Zusätze und Berichtigungen.

I. Zu Quellen zur Schweizergeschichte III. b.

S. 83 Anm. 1 verbessere dahin: Furken, die heutige Furgialp, rechts vom Horbisthälchen, am Fusse des Gemsispiels, Pfarrei Engelberg. – Rigintal, am Abhange der Rigidalstöcke, Pfarrei Engelberg, n. östl. v. Kloster. – Bauen, die heutige Genossenalpe Niederbauen ob Emmetten. – Obrenalp im Schönthal u. „ad horne“, unweit dem Kulm am Sassigrat, südlich von Isenthal. (Dr. Zelger, Beiträge zur Nidw. Gesch. 1888, S. 85.)

II. Zum I. Bande der Muri-Geschichte.

Vorw. S. VIII. 15. Z. v. u. Watigisso, dann füge bei: Regenfridswile, jetzt Retschwil am Baldeggersee.

Vorw. S. XII u. XV. W. Gisi glaubt, Kanzelin habe sich wirklich Graf „nach Altenburg bei Windisch“ genannt (Anzeiger f. schw. Gesch., XIX. S. 270, 278).

S. 9, 7. Z. v. o. lies Werner, Bruder statt Sohn.

S. 28, Anm. 14 streiche und lies: Retschwil am Baldeggersee.

S. 91 Holzherr irrt wohl in seiner Geschichte der Abtei Zwiefalten, wenn er S. 32 Anm. 1 Efrid, einen Mönch aus Zwiefalten, 1212 Abt in Muri sein lässt.

S. 133, 23. Z. v. o. lies Klingnau für Klingenberg.

S. 159 u. 160 lies Rudolf für Leopold.

S. 164, 2. Z. v. o. lies Buttisholz für Lüttisholz.

S. 245, 5. Z. v. o. lies zu Ungunsten für zu Gunsten.

S. 261 ff. vgl. II. Bd. S. 53 Anm. 1.

S. 275, 17. u. 18. Z. v. o. Odeum wurde fälschlich mit Museum übersetzt (Musiksaal), es soll Musikchor in der Kirche heissen (Annales p. 342).

III. Zum vorliegenden Bande.

1

S. 84, 1. Z. v. o. Aus einem im Archive zu Gries aufgefundenen Briefe geht hervor, dass Abt Fridolin schon vor dem 8. Jänner 1674 die Visitation des Frauenklosters in Stans in die Hände des apostolischen Nuntius zurückgelegt und die Kapuziner für dessen Leitung in Vorschlag gebracht habe.

S. 110 Anm. 1. Im Jahrg. 1890 in der Argovia veröffentlicht.

S. 146, 11. Z. v. u. lies Pappus für Pappusin.

S. 177, Z. 5 v. u. lies 1678 für 1673.

S. 187 Anm. 3. lies Abt Johann Bapt. Murr von Marienberg für Beda.

S. 190. Das kunstvolle eiserne Gitterwerk aus der Zeit Gerold's I. möchte von Christian Abt in Bünzen gemacht worden sein (Arch. des Rigiklösterleins).

S. 191, 4. Z. v. o. lies Rauner für Raumer.

S. 266, 18. Z. v. u. lies Barthelemy für Barthelmy.

S. 266, 10. Z. v. u. lies Dürenmettstetten für Dürenmenstetten.

S. 301, Anm. 1. Jetzt gedenkt man eine Cigarrenfabrik einzurichten.

S. 304, 19. Z. v. o. lies Muri, wie es sonst bei ähnlichen Anlässen üblich für nach Uebung.

S. 312, 9. Z. v. o. lies Bretschert für Bretscher.

S. 367, 21. Z. v. o. lies Kapitals für Kapitels.

S. 387, 5. Z. v. o. lies Dümge für Dünge.

S. 415, 20. Z. v. o. lies 1836.

S. 467, 16. Z. v. o. lies Professen für Professoren.

S. 447 u. 448: Ueber das Sturmläuten im Kloster Muri habe ich mich im II. Bande S. 447 und 448 nur kurz verbreitet, theils weil darüber in der „Bengalischen Beleuchtung“ (Schwyz, 1875, S. 118, 119 u. 125-29) weitläufiger gehandelt wurde, theils weil ich den Abschluss des Processes, den Herr Oberst Frei von Basel gegen Herrn Apotheker Weibel in Luzern seit Anfang des Jahres 1889 wegen dieses Sturmläutens anhob, abwarten wollte. Daher bin ich genöthigt, an dieser Stelle in gedrängter Kürze zu beweisen, dass am 11. Jänner 1841 mit den Glocken des Kosters Muri nicht Sturm geläutet worden sei.

Der Hochwürdigste Prälat von Muri Adalbert widersprach schon am 14. Jänner 1841, an der Spitze des ganzen Konventes (II-V) stehend, dem Oberkommandanten der Okkupationstruppen Frei-Herosee feierlich und entschieden, als dieser, umgeben von Civil- und Militärbehörden, dem Konvente die Klosteraufhebung ankündigte und demselben auch den Vorwurf des Sturmläutens machte; dasselbe that genannter Prälat am 29. Jänner d. J. beim amtlichen Verhör in Muri, und das Gleiche bezeugte er den 14. August 1843 schriftlich zu Handen der h. Tagsatzung. Ja, er behauptete sogar, dass er ausdrücklich befohlen habe, man solle das Läuten am Morgen des 11. Jänner 1841 beim Hinwegtragen der Leiche eines Klosterdieners (Xaver Keller von Schongau), welches sonst gebräuchlich gewesen wäre, aber wegen seiner Seltenheit vom aufgeregten Volke hätte missdeutet werden können, gänzlich unterlassen. Die Aussagen des Abtes Adalbert hinsichtlich des Sturmläutens bekräftigten über 318 Ehrenmänner von der nächsten Umgebung des Klosters, welche schon 1841 in zwei Zuschriften an die h. Tagsatzung erklärten: sie seien bereit, eidlich zu erhärten, dass am 11. Jänner 1841 mit den Klosterglocken weder Vormittag noch Nachmittag Sturm geläutet worden sei, und dass sie solches Läuten ganz gewiss hätten hören müssen, weil sie diesen ganzen Tag sich in der Nähe des Klosters befunden hätten.

Diesen 318 Männern konnte die Regierung keinen annehmbaren Zeugen entgegenstellen. Von der Aussage des R. R. Franz Waller, der am 11. Jänner 1841 in Muri gefangen lag, als hätte er Sturm läuten gehört (Behauptung Siegfried Abt's, Aufruhr im Freiamt vom Januar 1841), ist laut Protokoll des aargauischen Gr. Rathes vom 13. Jänner 1841 kein Wort wahr. Auf Seite 28-35 dieses Protokolles sagte Waller: „Ich hörte Kanonendonner, der von Villmergen her ertönte; eine ähnliche Freude habe ich noch nie empfunden“ u. s. w. Vom Sturmläuten im Kloster spricht er kein Wort, was er, wenn er es gehört, sicher nicht verschwiegen hätte.

Endlich sprach das Bezirksgericht Muri den vom Staate Aargau wegen der Ereignisse vom 11. Jän. 1841 eingeklagten Abt Adalbert im Nov. 1843 von jeder Schuld und Strafe gänzlich frei und verfällte die Regierung in die Kosten (Vaterland Nr. 60, 1891, Beilage, drittes Blatt).

(II-VI) Seitdem wurde dieser durch Staatsschriften ausgebreiteten Unrichtigkeit, es sei am 11. Jänner 1841 mit den Klosterglocken Sturm geläutet worden, öfters in Zeitungen und Broschüren widersprochen, und zwar von Solchen, die es genau wissen konnten. Endlich erfrechte sich Herr Oberst Frei von Basel den 12. Mai 1889 bei der Enthüllung des Denkmales von Augustin Keller in Aarau, diese Unwahrheit wieder in die Oeffentlichkeit zu werfen. Herr Apotheker Joseph Weibel in Luzern beschuldigte in Folge dessen Herrn Frei falscher Aussagen, wenn er seine Behauptung nicht widerrufe.

Dieser hob dann gegen Apotheker Weibel im Juni 1889 einen Ehrenbeleidigungsprozess an. Weibels Advokat musste daher ein Zeugenverhör in Muri selbst aufnehmen, wobei auch Dr. Weibel, der Advokat des Klägers, erschien. Aufgefordert, kamen am 28. April 1890 zwanzig ehrenwerthe Männer (Greise) vor das dortige Bezirksgericht. Man stellte an jeden dieser 20 Männer einzeln fünfzehn Fragen in Gegenwart des Gegenadvokaten. Die Aussage aller 20 Zeugen lauteten einstimmig, am 11. Jänner 1841 sei mit den Glocken des Klosters Muri nicht Sturm geläutet worden. Das war für den radikalen Dr. Weibel niederschmetternd, zumal er selbst an jeden einzeln 20 besondere Fragen gestellt hatte. Ich lasse die Namen der abgefragten Ehrenmänner und eines der zwanzig Verhöre aus dem Protokolle des Bezirksgerichtes Muri folgen.

Diese Männer sind:
Bucher, Fürsprech (Advokat) in Muri;
Strebel Fridolin, von Birri;
Egenter K. L., Schuster in Muri;
Egenter Felix, Landwirth in Muri;
Scherer J. B., Lehrer in Muri;
Etterli Philipp, Schmied in Muri;
Strebel Kaspar J., Strassenwärter in Muri;
Scherer Benedikt, in Muri;
Strebel Johann, Alttodtengräber in Muri;
Strebel F. K., Altoberamtmann's in Muri;
Küchler Jakob, Sigrist (Messner), in Muri;
Frei Joseph, in Dorf-Muri;
Müller Joseph, in Dorf-Muri; (II-VII)
Frei Joseph Leonz, in Muri-Egg;
Staubli, Altsektions-Adjutant, in Muri-Egg;
Waltenspül J. B., Pfleger's, in Muri;
Käppeli, Gemeinderath in Isenbergschwil;
Fischer Peter, in Wili;
Meier, Friedensrichter-Statthalter in Birri;
Stöckli Wendelin, Metzger in Birri.

Verhör des 88jährigen Fürsprech Bucher vor dem Bezirksgericht Muri am 28. April 1890.

Fragen. Antworten

Wie alt sind Sie?

Geboren 1802.

Sie erinnern sich an die Bewegung vom 11. Jän. 1841 im Freienamt, speciell in Muri?

Ja.

Wo wohnten Sie am 11. Jän. 1841?

In dem Hause, welches gegenwärtig Dr. Nietlispach bewohnt.

Wie weit ist das von der Klosterkirche in Muri in gerader Linie entfernt?

Nicht 100 Schritte.

Wo hielten Sie sich am 11. Jänner 1841 Vormittags auf?

Ich war zu Hause im obern Stockwerke und folgte gespannt den Ereignissen und nahm Alles wahr, was man sehen konnte.

Hätte man von da aus, wo Sie sich aufhielten, von der Klosterkirche her läuten hören (können), wenn man dort geläutet hätte?

Ja, das kann man sich denken.

Wo hielten Sie sich am Nachmittag des 11. Jänner 1841 auf?

Ich war den ganzen Tag im Hause aus einer wohl überdachten Ursache. Ich wollte mich mit keiner Partei vermengen.

Hätte man auch von dort aus das Läuten von der Klosterkirche Muri hören müssen, wenn dort geläutet worden wäre?

Ja wohl.

(II-VIII)

Am 11. Jänner. 1841 waren Sie nicht schwerhörig?

Ich hörte sehr gut. Seit einem Jahre hat das Gehör abgenommen.

In Ihrer Umgebung war auch kein besonderer Lärm?

Nein. Es war nur meine Haushälterin zu Hause; diese war voll Schrecken.

Die Klosterglocken in Muri hört man auf weite Entfernung?

Allerdings; die grosse Glocke hört man sogar sehr weit.

Das Läuten der Dorfkirchglocken konnten Sie von denjenigen der Klosterkirche genau unterscheiden?

Ja.

Sie hätten am 11. Jänner 1841 das Sturmläuten der Klosterkirchenglocken in Muri hören müssen, wenn geläutet worden wäre?

Ja, das hätte ich in jedem Falle hören müssen.

Ist am 11. Jänner 1841 mit den Klosterglocken in Muri Sturm geläutet worden?

Nein. Es wurde mit den Klosterglocken nicht Sturm geläutet.

Ist nicht sogar übliches Geläute am 11. Jänner 1841 im Kloster Muri unterlassen worden?

Es wurde den ganzen Tag nicht geläutet, ausser mit einem kleinen Glöcklein für einen Verstorbenen beim Begräbniss; ich habe aber auch das nicht gehört.

Von den 20 Fragen, die Dr. Weibel als Advokat des Klägers Oberst Frei an die Zeugen richtete, will ich nur einige anführen, welche von selbem an den gleichen Fürsprech Bucher gestellt wurden.

Sie waren selber (am 11. Jän. 1841) in grosser Aufregung?

Nein, wenn man den ganzen Tag im Zimmer ist, gewiss nicht.

Beide Parteien gefielen mir nicht.

Ich gab wohl Acht auf das Kloster; was das Kloster mache.

Haben Sie immer Acht gegeben auf das, was im Kloster vorging?

Ja, soviel ich konnte – zum Fenster hinaus. Ich hörte auch zwei Thore im Kloster aufsprengen. Einmal hiess es: der Lindenmann sei todt.

(II-IX)

Haben Sie nicht an jenem Tage auf ganz andere Sachen Acht gegeben?

Ich habe vielleicht noch Berufsgeschäfte besorgt.

Im Kloster wurde (sonst) sehr viel geläutet?

Ja.

Man achtete sich dessen nicht einmal mehr?

Damals hat man sich schon geachtet; ich speciell, weil ich dachte: „Kloster, mache keine Dummheiten, sonst geht es dir an die Ohren.“

Sie müssen erklären, dass an jenem Tage im Kloster geläutet werden konnte, ohne dass Sie es hörten oder achteten!

Nein, ich hätte es hören müssen; mit einem kleinen Glöcklein konnte vielleicht geläutet worden sein, ohne dass ich es hörte; sonst aber nicht. – Im Allgemeinen wurde bei Beerdigungen mit mehreren Glocken geläutet.

Jedenfalls dürfen Sie das Gegentheil nicht eidlich beschwören?

Ich darf beschwören, dass ich es gehört hätte, wenn Sturm geläutet worden wäre.

Im gleichen Sinne antworteten die übrigen 19 Ehrenmänner. Ja, es wären heute (11. Nov. 1890) noch mehrere solcher Männer aus der nächsten Umgebung des Klosters Muri jeden Augenblick bereit, eidlich zu bezeugen, dass am 11. Jän. 1841 mit den Glocken des Klosters Muri nicht Sturm geläutet worden sei.

Der Zeuge Fridolin Strebel gab am 28. April 1890 noch Folgendes zu Protokoll: „Am 12. Jänner 1841, und nachher war ich im Kloster (Muri) Aufwart bei den Offizieren. Es waren nach dem Essen noch drei da, 2 Verhörrichter und der Schreiber. Sie fingen an, französisch zu sprechen. Dann sagte einer: Es ist auffallend; ihr wisset, dass wir 70 bereits verhört haben wegen des Sturmläutens, und Alle sagen: es sei nicht geläutet worden. Er habe den Prälaten gefragt (verhört). Dieser sage, es sei geläutet worden. Er fragte mich dann, ob ich es auch gehört hätte, worauf ich antwortete: Wir wollen zu dem Prälaten gehen, und wenn dieser sage, es (II-X) sei geläutet worden, so bezeichne ich ihn als Lügner.“ – Der war also fest überzeugt, dass im Kloster nicht gestürmt worden sei, und mit ihm, glaube ich, werden alle Leser obiger Beweise dieselbe Ueberzeugung gewonnen haben.

Somit fällt der Hauptgrund des Grossräthlichen Klosteraufhebungsdekretes des Kantons Aargau vom 13. Jän. 1841 dahin, und die Vernichtung der 7 Gotteshäuser (4 Männer- und 3 Frauenklöster) muss als roher Gewaltakt, hervorgegangen aus protestantisch-freimaur'schem Hasse gegen die katholische Kirche, angesehen werden.

Der Prozess Weibel-Frei kam im Februar 1891 vor dem Obergerichte des Kantons Luzern zum endgiltigen Austrage. Die auf Verleumdung lautende Klage des nunmehrigen Bundesrathes wurde abgewiesen, Weibel aber wegen Beleidigung zur Tragung der Prozesskosten verurtheilt, weil es nicht immer erlaubt ist, einem eidgenössischen Oberst oder Bundesrath die Wahrheit in's Gesicht zu sagen. Durch dieses Urtheil ist nunmehr die aargauische Staatsschrift vom Jahre 1841 als ein lügnerisches Machwerk gerichtlich gebrandmarkt, – die Aufhebung des Stiftes als ein Akt brutalster Gewalt und der ungerechtesten Willkür hingestellt worden.2

„Der Mensch denkt, Gott lenkt“. Die zwei Klöster, Muri und Wettingen, haben heute eine fast doppelt grössere Anzahl Mitglieder und eine viel bedeutendere Wirksamkeit, als früher, und aus dem armen Klösterlein „Maria Krönung“ bei Baden gingen durch P. Theodos die grossartigen Anstalten von Menzingen und Ingenbohl hervor, deren Mitgliederzahl auf 2500 gestiegen ist, und die in den Schulen, Spitälern, Waisenhäusern etc. eine Thätigkeit entwickeln, worüber selbst ihre Feinde in Staunen gerathen.


  1. Kleinere Versehen wie S. 59, 6. Z. v. o.; S. 301. 9. Z. v. o. u. einige sprachliche Härten möge der Leser gefälligst selbst verbessern.

  2. Die Rede, welche Herr Apotheker Weibel vor dem Obergerichte hielt, ist abgedruckt im Luzerner Vaterland vom 13. und 14. März 1891, Nr. 59 und 60.