Sechstes Kapitel. Muri als Mitglied der schweizerischen Benediktiner-Congregation 1684-1776.

Die Satzungen der schweizerischen Benediktinercongregation wurden in den Jahren 1602-1684 in allen Klöstern zur Anerkennung gebracht; selbst in Pfäfers und Disentis, welche am meisten Schwierigkeiten machten, musste endlich die Unordnung der klösterlichen Disciplin weichen. Ersteres hatte zwar der gelehrte Abt Augustin II. von Einsiedeln seinem Kloster zur Erhaltung der Zucht einverleibt; allein im Jahre 1602 löste sich dasselbe wieder von Einsiedeln ab.1

Die Aebte aller neun Benediktinerklöster in der Schweiz waren in den Jahren 1684-1776 eifrig bemüht, die Zucht aufrecht zu erhalten. In den Generalversammlungen, an denen sich alle Prälaten mit dem Sekretär betheiligten, und die regelmässig alle zwei,2 später alle drei und vier Jahre, in den verschiedenen Klöstern abgehalten wurden, mussten selten jetzt neue Satzungen gemacht, dafür aber die alten ins Gedächtniss gerufen und erklärt oder den eingeschlichenen Missbräuchen entgegengestellt werden. Die Erklärungen und Rügen u. s. w. (II-210) sind in den sogen. „Recessen“, die der Sekretär schrieb und in die Klöster verschickte, enthalten.

Einen besondern Anlass zur Auffrischung des ursprünglichen Eifers in der Congregation bot die Säkularfeier, welche die Aebte am 10. Sept. 1702 in St. Gallen abhielten. Papst Clemens XI. verlieh zu dem Ende den Congregationsklöstern und allen Gläubigen, welche in deren Kirchen die hl. Sakramente während einer Woche empfingen, einen vollkommenen Ablass. Die Festfeier war grossartig. Alle neun Prälaten der Congregation hatten sich eingefunden. Die Zahl der aus der Ferne herbeigeströmten Katholiken schätzte man auf 12,000. Die Aebte von Einsiedeln und Mariastein hielten gleichzeitig, ersterer in der Kirche und der andere im Klosterhofe, viel gerühmte Predigten.3

Nach dieser Feier besprachen die Prälaten drei Tage lang die Satzungen der Congregation. Die neuen Bestimmungen, welche damals oder in spätem Versammlungen gemacht wurden, betreffen meistens nur Ceremonielles, die Krankenpflege (Bäder, Aderlassen u. s. w.), die Exercitien der exponirten Kapitularen, (Seelsorger, Oekonomen etc.) und die Kleidung der Laienbrüder, welche „Fratres laici conversi“ oder, weil sie zum Unterschiede von den Kapitularen noch einen Bart trugen, auch „barbati“ hiessen. Man liess sie die feierlichen Gelübde ablegen, hielt sie in strenger Zucht und achtete sie den übrigen Mitbrüdern des Klosters gleich. Bezüglich der Musik verordneten die Prälaten, dass selbe den Gottesdienst nicht verlängere, dass sie, ferne von jeder Leichtfertigkeit, einen ernsten, religiösen Charakter und einen hl. Text habe. Symphonien und Solopartien wurden gänzlich verboten. Bei den Todtenmessen war nur der „Cantus firmus“ (Gesang ohne Orgel) üblich. Die Psalmen sollen im Chore nach dem gregorianischen Gesange ernst und anständig gesungen werden. In den Klosterschulen, bestimmen die Prälaten, sollen zunächst jene Knaben Aufnahme finden, welche Neigung zum Orden zeigen; jedoch kann hierin der Abt dispensiren. Bevor sich die Aebte nach Bestätigung der Statuten trennten, bot ihnen der St. Gallerkonvent zum Andenken an die frohen Tage der Säkularfeier die „Idea sacræ Congregationis“ dar. Das Werk enthält in lateinischer Sprache einen Abriss von der Geschichte aller neun Benediktinerklöster, mit je zwei Kupferstichen, vom Kloster und von dem damaligen Abte; (II-211) P. Gabriel Hecht, Kapitular von St. Gallen, machte den grössten Theil der Zeichnungen.4 Die Reihe der Bilder eröffnen zwei Päpste, Clemens VIII., unter dem die Congregation entstand, und Clemens XI., der die Säkularfeier begünstigte.

Die schweizerische Benediktinercongregation hatte eine besondere Andacht zur seligsten Jungfrau Maria, der unbefleckt empfangenen. Selbe hob besonders der Fürstabt von St. Gallen, Kardinal Sfondrati, durch sein treffliches Werk über die unbefleckte Empfängniss Mariä. Im. Jahre 1737 unterstellten die in Muri versammelten Prälaten die Congregation ihrem besondern Schutze und nannten sie von da an die „Congregation der unbefleckten Empfängniss Mariæ“.

Wegen des geordneten Haushaltes waren einige Klöster der Congregation zu einem bedeutenden Vermögen gekommen. Einzelne Kantone der Eidgenossenschaft suchten deren Reichthum durch besondere Auflagen und Steuern für sich auszubeuten. Muri war daher in seinem und im Interesse anderer Klöster wiederholt genöthiget (in den Jahren 1692-1702 und 1764), solche unbillige Zumuthungen auf dem Rechtswege zurückzuweisen.5 Den grössten Schaden in materieller Beziehung erlitt die Congregation im Toggenburger-Krieg; nur drei Benediktinerklöster in der Schweiz, Disentis, Engelberg und Beinwil, blieben von dessen Verheerungen verschont. Den protestantischen Regierungen war ausser dem Reichthume auch die niedere Gerichtsbarkeit in den Händen der Mönche ein Stein des Anstosses. Sie bereiteten in deren Ausübung seit dem Jahre 1712 dem Kloster Muri nicht wenige Schwierigkeiten. Während Zürich hierin mehr Takt beobachtete, wusste sich der Kanton Bern weniger zu mässigen.6 In der Beherrschung des religiösen Fanatismus waren die Züricher jedoch weniger glücklich. Fürstabt Gerold I. von Muri kam 1748 mit dem Abte von Mariastein und einigen Religiosen aus Einsiedeln nach Zürich. Kaum hatten sie die Stadt betreten, als deren Jugend sie mit Steinen begrüsste. Ein Pater aus dem Kloster Mariastein wurde am Kopfe getroffen und erheblich verletzt.7 Die Behörde leistete geziemende Abbitte wegen dieser Ungebührlichkeit der Jugend; allein das folgende Jahr überschritt sie selbst wegen einer religiösen Angelegenheit die Schranken der Mässigung. P. Deodat, Kapitular und Pfarrer von Rheinau, hatte einen Katechismus drucken lassen, worin er Zwingli, Calvin und Luther als „Ketzer“ bezeichnete. Die Regierung (II-212) von Zürich erklärte das sofort als eine Verletzung des 1712 abgeschlossenen Aarauer-Friedens, machte den Ständen Bern und Glarus hievon Mittheilung und legte alle Einkünfte des Klosters Rheinau in ihrem Kantone unter Sequester. P. Deodat nahm die Katechismen der Züricher und Berner und hob Stellen heraus, die für die Katholiken verletzender waren, als obiger Ausdruck für die Protestanten.8 Dies vermochte die drei Stände milder zu stimmen; aber dennoch verlangten sie als Genugthuung: Unterdrückung des Katechismus, Verbannung des P. Deodat für immer aus dem Kloster und Abbitte; letztere soll der Abt von Rheinau entweder persönlich oder durch einen Stellvertreter leisten. Des Friedens wegen unterzog sich Rheinau diesen harten Bedingungen.9

Die freundlichen Beziehungen der Congregation zum päpstlichen Nuntius wurden selten gestört. Eine kleine Misstimmung verursachte 1724 die Abtwahl in Engelberg. Der Nuntius Passionei beanspruchte bei allen derartigen Wahlen den Vorsitz und erklärte die zu Engelberg in seiner Abwesenheit vorgenommene Wahl für ungiltig. Die Congregation machte die Streitfrage beim hl. Vater anhängig. Dieser sprach sodann seinem Nuntius das Recht ab, bei der Abtwahl der schweizerischen Benediktinerklöster das Präsidium zu führen. Allein die Kapitel räumten künftig demselben des guten Einvernehmens wegen bei solchen Wahlen gewöhnlich den Ehrenvorsitz ein.10 Desshalb erfreute sich die Congregation wie ehemals, auch später dessen Wohlwollens. Fast ohne Ausnahme bezeugten die Nuntien vor allen andern Klöstern in der Schweiz ihre Gunst dem Konvente von Muri.11

In Rom hatte die Congregation einen Agenten, den sie bezahlte.12 Zugleich erfreute sie sich wegen ihrer Disciplin und wegen ihrer Thätigkeit für Erhaltung der katholischen Religion daselbst einer hohen Achtung. Thatsächlich gab der hl. Stuhl dies zu erkennen, indem er den Fürstabt von St. Gallen, (II-213) Sfondrati, zum Kardinal erhob;13 ferner bestätigte Papst Benedikt XIII. (1726) die von den Päpsten Gregor XV. und Urban VIII. der Congregation verliehenen Privilegien.

Auch mit den Bischöfen von Constanz lebte die Congregation während dieses Zeitraumes grösstentheils im Frieden. Zu ängstliche Wahrung der päpstlichen Privilegien veranlassten kleine Misshelligkeiten. So weigerte sich ein Frater aus Engelberg, der vom Constanzer-Weihbischofe das Diakonat in Muri erhalten sollte, vor ihm wegen Tauglichkeit zum Empfange dieser Weihe einer Prüfung sich zu unterziehen;14 dann lehnten die Benediktinerklöster der schweizerischen und schwäbischen Congregation den Beitrag ab, den sie 1733 für das bischöfliche Seminar in Constanz hätten zahlen sollen. Wichtiger waren jedoch die Streitigkeiten wegen der Collaturrechte; allein diese wurden mit dem Bischofe von den betreffenden Klöstern allein ausgefochten. Wir übergehen sie daher und wenden uns zur Wirksamkeit, welche Muri innerhalb und ausserhalb der Eidgenossenschaft für fremde Klöster an den Tag legte.

Die Aushilfe, welche unser Konvent im 17. Jahrhunderte in grossartigem Masstabe leistete, ist jetzt auf wenige Klöster beschränkt. P. Nikolaus Odermatt von Stans, ein frommer und gelehrter Mann, ging 1688 nach Engelberg und führte daselbst als Professor der Theologie die jungen Religiosen in die Kenntniss Gottes und seiner Lehren ein.15 P. Fridolin Kopp und P. Leopold Schnyder verreisten 1729 nach Disentis, um dem hilfsbedürftigen Kloster Dienste zu leisten. Ersterer arbeitete als Dekan und Administrator für dessen Wohl, letzterer leitete als Moderator die Studenten.16 Dasselbe Jahr wurde das Kloster Engelberg ein Raub der Flammen. Muri unterstützte die unglücklichen Mitglieder mit Geld, ernährte und kleidete fünf derselben vier Jahre unentgeltlich.17 Bis zum Jahre 1698 ritten alle vierzehn Tage zwei Patres aus Muri nach Eschenbach (Kt. Luzern), um den Klosterfrauen daselbst die Beichten abzunehmen.18 Für Maria Opferung in Zug war der Abt von Muri bis 1785 Visitator und Rathgeber. Später übernahm der jeweilige (II-214) Kapuziner Guardian daselbst die Oberleitung. Fürstabt Gerold I. fand 1743 bei Einführung der von Papst Benedikt XIV. angeordneten strengem Klausur bei den Mitgliedern dieses Klosters nicht die erwartete Unterwerfung. Die Regierung von Zug glaubte anfänglich sogar; selbe in der Widersetzlichkeit unterstützen zu müssen. Allein die Geduld und Kraft des Abtes, wie auch dessen Mildthätigkeit gegen das schwer verschuldete Kloster vermochte die Regierung und die Frauen zu gewinnen.19

Im berührten Jahre liess der apostolische Nuntius das Benediktinerfrauenkloster Münsterlingen am Bodensee durch seinen Auditor, Josef Vignoli, und den gelehrten Muri-Dekan, P. Leodegar Maier, reformiren und der strengen Klausur unterwerfen. Beide lösten ihre Aufgabe zu voller Zufriedenheit. Die Frauen fügten sich willig in alle von ihnen gemachten Vorschriften und gaben künftig ringsum ein erbauliches Beispiel von Zucht und Ordnung.20

Im Osten Europa's wüthete 1683 neuerdings der Türkenkrieg. Kaiser Leopold I. bat auch die Schweiz um Hilfe. Unsere Congregation beschloss 1685, zur Fortsetzung des Krieges 1000 Doublonen zu geben; Muri zahlte daran 300 Thaler.21

Das Kloster Murbach im Elsass stand zwar mit der schweizerischen Congregation in Verbindung; allein seinen innern religiösen Aufschwung hinderten der französische Hof und die Bischöfe von Strassburg. St. Gallen sandte den P. Antonin von Beroldingen zur Aushilfe nach Murbach. Frankreich war dem Fürstabte des Stiftes St. Gallen abhold und Iiess den P. Antonin mit 20 Dragonern (1689) aus dem Elsasse wegführen.22 Der Dekan von Murbach bat jetzt den Abt von Muri dringend um Hilfe. Placidus Zurlauben gab ihm zwei Konventualen, P. Karl Herzog und P. Basilius Iten. Ersterer blieb in Murbach und der zweite, kundig der französischen Sprache, kam als Organist in das mit Murbach verbundene Kloster Luders. Nach Verlauf eines Monats erschien der Murbacher-Dekan schon wieder in Muri und bat den Abt um einen dritten Kapitularen. Er fand zum zweiten Male Erhörung und erhielt P. Aegid Schnyder. Dieser unterrichtete die Jugend des adelichen Institutes in Murbach in den Wissenschaften und im Gesange.23 Nach mehreren Jahren kehrten diese Patres in die Zellen ihres (II-215) Mutterklosters zurück. An ihre Stelle trat 1706 P. Meinrad von Wil. P. Basilius ging zum zweiten und 1713 zum dritten Male nach Murbach.24

Abt Placidus von Muri war im Jahre 1698 zweiter Visitator der Congregation und besuchte als solcher auch das Kloster Murbach. Er mag der letzte Prälat aus der Schweiz gewesen sein, der dieses Kloster einer Visitation unterwarf;25 denn im Jahre 1701 wies die Congregation die Bitte der Murbacher um Fortsetzung der Verbrüderung zurück, weil das starre Festhalten des murbachischen Konventes an der Aufnahme nur Edelgeborner und der Mangel an freier Verwaltung den Aebten der Schweiz jede Hoffnung eines Aufblühens dieses alten Stiftes benommen hatten.26 Nach 41 Jahren (1742) raffte sich Murbach noch einmal, aber zum letzten Male, auf. Es beseitigte das verderbliche Statut, nur Adeliche aufzunehmen, allein vergebens. Im Jahre 1759 wurde das Kapitel nach Gebweiler verlegt, und 1789 erfolgte dessen Aufhebung.27

Aehnliches Loos hatte das alte und berühmte Stift Reichenau. Im Jahre 1538 kam es an das Hochstift Constanz, und der dortige Bischof nannte sich seitdem zugleich Abt von Reichenau. Die Mönche standen unter seiner Oberleitung und empfingen von ihm den Unterhalt. Muri war im 17. Jahrhunderte bemüht, daselbst die Reformation durchzuführen. Allein die Bischöfe von Constanz liessen das Kloster weder mit der schweizerischen, noch schwäbischen Congregation in Verbindung treten, und so waren die Reformationsbestrebungen ohne nachhaltige Wirkung. P. Maurus Hummel von Reichenau klagte dies (1736) dem Fürstabte Gerold I. von Muri, indem er ihm zugleich den traurigen Zustand des altehrwürdigen Klosters schilderte. Da Niemand Hilfe bieten wollte, begannen die Mönche mit den Bischöfen Kasimir Anton und Franz Konrad den Streit wegen Setzung des Priors und versuchten den ersten Schritt zur Selbständigkeit, P. Meinrad Meichelbeck stand an ihrer Spitze. Dieser schrieb an alle Prälaten der Benediktiner in der Schweiz und im Schwabenlande und bat sie um Hilfe, er wandte sich nach Wien und an den österreichischen Prälatenstand, liess die gepflogenen Verhandlungen zwischen dem Bischofe von Constanz und dem Kloster drucken und brachte endlich 1756 die Angelegenheit, von Allen verlassen, vor das Reichsgericht. Die Folge hievon war – die Aufhebung des (II-216) Klosters durch eine päpstliche Bulle vom 10. Februar 1757.28 Der Bischof von Constanz, Kardinal von Rodt, vertheilte die letzten Mitglieder in verschiedene Benediktinerklöster. Nach Muri kam P. Paul von Roll, ein wissenschaftlich gebildeter Mann.29 Im Jahre 1768 wollte er nach Regensburg übersiedeln; allein der Kardinal verbot ihm, Muri zu verlassen.30

Der schweizerische Nuntius, Carracioli, wünschte 1717 für seine Reise nach Kempten, um den Streit zwischen Abt und Kapitel daselbst beizulegen, den Abt Placidus Zurlauben von Muri als Begleiter. Doch eine Krankheit hinderte diesen, dem Wunsche des Nuntius zu entsprechen.31 Indessen kam ein Kapitular von Kempten, P. Anselm Reichlin, nach Muri, um die klösterliche Ordnung und Disciplin kennen zu lernen. P. Anselm war reich an Wissen und Tugenden; er wurde 1723 Abt in Kempten, vollendete die Reform seines Konventes nach den Statuten der Schweizer-Congregation und blieb zeitlebens ein dankbarer Freund des Klosters Muri.32 Ebenso hinterliessen die Aebte Anselm von St. Michaelsberg bei Bamberg und Beda von Marienberg in Tirol, welche in Muri gastliche Aufnahme und Hilfe gefunden hatten, schöne Zeugnisse der Dankbarkeit.33

In den Kriegsjahren 1688-1696 und 1701-1714 erwies Muri diesen Liebesdienst der gastlichen Aufnahme vielen flüchtigen Mitbrüdern aus Deutschland und dem Elsass. Man liess ihnen gleiche unentgeltliche Pflege zu Theil werden, wie den Mitbrüdern der Schweizer Congregation.

Die Aebte von St. Trudpert und Schuttern am Schwarzwalde bezeugten in freundlichen Schreiben viele Jahre (II-217) dem Kloster Muri ihren Dank für die brüderliche Aufnahme ihrer Konventualen.34

An der Spitze der Congregation standen wie im vorigen Jahrhunderte die drei Visitatoren, wovon der erste als Präses handelte. Diese Würde blieb seit dem Jahre 1684 einzig den Klöstern St. Gallen und Einsiedeln; von den Aebten der übrigen Klöster erhielten die zweite Würde nur die von Muri, Rheinau und Pfäfers; die Würde eines dritten Visitators war von 1684 bis 1776 je einmal bei St. Gallen und Engelberg, sonst bei den Aebten von Muri, Pfäfers und Rheinau, nie aber bei den Aebten von Disentis, Fischingen und Beinwil.35

Das Sekretariat ist in diesem Zeitraume 29 Jahre lang bei Muri; die übrige Zeit war es in St. Gallen, Einsiedeln und Rheinau.36

(II-218) Die zwei Klöster Muri und Rheinau standen von jeher in innigen Verhältnissen zu einander. Als aber die zwei leiblichen Brüder, Placidus und Gerold Zurlauben, gleichzeitig als Aebte diese zwei Klöster leiteten, gestaltete sich das Verhältniss noch viel inniger.37


  1. Tractatus de Congregationibus, p. 200; Ild. v. Arx, Gesch. v. St. Gallen III., 241.

  2. Der Toggenburger-Krieg hatte deren Abhaltung längere Zeit gehindert.

  3. Die Predigt des Fürstabtes von Einsiedeln, Maurus von Roll, erschien im Drucke. Abt Esso Glutz von Mariastein musste extemporiren, weil man das ausserhalb der Kirche stehende Volk nicht ohne Wort Gottes entlassen wollte.

  4. Druck des fürstlichen Gotteshauses St. Gallen, f°., Seiten 72.

  5. Annales, p. 818 ff.

  6. Annales I., 582, 602 u. a. O.

  7. Annales I., 779 ff.

  8. Der Zürcher-Katechismus, gedruckt 1730, hatte unter Anderm: „Wann wir der Römischen Kirche den rechten Namen geben, mögen wir sagen; sie ist eine Wohnung der Teuflen, ein Behaltnuss aller unreinen Geister und verhassten Vöglen“.

  9. Annales II., 829-833. – P. Deodat wurde auf eine schwäbische, dem Kloster Rheinau inkorporirte Pfarrei versetzt und in wenigen Jahren begnadigt.

  10. Annales I., 775.

  11. Arch. Muri in Gries.

  12. Muri zahlte im Jahre 1722 für diesen Agenten 49 Gl. 20 Schill. (Arch. Muri in Aarau R, 19).

  13. Unser P. Leodegar Maier schreibt darüber in seinen Annalen (I., 83): „Ingens Gloria mense Decembri (1695) Helveto-Benedictinæ Congregationi accrevit, cum Illmus Cœlestinus Sfondratus, ad S. Gallum abbas, ex nobilissima Longobardiæ familia ortus, in S. purpuratorum cœtum adlectus fuit“.

  14. Arch. Muri in Gries, Annalen.

  15. Annales, 804; Acta Capituli.

  16. Annales I., 938-939.

  17. Annales I., 937 u. a. O.

  18. Acta Capituli. – Die Eschenbacher Chronik spendet dieser Pastoration folgendes Lob: „Ist also unser Gotteshus von dem Jahre 1670 bis 1698 bestens getröst unter dieser Prälatur gestanden.“

  19. Annales II., 385, 438 und ff.; Geschichtsfreund XV., 233 und 239-243.

  20. Annales II., 390, 391 u. a. O.

  21. Annales, 797.

  22. Ildef. von Arx, Gesch. v. St. Gallen III., 209.

  23. Annales, 805 und Acta Capituli.

  24. Annales I., 306; Arch. Muri in Gries A. I. III.

  25. Annal. I., 127.

  26. Tractatus de Congreg., S. 200.

  27. Vgl. Otte, die Abtei Murbach.

  28. Arch. Muri in Aarau; Arch. in Gries A. VI. XIV. – Reichenau war ein Kloster „nullius diöceseos“. In der Aufhebungsbulle werden die Mönche als „Renitenten“ gegen den Bischof bezeichnet. P. Meinrad Meichelbeck, der sich stets Prior der Reichenau nannte, bat noch 1786 den König Ludwig XVI. von Frankreich um Schutz und Hilfe. Diesen Schntz gewährte ihm der König insoferne, dass er dem Bittsteller im elsässischen Kloster Ebersheim ruhigen Aufenthalt gewährte (Schreiben vom 21. Jän. 1787).

  29. Acta Capit. Mur. – P. Paul verstand die griechische und hebräische Sprache.

  30. Sein Todestag ist nicht bekannt. – Unrichtig ist, wie Maier's Lexikon XIII., S. 513 hat, dass Reichenau erst 1803 aufgehoben wurde. Wohl versahen Benediktiner aus andern Klöstern (Weingarten, Petershausen u. s. w.) die Mission in Reichenau.

  31. Annales I., 577, 578.

  32. Annales P. L. M. I., 674, 712, 713.

  33. Arch. Muri. in Gries A. VI. XV.; Annales II., 751 ff.

  34. Arch. Muri in Gries A. I. III.; Acta Cap.; Annales I., 482. – Ein Pater von Ebersheim und zwei Patres von St. Trudpert hielten in Muri ihre Primizen.

  35. (Visitatoren)

    I. Visitator. II. Visitator. III. Visitator.
    1684. Einsiedeln. Rheinau. Engelberg.
    1686. Einsiedeln. Rheinau. Muri.
    1688. St. Gallen. Einsiedeln. Muri.
    1691. St. Gallen. Muri. Rheinau.
    1694. Einsiedeln. Muri. Rheinau.
    1697. Einsiedeln. Muri. St. Gallen.
    1699. St. Gallen. Einsiedeln. Muri.
    1705. Einsiedeln. Muri. Rheinau.
    1709. St. Gallen. Einsiedeln. Rheinau.
    1716. Einsiedeln. Rheinau. Pfäfers.
    1718. St. Gallen. Einsiedeln. Rheinau.
    1720. Einsiedeln. Pfäfers. Rheinau.
    1722. St. Gallen. Einsiedeln. Rheinau.
    1726. St. Gallen. Muri. Pfäfers.
    1729. St. Gallen. Einsiedeln. Pfäfers.
    1734. Einsiedeln. Muri. Pfäfers.
    1737. Einsiedeln. Muri. Rheinau.
    1741. St. Gallen. Einsiedeln. Rheinau.
    1754. St. Gallen. Einsiedeln. Muri.
    1757. St. Gallen. Einsiedeln. Rheinau.
    1761. St. Gallen. Einsiedeln. Muri.
    1768. St. Gallen. Muri. Rheinau.
    1775. St. Gallen. Einsiedeln. Pfäfers.
  36. Die Sekretäre von 1684-1791 sind:

    1684-1697. P. Gerold Zurlauben von Rheinau.
    1697-1700. P. Ambros Büntener von Einsiedeln.
    1700-1702. P. Benno Zimmermann von Einsiedeln.
    1702-1716. P. Meinrad Steinegger von Einsiedeln.
    1716-1725. P. Gerold Haimb von Muri.
    1725-1745. P. Fridolin Kopp von Muri.
    1745-1754. P. Anton Rüttimann von St. Gallen.
    1754-1776. P. Basilius Balthasar von St. Gallen.
    1776-1791. P. Mauriz van der Meer von Rheinau.
  37. Annal. I., 375.