Siebentes Kapitel. Inneres Leben und äussere Thätigkeit der Murikonventualen aus dem Zeitraume von 1684-1776.

Die Klöster der schweizerischen Benediktiner-Congregation1 genossen von jeher in ihrer Mehrheit den Ruf einer guten Disciplin und grosser Strebsamkeit. Muri, das zur Gründung dieser Congregation am meisten beigetragen hatte, bewahrte seitdem den ungetrübten Ruhm eines wohlgeordneten Gotteshauses. Es sei daher gestattet, ein Lebensbild der Konventualen dieses ältesten Habsburger-Stiftes aus dem Zeitraume von 1684-1776 dem Leser vor Augen zu führen.

Die Hauptzüge ihres Lebens in dieser Periode sind gewissenhafte Beobachtung der klösterlichen Satzungen, fleissiger Besuch des Chorgebetes, ernstes Streben nach wahrer Wissenschaft und reger Eifer für die Verbreitung der Ehre Gottes. Das Kloster erscheint nach Aussen in fürstlicher Pracht, der Konventuale aber ist einfach gekleidet und lässt keine Spur des Reichthums, den die Genossenschaft besitzt, an sich erkennen. Wenn schon die kaiserliche Urkunde vom Jahre 1701 jeden Konventualen von Muri vermöge der Profession in den Adelsstand erhebt,2 so masst sich desshalb keiner besondere Vorrechte an. Die Gewänder bestanden aus Wollenzeug, der Tisch bot wenige und keineswegs ausgesuchte Speisen, und der Wein, den man den Religiosen vorsetzte, hatte geringen Gehalt.3 Karl Dulliker von Luzern kam 1705 als Landvogt mit 38 Berittenen nach Muri. Fürstabt Placidus Zurlauben wollte diesen Gästen eine Freude bereiten und führte sie zur Zeit, als die Konventualen gerade zu Mittag speisten, in das Refektorium. Schultheiss Martin Schwytzer, der an der Spitze der Gäste (II-219) stand, verlangte den Tischwein zu verkosten; schon nach dem ersten Schlucke sagte er im urkräftigen Schweizerdialekte: „Sakament, 's ist doch ä surer Kätzer!“4 Das vorhergehende Jahr war auch der päpstliche Nuntius zur Essenszeit im Refektorium der Muri-Konventualen erschienen. Da er die wenigen und einfachen Speisen erblickte, rief er aus: „Jesus und Maria, was ist das, sind das Speisen für Menschen? Wahrhaftig, die Väter leben heilig!“5 Trinkgelage waren bei der strengen Disciplin, wie sie in Muri bestand, selbstverständlich ausgeschlossen; nie sahen sich die Visitatoren der Congregation, die sonst jeden Disciplinarfehler in den Recessen bemerkten, in dieser Beziehung zu einer Rüge veranlasst. Während die Kirche in Gold und Silber strahlte, herrschte in den Zellen der Konventualen die grösste Armuth;6 in denselben stand nur ein Stuhl, und das Bett hatte Stroh- und „Laubsäcke“.

Bei der Aufnahme junger Kleriker sahen die Kapitularen viel auf musikalische Befähigung, wie solche zu Chor- und Gottesdienst erforderlich schien; denen, welche nicht längere Zeit unter ihren Augen studirt hatten, wurde die Aufnahme nur selten zu Theil.7 Wir begegnen daher unter den 113 Mitgliedern, welche in dieser Periode in Muri lebten, nur zwei unwürdigen; dagegen drängen sich uns viele Namen auf, die nicht bloss durch ihre Thätigkeit und Wissenschaft, sondern auch ganz besonders durch Frömmigkeit und Tugend ausgezeichnet waren.

P. Sebastian Rüti wird von den Hauschronisten wegen seines Gehorsams und seiner Abtödtung gerühmt. Er lag in seinem 72. Altersjahre an einer tödtlichen Krankheit darnieder; der Laienbruder bereitete nach Vorschrift anstatt des harten Strohsackes ein weiches Federbett. Kaum hatte das der Greis bemerkt, so tadelte er desshalb den Bruder; die Obern mussten ihm dann unter dem Gehorsam befehlen, das weiche Bett anzunehmen. Nach wenigen Tagen war er dem Tode nahe. Als Ordensmann hatte er nie eine Reise ohne den Segen des Obern unternommen; ebenmässig wollte er auch die wichtige Reise in die Ewigkeit nur mit dem Segen des Abtes antreten. Dieser erschien am Sterbebette, und P. Sebastian verschied bald unter den Segenswünschen des Prälaten und seiner Mitbrüder am 7. November 1689.8

(II-220) Den Laienbruder Wolfgang Keller zierten Abtödtung und Geduld. In seiner Jugend war Keller sehr zum Zorne geneigt; muthig trat er diesem Fehler entgegen und brachte es in der Selbstverläugnung zu einer Meisterschaft. Ein gichtartiges Leiden beraubte ihn des Gebrauches der Hände und Füsse; gleich dem geduldigen Job ertrug er ohne Klage die grimmigsten Schmerzen. Wie P. Sebastian wollte er den Tod nicht in Linnen gehüllt erwarten, sondern wünschte, als Mönch in dem groben Wollenzeuge sterben zu dürfen. Durch zwei volle Jahre vor seinem Tode enthielt er sich gänzlich der Fleischspeisen, obgleich die hl. Regel den Kranken ausdrücklich den Fleischgenuss erlaubt.9 Bruder Wolfgang beschloss sein verdienstvolles Leben am 9. März 1685.10

Den P. Heinrich Zurgilgen, gestorben 1702, machten die Wissenschaften, noch mehr aber die Tugenden der Keuschheit und des Gehorsams bemerkbar; in letztgenannter Tugend war er so weit gekommen, dass er nur unter dem Gehorsame sein Leben enden zu dürfen glaubte. Auf dem Todbette sagte er: „Ich kann nicht sterben, es sei denn, dass der Abt dazu mir die Erlaubniss gebe.“ Dieser kam, ertheilte ihm zur Reise in die Ewigkeit seine Genehmigung, segnete ihn, und P. Heinrich starb sofort sanft im Herrn.11

Fünf Jahre später (1707) verlor der Konvent von Muri vier Mitglieder innerhalb weniger Monate. Darunter war Bruder Michael Estermann, ausgezeichnet durch Arbeitsamkeit und Gottesfurcht. Er hatte Gott um die Gnade gebeten, ohne langwierige Krankheit sterben zu können, und – er wurde erhört. Es ergriff ihn ein scheinbar unbedeutendes Uebel; Br. Michael sagte aber, seine Auflösung sei nahe. Er ging sodann in die „Brüderstube“, setzte sich in einen Lehnsessel, empfing die hl. Sakramente und verschied nach wenigen Stunden sanft im Herrn.12

Dasselbe Jahr segnete das Zeitliche auch P. Ambros Letter, gebürtig von Zug. Seine theologischen Studien hatte er vor seinem Eintritte ins Kloster im Borromäum zu Mailand gemacht. Als Kapitular von Muri versah er die Pfarreien Bünzen und Homburg, kam in das Kloster zurück und wurde Fraterinstruktor und zugleich Beichtvater der Klosterfrauen in Eschenbach. Die Neigung zum Irdischen war in ihm gänzlich erstickt; sein Streben hatte er stets auf Gott gerichtet. Die Furcht vor dem Tode war ihm unbekannt, ja, er sehnte sich sogar (II-221) innig nach der Auflösung, um mit Christus zu sein. An seine Mitbrüder hielt er noch auf dem Todbette eine rührende Ansprache und sagte dabei unter Anderem: „Ich sterbe gerne und ich sterbe nicht unversehens, obgleich ich erst das 56. Altersjahr erreicht habe. Mit Zuversicht darf ich mit meinem hl. Namenspatron sagen: Wir haben einen guten Herrn, warum sollen wir ihn fürchten?“

Der fast gleichzeitige Hauschronist, der gelehrte P. Leodegar Maier, erzählt von diesem P. Ambros noch Folgendes: Wenige Monate vor seinem Tode ging er mit Erlaubniss des päpstlichen Nuntius nach Eschenbach, um eine ängstliche Klosterfrau, deren Beichtvater er früher gewesen, zu trösten. Drei Tage nach seinem Tode hörte diese Nonne in der Nacht jemanden auf ihre Zelle zukommen und in dieselbe eintreten. Der Angekommene rief sie dreimal beim Namen: „Botrix“ (Beatrix)! genau in dem Tone, wie P. Ambros sie ehemals zu rufen pflegte. „Jesus und Maria!“ schrie die Klosterfrau, dass es weithin gehört wurde. Jetzt schnalzte die Erscheinung mit den Fingern so, wie P. Ambros früher zu thun gewohnt war, und sagte: „Ich bin P. Ambros; die Antworten und Rathschläge, welche ich letzthin dir gab, sind richtig; beruhige dich damit! Und siehe, nun eile ich zu den himmlischen Freuden.“ Der Chronist fügt noch bei: die Klosterfrau, von welcher er den Bericht mündlich und schriftlich erhalten hatte, sei keine Visionärin gewesen.13

Wie eine aufgehende, mackellose Blume erschien Frater Ildefons Hegglin von Menzingen. Wunderbares begleitete schon seine Jugend; im Noviziate befreite ihn Gott von einem Uebel, das er an der Zunge hatte. Seine Seele schien die Wunden der Erbsünde nie empfunden zu haben. Er glänzte in allen Tugenden, aber voraus zierten ihn Demuth, Gehorsam, Bescheidenheit, Mässigung und Schamhaftigkeit. Er bereitete sich gerade auf den Empfang der Priesterweihe vor, als ihn plötzlich eine Krankheit befiel, die ihn nach acht Tagen (9. Mai 1727) hinwegraffte. Bis zum letzten Augenblicke betete er mit aufgehobenen Händen und mit zum Himmel gerichteten Blicken.14

Die Laienbrüder Philipp Rütimann, Paul Müller, Thomas Rütimann und Anton Halter waren Musterbilder echt benediktinischen Wandels; sie beteten, arbeiteten und waren dabei demüthig und gehorsam.15

P. Nikolaus Odermatt von Stans war ein Schrecken der bösen Geister. Im Noviziate beraubten sie ihn durch gewaltsame Angriffe öfters des Bewusstseins, er achtete jedoch (II-222) der Nachstellungen wenig. Nachdem er mehrere Jahre als Professor in Engelberg und Muri gewirkt hatte, leitete er die Pfarreien Bünzen und Muri; er war unermüdlich im Beichtstuhle und übte das Amt eines Exorcisten mit Umsicht und Kraft aus. Durch Demuth, Gebet und Fasten brach er den Stolz der verworfenen Geister. Man nannte ihn häufig nur den „gottseligen Pater Bruder Klaus“. Sein Ende erfolgte am 20. April 1731.16

P. Hieronymus Pfyffer hatte erst im vierten Jahre seines Lebens durch die Fürbitte des hl. Martyrers Leontius die Sprache erlangt.17 Kapitular von Muri geworden, pastorirte er als Pfarrer in Homburg, wurde Oekonom in Klingenberg und Glatt am Neckar; hiebei sehnte er sich aber innig nach den ruhigen Zellen des Klosters, indem er das Leben eines Religiosen ausserhalb der Klostermauern für sehr gefährlich ansah. In dasselbe zurückberufen, übte er die strengste Busse, war in Verrichtung guter Werke sehr beflissen und seufzte oft, dass er auf den Herrschaften gewesen. Sein Ende war erbaulich.18

P. Augustin Effinger von Einsiedeln glänzte durch Nächstenliebe, Wohlwollen und Dienstfertigkeit. Zu Jesus im allerheiligsten Altarssakramente hatte er eine feurige Andacht; fast jede Nacht verliess er um eilf Uhr das Bett, begab sich in die Kirche, warf sich vor dem Allerhöchsten auf die Kniee und betete mit ausgespannten Armen bis zwölf Uhr, hielt mit seinen Mitbrüdern den Nachtchor und war um 4 Uhr schon wieder in der Kirche. Waren die klösterlichen Uebungen vollendet, so eilte er in den Beichtstuhl, um den Seelenkranken Trost und Hilfe zu bringen. In den freien Stunden des Tages übte er sich in der Buchdruckerkunst. Trotz dieser Strenge des Lebens erreichte P. Augustin ein Alter von 77 Jahren und starb erbaulich am 26. Dezember 1743.19

Werfen wir noch einen Blick auf den Muri-Konvent zurück, so sehen wir in demselben einen ungetrübten, wohlgeordneten, religiösen Geist walten. Die Hauptfreude der Mitglieder waren erbauliche Schriften, die sie entweder fleissig ankauften oder auch abschrieben. Sogar ein Bruder, Paul Müller, verfasste ein Gebetbuch, welches mit Erlaubniss der Obern dem Drucke übergeben und zu grossem Nutzen der Gläubigen verbreitet wurde.20

(II-223) Das hatte zur Folge, dass viele vom Weltklerus und dem Laienstande mit dem Muri-Konvente in eine geistige Verbrüderung und Gemeinschaft der guten Werke traten. Nebst Poccobello, der in Muri studirte und später in der Curie zu Rom arbeitete, liessen sich mehrere als „Fratres conscripti“ von diesem Konvente aufnehmen;21 weil aber einer derselben ein ärgerliches Leben führte, so waren in der Folgezeit die Kapitularen bei Annahme solcher Brüder sehr vorsichtig.22

Gleiche Aufmerksamkeit wie der Ascese wurde auch der Schule, der Kunst und Wissenschaft geschenkt. Die Aebte dieses Zeitraumes (Placidus Zurlauben, Gerold I. Haimb, Fridolin II. Kopp und Bonaventura II. Bucher) waren entweder Männer von hoher wissenschaftlicher Bildung, wie Placidus und Fridolin II., oder suchten selbe nach Möglichkeit zu fördern. Neben ihnen arbeiteten mit Bienenfleiss und Geschick die Konventualen in Theologie und Philosophie, in Sprachkunde und Geschichte, in Poesie und Musik und machten ihr Wissen nach Möglichkeit zum Gemeingute durch die Schule, auf der Kanzel und im Beichtstuhle. Die Namen derjenigen, welche sich in diesen verschiedenen Zweigen besonders auszeichneten, dürfen wir dem Leser nicht vorenthalten.

Die Kenntnisse P. Leodegar Holdermaier's in der Theologie waren bedeutend. Wer sein umfangreiches Werk23 „Maria, Mater Dei et Virgo immaculata procedens“ durchgeht, muss gestehen, dass er im Geiste der Benediktiner-Universität Salzburg schrieb und dem Sfondrati, Fürstabt in St. Gallen, nahestand. P. Leodegar verwerthete aber auch sein theologisches Wissen praktisch im Beichtstuhle, den er bis zum Ende seines Lebens (1691) sehr fleissig besuchte.24

P. Aegid Glutz war in der Philosophie und Theologie sehr bewandert. Ihn ereilte zwar ein frühzeitiger Tod, allein seine hinterlassenen theologischen und philosophischen Schriften dienten lange Zeit den Mitbrüdern beim Unterrichte der jungen Konventualen.25

Staunen erregen die eilf Foliobände des P. Johann Evang. Wickart in der Kantons-Bibliothek zu Aarau. Sie verbreiten sich über alle Zweige der Theologie und lassen erkennen, mit welchem Eifer selbe in Muri damals betrieben wurde. Wickart war bei seinem Tode (23. August 1763) noch nicht 48 Jahre alt.26

(II-224) Als Lehrbuch für die Theologie diente, nebst eigenen Heften der Professoren, die 1670 von den St. Galler-Theologen herausgebenen „Cursus Theologici“. In drei Jahren wurde deren Inhalt den jungen Mitgliedern erklärt, und zweimal im Jahre hatten diese über die einzelnen Traktate eine öffentliche Prüfung zu bestehen. Oefters liess der Prälat die Thesen, welche die Theologen oder Philosophen vor den besonders hiezu eingeladenen Gästen zu vertheidigen hatten, drucken und mit entsprechenden Zeichnungen versehen.27 Diese sogenannten „öffentliehen Disputationen“ wurden in Muri bis 1770 abgehalten. Als Opponenten erschienen Kapitularen aus St. Gallen, Einsiedeln oder Rheinau, und Muri sandte hinwieder seine Professoren in gleicher Eigenschaft in die genannten Klöster oder auch nach St. Urban und Wettingen.28

Das theologische Studium unterstützten die fleissig im Kloster abgehaltenen Conferenzen, die in letzter Zeit in zwei Abtheilungen zerfielen, in die Priester- und Frater-Conferenzen.29

Die Philosophie tradirten die Muri-Professoren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vielfach nach P. Gallus Carrier („Series sublimium disciplinarum“).30 Der Logik, Metaphysik und Physik lässt Cartier einen Tractatus theologicus de doctrina christiana als Grundlage für die Philosophie vorausgehen. Die Physik zerfällt in zwei Theile: der erste behandelt die Astronomie und die allgemeinen Erscheinungen auf dieser Erde, der zweite den Menschen (leiblich und geistig) und dessen Pflichten zu Gott. Als Appendix folgen Geometrie und Algebra.

Geringe Aufmerksamkeit schenkte Muri in der ersten Hälfte dieses Zeitraumes den juridischen Disciplinen. Martin Schwytzer, Schultheiss von Luzern und Stiefbruder des P. Aegid Schnyder, kam um das Jahr 1710 nach Muri, Im Verlaufe des Gespräches sagte der Schultheiss: „Ich weiss, dass ihr Muri-Konventualen besondere Privilegien habt; aber es wundert mich, dass ihr dem Studium des kanonischen Rechtes, das zu deren Erhaltung sehr nützlich ist, nicht oblieget.“ P. Aegid entgegnete ihm mit Freimuth: „Euretwegen könnten wir lange dem Rechtsstudium obliegen; ihr (Weltliche) würdet uns mit (II-225) Hintansetzung der hl. Canones dennoch aller Rechte und Freiheiten berauben.“ Ebenso freimüthig erwiderte der Schultheiss: „Bei Gott, so ist es!“31 Indessen finden wir, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das kanonische Recht in Muri gelehrt wurde.32

Bestand für die Zoologie und andere naturhistorische Fächer in Muri auch keine besondere Lehrkanzel, so bewahrte man für diese Wissenschaft doch immer ein offenes Auge. Im Jahre 1731 erschienen in den Freiämtern aussergewöhnliche Vögel. Die Bewohner aus der Umgebung des Klosters schossen einige dieser Thiere und brachten sie als etwas nie Gesehenes dem P. Leodegar Maier; dieser wusste ihnen sofort den betreffenden lateinischen und deutschen Namen Otides (Trapphühner oder Trappgänse) zu gehen und liess ein mit Sorgfalt ausgestopftes Exemplar in der Bibliothek aufstellen.33

Unter den Bearbeitern profaner Wissenschaften glänzte in Muri zunächst P. Mauriz Pfleger. Seine Hauptkraft lag in der Wohlredenheit und Dichtkunst; auch hatte er einen grossen Namen als Optiker. Der grosse Tubus, den die Fremden in der Muribibliothek oft anstaunten, kam aus seiner Hand.34 Er verfasste auch die „Gedeonische Wunderfackel“, eine Geschichte der Gebetserhörungen, welche den Gläubigen in Muri durch die Fürbitte des hl. Leontius zu Theil geworden.35

P. Peter Oderrmatt von Stans, letzter Prior und erster Dekan von Muri, wird wegen seiner umfassenden Kenntnisse in Mathematik, Geometrie und Astronomie gerühmt.36 Andere Konventualen verlegten sich auf die Geschichte oder schrieben Tagebücher.

Als der beste Hauschronist des Klosters Muri, der dessen Geschichte vom Anfang bis zu seiner Zeit kritisch und nach Quellen. behandelte, steht P. Anselm Weissenbach vor uns. Er stammte von jenen Weissenbach ab, welche von Bremgarten nach Zug gekommen waren. Abt Fridolin I. Summerer erkannte bald dessen Fähigkeiten und Vorliebe für die Geschichte; er führte ihn in das Archiv ein und ertheilte ihm die nöthigen Weisungen. Zwar musste P. Anselm bald als Vicestatthalter nach Pfäfers gehen (1667), allein gerade hier bekam er die damals noch ungedruckte Schweizerchronik Tschudi's in (II-226) die Hände, die er fleissig abschrieb. Das folgende Jahr kam er als Kapitels-Sekretär nach Muri und erhielt als solcher vom Abte den Auftrag, die früheren Kapitels-Beschlüsse, welche in losen Blättern im Archive lagen, zu sammeln und zu ordnen. So legte er den Grund zu den Kapitelsakten, welche dann fleissig fortgesetzt und aufbewahrt wurden.37 Gleichzeitig machte sich P. Anselm an das Ordnen der Archivschriften, welche Arbeit er als Pfarrer von Muri (1674-1683) fortsetzte. Dadurch gewann er die nöthige Kenntniss für die Muri-Chronik. Als Novizenmeister und Fraterinstruktor schrieb er dann innerhalb zehn Jahre mit grösstem Fleisse in zierlichem Latein jene zwei Foliobände38 nieder, von denen der erste die innere Geschichte des Klosters in verschiedenen Abtheilungen behandelt. P. Anselm nennt diese Arbeit „Ecclesiastica Monasterii Murensis“. Dem zweiten Bande gab er den Titel: „Annales Monasterii Murensis“; diese beginnt er mit dem Jahre 1027 und schliesst sie mit 1693. Es werden darin die inneren und äusseren Angelegenheiten des Klosters, wie auch andere Ereignisse chronistisch ohne inneren Zusammenhang mitgetheilt. Der erste Band ist in acht Kapitel zerlegt: 1. Stiftung und Disciplin, 2. Privilegien und Freiheiten, 3. Reihenfolge der Aebte und ihre wichtigsten Thaten. 4. Jahrzeiten. 5. Rechte der Aebte über verschiedene Frauenklöster, 6. Patronatsrechte des Klosters, 7. Wirksamkeit und Leben der Mönche, 8. Kirchenschmuck.39 Am Ende der Annalen schreibt P. Anselm: „Andere Aufträge nöthigen mich, die Arbeit abzubrechen; mögen die Mitbrüder folgender Zeiten für deren Fortsetzung sorgen!“ Er wurde Prior des Klosters und kam schon nach einem Jahre als Statthalter nach Klingenberg, wo er am 4. Dezember 1696 verschied. Wenige Stunden vor seinem Tode sang er zum Verwundern der Umstehenden laut den Hymnus: „Jesu corona Virginum“ nach dem üblichen Chorale der Adventzeit.40

Der Fortsetzer seiner Annalen, P. Leodegar Maier, war ihm gleich in Wissen und Thätigkeit. Im Städtchen Sulz (Oberelsass) geboren, begann der junge Maier 1699 seine Studien in Muri, trat 1704 daselbst ins Noviziat, wurde, nachdem er 1711 die Priesterweihe erhalten, Präceptor der Studenten, Rhetorik-Professor, Bibliothekar, Pfarrer in Homburg (1733), Novizenmeister und Fraterinstruktor, Oekonom in Muri, Archivar und endlich (1740-1754) Dekan des Klosters. Ihn zierten Frömmigkeit und Gelehrsamkeit; ein Feind des Müssiggangs, (II-227) war er gegen alle dienstfertig und zuvorkommend. Der päpstliche Nuntius Passionei fand sich besonders zu ihm hingezogen; in den Schreiben an P. Leodegar nennt er ihn stets seinen Freund.41 Diesem Umstande hatte es P. Leodegar vorzüglich zu verdanken, dass er nach Paris in das Kloster S. Germain geschickt wurde,42 damit er dort dem Bibelstudium und der französischen Sprache obliege. Daselbst arbeitete er vom Jänner bis Oktober 1726. Die Früchte dieser Studien in Paris sind von ihm in dem gerühmten Werke: „Explicatio compendiosa Creremoniarum ecclesiasticarum“ niedergelegt, das 1737 im Drucke erschien.43 Bei der Hinweisung auf die Entstehung der kirchlichen Ceremonien legt P. Leodegar eine für die damalige Zeit hedeutende Kenntniss der Kirchengeschichte an den Tag. Während dieser Arbeit unterwarf er das Archiv einer neuen Ordnung, indem er die Aktenstücke nach ihrem Inhalte eintheilte und die wichtigeren zu copiren begann; die Mitbrüder standen ihm in diesem Unternehmen fleissig zur Seite und schrieben unter seiner Leitung mehrere tausend Urkunden ab. Auf diese Weise kamen jene 28 Copialbücher44 zu Stande, bei deren Anblicke im Archive zu Aarau selbst entschiedene Gegner der Klöster dem Fleisse der Muri-Mönche das gebührende Lob nicht versagen können. P. Leodegar fügte diesen 28 noch drei Bände Spezialregister und einen Band für das Generalregister bei. Diesen letzten nannte er: „Repertorium Archivii Murensis“ und gab ihm ein gut gezeichnetes, colorirtes Titelblatt mit den Wappen des damaligen Prälaten (Gerold I.), des Klosters, der fürstlichen Erbämter, der Collaturen und Herrschaften bei; dann liess er die ihm bekannten Wappen der Muri-Aebte und Konventualen folgen, die, ebenfalls colorirt und mit grosser Zeichnungsfertigkeit ausgeführt, mehrere Blätter einnehmen und von den Geschichtsforschern gerne angesehen werden.45 Fürstabt Gerold bestimmte für das geordnete Archiv ein passendes Lokal, liess Schränke und transportable Truhen machen und dieselben mit schönen Schnitzwerken versehen. Zum Lobe der aargauischen Regierung sei es gesagt, dass sie nach Aufhebung des Klosters Muri (1841) dessen Archiv sorgfältig (II-228) nach Aarau versetzte, in einem gesonderten und trockenen Lokal und in gleichen Schränken, wie sie in Muri waren, unterbrachte und so der Kenntniss und dem Fleisse der Konventualen alle Achtung zollte.

Bevor diese Riesenarbeit vollendet war, hatte P. Leodegar schon im Jahre 1735 ein „Compendium Archivii Murensis“ in drei Oktavbändchen geschrieben, worin er dem Fürstabte die Regesten der wichtigsten Urkunden nebst den Wappen der Aebte und Konventualen zum Handgebrauche sammelte. Gleichzeitig machte er von allen Wohn- und Oekonomiegebäuden, welche Muri damals in der Schweiz besass, Zeichnungen.46

Nach Ordnung des Archiv's setzte P. Leodegar die Annalen P. Anselm Weissenbach's fort. In classischem Latein trug er die Ereignisse des Klosters von 1693-1751 in zwei Bänden zusammen,47 denen er als Supplement einen dritten beigab, der Statistisches und Oekonomisches enthält. Die zitternde Hand und die schwachen Augen gestatteten ihm nicht mehr in den drei letzten Jahren seines Lebens die Feile, wie er wünschte, an dieses verdienstliche Werk zu legen. Nebenher schrieb P. Leodegar auch ein Pontifikalmessenbuch (1733) auf Pergament, das heute noch zur Verwendung kommt,48 verfasste mehrere Reflexionen49 und componirte als trefflicher Musiker Falsibordoni, Messen, Vespern und profane Stücke auf die Jubelfeier des Abtes Gerold von Rheinau.50 Vom gelehrten P. Mauriz van der Meer ist er als „Musices suo tempere peritissimus“ bezeichnet.51 Endlich legte er für die Muribibliothek einen Katalog an52 und führte mit Dr. Iselin in Basel und anderen Gelehrten eine lebhafte Correspondenz.53

Was von Beda dem Ehrwürdigen gesagt wird, findet auch auf unsern P. Leodegar Anwendung: „Immer betete er, immer las er, immer schrieb er, immer lehrte er und liess keinen Augenblick des Lebens unbenutzt“. Männer wie Ziegelbauer54 und Haller55 nennen ihn mit Lob in ihren Werken, und der berühmte Calmet schreibt von ihm: „Vir haud minore morum probitate quam doctrina conspicuus.“56

(II-229) In Muri glänzten damals neben dem Fürstabte Fridolin Kopp noch zwei Kapitularen durch Fleiss und Kenntniss der Geschichte, nämlich P. Bendikt Studer und P. Johann Baptist Wieland.

P. Benedikt's Wiege stand in Luzern. Er legte 1694 in Muri die hl. Profession ab und war hochgeschätzt wegen seiner Beredsamkeit und Kenntnisse in Philosophie und Theologie. Die Aebte der Congregation ernannten ihn zu ihrem Vicesekretär und Fürstabt Gerold I. übertrug ihm das Dekanat des Klosters, das er von 1723-1740 mit Würde und vielem Lobe bekleidete. Auf die Sekundizfeier des Fürstabtes Placidus schrieb er das heute noch geschätzte Werk „Murus et Antemurale“ und liess es in Muri drucken.57 Der gelehrte Calmet sah den P. Benedikt noch wenige Monate vor dessen Tode (1748) und spricht von ihm mit hoher Achtung.

Die Arbeitsliebe und der Eifer für die Geschichte schienen von P. Leodegar auf den feurigen P. Wieland übergegangen zu sein. Dieser stammte aus dem Städtchen Rheinfelden und legte 1753 in Muri Profess ab. Die philosophischen und theologischen Studien hatte er im Kloster mit Auszeichnung zurückgelegt, wurde Professor der Rhetorik und des Kirchenrechtes, trat 1758 in das Archiv und in die Kanzlei und gewann als Sekretär des Abtes frühzeitig Einblick in die Schicksale des Gotteshauses. Weil P. Rustenus Heer von St. Blasien durch seinen „Anonymus denudatus“ die Acta Murensia neuerdings58 angegriffen hatte, so schrieb P. Johann Baptist gegen diesen seine „Vindiciæ Vindiciarum“, die in Muri 1760 im Drucke erschienen.59 Gleichzeitig führte er für das Kloster den Zehentstreit („Erdäpfelstreit“) mit den Dorfgemeinden in Muri. Dies brachte ihn in fieberhafte Aufregung; seine Kräfte wurden aufgezehrt, und er starb, erst 31 Jahre alt, 1763.60 Das trefflich angelegte Werk: „Die Amts- und Klostergerechtigkeiten von Muri“61 verbrannte er vor seinem Tode wegen dessen Unvollständigkeit.

(II-230) Der fleissige und fähige P. Johann Evang. Wickart war nur drei Monate vorher gestorben. Der Verlust dieser und anderer gelehrten Männer innerhalb weniger Jahre wirkte hemmend auf die weitere Pflege der Wissenschaften.

Gehen wir nun zu den Leistungen der Muri-Konventualen in der Schule und Seelsorge über. An der Klosterschule wirkten fünf bis sechs Professoren: drei am Gymnasium, einer in der Philosophie und einer oder zwei in der Theologie; diesen waren noch Hilfsprofessoren für Musik und andere Fächer beigegeben. Der Rhetorikprofessor hatte am Gymnasium den ersten Rang; der Präceptor beaufsichtigte die Zöglinge, welche man wegen der Kutte, die sie trugen, „togati“ oder auch die „duodecim braccati pueruli“ nannte. Die Zahl dieser Studirenden ging übungsgemäss nicht über 12.62 Das Kostgeld betrug 65 Luzerner-Gulden; die Chorsänger zahlten weniger oder gar nichts. Dem Präceptor lag es zugleich ob, den Unterricht für die Syntax (III. und IV. Gymnasialklasse) zu geben.

Die Aebte von Muri erkannten vollkommen die Wichtigkeit einer guten Erziehung. Daher begannen die Statuten, welche sie für den Präceptor gemacht hatten, mit folgenden Worten: „Er möge wissen, dass ihm ein Amt von hoher Wichtigkeit anvertraut ist, und dass es kaum ein anderes gebe, worin er so ausgiebig für das Kloster arbeiten könnte, als in diesem“.63 Auch die einfachsten Kapitularen begriffen die Wichtigkeit des Erziehungswesens, daher wünschten sie öfters dessen Erweiterung; ein Muri-Pater schrieb 1758, als die Jesuiten die Anstalt in Schwyz verliessen, in sein Tagebuch: „O si Benedictini aliquos illuc mitterent!“64 Uebrigens lobte Kardinal Garampi die Eingezogenheit und wissenschaftliche Bildung der Muri-Zöglinge und hob besonders deren Sprachkenntnisse hervor.65 Grosse Aufmerksamkeit schenkte man am Muri-Gymnasium nebst der Religionskenntniss der Beredsamkeit, Poesie und Musik. Die Studirenden hatten jährlich zwei Prüfungen zu bestehen: das Frühlings- oder „Strudelexamen“ und das Herbstexamen; darnach folgten die Rekreationen oder die Vakanzreisen.66

Von den Kapitularen, welche sich in dieser Periode als Redner, Poeten oder Musiker hervorthaten, verdienen einige der Erwähnung.

(II-231) P. Luitfrid Egloff, ein Mann von hoher Bildung und grosser Thätigkeit, schrieb mit zierlicher Hand einen Quartband Predigten, welche die gelehrten Beimischungen damaliger Zeit nicht haben, dagegen durch eine klare, leicht fassliche Beweisführung sich auszeichnen. Als gesuchter Prediger wusste er Herz und Geist zu fesseln.67

P. Jodok Wiederkehr wurde gerne auf der Kanzel gesehen. Die Engelweihpredigt, die er 1760 in Einsiedeln hielt, erschien im Drucke.68

In der Dichtkunst errang die Siegespalme P. Fridolin Kopp, der spätere Fürstabt. Mit ihm sangen P. Hieronymus Pfyffer und P. Mauriz Pfleger. Letzterer zeichnete sich als Verfasser von Komödien aus,69 in welchen er die deutsche Sprache (während sonst vielfach die lateinische in Uebung war) gebrauchte. Die Studenten wie das Volk hatten damals grosse Vorliebe für die öffentlichen Spiele.70 Mehrere Kapitularen Muri's setzten sich 1733 die Aufgabe, ernste und komische Gedichte zu verfassen. Sie sind in lateinischer Sprache, voll Witz, geschrieben. Die Sammlung bildet einen Folioband und trägt den Titel: „Musæ christianæ Murenses“; einzelnen Gedichten sind colorirte Vignetten beigefügt.71 In Muri wurde noch ein Festgedicht von 119 Quartseiten: „Echo gratitudinis et observantiæ“ im Jahre 1723 von unbekannter Hand verfasst und mit Illustrationen versehen.72

Die Hilfsmittel zur Pflege der Wissenschaften bot die gut besetzte Bibliothek. Ein Kapitular ordnete und überwachte ihre Benutzung und sorgte zugleich für die Bereicherung; im Jahre 1744 zählte sie 15,000 Bände.73 Dr. Kurz, der 1846 Bibliothekar in Aarau wurde, und die zwei Bibliotheken der 1841 aufgehobenen Klöster Muri und Wettingen der aargauischen Kantons-Bibliothek einverleibte, sagt in der Vorrede zu seinem Kataloge, „dass diese (Bibliotheken) an sich weder an Bändezahl noch an Gehalt bedeutend waren, und dass man seit einer langen Reihe von Jahren wenig oder gar nichts für die Sammlung gethan habe“. Es ist wahr, dass die aargauische Regierung nach der lnventarisirung und Setzung eines Verwalters über das Kloster Muri (1834-1841) wenig oder nichts für (II-292) die dortige Bibliothek gethan hat, und doch lagen alle Kapitalien in ihren Händen;74 ferner ist es wahr, Bibliothekar Kurz gesteht es selbst, dass die Regierung des Kantons Aargau nach Aufhebung des Klosters in den Jahren 1841-1846, da die Bibliothek noch in Muri stand, für diese nicht nur nichts that, sondern sie fast Allen zugänglich machte und weidlich plündern liess;75 wahr ist es auch, dass die Occupationstruppen der Regierung in den Monaten Jänner und Februar des Jahres 1841 Bücher verbrannten, durch die Fenster hinauswarfen oder mitnahmen; nicht genug, selbst bei der Translocirung der Bibliothek verschwanden auf dem Wege von Muri nach Aarau noch manche Bücher;76 endlich verkaufte der Bibliothekar von den der Kantons-Bibliothek bereits einverleibten Muri-Büchern mehrere Werke an Buchhändler.77 Daraus lässt sich erklären, warum die Muri-Bibliothek gegenwärtig in Aarau nicht reich an Bänden ist. Aber desungeachtet muss sie nach Dr. Kurz's eigenem Geständniss im Jahre 1846 noch sehr bedeutend gewesen sein, denn er sagt in der schon erwähnten Vorrede zu seinem Kataloge, „dass ihm durch die beinahe gleichzeitigen massenhaften Vermehrungen, wohl an die 40,000 Bände, eine unübersehbare Arbeit oblag“.78 Es ist bekannt, dass von den zwei Bibliotheken Muri's und Wettingen's die erstere stärker an Bändezahl war, folglich kamen sicher über 20,000 Bände aus Muri nach Aarau. Uebrigens behaupteten alle Muri-Konventualen, mit denen Schreiber dieser Zeilen gelebt hat, und welche die Muri-Bibliothek genau kannten, dass sie vor der Aufhebung des Klosters (1841) mehr als 30,000 Bände in sich fasste.

Der Gehalt dieser Bibliothek erlitt vorzüglich bei der ersten Plünderung, veranlasst durch das helvetische Direktorium (1798-1802), grossen Verlust, da gerade die seltenen und kostbarsten Werke damals entwendet wurden;79 deshalb besass die Muri-Bibliothek freilich nicht mehr den Werth, welchen sie vor 1798 hatte. Wir können aber nachweisen, dass die Muri-Kapitularen stets seit 1744 eine gute und reichlich besetzte Bibliothek anstrebten. Dafür sprechen die vielen Kapitelsbeschlüsse für ein grösseres Bibliothekgebäude unter den Fürstäbten (II-233) Fridolin II., Bonaventura II. und Gerold II. 80 Fridolin II. bemerkte 1756 bei einer Kapitelsversammlung: es müsse für die Bibliothek ein anderes Lokal hergestellt werden, um zum Ankaufe neuer Bücher Platz zu gewinnen. Kardinal Garampi schreibt dann (1761) über diese Bibliothek: „Sie ist reichhaltig und wohl versehen mit guten Büchern der neuesten Zeit“.81 Fast gleichmässig äusserten sich die Commissäre des helvetischen Direktoriums, welche 1798 das Kloster inventarisirten.82 Ein Gelehrter neuester Zeit behauptet: „Was Werthvolles in der Kantons-Bibliothek zu Aarau sich befindet, das stammt von Muri.“ Und so ist's auch; die ältesten Inkunabeln und die trefflichen Geschichtswerke des 18. Jahrhunderte, worauf Aarau stolz ist, tragen das Muri-Klosterwappen; jenes prachtvolle Choralbuch mit den zierlichen Initialen, das mit Vorliebe den Fremden gezeigt wird, nennt Muri seine Heimath. Endlich lassen einzig die Dekanats-Rechnungen des Klosters, abgesehen von den Rechnungen des Prälaten, einen starken jährlichen Zuwachs der Bibliothek erkennen, da dieselbe eine jährliche Ausgabe von 300-531 Gulden für angekaufte Bücher aufweisen, was dem Jahresbudget der aargauischen Regierung für die Kantons-Bibliothek – 800 alte Franken – seit 1805 und den folgenden Jahren so ziemlich gleichkommt.83

Dies zur Abwehr der unbilligen Angriffe auf die Kloster-Bibliothek von Muri. Wenden wir uns jetzt zur Pflege der Musik.

Einige Kenntniss von der Musik hatte wohl jeder Muri-Kapitular; denn das erforderte das Chorgebet, welches häufig gesungen, und der Gottesdienst, der meistens nur vom Konvente und den Chorknaben besorgt wurde.84 Daher stiess die Aufnahme solcher, die ein schlechtes Musikgehör hatten, oft auf Schwierigkeiten. Die vielen Uebungen in der Kirche und in der Zelle bewirkten, dass mehrere Konventualen auf einzelnen Instrumenten wahre Virtuosen wurden; hohe Gäste waren nicht selten über deren Kunstfertigkeit entzückt. Gestattete es die Klosterdisciplin, so schickte sie der Abt zufolge eingelegter Bitten auch in fremde Orte zur Verherrlichung einer kirchlichen Feier; so gingen Musiker nach Rheinau und, vom Nuntius Passionei eingeladen, nach Altdorf.85

(II-234) Ausser P. Leodegar Maier, den wir sehen nannten, glänzten als Musiker P. Aegid Schnyder und P. Meinrad von Wil. P. Aegid componirte mehrere Musikstücke, welche in Muri und anderen Klöstern vielmal abgeschrieben und immer mit Beifall aufgeführt wurden. Er selbst verfügte über einen solchen Umfang der Stimme, dass er vier Stimmen vertreten konnte.86 Zugleich zeichnete sich P. Aegid in der Schönschreibkunst aus. P. Meinrad, gebürtig aus der Pfarrei Sarnen, war ein trefflicher Organist; die Musikstücke, die er abfasste, gewinnen den Zuhörer durch ihre Lieblichkeit und ihren Satz.87

Gesang, Beredsamkeit und die genaue Kenntniss der kirchlichen Ceremonien fanden ihre beste Verwendung in der Seelsorge. Im 18. Jahrhunderte besorgte das Kloster Muri fünf Pfarreien: Muri, Boswil, Bünzen, Homburg und Glatt am Neckar; die Oekonomen in Klingenberg, Eppishausen, Glatt und Diessen gingen gewöhnlich den Pfarrern, unter denen sie standen, hilfreich zur Hand. Als treffliche Seelsorger verdienen genannt zu werden: P. Luitfrid Egloff, P. Bonifaz Schwitter, P. Johann Baptist Hartmann, P. Maurus Thomsin und P. Urs Viktor Frei. P. Luitfrid wirkte als Pfarrer in Homburg (1689-1696) und Bünzen (1696-1701); in Homburg hinterliess er viele historische und liturgische Notizen und erwarb sich durch seine Thätigkeit und als Pfarrchronist einen Namen.88 P. Bonifaz starb in der besten Manneskraft (47 Jahre alt) als ein Opfer der Liebe am 24. Dezember 1738. Er leitete gerade die Pfarrei Boswil, als daselbst eine ansteckende Krankheit ausbrach; muthig eilte er den Sterbenden zu Hilfe und spendete ihnen die hl. Sakramente, bis er selbst von der Krankheit ergriffen in wenigen Tagen aus dem irdischen Leben schied. Er liegt in Boswil vor dem Hochaltare begraben.89

Mit gleichem Mathe und Eifer trat gleichzeitig auch P. Joh. Bapt. Hartmann, Pfarrer von Bünzen, dieser verderblichen Epidemie entgegen. Schon hatte er mehreren Sterbenden trostreiche Hilfe gebracht, als auch ihn die Krankheit ergriff. Er fand jedoch bald wieder Genesung und trat zum zweiten Male auf den Kampfplatz; allein nach kurzer Zeit abermals erkrankt, ging er am 27. Juli 1740, erst 36 Jahre alt, in ein besseres Leben ein. P. Leodegar schildert ihn als einen Mann der Unschuld, Bescheidenheit und des Fleisses.90

(II-235) Den P. Maurus rühmt dieser Chronist als einen Asceten und vorzüglichen Fraterinstruktor, wie auch als einen ausgezeichneten Pfarrer von Muri und Boswil. Thätigkeit und Ordnungsliebe waren seine Haupttugenden. Er ist es, der die Ereignisse der Pfarrei Muri als der erste in ein Chronikbuch einzeichnete. Das von ihm Niedergeschriebene endigte er mit dem Verse: „Pergito, successor, facies opus utile multis!“ Zugleich entwarf er für den Pfarrer in Muri Formulare für pfarramtliehe Schreiben und gab ihm verschiedene Anleitungen.91 Als Novizenmeister verfasste P. Maurus das viel abgeschriebene und gebrauchte Werklein: „Age, quod agis“ oder „Religiosæ perfectionis Tessera“, ferner „Principia et dictamina“ und das Novizendirektorium.92

Im Geiste des P. Maurus arbeitete auch P. Urs Viktor als Pfarrer in Bünzen, Muri und Boswil. In diesen Pfarreien eiferte er für die Ehre Gottes, sorgte für den Kirchenschmuck und die Renovation der Gotteshäuser und Altäre. In Boswil und Bünzen legte er gute Chroniken an und schrieb zugleich auch eine kurze Geschichte dieser Pfarreien. Er fand in Boswil 1768 seinen Tod.93

Der gute Same, welchen diese Männer der Wissenschaft und reinen Sitte mit apostolischem Eifer ausstreuten, brachte die besten Früchte hervor. Die Tugenden mehrten sich unter dem Volke, die Sünde wurde seltener, der Aberglaube verschwand94 und der katholische Glaube zeigte seine innere, umwandelnde Kraft.95

Wir haben noch die ausgezeichneten Oekonomen und Rechtskenner vor Augen zu führen, deren sich Muri in diesem Zeitraume erfreute, und die zur Mehrung der irdischen Güter nicht wenig beitrugen.

Den P. Gallus Brunner nennen die Hauschronisten die rechte Hand des gelehrten Abtes Placidus Zurlauben. Durch ihn führte er jene Verbesserungen in Feld und Flur ein, welche den Wohlstand des Klosters Muri hoben. Er leitete lange die weitläufige Oekonomie in Muri und dann die schwierige in Klingenberg. Ihm stand hiefür ein grosses Wissen in der (II-236) Mathematik und Astronomie zur Verfügung. Er begann die Registratur des Archives und führte in dieselbe junge Mitbrüder ein. aber mitten in dieser verdienstlichen Arbeit raffte ihn der Tod im 44. Altersjahre (1728) hinweg.96

Den P. Placidus Vigier nannte der Fürstabt Gerold I. seine besondere Stütze in vielen verwickelten Rechtsverhältnissen; an verschiedenen Gerichtshöfen verhandelte er mit Kraft und Umsicht.97 Er kam frühzeitig als Oekonom nach Diessen,98 wurde ins Kloster zurückberufen und erlangte die Würde eines Dekans; allein Krankheiten nöthigten ihn, diese Würde niederzulegen. Der Abt übertrug ihm zum zweiten Male die Oekonomie in Diessen. Die umwohnenden Fürsten und Herren freuten sich seiner Ankunft und benützten öfters seine tiefe Einsicht in die Hauswirthschaft und Politik. Zugleich war P. Placidus der französischen Sprache mächtig, was dem Kloster in den damaligen Kriegen gegen Frankreich zu grossem Vortheile gereichte. Sein Tod erfolgte am 11. Dezember 1745.99

Nicht weniger zeichnete sich in der Oekonomie und in der Kenntniss der Staatsgesetze P. Rupert Landwing aus. Er war unerschöpflich im Ertheilen guter Rathschläge und besass angenehme Umgangsformen. Der Abt erhob ihn zur Würde eines Dekans, die er bis zu seinem Tode inne hatte.100

P. Bernard von Fleckenstein gehörte einem patrizischen Geschlechte in Luzern an. Er leitete die Oekonomie in Klingenberg und Dettingen am Neckar. In letztgenannter Statthalterei liess er alle nach Muri zinspflichtigen Güter in ein Urbar eintragen, selbe geometrisch aufnehmen und colorirt in eine Mappe einzeichnen. Nach diesem Vorbilde wurden später auch die Güter in der Umgebung von Muri geometrisch aufgenommen. P. Bernard starb am 7. Oktober 1740, erst 47 Jahre alt.101

Doch den Genannten übertraf an Erfahrung und Geschicklichkeit in der Oekonomie P. Fintan Guntlin. Die wichtige Statthalterei Glatt im Neckarthale leitete P. Fintan von 1723 bis 1766. Die Verbesserungen, welche er als Oekonom in der kleinen Herrschaft Neckarshausen vornahm, verkündeten weithin sein Lob. Ein früherer Inhaber derselben, Baron Keller, wollte durch Aufnahme von vier fremden Familien das Land cultiviren lassen, diese leisteten aber nichts und störten nur (II-237) die Ruhe der alten Bewohner. Keller's Nachfolgerin der Herrschaft wollte die eingebürgerten Fremdlinge entfernen, allein vergebens. Als Muri Herr der Besitzungen wurde; kaufte P. Fintan diesen lästigen Leuten die Häuser und schlecht bebauten Landstücke ab und nöthigte sie, weiter zu ziehen. Baron von Velldorf, Direktor des Neckar-Ritterkantons, lobte deshalb P. Fintan öffentlich in einer grossen Versammlung Edelgeborner.102 Die Tuchfabrik und Färberei in Neckarshausen erhielt durch ihn neues Leben: dann lichtete er die dortigen Wälder und verwandelte sie in fruchtbare Aecker; öde, baumlose Landstrecken schuf er dagegen zu lieblichen Wäldern um und schenkte der einträglichen Schäferei die gebührende Aufmerksamkeit. Gleichmässig handelte er in der Muri-Herrschaft Dettensee. Ohne Schädigung der Wälder gewann er dort hundert Juchart des schönsten Flurlandes. Streithändel, die sich oft höchst verworren zeigten, legte er ohne Geräusch zu allgemeiner Zufriedenheit bei. P. Fintan machte die deutschen Herrschaften blühend und einträglich, und doch war er sehr bescheiden und anspruchslos. Er starb eines erbaulichen Todes im 86. Altersjahre. Um jeden Verdacht und auch jede Gefahr bezüglich der hl. Keuschheit zu vermeiden, gestattete er nie einer Weibsperson in sein Zimmer zu treten, wenn er sich allein in demselben befand; ja nicht einmal eine Mannsperson durfte ihm in den Gebrechlichkeiten seines Alters und beim An- und Auskleiden behilflich sein oder in seinem Zimmer schlafen. Kurz vor seinem Tode sang er ein Passionslied von „Jesu Schmerzen“, das in jenen Zeiten vielfach in Glatt gesungen wurde.103

Woher schöpften die Muri-Kapituiaren. diese Rechtskenntniss und Erfahrung in der Landwirthschaft? Die Rechtswissenschaft holten sie aus den Mittheilungen alter rechtskundiger Mitbrüder, aus den Chroniken, Bibliotheken und Archiven, die sie fleissig durchgingen. In die praktische Leitung der Oekonomie wurden die jungen Patres durch die sogenannten „Zehentverleihungen“ eingeführt. Bei denselben erschienen gewöhnlich in den verschiedenen Dörfern, in welchen Muri den Zehent zu beziehen hatte, zwei Kapitularen, ein alter und ein junger, und weil hiebei mit Hilfe des vom Kloster besoldeten Zehentvogtes Abschätzungen stattfanden, so lernten die jungen Patres den Preis der Früchte wie auch die Beschaffenheit und Erträgnisse der Felder kennen. Ferner dienten zu ihrer praktischen Ausbildung die Zwing-, Maien- und Herbstgerichte in Muri, Boswil, Bünzen und Thalwil, wo die Dorfrechte mitgetheilt und die zum (II-238) niederen Gerichte gehörenden Zwiste in Gegenwart mehrerer Kapitularen ausgetragen wurden; endlich das Appellationsgericht in den Händen des Abtes, der zur Entscheidung solcher an ihn gerichteten Streitfragen gewöhnlich drei Mitglieder aus seinem Konvente bestellte.104 Wichtige Käufe und Verkäufe nebst anderen Ereignissen, die für das Kloster von grosser Tragweite waren, wie die Vergebung einer Collaturpfründe, die Wahl eines Amtmannes für Sursee, Bremgarten und Thalwil, kamen übungsgemäss vor das Kapitel, wo man die Gegenstände einlässlich erörterte, so dass die jungen Kapitularen in dieselben einen klaren Einblick erhielten.

Fand der Prälat, dass ein Konventual für die Leitung der Schule, einer Pfarrei oder der Oekonomie weniger geeignet sei, so gab es im Kloster noch andere Beschäftigungen, in die er eintreten konnte. In der Klosterapotheke, welche ihren Ursprung dem Abte Placidus Zurlauben verdankte und das Recht der Oeffentlichkeit hatte, arbeiteten gewöhnlich zwei Konventualen: ein Priester und ein Laienbruder. Der erste Apotheker in Muri war von 1706-1727 P. Andreas Lusser von Altdorf (Kt. Uri). Er besass in der Pharmazie für die damalige Zeit nicht gewöhnliche Kenntnisse; diese theilte er dem Laienbruder Pankraz Hildebrand105 von Boswil mit. Irenæus Ackermann von Sursee, der 1732 als Laienbruder die hl. Profession ablegte, war ehemals Chirurg. Abt Gerold I. schickte ihn bald nach der Aufnahme in die Apotheke, mit dem Auftrage, die Pharmazie gründlich zu studiren; in wenigen Jahren hatte er in derselben grosse Fortschritte gemacht, allein er schied zu früh, erst 37 Jahre alt, aus dem irdischen Leben.106

Die schon seit langem im Kloster Muri bestehende Druckerei forderte gleichfalls die Kräfte zweier Konventualen: eines Priesters, welcher den Druck leitete, die Correktur und oft auch den Text besorgte, und eines Laienbruders, der entweder dem angestellten Setzer behilflich war, oder mit dem Priester setzte und druckte. Als Leiter der Buchdruckerei werden genannt und gerühmt P. Aemilian Iten und P. Augustin Effinger.107 Kardinal Garampi erwähnt auch in seinem Berichte nach Rom dieser Druckerei, indem er schreibt: „Man findet in Muri zugleich eine Druckerei; aber sie ist nur für den Bedarf des Klosters und den Druck solcher Werke bestimmt, welche von den dortigen Mönchen verfasst sind“. Die Mittheilung ist richtig. Kleinere Werke für's Kloster, wie (II-239) Direktorien, Kataloge u. s. w., besorgte man selbst; zum Drucke grösserer Werke, welche in die Oeffentlichkeit gelangen sollten, wurden fremde Setzer um Lohn herbeigerufen.108

Das Bücherabschreiben, wenn auch seltener als in früherer Zeit, war noch immer bei den Muri-Konventualen in Uebung. Der Laienbruder Peter Maier von Waldhäusern, gestorben am 16. März 1763, war hierin sehr fleissig. Zunächst schrieb er die umfangreiche „Brüderordnung“, welche Abt Gerold I. verbesserte, und einige historische Relationen von den Kriegsjahren 1712 und 1713 in zwei Foliobänden.109 Dieser Bruder half auch seinem Mitprofessen, P. Lanfrank Dreuttel von Gernsbach, bei der sogenannten „Blechschrift“. Die Buchstaben und Musiknoten sind nämlich in Blech geschnitten; diese fügte P. Lanfrank zusammen und überstrich sie mit Schwärze oder Zinnober und suchte das Mangelhafte mit der Feder nachzubessern. Auf diese Weise schrieb er deutlich und zierlich die jetzt noch in Muri-Gries gebrauchten Choralbücher.

Andere Konventualen versuchten sich in der Malerei und im Zeichnen. P. Anselm Weissenbach und P. Leodegar Maier hatten hierin grosse Fortschritte gemacht.110 Im Bauwesen besassen die Aebte Placidus Zurlauben und Bonaventura II. bedeutende Kenntnisse. Ersterer förderte die freien Künste nicht bloss im Innern des Klosters, sondern griff auch jedem ehrbaren Handwerke ausserhalb des Gotteshauses helfend unter die Arme und spornte das Volk zur Arbeit und Pflege nützlicher Künste an; dasselbe that auch sein Nachfolger, Fürstabt Gerold I.111 Mit den weltlichen Werkleuten wetteiferten dann in verschiedenen Zweigen die Konventualen innerhalb der Klostermauern. Daher fand es auch P. Leodegar Maier im Jahre 1748 der Mühe werth, die Künste und Handwerke der Pfarrei Muri bis auf die gewöhnlichen, wie: Schuster, Schneider etc., welche in allen Dörfern zu finden sind, in lateinischer Sprache aufzuzählen. Wir lassen sie hier folgen, um sowohl die Sprachgewandtheit des Schreibenden als die Thätigkeit des Volkes und der Konventualen dem Leser zur Kenntniss zu bringen: Apothecarius (Apotheker), Chirurgi (Chirurgen), Bibliopegæ (Buchbinder), Typographi (Buchdrucker), Pistores (Bäcker), Tinctores (Färber), Geographi112 (Geographen), (II-240) Coriarii (Gerber), Vitriarii (Glaser), Hortulani (Gärtner), Figuli (Töpfer), Pilearii (Hutmacher), Victores (Fassbinder), Pelliones (Kirschner), Petalurgii seu Laminarii (Spängler), Pictores (Maler), Statuarii (Bildhauer), Murarii (Maurer), Laniones (Metzger), Molitares (Müller), Netrices (Weber), Clavarii (Nagelschmiede oder Schlosser), Aulæarii (Tapezierer), Orichalcearii (Kupferschmiede), Ephippiarii (Sattler), Fabri ferrarii (Schmiede), Restiones (Seiler), Saponarii (Seifensieder), Reticulatores (Strumpfwirker), Carpentarii (Wagner), Cerastratarii (Wachsfabrikanten), Trochlearii, (Drechsler), Tectores (Dachdecker), Lapicidæ (Steinmetzen), Architecti (Baumeister), Sitularii (Geltenmacher), Scopularii (Besenmacher), Sportarii (Korbflechter), Paleopilarii (Strohhutflechter), Stramini-tectores (Gypser), Olearii (Oelschlager).113 Einige von den oben genannten Werkleuten brachten es zur Meisterschaft, wie die Töpfer und Hafner Heinrich Hobler und Michael Leontius Küchler, deren Oefen, mit zierlichen Zeichnungen versehen, heute um grosse Summen angekauft werden.114

Zur Erholung von den geistigen Anstrengungen gestattete Abt Placidus den Konventualen auf dem Horwen anfänglich einen Tag und baute ihnen zu diesem Zwecke daselbst in den den Jahren 1700 und 1701 ein Haus.115 Fürstabt Gerold I. gewährte den Mitbrüdern zwei Tage für die Rekreation auf dem Horwen, was dann den Bau einer Kapelle (1730) und die Erweiterung des „Herrenhauses“ zur Folge hatte. Der heutige Bau verdankt seine Entstehung dem Fürstabte Bonaventura II., welcher die Erholung auf drei Tage ausdehnte.116


  1. Sie entstand 1602.

  2. Murus et Antemurale II., 35.

  3. Annales (P. Leod. Maier) II., 499.

  4. Annales P. Leod. Maier, I., 283, 2S4.

  5. Annales I., 262.

  6. Vgl. Acta Cap. Murens. und Recessus Congregationis de anno 1702 zum Cap. 55 der hl. Regel.

  7. Arch. Muri in Gries A. I. III.

  8. Annales, 809.

  9. Vgl. 36. Cap.

  10. Annales, 795, 796; anderswo ist bemerkt, Br. Wolfgang sei im Rufe der Helligkeit (fama sanctitatis) gestorben.

  11. Annales I., 236.

  12. Annales I., 313, 314.

  13. Annales I., 315-318.

  14. Annales I., 866-869.

  15. Annales II., 28-29; 810-811; 926 u. a. O.

  16. Annales II., 29-31.

  17. Vgl. Bolland., 2. Sept.

  18. Arch. Muri in Gries.

  19. Annales II., 406-407.

  20. Annales II., 810-811. Dieser Bruder konnte die Missionspredigten, welche er 1731 in Boswil gehört hatte, wörtlich aus dem Gedächtnisse niederschreiben.

  21. Acta Capituli.

  22. Annales I., 52, 53.

  23. Kantons-Bibliothek Aarau, Muri-Handschriften.

  24. Annales P. Anselmi Weissenbach, p. 812.

  25. Annales II., 316, 317.

  26. Arch. Muri in Gries A. I. III. Die Schriften der nach 1750 verstorbenen Konventualen sind in „Scriptores O. S. B., qui fuerunt 1750 usque 1880 in Imperio Austriaco-Hungarico“ (Wien, 1881, bei Wörl) aufgezählt. Wickart schrieb auch von 1751-1763 ein Tagebuch in zierlichem Latein.

  27. Thesen-Tableaux in Gries u. a. O.

  28. Arch. Muri in Gries A. I. III.

  29. Daselbst.

  30. Gedr. in Augsburg 1756, bearbeitet von P. Gallus Cartier und seinen Mitbrüdern in Ettenheimmünster.

  31. Annales I., 417, 418.

  32. Arch. Muri in Gries und Handschriftensammlung in Gries.

  33. Annales II., 31. Im Jahre 1750 war dieses Exemplar noch wohl erhalten.

  34. Balthasar, Museum illustrium virorum Lucernatum; Annales I., 559, 560.

  35. Haller, Bibliothek, Bd. III.

  36. Annales I., 493 u. a. O.

  37. Arch. Muri in Gries. Es sind bereits acht Bände.

  38. Einen Band schrieb er zuerst in Brutto.

  39. Arch. Muri in Gries.

  40. Annales I., 95-98.

  41. Arch. Muri in Aarau B, 2. 9, 3, 4.

  42. Die Reise dahin machte er mit einem Begleiter zu Pferd; sie kostete 331 Pfd. 5 Schill. Die Ausgaben für die Bücher waren 176 Pfd. 18 Schill. (Arch. Muri in Aarau).

  43. Zug, bei Heinrich Anton Schell, kl. 8 °, 576 ff.

  44. Jeder Band hat, kl. f°., 800-1000 Seiten.

  45. Gerne hätte Muri-Gries diese Wappen in Lichtdruck gegeben, allein es scheute die Auslagen.

  46. Arch. Muri in Gries.

  47. Der erste Band, gr. Quart, hat ohne Index 972 und der zweite 1023 Seiten (Arch. Muri in Gries).

  48. Sacristei in Gries.

  49. Arch. Muri in Gries.

  50. Annales I., 564, 722.

  51. Tractatus de Congregationibus, Msc. in Gries, S. 333.

  52. Kurz, Katalog der Kantonsbibliothek in Aarau.

  53. Arch. Muri. in Gries.

  54. Literaturgeschichte III., 600.

  55. Bibliothek der Schweizergeschichte III.

  56. Diarium, p. 21.

  57. Es hat vier Abtheilungen: I. Das Haus Habsburg, Stiftung Muri's und seine Geschichte; II. Kaiserliche Privilegien und Schirmbriefe; III. Kirchliche Privilegien für das Kloster und die Collaturen; IV. Elogien auf die Pröpste und Aebte von Muri. Den vierten Theil verfasste P. Fridolin Kopp.

  58. Das erstemal zog P. Marquard Herrgott deren Glaubwürdigkeit in Zweifel, Geneal. dipl. I. (Wien 1737); ihn widerlegte P. Fridolin Kopp in seinen Vindiciæ Actorum Murensium (Muri 1750).

  59. Mit Hinweglassung der tiersteinischen Abstammung, p. 154-162, erschienen diese Vindiciæ V. in Baden an der Limmat 1765.

  60. Arch. Muri in Gries A. I. III.

  61. Der spätere Lehensvogt, Burger, fasste den Gedanken wieder auf und machte eine kleinere Zusammenstellung der Kloster Muri-Rechte, die noch vorhanden sind (Arch. Muri in Gries).

  62. Arch. Muri-Gries.

  63. Arch. Muri in Aarau, Rubrik: „Allerlei“.

  64. Arch. Muri in Gries.

  65. Vatikanisches Geheimarchiv.

  66. Arch. Muri in Gries A. I. III.

  67. Handschriften in Gries.

  68. Engelweihpredigten vom Jahre 1760.

  69. Die Annalen sagen (I., 559) von ihm: „Sed præcipue comœdus insignis“.

  70. Studenten-Bibliothek im Convikte Sarnen; im Arch. Muri in Aarau sind nur wenige Stücke.

  71. Handschrift im Arch. Muri in Gries.

  72. Bibliothek Einsiedeln.

  73. Katalog von P. Leodegar Maier.

  74. Man durchgehe die Rechnungen der Muri-Verwalter im Arch. Aarau.

  75. Dr. Kurz, Vorrede zu seinem Katalog der Kantons-Bibliothek in Aarau,

  76. Mittheilungen von Augen- und Ohrenzeugen.

  77. Selbst Muri-Gries kaufte später von einem Antiquar in Köln ein Buch, welches das Muri-Wappen und den Timbre der aargauischen Kantonsbibliothek trägt.

  78. Katalog, Vorrede XXXIII.

  79. Vgl. Kataloge und Berichte im Arch. Muri in Gries A. VII. III.

  80. Vgl. Acta Capituli.

  81. Vatikanisches Geheimarchiv.

  82. Arch. Muri In Gries.

  83. Arch. Muri in Gries. Man vgl. auch die Correspondenzen des P. Gerold Maier mit Dr. Iselin (1755-1763), worin die Werke, welche Muri damals ankaufte, zur Sprache kommen.

  84. Vgl. Benediktiner-Studien, 2. Jahrg., 3. Heft, S. 27. ff.

  85. Annales I., p. 751, 753.

  86. „Musices adeo fuit peritus, ut quatuor vocibus sive variatione vocis in uno cantu sive pro necessitate singillatim caneret“ (Annales I., 386, 387).

  87. Annales I., 576, 577.

  88. Vgl. B. Kuhn, Thurgovia sacra I., 197.

  89. Annales II., 269.

  90. Annales II., 313.

  91. Pfarrlade Muri. In seiner Vorrede zu diesem nützlichen „Handbuche“ sagt er: „Plurimarum Tibi horarum spatia redimo, successor, dum mihi Tibique „Manuale“ subscribo. Taediosum mihi fuerat foretque Tibi, quaerere semper alios: Quid moris? quid obligationis hac die?“

  92. Bibliothek in Gries; Tractatus de Congregationibus, p. 356.

  93. Pfarrladen Bünzen und Boswil.

  94. Wir stiessen in diesen Pfarreien nie auf das sonst damals übliche Hexenverbrennen.

  95. Höchst selten sind in den gut geführten Taufbüchern uneheliche Geburten verzeichnet.

  96. Annales I., 878, 879.

  97. Annales II., 510-512.

  98. Ehemalige Herrsehaft im heutigen Sigmaringen.

  99. Annales II., 320 u. a. O.

  100. Arch. Muri in Gries. (Schriften des P. Leodegar Schmid).

  101. Annales II., 317, 318.

  102. Annales II., 448-450.

  103. Annales II., 677, 678, 448, 450-452.

  104. Vgl. Archiv Muri in Gries.

  105. Annales I., 842.

  106. Annales II., 497, 498.

  107. Annales II., 189, 190, 406.

  108. So zum Drucke der Vindiciæ Actorum Murensium, 1750.

  109. Muri-Handschriften, Kantons-Bibliothek in Aarau.

  110. Vgl. ihre Werke in Aarau und Gries; Pergament-Bildersammlung in Gries.

  111. Annales II., 784.

  112. Darunter werden die Konventualen gemeint sein, welche Globus und Landkarten machten.

  113. Annales II., 783-784. – Die Pfarrei Muri hatte im Zeitraume von 1684-1776 2000-2500 Seelen.

  114. Solche sind im Kloster zu Hermetschwil.

  115. Annales I., 139, 140, 155.

  116. Annales I. und II. und Tagebücher von P. Leod. Schmid.