Siebentes Kapitel. Muri als Mitglied der schweizerischen Benediktiner-Congregation.

1. Gründung und innere Ordnung der Congregation.

(I-053) Muri gehörte vor der Reformationszeit zum Mainzer Benediktiner-Kapitel.1 Dieses zerfiel bald nach 1525. Es hatte in der kurzen Zeit seines Bestehens viel Gutes gethan; aber es wollte nicht die Axt an die Wurzel des im Benediktinerorden damals herrschenden Uebels – Tödtung des Eigenthumsrechtes der einzelnen Mitglieder – legen. Das Recht, einen Theil des Klostervermögens zu empfangen und dieses, wie auch anderwärtig Erworbenes, eigenmächtig zu verwalten und darüber zu verfügen, hatte das Gelübde der Armuth verletzt, was störend auf die ganze religiöse Genossenschaft wirkte. Die Bursfelder-Congregation griff zwar auf die ganze Strenge der hl. Regel zurück; sie fand aber in Süddeutschland wenig Anklang.2 Dann brachte auch dem Gedeihen der Klöster grossen Nachtheil das Einmischen der weltlichen Behörden in deren innere Angelegenheiten, indem sie nicht selten den Klagen unzufriedener Mitglieder, welche der Reformation abhold waren, Gehör schenkten, und so die besten Absichten der kirchlichen Obern vereitelten.3

Nach der Auflösung des Mainzer-Kapitels hatten die vielen in Süddeutschland und in der Schweiz bestehenden Benediktinerklöster unter sich keine Verbindung.4 In Italien bestand seit dem XV. Jahrhundert die Congregation der hl. Justina in Padua. Als sich derselben im Jahre 1504 das Kloster Montecassino anschloss, so nannte man sie nach dem Willen des Papstes Julius II. die cassinensische (II-054) Congregation, mit dem Beisatze: sonst die von der hl. Justina von Padua. Diese Congregation ordnete das Brevier nach den Vorschriften des hl. Vaters Benedikt und liess es, so viel uns bekannt, das erste Mal 1551 in Venedig vollständig drucken. Mehrere Schweizer-Benediktiner-Klöster bezogen bald von daher ihre Breviere. Darunter waren auch Muri und Hermetschwil.5 Daher verbreitete sich später die irrige Ansicht, die schweizerischen Benediktiner-Klöster seien im 16. Jahrhunderte mit der cassinensisch-justinianischen Congregation in Verbindung gestanden.6

Im Hinblicke auf die Disciplinarbestimmungen des Concils von Trient begannen zuerst die Benediktinerklöster in Belgien und im nördlichen Frankreich die innere Reform vermittels der Congregationen und Verbindungen mit Erfolg anzustreben. Daraus entwickelte sich dann die berühmte Maurinercongregation, die 1627 von Papst Urban VIII. ihre Bestätigung erhielt.7 Bald zeigte sich auch in den Klöstern von Lothringen ein ernstes Streben nach genauerer Beobachtung der hl. Regel. Der 1596 zum Prior von St. Viton ernannte P. Desiderius de la Cour wusste denselben einen guten Geist einzuhauchen. Daraus erwuchsen die Vereine der Benediktiner von St. Viton (St. Vannes) und St. Hidulph in Lothringen und Burgund, welche Papst Clemens VIII. im Jahre 1604 bestätigte.8 Von daher kamen kräftige Anregungen zur Gründung einer schwäbisch-schweizerischen Congregation; Elias Heimarm von Senhum, ehemals Rektor magnificus in Trier, empfahl sie während seines Aufenthaltes in Einsiedeln mit allem Nachdrucke (1593). Die Congregation sollte aus 14 Klöstern9 bestehen, die Aebte von St. Gallen und Einsiedeln nach seinem Entwurfe den Vorsitz führen und abwechselnd alle 3 Jahre eine Generalversammlung berufen; das Amt eines Visitators hätte unter diesen alle 2 Jahre zu (II-055) ändern, mit Zuziehung eines Prälaten von den übrigen Klöstern der Congregation. Ein grosses Gewicht legte dieser eifrige Mann auf die Gründung eines gemeinschaftlichen Seminars in Rotschach, verbunden mit Gymnasium und Philosophie. Der Plan kam nicht zur Durchführung, lieh aber der bald entstehenden Schweizer Benediktiner-Congregation die Grundgedanken. Die Freunde einer solchen Congregation hegten grosse Hoffnung für die Verwirklichung ihrer Wünsche, als der Kardinalbischof Andreas von Constanz vom Papste Clemens VIII. im Jahre 1598 die Erlaubniss und den Auftrag erhielt, alle Klöster seiner Diöcese, exempte wie nicht exempte, zu visitiren. Allein die Umgebung des Kardinals war jeder Congregation abgeneigt, und so unterblieb aus diesem und anderen Gründen sogar die Visitation.10

Indessen hatte Abt Johann Jodok in seinen Klöstern Muri und Hermetschwil bald nach 1596 das Eigenthumsrecht mit dem Gelübde der Armuth als unvereinbarlich erklärt und verordnet: das Klostervermögen werde in eine Masse vereinigt und daraus jedem Mitglied gleichmässig und im Falle der Krankheit oder nach Bedürfniss mehr Nahrung und Kleidung verabreicht. Der gemeinsame Tisch war dadurch in diesen zwei Klöstern wieder eingeführt. Die jüngeren Mitglieder, welche ihre Studien in Dillingen, Ingolstadt oder Luzern bei den Jesuiten gemacht hatten, waren mit der Reform des Abtes vollständig einverstanden. Fünf bis sechs neu aufgenommene Kapitularen, die der Abt im guten Geiste herangezogen und zur Erlangung der nöthigen Wissenschaften in obengenannte Anstalten gesendet hatte, vermehrten die Zahl der Reformfreunde. Die Stimmen der Missvergnügten wurden bald nicht mehr gehört. Alle bewunderten die Klugheit des Abtes in dieser heiklen Angelegenheit.11 Im Jahre 1601 baute er zur Freude seines bereits disciplinirten Konventes das Kapitelhaus und ein schmuckes Refektorium.

Johann Jodok handelte jedoch in dieser wichtigen Angelegenheit nicht ohne Vorwissen des päpstlichen Nuntius, Bischof Turriani’s. Dieser betrachtete mit Vergnügen das weise Vorgehen des Abtes und den in Tugend und Wissenschaft heranblühenden Konvent in Muri, Die grösste Schwierigkeit bot dem Abte jedoch die Einführung der strengen (II-056) Klausur. Zu dem Ende lud er den Nuntius nach Muri ein. Dieser erschien am 16. Oktober 1603 und fand im Kloster bis auf die Klausur Alles trefflich eingerichtet und geordnet. Er befahl desshalb als päpstlicher Legat, dass sie in Muri und Hermetschwil streng beobachtet werde, und erliess ein öffentliches Schreiben, worin er den Gläubigen der Umgebung die Einführung der Klausur in diesen zwei Klöstern bekannt machte. Zugleich gibt er die Grenzen an, welche dem anderen Geschlechte unter der Strafe der Exkommunikation zu überschreiten nicht erlaubt seien.12 Diesen Bestimmungen unterzogen sich die Mitglieder beider Klöster willig. Darüber sprach der Nuntius ein besonderes Lob aus und theilte es auch dem hl. Stuhle in Rom mit. Papst Clemens VIII. schrieb dann sofort (22. November, 1603) dem Muri-Konvente: „Dass ihr, Geliebteste, nach dem Berichte des Bischofes Turriani, Söhne des Gehorsames seid, hat uns als sorgsamen Hirten der Gläubigen mit wahrer Freude erfüllt. Beuget euern Nacken unter das Joch, und eure Seele wird die Zucht empfangen. Ihr kennt die Belohnung, die euch ausgesetzt ist. Die Zucht, d. h. die Furcht Gottes, ist der Anfang der Weisheit; wer sie wegwirft, ist unglücklich und verachtet seine Seele; wer sie aber ergreift, wird klug sein in allen Unternehmungen. Fahret also fort im Begonnenen, damit ihr die ewigen Freuden erlanget. Und wenn ihr vor dem ewigen Richter steht, möget ihr vom Munde des Herrn die Worte vernehmen: Kommt, ihr Gesegnete meines Vaters und nehmet in Besitz das Reich, das euch vom Anfange der Welt bereitet ist.“13 Diese Worte galten auch den Frauen in Hermetschwil.14

Vorhandene Akten vom Jahre 1597 beweisen, dass Abt Johann Jodok seinen Reformationseifer nicht bloss auf die ihm unterworfenen zwei Gotteshäuser beschränkte; sein liebendes Herz umfasste alle Benediktinerklöster der Schweiz. Bei der Unterredung mit dem Nuntius wegen der Reform in seinen zwei Klöstern kam sofort die Gründung der schweizerischen Benediktinercongregation zur Sprache.15 Beide Männer waren seitdem bemüht, diesen Gedanken zu verwirklichen. Die Umstände gestalteten sich hierfür günstiger, als Kardinal (II-057) Andreas von Constanz 1600 auf seiner Jubiläumsreise zu Rom gestorben war, und ihm Georg von Hallwil, der gleichzeitig den Hingang des Kardinals (Hallwil weilte damals in Constanz) durch Gotteseingebung erkannt haben soll,16 auf dem bischöflichen Stuhle nachfolgte. Bischof Georg betrachtete die Congregation als ein Mittel zur Einführung besserer Lebensweise in den Klöstern; daher sprach er sich für deren Gründung aus. Zugleich hatte Papst Clemens VIII. (1600) in zwei Schreiben an den Nuntius Turriani seinen ernstlichen Willen, die Schweizer-Benediktiner möchten sich einigen, kundgethan.17 In dem zweiten drückte er die Freude aus, dass durch den Eifer Turriani’s bereits sein Wunsch in Erfüllung gegangen sei, indem mehrere Aebte, eingedenk ihres Berufes, für diese Gott wohlgefällige Einigung sich ausgesprochen haben. Allein die wirkliche Gründung dieser Congregation liess noch zwei Jahre auf sich warten.

Am 25. Mai18 1602 konnte endlich der Nuntius Turriani vier Benediktiner-Aebte aus der Schweiz in Einsiedeln um sich versammeln: Bernard von St. Gallen, Augustin von Einsiedeln, Johann Jodok von Muri und Benedikt von Fischingen. Alle waren guten Willens. Der Nuntius hielt an die versammelten Aebte eine ernste und lange Ansprache, indem er die Nothwendigkeit der inneren Reform und der Gründung einer Congregation bewies. Die anwesenden Aebte vereinigten sich zu einer Congregation und bestimmten Wil zu einer zweiten Versammlung am 12. Juli. Hier setzten sie die Grundlage fest, worauf die Aebte die Congregation gestellt wissen wollten; bestimmten aber den 4. November, tun darüber in einer dritten Versammlung auf dem Einsiedler-Hof Pfäffikon sich definitiv auszusprechen.

Indessen hatte der Nuntius die Gründung der schweizerischen Benediktinercongregation nach Rom gemeldet. Papst Clemens VIII. richtete ein Belobungsschreiben an die vier Aebte, worin er unter Anderem sagte: die Aebte seien auch durch sein väterliches Mahnwort veranlasst worden, das Band der Vereinigung zu schliessen.19

(II-058) Aus dem Gesagten geht hervor, die ersten Urheber für die Gründung der Schweizer-Congregation seien Papst Clemens VIII. und sein Nuntius Turriani gewesen. Diesen zunächst erscheint als Hauptbeförderer der Congregation Abt Johann Jodok von Muri. Diesem folgt dann Abt Augustin Hoffmann von Einsiedeln mit seinem eifrigen Dekan, P. Joachim von Beroldingen. Das erhellt sowohl aus dem Werke, welches hundert Jahre später (1702) in St. Gallen herausgegeben wurde,20 als auch aus den Ueberlieferungen, die wir in Muri im 17. und 18. Jahrhunderte darüber vorfinden.21 Uebrigens wollen wir dem P. Joachim, Dekan in Einsiedeln, durch diese Darlegung die Verdienste, die er sich um die Gründung der Schweizer-Congregation erworben,22 nicht schmälern.

In der dritten Sitzung im Schlosse Pfäffikon gesellte sich zur kleinen Zahl Aebte der fünfte, Michael von Pfäfers. Er gelobte, Alles fleissig zu halten und zu vollziehen, was die Congregation verordnen und beschliessen würde. In dieser Versammlung beschlossen die Aebte, drei Schreiben abzusenden: eines an den Papst Clemens VIII., ein zweites an den Kardinal Cyritius und ein drittes an den Nuntius Turriani.23 Im letzten Schreiben meldeten sie, dass die Grundlagen für die Reform des klösterlichen Lebens von ihnen gelegt und andere Satzungen für ernste Berathungen in Aussicht gestellt worden seien.24 Solche Bestimmungen waren: die Konventualen sitzen künftig nach Uebung an den langen Tischen in den Refektorien und empfangen in besonderen Schüsseln die Speisen; die Ohren der Essenden sollen aber stets durch erbauliche Lesungen erquickt werden; das Eigenthumsrecht der Einzelnen werde von der Wurzel ausgerottet, und ist strengstens verboten, ebenso das Recht, Siegel und (II-059) Ring zu haben und was immer dem Gelübde der Armuth zuwider ist, die Religiosen dürfen ohne Erlaubniss keine Briefe schreiben oder empfangen, die von ihnen geschriebenen siegelt der Obere mit dem gemeinsamen Konventsiegel; nach der Complet ist das genaueste Stillschweigen zu beobachten, alle geheime Zusammenkünfte für eine Belustigung sind untersagt; in jedem Kloster werde fleissig die Klausur inne gehalten, und man dulde keine Weibsperson innerhalb der Klostermauern; der Umgang und die Vertraulichkeit mit letzteren ist auf das sorgfältigste zu meiden; daher den Religiosen auch das Erscheinen bei Hochzeiten untersagt ist. Damit Jeder im Kloster das Nöthige zur Bekleidung erhalte, werde ein Vestiar aufgestellt, der mit Umsicht neue Kleider verabreicht und die alten in Empfang nimmt. Sind die Aebte in einem Kloster versammelt, so seien die Mahlzeiten einfach und ohne Aufwand. Endlich bestimmten die Aebte, welches Messbuch zu gebrauchen sei.25

Das folgende Jahr (1603) traten der jungen Congregation Abt Gerold I. von Rheinau26 und der neugewählte Abt von Engelberg, Jakob Benedikt Sigrist,27 bei. Den in Fischingen versammelten Aebten hatte der Nuntius Engelberg sehr empfohlen. Drei Aebte28 erhoben aber gegen dessen Aufnahme Bedenken und setzten hierfür gewisse Bedingungen, darunter war die erste: die Versetzung des zu nahe gelegenen Frauenklosters St. Andreas.29 Das nächste Jahr (1604) erschien Abt Jakob Benedikt vor den versammelten Aebten in Rheinau und bat demüthig um unbedingte Aufnahme. Er gelobte die vorgelegten Fragen und so wurde ihm die Aufnahme gewährt.30

Die zwei Klöster Disentis und Beinwil-Mariastein traten erst später der Congregation bei. Das erstgenannte fand seine Aufnahme am 30. August 1617. Martin Winkler, (II-060) Abt dieses Klosters, war 1529 zum Protestantismus übergetreten und im Elende gestorben. Den tiefgesunkenen Konvent hob der 1566 zum Abte gewählte Christian von Castelberg. Dieser erlangte im Jahre 1570 von Kaiser Maximilian II. den verlorenen Fürstentitel für sein Gotteshaus wieder. Nach dem Tode dieses Abtes zeigten sich die alten Unordnungen in Disentis. Der Bischof von Chur empfahl es daher dringend 1612 der Congregation. Die Kapitularen des Klosters wählten 1614 einen Sebastian aus der ehrenhaften Familie von Castelberg, der aber noch Weltpriester war. Der päpstliche Nuntius erklärte diesen in Einsiedeln am gleichen Tage als Novizen, als Profess, als Konventual und als Abt von Disentis.31 Bischof Fluggi von Chur bestrafte den neuen Abt Sebastian mit 50 Gl., weil er sich ohne sein Wissen vom Nuntius hatte benediciren lassen und schickte ihn so nach Disentis. Der Eifer Sebastian’s machte bald das Unregelmässige seiner Wahl vergessen. Um die Zucht in seinem Kloster mehr zu heben, meldete er sich bald bei der schweizerischen Congregation, die seine Bitte 1617 erhörte.

Als das neunte und letzte Kloster schloss sich unserer Congregation Beinwil-Mariastein an. Dieses Kloster, im Kanton Solothurn an der elsässischen Grenze gelegen, war in Folge der Reformationsstürme und Kriege dem Untergange nahe. Durch Vermittlung des Bischofs von Basel und der Regierung von Solothurn kamen (1589) Mönche von Einsiedeln nach Beinwil. An der Spitze des Konventes stand jetzt ein Statthalter oder Administrator. Von 1622-1633 leitete der tüchtige P. Urs Burri aus dem Stifte Rheinau den dortigen Konvent. Dieser, so erstarkt, konnte bald aus seiner Mitte einen Abt, Fintan Kiefer, wählen. Abt Fintan regierte von 1633-167532 und brachte Beinwil zu hohem Ansehen. Im Jahre 1648 versetzte er den Konvent nach Mariastein und liess in Beinwil nur die für die Leitung der Seelsorge und Oekonomie nöthigen Mitbrüder zurück.

So lange Beinwil bloss einen Administrator hatte, verweigerten ihm die Schweizer-Aebte beharrlich die Aufnahme in ihre Congregation. Aber auch den Abt Fintan nahmen sie nur unter der Bedingung (1647) in ihre Mitte auf, wenn der Bischof von Basel wie auch die Schutzherren in Solothurn den Eintritt in die Congregation genehmigen und zugleich gestatten, dass die Congregation dieses Kloster ebenso wie alle übrigen Klöster behandeln dürfe.

(II-061) Im Jahre 1603 drangen die versammelten Aebte nachdrucksam auf die Pflege der Wissenschaften, ernannten im Fürstabte von St. Gallen ihren ersten Präses, damit er die Zusammenkünfte ausschreibe und die Congregation als Direktor leite. Hiemit verbanden die Aebte auch das Amt eines Visitators. Aber sie erwählten zugleich in der Person des Johann Jodok von Muri einen Vicepräses und zweiten Visitator.

Diesen zwei Leitern der Congregation wurde 1613 ein dritter Visitator beigegeben und hierfür Abt Johann Jodok von Muri bezeichnet, der bereits 1609 das Amt eines Vicepräses niedergelegt und dann als Supplent das Kloster des Visitators visitirt hatte. Diese Vorsteherschaft der Congregation blieb, bis die Stürme der 30ger und 40ger Jahre des XIX. Jahrhunderts den dritten Visitator verschwinden machten und nur mehr den Präses und Vicepräses stehen liessen.

Anfänglich war die Wahl der Visitatoren ganz frei und an keine Satzung oder Gewohnheit gebunden, ebenso war keine bestimmte Amtsdauer festgesetzt. Später wechselten St. Gallen und Einsiedeln auf den zwei ersten Stühlen, endlich blieb St. Gallen längere Zeit auf dem ersten Stuhle und nach dessen Untergange behauptete ihn bis heute der Abt von Einsiedeln.33

Das Amt eines Secretärs besorgten anfänglich die präsidirenden Aebte selbst; allein seit dem Jahre 1618 ernannten (II-062) sie einen Kapitularen aus einem ihrer Klöster und gaben ihm den Titel eines Congregationssekretärs.34

Wurde ein neuer Prälat in irgend einem Kloster der Congregation gewählt, so musste er laut Verordnung vom 2. Juni 1605 nach bestimmten Ceremonien in die Generalversammlung der Aebte eingeführt werden.35 Wegen des Nachtchores (Matutin und Laudes um Mitternacht) waren die Aebte damals noch zu keinem Beschlusse gekommen, hatten aber die Regularfasten und Abstinenztage angeordnet. Nach zwei Jahren (1637) wurde der Nachtgottesdienst definitiv anbefohlen. Dieser blieb in Muri bis zu seiner Aufhebung (1841), auch das Frauenkloster in Hermetschwil blieb dieser Vorschrift treu bis zu seiner Zernichtung durch den Staat Aargau 1876.

Um das Chorgebet desto besser und erbaulicher zu verrichten, besorgten die Aebte (1609) den Druck neuer Breviere in Venedig. Gleichzeitig dachten sie an einen schönen einheitlichen Choralgesang. Zu letzterem Ziele wurde aus jedem Kloster ein musikalisch gebildeter Konventual nach St. Gallen geschickt. – Zur Beseitigung der kleinen Verschiedenheiten in der Kleidung machten die Aebte 1614 besondere Bestimmungen. Auch in den Studien der Philosophie und Theologie wollten sie Einheit erzielen und bezeichneten Rorschach für alle Kleriker der Congregation als gemeinsamen Studienort. Zur Bekräftigung dieses Bestrebens nach Einheit erliessen die Aebte das „Einheitsschreiben“ (charta uniformitatis). Dasselbe enthält die Tagesordnung, die Abhaltung der Tagzeiten, die Vorschriften für den Gesang und das Orgelspiel und für andere gottesdienstliche und häusliche Verrichtungen. Zugleich beauftragten sie den Konventualen (von St. Gallen), P. Augustin Brülisauer, dass er bezüglich des Gesanges alle Klöster visitire. Wirklich durchwanderte der Genannte alle Konvente bis auf Pfäfers und Disentis. Kaum hatte er aber seinen Auftrag zum Theile gelöst, so schickte man die besten (II-063) Musikanten von Einsiedeln, Muri und Rheinau nach St. Gallen, damit sie wegen des Chorals sich verständigen. Ihre Arbeiten fielen zur Befriedigung der Congregation aus.36

Die Grundlage für eine gute Disciplin war nun gelegt. Die Aebte hatten nur darauf zu sehen, dass die Satzungen fleissig durchgeführt und beobachtet wurden. Hierin mussten besonders die Visitatoren nachhelfen, welche einige Mal sogar genöthigt waren, wie in Pfäfers, den Beistand des apostolischen Nuntius anzurufen.

Die vom Sekretär der Congregation, P. Dominik Tschudi, gemachte (1636) Sammlung der von der Congregation gegebenen Statuten, prüften die Aebte mit Beiziehung der Dekane und Prioren, bestätigten sie und schrieben sie endgiltig vor.37 Nach dem Geiste des hl. Benedikt dringen sie zunächst auf die Selbstheiligung, wofür das Ceremonielle und das geordnete Leben im Kloster Hilfsmittel sind.38 Ferner verlangen die Satzungen thätiges Wirken nach Aussen wie auch geistige und leibliche Beschäftigung im Innern. So bemerken die Aebte zum Kapitel 32.: „Die Bücher, das Archiv, die Wappen, Bilder u. s. w. werden besondern Brüdern anvertraut“; beim Kapitel 48 sagen sie: „An die Stelle der Handarbeit setzen wir das Studium der Wissenschaften, das die Brüder durch Lernen, Lehren und Predigen beständig pflegen.“ Aehnliches prägen sie beim Kap. 57 den Konventualen ein: „Die wichtigste Beschäftigung, die wir jetzt in unsern Klöstern haben, ist nach dem Gottesdienste und den geistlichen Uebungen mit Recht das Studium der Wissenschaften.“ – „Sind aber Brüder für die Wissenschaften minder fähig, sonst aber willig und geschickt, so sollen sie sich für die Erlernung und Betreibung einer Kunst herbeilassen, wie für das Schreiben, Malen, Drucken, Einbinden der Bücher, Bereitung der Medizinen, Gartenpflege“ u. s. w. – Bei der Aufnahme junger Mitglieder ist dem Abte und Konvente Vorsicht empfohlen. Jedoch sollte die Pforte des Klosters nach der Regel des hl. Benedikt Adeligen wie Unedlen offen stehen; auf Abstammung, Vermögen oder Nation darf keine Rücksicht genommen werden; die Candidaten seien aber freien Standes, ehelicher *(II-064) Geburt, von ehrbaren Eltern, frei von kanonischen Hindernissen u. s. w.39 – Das Noviziat währe ein volles Jahr unter der Leitung eines erfahrenen Mannes, der sie in die Ascese und in die klösterlichen Uebungen einführt. Nach dessen Vollendung legen die für bewährt Befundenen die drei Hauptgelübde (Armuth, Gehorsam und Keuschheit) ab und fügen diesen die Gelübde der Beständigkeit (stabilitatem loci) und der Sittenbekehrung (conversionem morum) bei. Das letzte Gelübde erhielt durch Namensänderung bei der hl. Profession, die bald nach 1603 in Uebung kam, auch äusserlich einen Ausdruck.

Die Laienbrüder waren in der Congregation oft der Gegenstand der Berathung. Die Mehrheit der Aebte sprach sich endlich für deren Einführung aus, weil sie zur Wahrung der innern Disciplin viel beitragen. Demnach gaben sie ihnen besondere Instruktoren und Satzungen, befahlen, dass sie die kleinen Tagzeiten in deutscher Sprache beten und die innern Hausgeschäfte besorgen oder irgend ein Handwerk treiben.

Der sogenannte „Auskauf“, vermöge dessen die Eltern oder Vormünder der jungen Konventualen nach dem Verhältnisse ihres Vermögens dem Kloster 200-4000 Gl. (die Brüder 40-100 Gl.) zu geben versprachen, fand gewöhnlich unmittelbar vor der Profession statt.40

Die Tagesordnung der Congregation lautete: Um Mitternacht – Nachtchor und um 2 Uhr soll jeder wieder im Bette sein; zur 5. Stunde – Aufstehen und von ½ 6 bis 6 Uhr Betrachtung im Museum; von 6 bis 7 Uhr – Studium; dann gesungene Prim und wieder Studium bis ½ 9 Uhr. Jetzt begann, wenn kein Festtag war, das Koventamt, dem sich die Terz, Sext und Gewissenserforschung anschlossen, worauf um 10 Uhr, an Fasttagen um 11 Uhr, das Mittagessen folgte. Frühstück war keines. Nach dem Essen – die Non und bis ½ 1 Uhr Erholung. Darauf begaben sich die Religiosen zum Studium oder zu den Handarbeiten, um 3 Uhr gesungene Vesper, dann wieder Studium und Arbeit, zur 5. Stunde Nachtessen und Erholung bis ½ 7 Uhr, hernach im Kapitelhause kurze geistliche Lesung, Complet, Gewissenserforschung und um 8 Uhr Ruhe, damit die Brüder um 12 Uhr zum Lobe Gottes erscheinen konnten.41

Wegen des erfreulichen Aufschwunges, den die Benediktiner-Congregation damals in der Schweiz nahm und wegen (II-065) ihrer Wirksamkeit, die sie in den katholischen wie paritätischen Kantonen entfaltete, verlieh ihr Papst Urban VIII. im Jahre 1626 die Privilegien aller religiösen Orden und Congregationen, ja auch die der Bettelorden.42

Im Jahre 1650 war der Stand der Schweizer-Benediktiner-Congregation folgender43:

Klöster. Priester. Fratres. Laienbrüder. Total.
1. St. Gallen. 51 11 6 68
2. Einsiedeln. 40 9 6 55
3. Pfäfers. 13 3 3 19
4. Disentis. 4 3 2 9
5. Muri. 20 5 3 28
6. Rheinau. 15 9 4 28
7. Fischingen. 14 3 3 20
8. Engelberg. 9 2 11
9. Beinwil. 11 2 2 15
Gesamt 177 45 31 253

II. Die Schweizer-Congregation in Verbindung mit anderen Congregationen.

Zur Hebung der brüderlichen Liebe und zum Troste der Verstorbenen beschlossen die Aebte der Schweizer-Congregation (1661), der im Jahre 1644 mit der Congregation des hl. Viton (St. Vannes) und Hidulph allgemein eingegangenen Verbrüderung durch bestimmte Sätze und Verbindlichkeiten besseren Halt zu geben. Zu dem Ende reiste P. Fridolin Summerer, Subprior von Muri, nach Lothringen und Burgund. Demnach wurden hierfür folgende Artikel von beiden Congregationen angenommen: 1. bestehe eine Gemeinschaft der guten Werke für Lebendige und Verstorbene, und desshalb werde alljährlich der Katalog der Verstorbenen gegenseitig mitgetheilt und derselbe dann in allen Konventen vorgelesen; 2. jeder Priester lese für die in der andern Congregation innerhalb des Jahres verschiedenen Mitbrüder eine hl. Messe, die Fratres beten 1 Rosenkranz u. s. w.; 3. die Congregationen stehen einander in ihren Nöthen bei; 4. Pilger, Studirende (II-066) und Auswandernde der einen Congregation werden in den Klöstern der anderen wie Brüder aufgenommen und behandelt, Studirende leisten jedoch eine entsprechende Entschädigung; 5. die erhaltenen Todtenlisten werden gegenseitig in Abschriften mitgetheilt.44

Eine ähnliche Verbrüderung ging die Schweizer-Congregation 1680 mit der schwäbischen ein, nur bestimmten die Aebte für den 4. und 5. Artikel, dass die Visitatoren beider Congregationen alle drei Jahre zusammentreten und sich über Einführung und Erhaltung der Disciplin besprechen sollen.45 Diese Verbrüderungen scheinen aber nicht lange gedauert zu haben.

Im Jahre 1683 strebten die zwei letztgenannten Congregationen den Druck eines gemeinsamen Brevieres an; allein weder die in Rorschach versammelten Aebte noch der Zusammentritt gelehrter Kapitularen in Weingarten konnten hierin ein glückliches Resultat erzielen.46

Alle Klöster der Schweizer-Congregation waren bemüht, die Wissenschaften zu pflegen; aber die Palme hierin errang das fürstliche Stift St. Gallen. In der Theologie, in der Rechtskunde und in den profanen Wissenschaften hielten die dortigen Kapitalaren mit der damaligen gelehrten Welt gleichen Schritt. Mehrere von ihnen waren erfahren in der Geschichte und in der Physik und ertheilten ihren Zöglingen Unterricht in der griechischen und hebräischen Sprache. Die Gründung einer höheren gemeinsamen Benediktiner-Schule in Rorschach am Bodensee war schon im 16. Jahrhunderte angeregt worden.47 Die Aebte von St. Gallen kamen in der ersten Hälfte des folgenden Jahrhunderts wieder auf diesen Gedanken zurück. Der erste Aufruf, den St. Gallen an die schweizerischen und schwäbischen Klöster in dieser Sache ergehen liess, fand jedoch geringen Anklang. Das Stift liess sich nicht abschrecken. Es begann daher 1624 den Unterricht in den unteren Klassen und errichtete bald Lehrstühle für die Philosophie und Theologie. Papst Urban. VIII. forderte die Aebte der Schweizer-Congregation auf, sie sollen ihre jungen Religiosen nicht in die Ferne, sondern nach Rorschach senden. Muri (II-067) folgte und schickte drei Fratres dahin. Doch wegen der Auslagen und aus disciplinären Gründen wollten die Aebte ihre Kleriker lieber in den eigenen Klöstern unterrichten lassen. Daher schloss der Fürstabt wegen Schülermangel die Anstalt. Der Kardinal und Abt Cölestin Sfondrati stellte sie jedoch 1694 wieder her, aber sein Nachfolger liess sie schon 1699 für immer eingehen.48

Die Universität in Salzburg übergab der dortige Erzbischof, Markus Sittikus, weil die Jesuiten den an sie ergangenen Ruf abgelehnt hatten, durch die Aebte Joachim von St. Peter in Salzburg und Gregor von Ottobeuern im Jahre 1617 dem Benediktinerorden.49 Das folgende Jahr verpflichteten sich 33 Benediktinerklöster von Oesterreich, Baiern und dem Schwäbischen für dieselbe die nöthigen Professoren zu stellen. Dieser Verbindlichkeit traten auch drei Schweizer-Benediktinerklöster bei, nämlich Einsiedeln, Mur i und Rheinau. Sie versprachen auf zehn Jahre ihre Mithilfe. Die Universität kam in kurzer Zeit zu hohem Ansehen und behauptete ihren Ruhm bis 1800. Unserm Abte, Johann Jodok, wurde die Würde eines Präses und Assistenten der Universität angetragen; allein er wollte seine Kräfte nicht allzu sehr zersplittern und wies die Ehre zurück.

Während mehrere Konventualen aus Einsiedeln als Professoren in Salzburg wirkten, konnten wir keinen aus Muri finden, der als solcher dort thätig gewesen wäre. Jedoch scheint der Abt direkt darum ersucht worden zu sein, weil er sich wegen Stellung eines Professors entschuldigt.50

Nebst der Universität in Salzburg übernahm der Benediktinerorden auch das Gymnasium in Rottweil von 1673-1691 und hatte es der Universität in Salzburg unterstellt. Muri möchte sich bei diesem betheiligt haben. Das Kapitel ertheilte nämlich einem Gesuche, Professoren dahin zu senden, die Antwort: aus Güte, aber nicht von Rechtswegen; können für das Gymnasium Professoren versprochen werden.51 Dagegen wies die Schweizer-Congregation die Mitwirkung bei der Gründung der Benediktiner-Akademie in Ehingen von der Hand.52

III. Muri hilft die Hemmnisse für die Entwickelung der Congregation beseitigen und wird exempt.

(II-068) Der aufblühenden Congregation traten die weltliche und kirchliche Behörde hemmend entgegen. Die katholischen Kantone waren anfänglich der gelungenen Reform der Benediktinerklöster, wie auch ihrer fleissigen Pflege der Wissenschaften gewogen. Allein bald tauchte bei ihnen die Besorgniss auf, die Congregation werde zu reich und zu mächtig. Daher verboten sie den Klöstern, durch Kauf oder Erbschaft liegende Güter zu erwerben. Der päpstliche Legat beauftragte sodann unsern Abt Johann Jodock, die in Einsiedeln (1614) versammelten Abgeordneten der fünf katholischen Orte um Zurücknahme obigen Verbotes zu bitten. Das Gesuch des Abtes schien einen guten Erfolg zu versprechen. Allein bald richteten dieselben Boten der fünf Stände an unsern Abt zu Handen der Congregation ein Schreiben des Inhaltes: a. Jedes Kloster zahle jährlich ein bestimmtes Schutzgeld; b. die Schutzpatrone haben das Recht, von den Klöstern Rechnung zu fordern; c. die Mitglieder sollen Schweizerbürger und keine Ausländer sein; d. die Klöster wollen sich kostsbilliger Bauten enthalten, und e. sie sollen keine übermässigen Ankäufe liegender Güter machen.

Diese Zuschrift veranlasste eine Versammlung mehrerer Aebte in Kaiserstuhl am Rhein. Zunächst beschlossen diese, den Nuntius zu fragen, was sie zur Wahrung ihrer Freiheiten thun sollen. Gleichzeitig verkauften gerade die Holdermaier aus der Stadt Luzern ihre bedeutenden Besitzungen und die Patronatsrechte in Beinwil an das Kloster Muri.53 Daraus erkannten die Aebte, dass den Tagherren hauptsächlich nur die Schutzgelder am Herzen liegen. Und wirklich, die übrigen Punkte liessen die Schirmherren stillschweigend fallen; allein das Geld forderten sie schon das folgende Jahr ein, indem sie zugleich jedem Kloster die Taxe zuschickten. Nach dieser hätte Muri 40 ½ Kronen und noch jedem Tagherren zwei und jedem Diener derselben ½ Krone zu zahlen gehabt. Dei Nuntius erhob dagegen zur Wahrung der kirchlichen Immunität kräftig seine Stimme. Die katholischen Stände glaubten aber ihre Forderung mit der „besseren“ Schirmung der Klöster und der katholischen Kirche begründen zu können. Einige Gotteshäuser anerkannten diese Begründung und (II-069) zahlten, andere aber, darunter auch Muri, traten der Forderung entgegen. Unser Konvent berief sich hauptsächlich auf den Schirmbrief vom Jahre 1431 und auf die alte Gewohnheit.54 Die Tagherren liessen zwar die stipulirte jährliche Taxe fallen, verlangten aber, dass künftig jeder neugewählte Abt von Muri ein entsprechendes Schutzgeld zahle.55 Die Neugewählten protestirten anfänglich immer, ohne die Zahlung hartnäckig zu verweigern, bis endlich aus der Uebung eine Schuldigkeit erwuchs.

Grössere Hindernisse als der Staat setzte der freien Entwicklung der Congregation der Bischof von Constanz entgegen. Die Visitationen der Klöster und die Leitung der Abtwahlen waren ihm wegen der Grösse des Bisthums und wegen der schwierigen Zeit- und Ortsverhältnisse zur Unmöglichkeit geworden. Die Unterlassung dieser Obliegenheiten hatte auch die diesbezüglichen Rechte des Bischofs beinahe in Vergessenheit gebracht. Muri und Engelberg nebst anderen Klöstern der Diöcese Constanz hatten desshalb schon 1599 mit ihm Anstände. Es handelte sich nämlich um die gänzliche Befreiung von der bischöflichen Aufsicht, um die Exemption. Abt Johann Jodok von Muri stellte sich an die Spitze dieser Bestrebung. Zur Besprechung besagter Angelegenheit hielt man 1604 eine Versammlung mehrerer Aebte in Constanz.56 Die durch zwei Consistorialräthe in Rheinau (1606) vom Bischofe vorgenommene Visitation, wie auch der Umstand, dass von ihm dieselben Räthe (1607) zur Wahl des Abtes Ulrich Koch als Vertreter abgeschickt wurden, rückten die Frage wegen der Exemption der Klöster noch mehr in den Vordergrund. Das letztere Ereigniss war um so auffallender, weil der Bischof vor zwei Jahren (26. Jan. 1605) urkundlich ausgesprochen hatte, dass er nur in dringenden Fällen bei einer Abtwahl sich vertreten lassen wolle. Hier war aber dieser Fall nicht eingetreten, zumal die zwei Visitatoren, die Aebte von St. Gallen und Muri, als Leiter der Wahl erschienen waren; freilich waren das diejenigen, welche im verflossenen Jahre den dortigen Mönchen den Wink gegeben hatten, die bischöfliche Visitation abzuweisen. Beide Parteien hatten in dieser Sache das Recht für sich und gute Absichten. Indessen neigte sich der Nuntius mehr zur Congregation als zum Bischofe. Daher bestätigte er am 13. Dezember 1608 ihre Beschlüsse und befreite die in derselben befindlichen (II-070) Klöster gänzlich von der Visitation des Bischofs, indem er die Aebte beauftragte, diese in ihren Klöstern selbst vorzunehmen. Bei der Synode zu Constanz, welche Bischof Jakob 1609 abhielt, waren zwar alle Klöster der schweizerischen Benediktiner Congregation vertreten. Allein wegen des Artikels, „die Visitation der Klöster“, machten sie dem Bischofe ernste Vorstellungen. Dieser gab sodann die Erklärung ab: er behalte sich die Visitation der Klöster nur in ausserordentlichen Fällen vor, welche dann eintreten, wenn die Aebte, selbe vorzunehmen, nachlässig sind. Auf die gemachte Erklärung hin, unterzeichneten die Klöster die Synodalbeschlüsse.57

Das gute Einvernehmen zwischen dem Bischofe von Constanz und der Congregation währte nun bis 1621. Obgleich die Visitatoren der Congregation fleissig ihre Pflicht erfüllt hatten, schickte jetzt Bischof Jakob dennoch zwei Doktoren der Theologie, Leonard Hammer und Johannes Andreas Dornsberger, zur Visitation des Klosters Rheinau. Abt und Konvent baten die Commissäre um Aufschub der Visitation und machten sofort dem Nuntius und der Congregation hievon Anzeige. Die Klöster St. Gallen und Einsiedeln hielten sich, weil schon exempt, diesem neuen Zwiste ferne; ebenso erklärten sich die Klöster Pfäfers, Disentis und Beinwil, weil zu anderen Bischöfen gehörend, hierin für unbetheiligt. Somit blieben noch die Gotteshäuser Muri, Rheinau, Engelberg und Fischingen, welche nach diesem Vorgange mit Ernst dahin strebten, vom hl. Stuhle die Exemption zu erlangen. Nach Anweisung des Nuntius gingen der Abt Eberhard von Rheinau und der Prior von Muri zum Bischofe von Constanz und baten ihn, von der Visitation abzustehen. Ihr Bemühen war vergebens. Obige Commissäre schickte der Bischof bald darnach zur Vornahme einer Visitation nach Engelberg. Diese besuchten bei ihrer Reise durch Luzern den päpstlichen Nuntius und meldeten ihm ihre Aufgabe. Alexander Scappi wusste sie einen Tag bei sich zu behalten und sandte indessen einen Eilboten nach Muri, damit derselbe von dort die Urkunde bringe, laut welcher der frühere Nuntius, Ladislaus von Aquino, (13. Dez. 1608) die Congregation der bischöflichen Visitation entzogen hatte. Sogleich erschienen der Prior und Subprior von Muri mit dem Aktenstücke in Luzern. Der Nuntius verbot nun den zwei Commissären jede Visitation eines Benediktinerklosters in der Eidgenossenschaft, bis die Sache in Rom entschieden sei. Diese nahmen von der Urkunde eine (II-071) Abschrift und eilten nach Constanz zurück. Auf das hin liessen die vier oben erwähnten Klöster ein Bittgesuch, um Befreiung von der Visitation, nach Rom abgehen. Der Nuntius empfahl es kräftig; ebenso befürworteten die V katholischen Orte, die Schutzherren dieser Konvente, die Bitte. Papst Gregor XV. nahm dem zufolge keinen Anstand, durch eine Urkunde vom 22. Mai 1622 die Befreiung (Exemption) von der bischöflichen Visitation und Jurisdiktion für die vier Klöster Muri, Rheinau, Engelberg und Fischingen auszusprechen, indem er dem Bischofe nur jene Rechte hinsichtlich dieser Klöster beliess, welche das Concil von Trient den Ordinarien gestattete.58

Papst Gregor XV. starb im Juli 1623. Der Bischof von Constanz wollte bei dessen Nachfolger, Urban VIII., obiges Breve vom 22. Mai 1622, als erschlichen, also für ihn nicht bindend, darstellen. Die vier Klöster sandten zur Erklärung dieser Behauptung eine Gegenschrift nach Rom.59 Weil damals die schwäbische Benediktiner-Congregation entstand und Stimmen laut wurden, die Benediktiner von ganz Deutschland wollen eine Generalinnung bilden, so drangen die Bischöfe, welche dadurch eine Schmälerung ihrer Rechte fürchteten, in den Metropolitanbischof von Mainz, dass er im Namen aller deutschen Bischöfe, vereint mit dem Kaiser Ferdinand II., gegen diese Bestrebungen der Benediktiner in Rom arbeite. Und fürwahr, man arbeitete kräftig, um einen Sturm gegen die Benediktiner Deutschlands und der Schweiz an der Tiber hervorzurufen.60 Doch umsonst. Am 30. März 1024 erschien ein neues Breve, welches die vom Papst Gregor XV. ausgesprochene Exemption für die vier Schweizer. Klöster im ganzen Umfange bestätigte und sie für unverbrüchlich erklärte.

Der Bischof von Constanz liess die Exemption der vier Klöster vorläufig ruhen; aber jetzt griffen die weltlichen Schutzherren die Immunität der Klöster an, und verlangten, wie ehemals, Ablegung der Rechnungen ihrer jährlichen Einnahmen und Ausgaben. Auch hier trat der Nuntius für die Klöster ein. Papst Urban VIII. schickte an die Schutzherren zum Schutze der Klöster ein Breve, worauf der Nuntius zu Luzern vor den versammelten Tagherren der katholischen Orte eine ernste Rede hielt: „Lasset euch nicht irre führen, sprach (II-072) er, durch die in uralten Zeiten von euch erlassenen Beschlüsse, durch die ihr der Kirche Vorschriften zu geben gewagt habt; denn offenes Unrecht wird nicht verjährt. Habt ihr vergessen, welches Lob eure (jüngern) Väter dagegen beim hl. Stuhle sich erwarben, deren Ehrentitel: „Vertheidiger der kirchlichen Freiheit“, ihr jetzt noch traget. Oder wuchs nicht das Wohl des Vaterlandes mit dem Reichthum der Klöster? Seht, die Ehre Gottes und der Trost der Familien wird erhöht durch die Vermehrung der Gottgeweihten. Die Armen finden in den Klöstern die beste Hilfe. Haben nicht da in der letzten Theuerung eure Unterthanen am meisten Trost gefunden? Ich kenne Klöster, in denen durch Lebensmittel oder Geld wöchentlich über 8000 Personen getröstet werden.61 Waren in Kriegszeiten die Klöster nicht die besten Hilfsquellen? Warum beneidet ihr die Klöster, da sie weder von euch noch von euern Vorfahren gegründet wurden? Kennt ihr den Segen, den die Klöster dem Lande brachten? Kennt ihr aber auch den Unsegen, den ihre Unterdrückung über ganze Völker brachte? Wohlan, hütet euch, die Arche des Bundes anzugreifen¡‘ Nach diesen Worten überreichte er den Abgeordneten ein Breve vom Papste Urban VIII.62 Darin ermahnte er die Eidgenossen, die Kirche in ihrer Immunität ungestört zu belassen. Die Tagherren gaben diesen Vorstellungen für den Augenblick Gehör; allein 1627 richteten sie wieder aus Baden ein Schreiben an Abt Johann Jodok nach Muri, und forderten ihn auf, das Schutz- oder Recognitionsgeld zu zahlen.63 Der Abt weigerte sich dessen. Und somit traten auch sie vorläufig von ihrem Begehren zurück.

Schon das folgende Jahr (1628) trat der Bischof von Constanz wegen der Exemption der vier Klöster neuerdings auf den Kampfplatz. Er wandte sich zunächst an den Nuntius nach Luzern. Die Antwort lautete ungünstig, und daher schickte er seinen Weihbischof, Johann Anton Tritt, nach Rom (II-073) (1629), um der Behauptung Geltung zu verschaffen, die Exemption sei nur erschlichen worden. Die Kardinäle liessen sich herbei, die Angelegenheit einer Revision zu unterwerfen. Die Aebte der vier Klöster wählten den P. Wilfrid Selby aus England zu ihrem Protektor, theilten ihm alle Akten über die Sache mit, und verfassten eine Vertheidigungsschrift. Der Kardinal Barberini und die V katholischen Stände baten den Papst mit Nachdruck, dass er die Exemption der Klöster aufrecht erhalte. Endlich erfolgte vom Papst Urban VIII. am 26. Sept. 1631 der unwiderrufliche Entscheid: die den vier Klöstern verliehene Exemption bleibe ungeschmälert.64

Aber Constanz blieb nicht ruhig. Bernard von Freiburg wurde am 15. Dez. 1642 Abt von Rheinau. Die Congregation hatte bei dieser Wahl das erstemal Gelegenheit, ihre Exemptionsrechte in vollem Masse auszuüben. Der päpstliche Nuntius liess die Bestätigung der Gewählten unmittelbar von Rom kommen. Der Bischof von Constanz verlangte, aber man solle die Confirmation aufschieben, bis die Zahlung der Annaten welche die letzthin für exempt erklärten Klöster ihm noch ferner schuldig sind, geregelt sei. Allein der Nuntius liess die bereits in Rom ausgesprochene Bestätigung veröffentlichen; doch wurde der angedeutete Streit erst 1649 beigelegt. Abt Dominik Tschudi von Muri machte nämlich zu dessen Beendigung im Namen der vier Klöster folgende Vorschläge: 1. der Bischof mische sich auf keine Weise in die Abtwahl der betreffenden Klöster; 2. hat der Bischof von der getroffenen Wahl eines Abtes Kenntniss erlangt, so überträgt er einem der Benediktiner-Aebte der Congregation die Vornahme des Prozesses und ist nach dessen Einsicht gehalten, wenn kein kanonisches Hinderniss vorhanden, die Bestätigung als Delegirter auszusprechen; 3. ist der Abt so bestätigt, dann zahlt er die üblichen Annaten; 4. die Benediktion können die so gewählten und bestätigten Aebte von einem beliebigen, rechtmässigen Bischofe nehmen; 5. die Uebereinkunft lässt die Bullen der Päpste Gregor XV. und Urban VIII. ungeschwächt. Constanz nahm diese Vorschläge sofort an; liess sie verbriefen und vom Papste Innocenz X. am 15. August 1646 bestätigen. Der Punkt65 2 erhielt aber künftig diese praktische (II-074) Uebersetzung: War der päpstliche Nuntius bei einer Abtwahl anwesend, so sprach dieser sofort nach vorgenommenem Prozesse die Bestätigung aus und machte hievon dem Bischofe nur Anzeige; seitdem aber kein Nuntius in der Schweiz ist, spricht der hl. Vater selbst die Bestätigung aus.66 – Wegen der Summe der zu entrichtenden Annaten konnten die Parteien erst 1649 sich ebenfalls vereinbaren.67 Zufolge dieser Verständigung zahlte Muri 480 Reichsgulden, für den Ring fünf Dukaten, für den Notar 16 und für Anderes 21 Reichsthaler.


  1. Im ersten Bande der Muri-Geschichte (S. 261 ff.) wurde das Mainzer-Benediktiner-Kapitel nicht genau von der Bursfelder-Congregation ausgeschieden, und daher fanden die Versammlungen des Mainzer-Kapitels nach 1440 öfters eine Verwechslung mit denen der Bursfelder-Congregation. Muri war kein Glied dieser Congregation.

  2. Mittheil. von P. Ursmer Berlière, O. S. B. in Maredsous.

  3. Vgl. Arch. für die Kunde der österr. Geschichtsquellen VII., 149-186.

  4. Im nord-westl. Deutschland konnte sich die Bursfelder-Congregation halten.

  5. Eine spätere Ausgabe dieses Breviers erfolgte 1568, 1595, 1596 und 1599. Papst Paul V. bestätigte indirekt dasselbe erst 1612 und zwar durch Verleihung von Ablässen bei dessen Abbetung. Die eigentliche Genehmigung dieses Breviers erfolgte 1616 durch die Congregation der Riten (Vgl. Vorrede der Benediktiner-Breviere).

  6. Correspondenzen von P. Mauriz van der Meer mit P. Leodegar Schmid (Arch. Muri in Gries). Veranlassung zu dieser Meinung gaben schriftliche Berichte von P. Joh. Kaspar Winterlin, der 1601 glaubte, Muri stehe mit dieser Congregation in Verbindung.

  7. Tractatus de Congregationibus, Hdschr., S. 128.

  8. Das., S. 126.

  9. St. Gallen, Einsiedeln, Rheinau, Kempten, Pfäfers, Muri, Petershausen, St. Blasien, Fischingen, Engelberg, Rheinau, Bregenz (Mehrerau), Disentis und Beinwil (Tractatus de Congregationibus, l. c. S. 161).

  10. Annales, p. 567. – Wohl versuchten im Jahre 1599 bischöfliche Commissäre in Rheinau eine Visitation vorzunehmen; allein wegen ihrer Unerfahrenheit in solchen Dingen erzielten sie gar keinen Erfolg. (Tractatus de Congr., l. c., S. 163).

  11. Annales, p. 567 u. a. O.

  12. In Muri waren dem weiblichen Geschlechte folgende Räume zu betreten verboten: die Wohnungen und Schlafgemächer der Konventualen und das ganze eigentliche Kloster; ferner die Wohnungen des Abtes und die Räume innerhalb der Klostermauern.

  13. Annales, p. 572-575.

  14. Das., p. 575.

  15. Tractatus de Congregationibus, l. c., S. 162.

  16. Annales, p. 569, 570.

  17. So schrieb er am 10. August und 21. September seinem Nuntius Turriani: „Novit fraternitas tua, quam ardenter cupimus pro nostra pastorali sollicitudine, ut abbates et monasteria O. S. Benedicti i istis provinciis simul uniantur et ad congregationis formam ex Concilii Tridentini praescripto redigantur“ (Tractatus de Cougreg., p. 163).

  18. Nicht 30. Mai, wie einige glauben (Tractatus de Congreg., p. 164).

  19. „Nostris etiam paternis cohortationibus permotos statuisse vos sanctae communionis vincula constringere“ (Tractatus de Congreg., p. 164).

  20. Idea Congregationis, worin es S. 42 ausdrücklich heisst: (Johannes Jodocus abbas Murensis) „primarius restaurator nostrae Congregationis.“

  21. P. Anselm Weissenbach schreibt (Annales, p. 570): „Quo etiam anno (1600) Udalricus, abbas Einsidlensis obiit et ei successit Augustinus Hoffmann, vir admodum religiosus, qui Johanni Jodoco nostro in reformandis et coadunandis Helvetiae monasteriis inter abbates primas tulit suppetias.“ Demnach schreibt P. Leodegar Schmid (1779) an P. Mauriz van der Meer: „Abt Johann Jodok ist der erste und Abt Augustin der zweite unter den Aebten gewesen, welche die Congregation errichteten“ (Arch. Muri in Gries).

  22. Tractatus de Congreg., p. 173.

  23. Tractatus de Congreg., p. 165. – Die Unterschriften folgen nach dem Range der Klöster. Abt Michael ist als Fürst unmittelbar vor dem Abte Johann Jodok von Muri.

  24. Tractatus de Congregationibus, p. 165.

  25. Das von Papst Pius. – Die Vorschrift, die Namen bei der hl. Profession zu ändern, werden die Aebte wohl ebenfalls in den ersten Sitzungen gegeben haben.

  26. Regierte vom 24. August 1598 bis 23. Februar 1607.

  27. Er war ein kräftiger Abt; die Gymnasialstudien, vielleicht auch die Theologie, hatte er in Muri gemacht (Arch. Muri in Gries).

  28. Muri war diesmal durch P. Hieronymus Wahler vertreten.

  29. „Inprimis removendum monasterium monialium“ (Tractatus de Congreg., p. 168 sq.).

  30. Unter diesen Fragen wird wohl die wegen Beseitigung des Frauenklosters gewesen sein, denn nach ca. 13 Jahren kamen die Nonnen nach Sarnen.

  31. Annales, p. 596.

  32. Er resignirte 1675 und starb 1677.

  33. Reihenfolge der Visitatoren von 1603-1684:

    erster: zweiter: dritter;
    1603. St. Gallen. Muri.
    1609. St. Gallen. (Muri theilweise).
    1613. St. Gallen. Einsiedeln. Muri.
    1626. St. Gallen. Muri. Rheinau.
    1630. Muri Rheinau.
    1636. Einsiedeln. Muri. St. Gallen.
    1639. St. Gallen. Einsiedeln. Muri.
    1645. St. Gallen. Einsiedeln. Muri.
    1657. Einsiedeln. St. Gallen. Rheinau.
    1660. St. Gallen. Einsiedeln. Rheinau.
    1667. St. Gallen. Rhreinau. Muri.
    1670. Rheinau. Muri. St. Gallen.
    1673. Einsiedeln. St. Gallen. Rheinau.
    1676. Einsiedeln. Muri. St. Gallen.
    1680. Muri. Disentis. Einsiedeln.
    1681. Einsiedeln. St. Gallen. Fischingen.
    1683. Einsiedeln. Fischingen. Rheinau.
    1684. Einsiedeln. Rheinau. Engelberg.
  34. Diese Sekretäre sind bis 1684:

    P. Robert Blöd, Kapitular von St. Gallen von 1618-1624.
    P. Pius Recher, Kapitular von St. Gallen von 1624-1630.
    P. Dominik Tschudi, Kapitular von Muri von 1630-1645.
    P. Franz Letter, Kapitular von Muri von 1645-1647.
    P. Bonaventura Honegger, Kapitular von Muri von 1647-1655.
    P. Fridolin Summerer, Kapitular von Muri von 1655-1667.
    P. Dominik Suri, Kapitular von Muri von 1667-1680.
    P. Plazidus Zurlauben Kapitular von Muri von 1680-1684.
  35. Der neugewählte Abt von Fischingen (1616) war der erste, welcher nach diesen Vorschriften den Eintritt in das Generalkapitel erhielt (Tractatus de Congr., p. 169).

  36. Tractatus de Congreg., p. 174-176. Die Instrumentalmusik, worüber die Aebte ebenfalls sprachen, sollte grundsätzlich gänzlich vom Gottesdienste beseitigt sein, jedoch wird ein mässiger Gebrauch davon 1680 gestattet.

  37. Arch. Muri in Gries. „Notae et Observationes in Regulam S. P. Benedicti.“ Die Eintheilung ist nach den 73 Kapiteln der hl. Regel gemacht, denen die Statuten häufig als Erklärungen beigegeben sind (Annales, p. 649, 650, 679).

  38. Vgl. Kp. 1-19 u. a.

  39. Vgl. Notae zum Kap. 58.

  40. Arch. Muri in Gries A. I. III.

  41. Constitutiones Congregationis, Cap. 47.

  42. Bulle vom 19. Sept. 1626 (Annales, p. 621-624; Tractatus de Congregationibus, p. 180). „Ut omnibus et singulis privilegiis, gratiis et indultis tam spiritualibus quam temporalibus quibusvis religiosorum etiam mendicantium ordinibus et congregationibus … concessis … uti licite possint ac valeant … concedimus.“

  43. Tractatus de Congregationibus, p. 197. – Die heute aus fünf Klöstern bestehende Congre- gation hat nahe bei 300 Mitglieder, und ihre Wirksamkeit in der Schule ist um das Vierfache grösser.

  44. Verdun, am 19. Mai 1661 (Annales, p. 733, 734).

  45. Es erschienen bei den versammmelten Schweizer-Aebten Abt Alphons von Weingarten als Präses und Abt Martin von Zwiefalten als Vicepräses der schwäbischen Congregation (Haggenmüller, Geschichte des Stiftes Kempten, II. Bd.).

  46. Von Muri war P. Placidus Zurlauben in Weingarten (Tractatus de Congreg., p. 199, 200).

  47. Ildefons von Arx, Gesch. III., 265.

  48. Ild. von Arx, Gesch. III., 265-267.

  49. Programm von Einsiedeln 1854/55; Studien des Benediktinerordens II., 1., S. 68 ff. u. ebendas. 2., S. 277 u. 278.

  50. Programm von Einsiedeln 1854/55, S. 24; Arch. Muri in Aarau, Missiven.

  51. Acta Cap. Mur. Seit 1691 besorgten dieses Gymnasium wieder die Jesuiten (Tractatus de Congregationibus, p. 135-137).

  52. Tractatus de Congreg., p. 198 u. a. O.

  53. S. oben, S. 14.

  54. Annales, p. 592-595.

  55. Vgl. oben die Wahlen der Aebte, Kap. 2 u. ff.

  56. Tractatus de Congreg., p. 114.

  57. Tractatus de Congregationibus, p. 173.

  58. Tractatus de Congreg., p. 177, 178; Annales, p. 604-607.

  59. Sie ist vom Abt Johann Jodok von Muri unterzeichnet (Annales, p. 609).

  60. Der Agent der Bischöfe in Rom, Sevelli, erhielt den Auftrag: „illas noxias novitates, damnosas exemptiones subet obreptitie procuratas rescindere et evertere studeat“ (Annales, p. 610, 611).

  61. „Novi ego Monasteria, quae re frumentaria seu pecunaria ultra octo millia personarum hebdomadatim sunt consolata“ (Annales. p. 616). Muri gehörte ebenfalls zu diesen Klöstern; denn es bezeugt Dominik Tschudi, Abt von 1644-1654, in seinen Schriften: er habe in den Quatemberfasten, da in Muri das „grosse“ Almosen nach Uebung ausgetheilt wurde, einmal über 2000 und ein anderes Mal 3000 und einige hundert gezählt (Arch. Muri in Gries). P. Mauriz van der Meer schreibt: „Anfangs des Jahres 1635 starben Viele Hungers wegen auf öffentlichen Strassen und es wären noch Mehrere gestorben, wenn die Klöster nicht ihre freigebige Hand geöffnet hätten“ (Tractatus de Congreg., p. 186).

  62. Gegeb. zu Rom am 15. Aug. 1625 (Annales, p. 617-619).

  63. Annales, p. 624.

  64. „Negotium hoc aecurate cognosci jussimus, publicam utilitatem privatis omnibus rationibus anteferendam“ (Annales, p. 635; Tractatus de Congregat., p. 180, 181).

  65. Die Bulle des Papstes Innocenz X. drückt den Punkt mit folgenden Worten aus: „quo processu facto et eidem episcopo praesentato repente teneatur episcopus tamquam legatus sedis apostolicae sic electum confirmare.“

  66. Im Jahre 1887 deligirte der päpstliche Stuhl den Präses der Congregation, Abt Basilius von Einsiedeln, den neugewählten Abt von Muri-Gries, Augustin Grüniger, zu confirmiren.

  67. Ecclesiast., p. 54-61; Annales p. 666-672, 682.