Drittes Buch. Muri hebt sich und blüht. Es kauft Herrschaften und erlangt den Fürstentitel. Strenge Ascese und ihr Fortbestand. (1596-1776).

Erster Abschnitt. Muri hebt sich und blüht. (1596-1684.)

Erstes Kapitel. Johann Jodok Singeisen, XXXVI. Abt. (1596-1644.)

Johann Jodok stammte von einer ehrenhaften Familie1 in der Stadt Mellingen (Kt. Aargau) ab. Seine Eltern opferten ihn frühzeitig Gott und dem hl. Benedikt.2 Die ersten Studien machte der junge Jodok im Kloster Muri mit Auszeichnung, legte 1574 die hl. Profession ab und wurde 1581 Priester. Die höheren Schulen absolvirte er unter der Leitung der Jesuiten in Dillingen. Die Kunst, verschiedene Charaktere mit Geschick zu leiten, hatte er sich von diesen Meistern der Pädagogik vortheilhaft anzueignen gewusst.3 Bei der Wahl des Abtes Maier (1585) war er der jüngste Priester. Er suchte hauptsächlich dessen Bestätigung zu hintertreiben;4 doch vergebens. Johann Jodok erhielt bald darauf die Pfarrei Bünzen, die er von 1585-1596 (mit seinem Wohnsitze in Muri) besorgte.

(II-004) Die Tagherren der VII regierenden Orte hatten am 19. Juli 1596 die Absetzung des Abtes in Muri beschlossen, kamen am 1. August nach Muri und setzten mit Bewilligung des päpstlichen Nuntius die bereits begonnenen Verhöre fort, nahmen dem Prälaten aus „christlichem Eifer und Ernst“ die Schlüssel zum Schatze und zur Kanzlei ab, setzten den 5. August auf Bitte des Konvents als Wahltag eines neuen Abtes an und übergaben nach der Wahl den Kapitularen 17 Abschiedsartikel. Diese lauten: 1. (Eingang); 2. der Gesandte von Luzern solle durch die päpstlichen Legaten vom Bischofe von Constanz die Konfirmation für den neuerwählten Prälaten zu erlangen trachten und Landammann Reding bringe das Schreiben persönlich nach Konstanz zum Weihbischofe; 3. der jetzige und die folgenden Prälaten von Muri sollen jederzeit zwei junge Konventualen nach Dillingen oder auf eine andere Hochschule auf Kosten des Klosters schicken; 4. die Konventherren haben die Wirthshäuser zu meiden; 5. sie sollen beim Tode eines Prälaten den Schatz unberührt lassen; 6.-8. die Kapelle in Walenschwil werde renovirt und der Ammann Wiederkehr nehme seine Lehen vom neuen Prälaten; 9. die „Auffälle“ in Muri, Boswil und Bünzen gehören nicht mehr dem niederen Gerichte (Abte), sondern dem Landvogte5; 10. die Verleihung der Lehen und die Einziehung des Falles geschehe ordnungsgemäss; 11. der Landvogt und Landschreiber sollen Alles inventarisiren und den Orten zuschicken6; 12. die Regierungen behalten sich vor, jährlich oder nach Belieben vom Prälaten Rechnung zu verlangen; 13. die Frevler ausserhalb der Klostermauern sollen vor den Landvogt und nicht in's Kloster geführt werden; 14. der Prälat lasse die Hofdiener nicht ungebührlich essen und trinken; 15. -16. (betrifft die Hinterlassenschaften des abgesetzten Prälaten); 17. der Landvogt ist beauftragt, den Priestern in den Freiämtern das Halten von Concubinen strengstens zu untersagen, solche einzufangen, an den Pranger zu stellen und zu verweisen. – Wir gestehen, diese Bestimmungen sind ernstlich gemeint, aber nicht stets innerhalb der Schranken der Befugnisse. Daher erhob auch der apostolische Nuntius gegen die zu weit gehenden Schritte der weltlichen Behörde seine Stimme und bemerkte: das Endurtheil über den alten Prälaten müsse ihm überlassen werden; die Tagherren mögen denselben nach Luzern oder Stans7 schicken und indessen nur die (II-005) Oekonomie des Klosters besorgen; denn so verlange es die kirchliche Ordnung.8 Auch Luzern beschwerte sich gegen dieses „unglimpfliche“ Vorgehen. Allein die 4 Orte (Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug) entschieden mit Mehrheit: sie wollen „strax“ fortfahren; der Konvent soll wählen; der alte Prälat könne zur Bestrafung gefänglich nach Luzern geschickt werden; die Bestätigung des neuen Prälaten gebe nicht der apostolische Nuntius, weil er nicht überall anerkannt sei, sondern der Bischof von Constanz9.

Der 5. August wurde für die Wahl eines neuen Abtes in Muri von der Mehrheit der katholischen Orte festgesetzt. Es erschienen folgende Kapitularen: Ulrich Luthart, Prior; Ambros Füchslin, Pleban in Sursee; Blasius Stöckli, Custos; Johannes Jodok Singeisen, Pleban in Bünzen; Sebastian Lienemann, Georg Scheublin, Nikolaus Keller, Gebhard Schreiber, Andreas Schnyder und Christoph Wetzstein; die drei letzten waren Diakonen, die übrigen Priester. Der Akt war bedeutungsvoll für Muri.

Die Verhandlungen leiteten: Peter II., Abt von Wettingen, der seit dem 1. August sich in Muri befand, und Johann Müller, Pfarrer in Luzern, Kammerer des IV Waldstätter-Kapitels und bischöflicher Commissarius;10 als Zeugen dienten: Heinrich Russi, Konventual und Priester von Einsiedeln und Herr Johannes Sigl, Pfarrer in Muri und Dekan des Priesterkapitels Lenzburg-Mellingen. Johann Jodok Singeisen wurde Abt von Muri. Bei der Wahl fehlte der apostolische Notar. Die Kapitularon gaben desshalb vorläufig nur einen allgemeinen Bericht über die vorgenommene Abtwahl an den Bischof von Constanz, Kardinal Andreas, und baten ihn, er möchte die Mängel, die sich wegen zu eng gezogener Frist etwa eingeschlichen haben, gütigst entschuldigen und beseitigen. Das Schriftstück besiegelten sie mit dem gewöhnlichen Konventsiegel.

Der Kardinal fand die Wahl den kirchlichen Vorschriften wirklich nicht gemäss und sandte seinen Generalvikar, Johann Jakob Mirgel, und den apostolischen Notar, Renward Cysat, Stadtschreiber von Luzern, nach Muri, um die Wahlverhandlung vorschriftsgemäss aufnehmen und abfassen zu lassen. Dies geschah am 22. August. Zugleich nahm man eine Prüfung und Nachfrage über die Wähler und den (II-006) Gewählten in Gegenwart der zwei oben genannten Zeugen vor. Die Urkunde unterzeichnete nun Renward Cysat und der Weihbischof genehmigte das Ganze.11 Der neue Prälat entsprach sowohl dem Weihbischofe als auch den Abgeordneten der VII Orte, welche ihn bereits dem Kardinalbischof von Constanz empfohlen hatten. Johann Jodok legte daher sofort in der Nebenkapelle der Klosterkirche das Glaubensbekenntniss ab. Die Bestätigung erfolgte bald vom Kardinal und Bischofe von Constanz. Den Abschieden der Tagherren vom 1. August fügte der Stadtschreiber Cysat noch Folgendes bei: Am 5. August wurde Johannes Jodok Singeisen von Mellingen zum Abte gewählt, der laut fleissigen Nachfragens „darzu togentlich, zügsam und geschickt“ sich befunden hat.12 Den vier regierenden Orten, welche den Konvent durch ihr rasches Vorgehen in dieser Sache zu Ungesetzlichkeiten verleiteten, werden wir um so weniger zürnen, weil sie nach Hebung des Hauptübels so ehrenhaft waren, den 3 Mitständen Luzern, Zürich und Glarus gegenüber das Gesetzwidrige ihres Vorgehens anzuerkennen und zu dessen Beseitigung bereitwillig die Hand zu bieten.13

Den Geist, in welchem die katholischen Orte damals in Muri handelten, können wir aus dem Schreiben vom 19. September erkennen. In diesem bitten sie den Kardinalbischof: er wolle dem neuen Prälaten in Muri der obschwebenden Verhältnisse wegen, die er von seinem Weihbischofe, welcher den Abt benedicirte, genau werde vernommen haben, gnädige Milderung der schuldigen Annaten gestatten; das Unglück des Klosters gehe den Schirmorten sehr zu Herzen.14

Die lnventarisirung über das Vermögen des Klosters Muri hatte bereits am 1. August begonnen. Nach ihrer Vollendung musste auch eine Abschrift dem neu erwählten Prälaten übergeben werden. Die abrechnenden Gesandten fanden im Kloster an Baargeld 5568 Pfd., 2 Schill., 8 Hell. Nach Abzug der Absetzungskosten des früheren Prälaten und der neuen Wahl (2618 Pfd.), der nach Constanz zu zahlenden Annaten (1200 Pfd.), der Bestätigungs- und Benediktionskosten (II-007) des Abtes Johann Jodok (1210 Pfd.) und der Tischgelder etc. für den alten Prälaten in Luzern und Constanz (471 Pfd.) blieben dem neugewählten Abte 71 Pfd. baar nebst verschiedenen Schaumünzen und Silbergeräthen; dazu kamen die vielen Vorräthe an Getreide in den Kornhäusern zu Muri und auf andern Klosterhöfen.15 Die Rechnung fiel günstiger aus, als man glaubte. In Schaden kam Niemand. Wenn die Arbeiter für den längere Zeit nicht ausbezahlten Liedlohn den Zins verlangten, so wird er ihnen von den regierenden Orten nach Billigkeit gegeben worden sein; wenigstens legten die Tagherren dem Abte Johann Jodok das Kloster schuldenfrei in die Hände.

Dieser hochverdiente Prälat richtete das erste Augenmerk auf Hebung der innern Zucht und Ordnung, und war einer der ersten von den Benediktineräbten der Eidgenossenschaft, der jetzt mit Erfolg den Mitbrüdern beibringen konnte, das Gelübde der Armuth nach dem Sinne der hl. Regel genau zu beobachten, indem er ihnen begreiflich machte, die alte seit Jahrhunderten bestehende Uebung, einen Theil des Klostereinkommens unter die Konventualen zu vertheilen, sei gegen die Bestimmungen des hl. Vaters Benedikt und hemme zumeist das Aufblühen des Benediktinerordens.16 Das Klostereinkommen, welches bisher vierteljährlich zur freien Benützung an die Konventualen vertheilt wurde, erklärte er als eine vereinigte Masse, woraus Jedem ordnungsgemäss die Nahrung und Kleidung verabreicht werden sollte.17 Die gesonderten Tische, welche bis dahin in Muri und Hermetschwil oft in Uebung waren, mussten bei der Vereinigung sämmtlichen Klostereinkommens von selbst aufhören, indem jedes Klostermitglied an den gemeinsamen Tisch gewiesen wurde. Die Chronisten sagen, Abt Joh. Jodok habe zu dem Ende väterliche Liebe mit Ernst auf's Beste zu verbinden gewusst. Sobald er aber die Mitbrüder zum gemeinsamen Tische vereinigt hatte, sorgte er während des Essens nach Vorschrift der hl. Regel für eine passende geistliche Lesung. – Die Zellen erhielten eine klösterliche Einrichtung und in deren Nähe musste das Stillschweigen beobachtet werden. Endlich (II-008) führte er auch mit Hilfe des päpstlichen Nuntius Turriani die strenge Klausur ein.18 Was er in Muri mit Hilfe des Nuntius that, brachte er auch zu Hermetschwil zur Geltung. Die Mitglieder dieser 2 Klöster nannten daher Turriani ihren Visitator.19 Das Nähere hievon werden wir später vernehmen.

Die jungen Kleriker liess Abt Johann Jodok häufig nach dem Beispiele seiner Vorfahren bei den Jesuiten ausbilden. Für die Besorgung der innern Hausdienste führte er die Laienbrüder ein; aber allen Konventualen wusste er immer in und ausserhalb des Klosters eine angemessene Beschäftigung anzuweisen. Daher erschienen diese auch grösstentheils tüchtig in ihren Wirkungskreisen: treffliche Arbeiten liefert der einfache Laienbruder in seiner Werkstatt; die Seelsorger verkünden mit Erfolg das göttliche Wort und stehen mit Todesverachtung den Sterbenden bei; die Lehrer verstehen, der Jugend die nöthigen Kenntnisse für das Seelenheil und das irdische Leben beizubringen; die von den Muri-Konventualen übernommene Reformirung der Männer- und Frauenklöster hatte meistens glückliche Erfolge; ungeheuchelt ist die Gottesliebe der Religiosen in der stillen Zelle; ausgezeichnet schreibt der Kalligraph an seinem Tische; mit Ausdauer durchwühlt der Geschichtsforscher die bestaubten Bücher und Schriften; kundig und meisterhaft zeigt sich der Musiker im Chore; erbauend der Ceremonienmeister am Altare und weltklug steht der Oekonom vor dem Staatsmanne und vertheidigt die Rechte des Klosters.

Kaum hatte Abt Johann Jodok das Innere seiner zwei Klöster geregelt, so war dieser es, der dem Wunsche des Papstes, eine schweizerische Benediktinercongregation zu bilden, zuerst thatkräftig entgegenkam. Den Klöstern der jungen Congregation konnte dann das Verfahren unseres klugen Abtes bei der Einführung der Reformen zum Muster dienen. Erflehte man von ihm in dieser Sache Rath und Hilfe, so griff er entweder persönlich ein, oder schickte erfahrene und erprobte Mitbrüder.20 Die Pfarreien, die Muri als Collator anerkannten, und die Dörfer, welche dem Stabe der niederen Gerichtsbarkeit daselbst gehorchten, schätzten sich glücklich, vom „tugendsamen“ Manne, Johann Jodok, regiert zu sein. Priester, die anstatt durch Wort und Beispiel das Volk zu erbauen, durch ihr Betragen nur ärgerten, fanden bei ihm keine Gnade; entweder mussten sie von der Pfarrei (II-009) weichen,21 oder sich gründlich bessern. War eine ihm zuständige Kirche oder Kapelle baufällig geworden, so sorgte er für deren Umbau und beschenkte sie mit Paramenten und anderem Schmucke.22 Für die Gründung und den Bau der Kapuzinerklöster in Sursee (1606) und Bremgarten (1618-1621) gab er bedeutende Beiträge.23

In der Oekonomie hatte er genaue und strenge Ordnung und suchte die unsichern Rechtsverhältnisse auch vermittels der Tagherren der VII Orte in's Klare zu bringen. Durch kluges Benehmen bewirkte er, dass die von den Tagherren 1596 ausgesprochene Einschränkung der niederen Gerichtsbarkeit für Muri unberücksichtigt blieb.

Sein Ansehen bei den kirchlichen und weltlichen Behörden war gross. Als der Bischof Jakob von Constanz im Jahre 1609 eine Synode in seiner Residenz24 hielt, lud er den Abt von Muri, Johann Jodok, durch ein besonderes Schreiben auf den 20. Oktober dazu ein. Dieser kannte aber das Verhältniss der fünf katholischen Orte (seiner Schirmherren) zu dem Bischofe25 und dessen Stellung zu jenen. Um erstere nicht zu beleidigen, sandte er am 6. Oktober (1609) für sich und die Aebte von Rheinau und Fischingen seinen Schreiber, Martin Huber, zu den in Luzern versammelten Boten der V katholischen Orte und theilte ihnen mit: dass die Prälaten in der Schweiz an die bischöfliche Synode berufen seien. Huber drückte noch zufolge eines Auftrages den Wunsch aus, die V Orte möchten dem Abte Johann Jodok Verhaltungsmassregeln mitgeben, wie sie dem Abte Hieronymus I. solche für die letzte Constanzer Synode (1567) ertheilt hätten. Die Boten glaubten: weil sie vor 46 Jahren ihren Abgeordneten an das Concil von Trient geschickt und der Fürstbischof von Constanz ihnen bei der letzten Jahresrechnung in Baden von der Synode Mittheilung gemacht hatte, so sei es billig und recht, dass einer oder mehrere Prälaten dabei erscheinen; aber sie sollen sich in Nichts einlassen, es diene dann zur Förderung der Ehre und des Dienstes Gottes, zur Reform der Kirchengebräuche (II-010) und der Religionssachen, wie auch zur Abschaffung der Aergernisse bei geistlichen und weltlichen Ständen.26

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Am 15. Oktober verreiste Abt Johann Jodok von Muri, begleitet von P. Hieronymus Wahler, einem guten Kenner der Theologie und der Kirchengebräuche. Ihnen folgte ein Diener. Die Reise geschah zu Pferde. Am 19. Oktober (Sonntag) in der Frühe kamen sie nach Constanz. Den folgenden Tag war die erste Sitzung. Die Versammlung währte bis zum Samstag. Johann Jodok unterzeichnete mit mehreren schwäbischen und schweizerischen Benediktineräbten eine Bittschrift an den Bischof,27 es möchten die Privilegien und Rechte der Benediktinerklöster, welche diese unmittelbar von Rom erhalten hatten, in den Satzungen für die Klöster berücksichtigt werden, und man möchte bei Ausspendung der Sakramente einige Abänderungen in den Ceremonien treffen.28 Die Eingabe fand Beachtung.29 Die Heimreise des Abtes Johann Jodok geschah über Rheinau.

In der Congregation genoss er ein grosses Ansehen. Waren streitige Fragen zu lösen, so hörte sie zumeist auf sein Wort oder beauftragte ihn, dieselben austragen zu helfen.30 – Die Nuntien in der Schweiz bedienten sich häufig seines Rathes und standen, wenn sie schon längst in fremden Reichen weilten, mit ihm noch immer in freundschaftlichem Briefwechsel, indem sie das Erbauliche und Erhebende, das sie in Muri gesehen, mit Vergnügen erwähnten.31

(II-011) Die weltlichen Behörden (katholischen wie protestantischen) hatten eine hohe Meinung von seiner patriotischen Gesinnung. Der Rath in Luzern ersuchte ihn (23. Sept. 1633), er möchte Luzern zur Sicherung des von den Feinden bedrohten Passes zu Bremgarten32 „zwei Feldstücklein“ leihweise gegen einen gebührenden Revers zur Verfügung stellen.33 Ein Dietrich Baumer aus der Mark Baden, der in Muri mehrere Wochen lang Wohlthaten genossen hatte, verleumdete als Gefangener in Lenzburg (24. Februar 1639) den Abt Johann Jodok, als wolle dieser in Verbindung mit Uri, Schwyz, Solothurn und dem Landvogte in der Grafschaft Baden bei 800 Mann in seinem Kloster sammeln, mit denselben Lenzburg, Aarau und Brugg angreifen und verbrennen, in's Frickthal und nach Säckingen und Waldshut ziehen, um mit den kaiserlichen Völkern aus dem Schwabenlande die Eroberungen, die Bernard von Weimar letztes Jahr gemacht hatte, wieder zu gewinnen; der Plan hierfür sei an der Conferenz der katholischen Orte in Luzern entworfen worden. Diese lügenhafte Aussage des Undankbaren fand bei dem unerfahrenen Volke in Zürich Eingang. Allein die Behörden in Bern und Zürich legten auf die Angabe des übel Beleumundeten kein Gewicht. Bern meldete dem Stande Luzern, der hierüber eine strenge Untersuchung eingeleitet wissen wollte: „Nachdem wir nun gesehen, wie dieselbe (Verantwortung über vorgelegte Fragen, woraus Baumann als ein gemeiner Dieb, Betrüger und Lügner erkannt wurde) beschaffen, und wir auf das Vorhergehende nicht viel gesetzt, so haben wir für gut gefunden, ihn aus der Gefangenschaft zu entlassen, was auch dem Abte von Muri mitgetheilt werden mag.“ Zürich legte die Angelegenheit mit Luzern ebenfalls in Güte bei und schrieb am 9. Mai: „es habe selbst dem ehrengedachten Herrn Prälaten dergleichen nicht zugetraut.“ Der Rath von Luzern äusserte sich ganz entrüstet, dass Jemand sich unterfange, „einen so frommen, tugendhaften und friedsamen Vorsteher eines im Zeitlichen und Geistlichen wohl regulirten Gotteshauses, wie Muri Gott Lob ist, so schwer und fälschlich anzufallen.“34

Wegen der anerkannten Frömmigkeit des Abtes Johann Jodok und seiner Mitbrüder wünschte nicht bloss Bischof Scappius,35 sondern ganze Genossenschaften, des Gebetes derselben (II-012) theilhaftig zu werden. Scappius schrieb in dem oben erwähnten Briefe: „Könnte ich hoffen, stets an seinem und seiner Mitbrüder Gebete theilzunehmen, so glaube ich, ebensoviele Engel als Fürbitter zu haben.“36 – Bei dem Seligsprechungsprozesse des Bruders Nikolaus von der Flüe (1618) legte der Weihbischof von Constanz grosses Gewicht auf die Aussage unseres Abtes. Am 20. Oktober erschien er vor ihm als der 18. Zeuge. Johann Jodok sprach mit Wärme über die Tugenden des vielgepriesenen Friedensstifters.37

Wer zählt die Bedrängten und Hilfsbedürftigen, denen der Abt ein tröstender Vater war? Im 30jährigen Kriege bot Muri nicht blos den Benediktinern und anderen Religiosen eine Zufluchtsstätte, sondern auch den Laien, die oft die Wohlthat mit Undank vergalten. Viele Jahre speisten täglich wohl 30-40 Flüchtlinge im Kloster, ungerechnet die vorübergehenden Auswanderer, die fast immer als Gäste gleichzeitig im Tafelzimmer ihre Nahrung fanden.38 P. Anselm Weissenbach nennt uns einige dieser Flüchtlinge, wie P. Roman Giel von Gielsberg, später Fürstabt von Kempten, er studirte in Muri Philosophie; Kaspar Kraus, Abt von Alpirsbach; P. Placidus Vogler, Prior von Ettenmünster, der im Exil zum Abte erwählt wurde; P. Benedikt Rauch von Wiblingen, der später ebenfalls die Abtwürde (1635-1663)39 erlangte. Andere Namen die Pater Anselm anführt, übergehen wir vorläufig.

Beim Durchblättern der vorhandenen Correspondenzen40, die Abt Johann Jodok mit den durch die Kriege unglücklich gewordenen Aebten Deutschlands unterhielt, weht uns ein Geist der Milde, Barmherzigkeit und brüderlichen Liebe einerseits und ein Geist der Anerkennung und der aufrichtigen Dankbarkeit anderseits entgegen. Die Worte, welche Johann Jodok schrieb, flossen aus einer reinen und geläuterten Seele und aus jener Weisheit, welche die menschliche Wissenschaft nicht zu geben vermag. Er wusste jedem Abte oder Vorsteher für (II-013) die Wunden, an denen er blutete, ein Wort des Trostes zu geben. Seinen eigenen Mitbrüdern, die er vielfach in andere Klöster zur Aushilfe oder Hebung der Disciplin schickte, gab er mündlich und schriftlich die klügsten Verhaltungsmassregeln mit und vermochte ihnen, wenn sie in ihrer traurigen Lage den Muth hatten sinken lassen, wieder Entschlossenheit und Kraft einzuflössen.

Der Ruhm dieses Abtes war über die Grenzen der Eidgenossenschaft gedrungen, hinaus bis in die Ebenen der Baiern und hinab bis zur Salzach. Wiederholt (1621-1623) baten die baierischen und österreichischen Benediktiner, er möchte an die von ihnen geleitete Akademie in Salzburg einen Mitbruder als Professor der Theologie senden. Der Abt von Ottobeuern dachte ihm die Ehre eines Konservators an dieser Akademie zu, ja er wollte ihn sogar als Präsidenten derselben gewählt wissen. Abt Johann lehnte jedoch Beides mit Entschiedenheit ab.41

Dem Beispiele seiner Vorfahren folgend, war es seine Freude, armen Sündern, die zum Tode verurtheilt waren, Gnade zu erflehen oder Bittende der Wohlthätigkeit Anderer zu empfehlen.42 Diese Bittgesuche schrieb er an die betreffenden Behörden stets eigenhändig, und sie verfehlten selten ihr Ziel.

Noch mehr achtete Abt Johann Jodok auf die Bedürfnisse seiner eigenen Hausgenossen und Mitbrüder. Die von Abt Hieronymus I. vorgeschriebene Haus- und Gesindeordnung bestätigte er in ihren Grundzügen und traf nur zeitgemässe Abänderungen. Sein tiefblickender Geist erkannte bald die Mängel, die unter seinen Vorgängern in der Oekonornie sich eingeschlichen hatten, und beseitigte sie rechtzeitig. Weil er keine Schulden zu tilgen hatte, so mehrte sich unter seinen Händen, zufolge der neuen Klosterordnung das Vermögen zusehends. Schon 1599 konnte er den ersten Güterankauf im Werthe von 202 Gl. abschliessen. Solche Käufe folgten nun rasch aufeinander. Bis zum Jahre 1607 finden wir neun43 (II-014) verzeichnet, im Gesammtwerth von 11687 Gld., denen noch drei Ankäufe im Züricher-Gebiete im Werthe von 1317 Gl. beigezählt werden müssen.44 Diese waren aber nur Vorspiele zu noch grössern und zahlreichern. Davon nennen wir die Ankäufe der Höfe in Wettingen, in Schongau, im Gitzi, die Erwerbungen in Sarmenstorf vom Kloster St. Blasien, der Bühlmühle in Althäusern und der Collatur nebst der niedern Gerichtsbarkeit in Beinwil.45 Das Einkommen dieser Kirche nebst den damit verbundenen Rechten erstand Abt Johann Jodok im Jahre 1614 um 18000 Gl. von den Holdermaier in Luzern und liess den Kauf 1616 obrigkeitlich fertigen.46 In Wettingen hatte Muri mit dem Güterankaufe zugleich das Bürgerrecht erlangt.47 P. Anselm Weissenbach hat seiner Zeit berechnet, dass Abt Johann Jodok wenigstens um 98 543 Gl. Güterankäufe für das Kloster gemacht habe.48 – Ueberdies verausgabte er grosse Summen für Kirchenzierden. Als ein Freund der Gotteshäuser wollte er dieselben stets in geziemendem Schmucke sehen, geziert mit anständigen erbauenden Heiligenbildern. Von den Thürmen sollten auch wohltönende (II-015) Glocken erschallen.49 Der oben genannte Chronist hat zugleich eine Berechnung seiner Ausgaben für Kirchen und Kapellen gemacht und eine Summe von 24 047 Gl. gefunden.50 Dazu kommt der Ankauf verschiedener Paramente für Kirchen und eines kostbaren Teppichs, welche 1641 in Folge der Kriege in Deutschland Graf Rechberg um 1787 1/9 Gl. zu veräussern genöthigt war. Die Gräfin Juliana von Fugger verkaufte 1635 in ihrer Noth zwei silberne Statuen des hl. Apostel Jakob und der hl. Anna nebst Anderm um 1113 Gl. nach Muri. Der Weihbischof Mirgel in Constanz überliess Muri im gleichen Jahre einen Kelch aus reinem Golde im Werthe von 1315 Gl. Aus demselben Grunde entschlug der Abt von Ebersheim im Elsass mehrere Kirchenzierden (Kelche u. s. w.) um 665 Gl.51 Ferner erwarb Abt Johann Jodok für den Murikirchenschatz drei silberne Kelche, eine silberne Lampe u. s. w., ein St. Ursenbild aus Silber und seidene Paramente aus Mailand.52 Die sogenannte „grosse Orgel“ in der Klosterkirche, die ehemals zu den ersten der Schweiz gezählt wurde, sah ihre Vollendung 1638 und kostete 5338 Gl. In Anbetracht dessen können wir von diesem Prälaten sagen: der Eifer für das Haus des Herren hat ihn verzehrt.53

Nicht weniger zahlreich und mannigfaltig sind die Bauten und Reparaturen für die Oekonomiegebäude, Wohnhäuser der Lehensleute u. s. w., welche unter diesem Abte aufgeführt wurden. So baute er die Mühle und Pfisterei innerhalb der Klostermauern, drei Kornhäuser in Muri, die Lebenshäuser in Senti und Aesch, mehrere Kornhäuser in Sursee, die Kapelle im Amthofe zu Bremgarten, das Museum im Kloster u. s. w.54 Die sämmtlichen Ausgaben hierfür beziffern sich auf 23 806 Gl., (II-016) ungerechnet die grossen Auslagen an Speise und Trank und die vielen Materiallieferungen.55

Neben diesen Auslagen stehen in gleicher Höhe die Ausgaben für die Wissenschaften. Einzig für den Unterricht der Fratres in Dillingen und Ingolstadt berechnet P. Anselm Weissenbach, dass Abt Johann Jodok nur in den Jahren 1623-1639 Gl. 11832 ausgelegt habe.56 Das Gymnasium in seinem eigenen Kloster unterwarf er einer gründlichen Umgestaltung (1599). Zu diesem Zwecke schickte er seine Mitbrüder zu den Jesuiten nach Luzern, um von diesen die Lehrmethode und die nöthigen Kenntnisse sich anzueignen.57 Seit 1630 erhielten die Fratres den Unterricht in der Philosophie und Theologie entweder in Muri oder sie wurden zu weiterer Ausbildung in fremde Orte geschickt. Die Herstellung der dazu nöthigen Bauten und die Anschaffung der Lehrmittel hatte der vorsichtige Abt bereits vorausgehen lassen. Für die Bibliothek hatte er desshalb ein eigenes Gebäude errichtet und dieselbe mit trefflichen Werken bereichert.58 Die Druckerei, die er frühzeitig zur Verwerthung der Wissenschaften angekauft hatte, versah er noch am Schlusse seines Lebens (lß44) mit neuen Lettern.59 Die Summe von 1748 1/2 Gl. für die Bibliothek, welche Hans Herzog angibt,60 ist jedenfalls zu tief gehalten. P. Anselm setzt für Bücher, Silbergeschirr und Anderes die Summe von 14866 Gl. 36 Schill.61

Nach dem Wunsche der Synode von Constanz (1567 und 1609) sehen wir den Abt Johann Jodok auch für die Gründung der Dorfschulen thätig mitwirken. Die Gemeinde Menzingen im Kanton Zug errichtete für den Berg eine Schule und baute zu diesem Zwecke 1606 ein Haus. Das Kloster Einsiedeln gab hierfür 60 Gl., Muri und Wettingen aber je 50 Gl.62

Trotz aller dieser Auslagen (über 217 215 Gl.) konnte Abt Johann Jodok 55950 Gl. für neue Kapitalien anlegen und (II-017) bei seinem Tode dem Nachfolger mehrere tausend Gl. in Baarem zurücklassen.63

Im Hinblicke auf das Erzählte und in Anbetracht der täglichen kleinen und „grossen“64 Almosen, die Johann Jodok Armen und hilfsbedürftigen Klöstern und Genossenschaften spendete, rief P. Anselm in seiner Chronik begeistert aus: „Gutherziger Mitbruder, soll dir das nicht genügen, um deine Brust mit Hochgefühlen und Bewunderung (für diesen Abt) zu erfüllen!“

Johann Jodok, voll der Verdienste und Edelthaten, war 1644 in das 87. Altersjahr getreten, hatte 63 Jahre das Priesteramt ausgeübt und 48 Jahre die Würde eines Abtes inne gehabt. Von den Sommermonaten bis zum 2. November, dem Tage seiner Auflösung, litt er grosse Schmerzen an der Gicht. Der damalige Weihbischof von Constanz, Franz Johann, später Fürstbischof daselbst, hatte unsern Abt zu seinem Vater erkoren und wurde vom Konvente als Mitbruder (frater conscriptus) angenommen. Am 23. September 1644 übersandte Franz Johann dem kranken Abte das zärtlichste Beleidschreiben. „Wenn ich einem solchen Vater, sagt er, vermöge meiner Schwäche eine entsprechende Gegenliebe zu bringen auch nicht im Stande bin, so werde ich doch durch mein schwaches Gebet und das hl. Messopfer versuchen, Gott für die Gesundheit dieses ausnehmenden Vaters zu bitten.“65 Aehnliches hatte der päpstliche Nuntius im Jahre 1617 gethan, da der Abt in eine gefährliche Krankheit gefallen war. Aus Freundschaft und Liebe schickte er ihm sogar Medizinen von Luzern nach Muri und flösste ihm Vertrauen zu Gott ein.66

Die Leiche des vielgeliebten Prälaten wurde in der Klosterkirche neben den Gräbern der Stifter und Wohlthäter beigesetzt. Trauernd knieten 31 Kapitalaren und 8 Laienbrüder an seinem Grabhügel. Er hatte 53 Mitbrüdern die hl. Profession abgenommen und sah 26 seiner Konventualen während der Zeit seiner Regierung in das Grab sinken.67 Die Hauschronisten nennen ihn zweiten Stifter, Wiederhersteller des Gotteshauses Muri, was auch seine Grabschrift (II-018) ausdrückt.68 P. Anselm Weissenbach schreibt zu seinem Ruhme: er hinterliess den Nachkommen ein ewiges Andenken, weil er die Armen mit seltener Freigebigkeit pflegte, die Gäste mit zuvorkommendem Wohlwollen erquickte und Alle durch seine Gutherzigkeit und Einsicht sich und seinem Kloster gewogen machte,69 und P. Fridolin Kopp schreibt: „Hoch von des Glückes Stufen stürzten Muri's Mauern und riefen im Sturze nach einem zweiten Gründer. Er kommt und liebt vor Allem die Zierde des Hauses unseres Herrn. Er verleiht ihm neuen Glanz. So viel Sterne gab er dem leuchtenden Himmel, als du hl. Gefässe mit dem Wappen des Jodokus schaust. Zähle seine Sterne, wenn du kannst, aus Silber geprägt oder gegossen, aus Gold oder in Erz gegraben, oder in Marmor gemeisselt. Nicht in Muri allein kannst du die Edelthaten des Jodokus erforschen. Ihr Strahlenglanz erfüllte alle Klöster des Schweizerlandes, da er sie zu einem Bunde vereinte.“ 70 Selbst ein Mann liberaler Richtung aus neuerer Zeit, Placidus Weissenbach von Bremgarten, zollt ihm gebührendes Lob. Abt Johann Jodok, schreibt dieser, habe das Kloster in Aufnahme gebracht, Land und Rechte angekauft und viele Bauten unternommen.71 Die Vaterstadt des Abtes, Mellingen, flocht ihm in ihrer Chronik einen schönen Ruhmeskranz, und ist stolz, diesen Mann ihren Bürger nennen zu können. Sein Bild prangt im dortigen Rathssaale.72 Das Hauptverdienst, wesshalb Abt Johann Jodok mit Recht mit dem Titel eines „zweiten Stifters des Klosters“ beehrt werden kann, besteht wohl darin, dass er einer der ersten von den Benediktiner-Aebten in der Eidgenossenschaft es wagte, die alte Uebung, einen Theil des Klostereinkommens vierteljährlich unter die Kapitularen zu vertheilen, gründlich zu beseitigen, und dass er so zur Erfüllung des Gelübdes der Armuth nach der Regel des hl. Vaters Benedikt, wie auch für das gemeinsame Leben (vita communis) und die Einhaltung der Klausur die Möglichkeit (II-019) bot, was dann zur Folge hatte, dass die Einkünfte des Klosters sich zusehends vermehrten, die es gestatteten, eine drei- und vierfach grössere Zahl Konventualen zu ernähren, deren Wirkungskreis nach Aussen zu erweitern und die Almosen den Armen in reichlicherem Masse zufliessen zu lassen.


  1. Sein Vater bekleidete das Amt eines Schultheissen in Mellingen von 1547 bis zu seinem Tode 1577, und seine Mutter, Elisabeth, war eine Tochter des Landammann Johann Letter von Zug. Johann Jodok war das viertgeborene Kind. Das älteste scheint frühzeitig gestorben zu sein; das zweite, Johann Heinrich, wurde Stadtfähnrich in Bremgarten und stiftete dort mit 500 Gl. eine hl. Messe (Argovia VIII., 107); das dritte, Hieronymus, folgte dem Vater als Schultheiss in Mellingen; von Christoph, Verena und Anna wissen wir nichts; Elisabeth wurde Klosterfrau in Frauenthal und starb am 15. August 1627 (Arch. Muri in Gries A. I. I., 41; Pfarrlade Mellingen; Annales p. 566).

  2. Eccles., p. 206.

  3. „Dignus scilicet pedo, extra Muros didicit“ etc. (Murus et Antem., IV., p. 84).

  4. Arch. Muri in Aarau und Staatsarch. in Luzern.

  5. Sie wurden später dem Abte wieder zurückgegeben.

  6. Es geschah (Staatsarch. Obwalden).

  7. Der Nuntius wohnte damals in Stans.

  8. Brief aus Stans vom 3. August 1596.

  9. Stellung des neuen Nuntius (Turriani) in der Schweiz (Segesser, Rechtsgeschichte IV., 536 ff.).

  10. Jos. Balmer, Magister Johannes Müller, Leutpriester in Luzern. Luzern bei Gebr. Räber, 1888.

  11. Das Mangelhafte und dessen Beseitigung drückt das Instrument mit folgenden Worten aus: „cum non fuerint vocati, qui fuerant vocandi … nec notarius requisitus, hicce a saniore parte desideratus; quare ne canonicae electioni aliquid deesset, 22. Augusti 1596 novum examen de persona electi et eligentium instituit et omnes defectus supplevit“ (dominus episcopus).

  12. Staatsarch. Luzern, Akten: Kloster Muri.

  13. Daselbst.

  14. Staatsarch. Luzern, Akten: Kloster Muri.

  15. Staatsarch. Luzern, Obwalden; Argovia, Jahrgg. 1861, S. 43-53.

  16. Hic tarnen a primis statim suscepti regiminis diebus Dei ac Religionis amore inflammatus, nihil sanctius duxit, quam sibi suisque jugi memoriâ ingeminare illnd evangelicae veritatis: „Quaerite“ etc. (Annales, p. 566). Vgl. 33. Kap. der hl. Regel.

  17. His igitur praebendis ad communem massam restitutis non victum duntasat, sed etiam amictum, eaque omnia, quae usui singulorum videbantur necessaria, ipse Abbas dexterrime dispensabat (Annales, 566, 567).

  18. Annales, p. 572, 573.

  19. Arch. Muri in Gries.

  20. Arch. Muri in Gries.

  21. Arch. der Frauen in Hermetschwil.

  22. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 653.

  23. Annales, p. 584, 598.

  24. Der Bischof wohnte damals nicht in Constanz, sondern in Mörsburg.

  25. Luzern hatte am 9. und 10. Mai 1605 nach 36jähriger Arbeit endlich mit dem Bischofe von Constanz ein Concordat abgeschlossen, worin die Rechtsverhältnisse beider Behörden in 17 Artikeln genau verzeichnet sind (Segesser, Rechtsgeschichte IV., S. 500 ff.).

  26. Arch. Muri in Gries; Eidgen. Absch. V. 1. 943.

  27. Diese Aebte sind:
    Fr. Jodocus Metzler, nomine abbatis S. Galli,
    Fr. Joachimus de Beroldingen, monachus et Decanus Einsidlensis (an Stelle des Abtes),
    Fr. Martinus, abbas monasterii S. Blasii,
    Fr. Georgius, abbas monasterii Vinearum,
    Fr. Urbanus, abbas monasterii Ochsenhausen,
    Fr. Michael, abbas monasterii Zwifaltensis,
    Fr. Johannes Jodocus, abbas monasterii Murensis,
    Fr. Uldalricus, abbas monasterii Rhynoviensis,
    Fr. Matthias, abbas monasterii Fischingensis.

  28. Z. B.: De baptismo censuerunt (abbates): ut materia baptismi in statutis ponatur absolute „aqua naturalis“ et expungantur illa verba, quod obstetrices et alii in casu necessitatis utentur „aqua in Paschate seu Pentecoste benedicta“ (Annales, p. 584, 587).

  29. Vgl. Constitutiones Synodi dioecesanae Constant., 1609, p. 12, 13.

  30. Beweise hierfür werden wir später liefern.

  31. Bischof Scappio schrieb 1653, 10. Dez. aus Piacenza an einen Freund über den Abt Johann Jodok von Muri: „Quae dominatio vestra mihi dare dignata est de meo venerabilissimo domino abbate Murensi, tam grata, dulcia ac suavia fuerunt, ut satis exprimere non valeam. O quale spectaculum perfectae religiositatis in illo bono Praelato et omnibus suis alumnis et Monachis“ (Arch. Muri in Gries). Vgl. Schreiben des Abtes Joh. Jost vom 7. März 1642 an den ehem. Nuntius Scotti (das.).

  32. Die Schweden waren damals gegen Constanz gezogen und hatten das eidgenössiche Gebiet betreten.

  33. Staatsarch. Luzern, Akten: 30jähriger Krieg. Das Kloster Muri hatte somit aus Gründen Kriegsgeschütz.

  34. Staatsarch. Luzern: Injurien gegen die Obrigkeit.

  35. Nuntius in der Schweiz 1621-1628.

  36. „me habiturum vel habere tot angelos intercessores pro me.“

  37. Prozessakten des sei. Br. Klaus in der Pfarrlade Sachsein.

  38. Weil die Regulartische im Refektorium nicht mehr ausreichten, so mussten einige Gäste in einem besonderen Zimmer innerhalb der Klausur speisen (Annales, p. 636-638).

  39. Die „Studien“ der Benediktiner (II. Jahrgang, H. 1, S. 141 ff.) sagen, dass Benedikt infolge des dreissigjährigen Krieges …, damals Prior in Reichenbach, fliehen musste. „Er floh in's Schweizerland mit dem Sohne seiner Schwester, Andreas Notz. Sie wollten in das führnehme Kloster Muri, wo Benedikt gute Bekannte gehabt, mit denen er zu Dillingen studirte.“

  40. Arch. Muri in Gries A. VI. I.

  41. Aktensammlung für die Muri-Geschichte in Gries.

  42. Im Jahre 1601, 25. Nov. bittet er die Regierung von Luzern, einen armen Sünder zu begnadigen; 1603 gleichfalls; 1619 empfiehlt er Hans Jost Müller für eine Pfründe in Ruswil oder Rottenburg; 1630 bittet er für einen Kretz, dass er wieder in Ehren aufgenommen werde u. s. w. Im Jahre 1642 verwendet er sich mit Engelberg und Einsiedeln für das Kloster Pfäfers bei der Stadt Rapperswil wegen Zehnten in Jona und Rickenbach (Staatsarch. Luzern).

  43. Drei Mannwerk in Äsch um 280 Gl.; drei Vierling Reben in Asch um 1800 Gl.; 7 Mannwerk Wiesen in Muri um 800 Gl.; ein Wäldchen in Bünzen um 57 Gl.; die Mühle zu Boswil um 8000 Gl.; zwei Mannwerk Wiesen in Äsch um 300 Gl.; 7 Juchart Ackerland in Muri um 170 Gl.; bei 80 Juchart Moosland in Althäusern um 100 Gl.; drei Viertel Reben in Äsch um 300 Gl. (Arch. Muri in Gries).

  44. Ankauf einer Riedwiese 1600, am 1. Aug. Die Fertigung geschah im Einsiedlerhof Pfeffikon (Arch. Muri in Aarau). Im Jahre 1606 Ankauf in Meilen (Hof und Matten) und 1607 ein Rebgut daselbst um 500 Gl. (Arch. Muri in Gries und Aarau).

  45. Hof und Weingüter in Wettingen (1612-1613) um 1623 Gl.; die Güter im Kirchholz um 1150 Gl. und der Kretzhof um 4900 Gl. in Schongau; Zehentankauf in Besenbüren für 300 Kronen; Güterankauf in Zufikon um 825 Gl.; ein Rebgut bei Mellingen um 2000 Gl.; 10 Mütt Kernen und 5 Mltr. Hafer jährlichen Zinses um 1000 Gl. vom vordern Schlosse Hallwil; Haus und Weingüter in Lunkhofen um 4400 Gl.; in Thalwil Aecker für 625 Gl.; in Sursee Zinsen von den Herren von Sonnenberg um 4500 Gl.; in Bünzen Ankauf des Waldes Linsenboden (1636) für 1762 Gl.; Ankauf eines Wäldchens bei Tachelsen für 330 Gl.; die Bühlmühle und die Güter im Gitzi (1636) für 12150 Gl.; St. Blasianer-Zehent in Sarmenstorf (1643) für 7000 Gl. (Eccles., p. 200-209 und a. O.).

  46. Arch. Muri in Aarau; Eccles., p. 575-581. Beinwil gehörte seit 1248 dem Kloster Kappel, seit 1531 dem Stande Zürich, der die Collatur mit den übrigen Rechten an die Holdermaier in Luzern verkaufte.

  47. Am 19. Mai 1615 wird dieses Recht vom damaligen Landvogte in Baden unserm Kloster zugesprochen (Arch. Muri in Aarau I, 4. R).

  48. Annales, p. 660; Eccles., p. 209, 210; Anzeiger für Schw. Alterthumskunde, Jahrgg. 1885, S. 169.

  49. Für die Klosterkirche liess er zwei Glocken giessen: die Kleinste, mit dem Bildnisse Mariens, hat die Inschrift: „Me monente, pio populo succurre Maria“; die andere hat das Bild des hl. Martin und die Inschrift: „Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat.“

  50. In den Jahren 1609, 1611, 1631, 1638 und 1644 sind Anschaffungen von Standbildern der Heiligen, von Reliquienschreinen etc. verzeichnet. Werthvoll waren die Reliquienschreine von Augsburg (Annales, p. 636). In den Jahren 1616, 1625 und 1636 kamen Reliquien von St. Urs und Viktor und des hl. Vaters Benedikt von Solothurn und durch den apostolischen Nuntius die der hl. Placidus und Sigisbert aus Disentis nach Muri (vgl. Annales). Die Summe, welche im Anzeiger für Schw. Alterthumskuncle, Jahrgg. 1885, S. 169 angegeben ist, 1857 Gl. 36 Schill., ist zu tief und unvollständig.

  51. Annales, p. 641-645; Eccles., p. 213, 214.

  52. Annales, p. 644, 650.

  53. Psalm, 68, 10.

  54. Annales, p. 568, 570, 587, 652 etc.

  55. Anzeiger für Schweiz. Alterthumskunde, Jahrgg. 1885, S. 169.

  56. Ecclesiast., 215, 615. Die Auslagen von 1596-1623 mögen ebenso hoch gewesen sein.

  57. Davon wird später mehr gesprochen werden.

  58. Vgl. Annales. Noch jetzt sind mehrere Bücher (in Aarau und Gries) vorhanden, die sein Wappen tragen.

  59. Annales, p. 657.

  60. Anzeiger für Schweiz. Alterthumskunde, Jahrgg. 1885, S. 169

  61. Annales, p. 660 („pro studiosis libris, argenteâ supellectile et aliis.“).

  62. Stadlin, Kanton Zug, Bd. III., 120.

  63. Annales, p. 660.

  64. Von den „grossen“ Almosen später.

  65. Eccles., p. 652, 653; Annales, 659.

  66. Arch. Muri in Aarau D, 1. C, 2.

  67. P. Leod. Schmid, Syllabus abbatum et monachorum (Arch. Muri in Gries).

  68. „Hic cum fundatoribus quiescit ven. Dns. D. Joan. Jodocus Singisen et ipse fundator et abbas huius monasterii Muri, qui pie in Domino obiit 2. Nov. anno Domini 1644, aetatis suae 87., Professionis 70., Sacerdotii 63., Regiminis 49.“

  69. Annales, p. 659.

  70. „per omnia Helvetiae claustra radios dispersit, dum Congregationem univit“ (Murus et Antem. IV., 85).

  71. Bremgartner Schulbericht vom J. 1852.

  72. Er steht im Greisenalter und trägt einen kurzgeschnittenen Bart; seine Miene ist freundlich und die Stirne hochgewölbt. – Abt Singeisen stiftete einige Jahre vor seinem Tode mit den 2 Brüdern Johann Heinrich und Hieronymus einen Jahrtag in Mellingen (Pfarrlade Jlfellingen; vgl. Dr. Ludw. Snell, Einführung der Nuntiatur in der Schweiz, S. 32).