statt R. – D., statt Baris – Barro, statt tantum solidorum – trium solidorum, statt im Kolre – im Kelre, statt mihi und nihil – michi und nichil, statt Küssonach – Kussenach, statt Becherû – Bechû, statt Wingarten – Wingartler, statt in custoria – in cimiterio etc. lese und weil ich deshalb die drei fast gleichen Abdrücke dieser Urkunde als “fehlerhaft“ bezeichnete, so beschuldigt mich mein Gegner einer Fälschung der Urk. (Adler, 1885, S. 112). Wie soll man ein solches Verfahren nennen!

  62. Murus et Antem. III., p. 83; Arch. Muri in Aarau.

  63. Daselbst.

  64. Solcher Versehen macht sich mein Gegner zu oft schuldig! In der Anmerkung hat er den lateinischen Text richtig angegeben. Sonderbar!

  65. Watterich, Bd. I., S. 441; Pertz, Decr. Brixin., Leg. II., 51.

  66. Neues Archiv der Gesellsch. für ält. deutsche Gesch. VII., 175. 3

  67. Mittheilungen des Institutes für österreichische Geschichtsforschung, Bd. V., 405 und 406; Bd. VII., Habsburger Studien von Alois Schulte, Archivrath in Karlsruhe; vgl. auch G. Becker, Catalogi Bibliothecarum antiqui, Bonn, 1885.

  68. Mittheil. des Institutes f. österr. Geschichtsforschung, Bd. VII.

  69. Oswald Redlich (Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien, 37. Jahrgang, 1886, S. 457) ist mit Schulte's Ansicht einverstanden.

  70. Daselbst. Vgl. auch Specimen Genealogico-Progonologicum a Rudolpho Coronino comite de Cronberg, locupletatum et continuatum a Francisco Carolo Palma, Viennae 1774, p. 44-48.

  71. Acta Mur., Bl. 11 a, Ruinen einer Burg Budenheim im Elsass unterhalb Basel sind bis 1865 gewesen.

  72. Adalbert I., Bruderssohn Bischof Werner's, starb in Hünigen unterhalb Basel ca. 1056 (Acta Mur., Bl. 5 b).

  73. Urk. vom 30. Jänner 1063 (Schöpflin, Alsat. diplom., pars I., Nr. 216.

  74. Adler, 1884.

  75. Gerbert, Monumenta vet. Liturg. alem. I., p. 500, Nota 4.

  76. Herrgott, Geneal., vol. I., p. 272.

  77. Herrgott, Geneal., vol. II., p. 105, 106.

  78. Herrgott, Geneal., vol. II., p. 107-108.

  79. Adler, Zur Frage, 1885, S. 109.

  80. G. Waitz, Deutsche Verfassungsg. VII., S. 10 ff.

  81. Pertz, leg. II., 39; J. B. Weiss, Lehrbuch der Weltgeschichte, Bd. II., 2, 1031.

  82. Quellen und Erörterungen zur bayrischen und deutschen Geschichte I., 34, 38, 42 u. s. w.

  83. Acta Tirolensia, Innsbruck bei Wagner, Bd. I., 24.

  84. Anonymus denudatus, p. 337, Nota a.

  85. Waitz, Deutsche Verfassungsgesch. VII., 23, 24, Anm. 1 und 2 und a. a. O.

  86. Waitz, Deutsche Verfassungsgesch. VII., 10-12.

  87. Habsburger Studien, Separatabdr., S. 15.

  88. Mittheilungen des Institutes für österr. Geschichtsforschung, VIII. Bd., S. 518, 519.

  89. Adler, 1884, Separatabdr., S. 1. und 2.

  90. Unter Urkundenfälschung verstehe ich eine in schlimmer Absicht fabricirte Urkunde.

  91. Mittheilungen des Institutes f. österr. Geschichtsforsch., Bd. V., S. 73, 74, 353-364.

  92. Mittheil. d. Inst. f. österr. Geschichtsforsch. V. l, c.

  93. Beiträge zur Urkundenlehre, Bd. I., 341.

  94. Weil Abt Luitfrid um das Jahr 1085 aus St. Blasien nach Muri gekommen war, und weil die Fehde wohl durch seine Bemühung beendigt wurde, so ist deren Abschluss eher auf dieses als auf das Jahr 1082 zu verlegen.

  95. Hergenröther, KG. II., S. 271, 272, bei Herder, Freiburg i. Br., 1886.

  96. Klosterarchiv Engelberg; Kopp, Gesch. der eidgen. Bünde III., 253, 254.

  97. Herrgott, Genealog. II., 192-194.

  98. Trouillat, Monum. I., 550; Herrgott, Geneal, II., 255.

  99. Quellen zur Schweizer Gesch, III., Kloster Muri, S. 134 ff.

  100. Adler, Anfänge des Hauses Habsburg, 1883, Separatabdr., S. 15.

  101. Das älteste Hermetschwiler Nekrologium befindet sich im Staatsarchiv zu Aarau.

  102. Im Nachworte zu der Ausgabe der Acta Mur., S. 181, habe ich nachgewiesen, das Nekrologium sei sicher nach 1131 aber vor 1145 angefertigt worden.

  103. Quellen zur Schweizer Gesch. III., Kloster Allerheiligen, S. 124.

  104. Die Frauen mussten an Sonn- und Festtagen den Gottesdienst in Muri besuchen.

  105. Die Paginirung wurde am Ende des 17. Jahrhunderts vorgenommen.

  106. Da die in meiner Ausgabe der Muri-Akten unterlaufenen Fehler grossentheils in dieser Geschichte verbessert wurden, beschränke ich mich nur auf Weniges und Wichtigeres.

  107. Vgl. Schulte's „Studien zur ältesten und älteren Geschichte der Habsburger und ihrer Besitzungen im Elsass“ im VII. und VIII. Bande der „Mittheilungen des Institutes für österreichische Geschichtsforschung“. Innsbruck, bei Wagner. Die sehr gediegene Arbeit ist auch erweitert als Sonderausgabe erschienen.

  108. Kleinere Druckfehler möge der Leser selbst corrigiren, wie z. B.: S. 9, 1. Z. v. o. – dass für das; S. 10, 11. Z. v. o. – Kostbilligen für kostspieligen; S. 51, Anm. 1 – freien für freie; S. 65, Z. 12 v. o. – von statt über; S. 155, 11. Z. v. u. – werden für wird; S. 171, 10. Z. v. u. – ihrem für seinem; S. 175, 1. Z. v. o. – Bitte statt Bitten; S. 176, 14. Z. v. u. – die für dief; S. 176, Anm. 1 – hatten für natten; S. 211 6. Z. v. o. – selbe für selbes; S. 314, Anm. 3 -- Muri für Mnri; S. 370, 7. Z. v. o. – jenem für jenen; S. 370, 10. Z. v. u. – 1032 - 1300 für 1032 1300.