Zweites Kapitel. Hieronymus I. Frei, XXXIV. Abt (1564-1585).

(I-317) Der Muri-Konvent befand sich, wie 1480, durch den Hingang des Abtes Johann Christoph in der traurigsten Lage. Der gelehrte und treffliche Prior, Herr Rudolf Gwicht, war gerade vor einigen Monaten zum heil. Grabe verreist; Herr Johannes Brunner, der erste Subprior des Konventes, hatte am 31. Mai des Jahres 1564 das Zeitliche gesegnet, und der neue Prior, Herr Hieronymus Frei, war erst 29 Jahre alt und nur seit kurzer Zeit im Amte1. Sieben Kapitularen umstanden weinend die Leiche des verblichenen Vaters. Drei Tage nach dessen Hingange (26. September) sandten sie aus ihrer Mitte Abgeordnete zum Rathe nach Luzern, mit der Bitte, die Schirmherren und „Kastvögte“2 möchten den Muri-Konvent, da der Herr Abt gestorben, bei den Freiheiten lassen und die andern Schirmherren versammeln, damit in dieser „unmässigen“ Zeit ein anderer Herr (Abt) gesetzt werde. Luzern bestimmte den 2. Oktober als Wahltag mit dem Anerbieten, dieses nicht bloss den übrigen katholischen Orten, sondern auch Glarus zu melden, und fügte bei: die Konventualen können in Anwesenheit der Abgeordneten einen Abt nach ihrem „Gebrauche“ wählen. Am Vorabende des besagten Tages waren auch die berufenen Äbte und Zeugen nebst den Gesandten der regierenden Orte in Muri erschienen.3. Die übrigen 6 Kapitularen, ohne den genannten Prior, waren: Theoderich Beringer, Kaplan in Villmergen; Alexander Schnyder, Ökonom; Michael Luchsinger, Leutpriester in Bünzen; Ludwig Studer, Leutpriester in Muri; Johannes Schumacher, Leutpriester in Hägglingen und Hieronymus Göldlin, Custos. Diese schritten am besagten Tage zur Wahl und ernannten den jungen Prior, Hieronymus Frei, zum Abte von Muri4. Die Auslagen für diesen Tag waren nicht gering. Die Ehrengelder für die eidgenössischen Boten und Trinkgelder für deren Diener und für die Diener der Äbte beliefen sich (I-318) auf 500 Gulden. Die kirchliche Bestätigung erfolgte aber erst am 23. Mai 1565 durch den Kardinal Markus Sittikus, Bischof von Constanz5. Die Ursache dieser Verzögerung mag die damals in Oberdeutschland wüthende Pest gewesen sein6. Der Benediktionstag ist nicht angegeben.

Hieronymus war der Sohn des Stadtschreibers Frei in Diessenhofen, Kt. Thurgau. Er kam als 15jähriger Jüngling am 17. März 1551 nach Muri und empfing somit die höhere Bildung von unsern Mitbrüdern. Ihn zeichnete besonders die Thätigkeit aus; er hatte Sinn für alles Gute und Edle, eiferte für die Ehre Gottes nach allen Richtungen und wusste in seinen Einrichtungen auch das Zweckdienliche zu finden. Beginnen wir mit dem Bauwesen, so übertraf er hierin seinen Vorgänger. Er liess Kirchen und Altäre repariren und ausschmücken und baute Kapellen7, sorgte für neue Glocken8, errichtete vor der Klosterkirche eine schmucke Halle und versetzte dahin die Begräbnisstätte der Mitbrüder und der Mitschwestern von Hermetschwil (1575). Die Bauten für die Ökonomie sind zahlreich9; er erneuerte auch die Klosterringmauern und vermehrte die Zahl der Gastzimmer, die er mit kunstreichen Öfen versah (1579)10. Trotz dieser Bauten blieben ihm noch Summen zur Verfügung, um den Besitz des Klosters an Zinsen und Gütern zu erweitern. So kaufte er Güter in Meilen am Zürichsee, in Sursee und Lunkhofen11. Die Anlegung der 1531 zerstörten Urbarien und Lehensbücher wurde entweder von ihm angeregt und begonnen oder die begonnenen (I-319) Arbeiten vollendet12. Die Landvögte der Freienämter und anderer Orte erhielten daher von ihren Regierungen den Auftrag, die Lebensleute eidlich zur Angabe ihrer zinspflichtigen Güter zu verhalten13. Dazu kam die nothwendig gewordene Bereinigung der Muri- und Hermetschwiler Güter, wodurch amtlich festgesetzt wurde, welche Güter oder Höfe nach Muri und Hermetschwil zehentpfiichtig, und welches die Zinsen seien14. Bei diesen Bereinigungen waren oft neue Verträge mit den Lehensleuten nothwendig, weil die Fruchtpreise und die Geldwerthe in der Länge der Zeit oft grosse Veränderungen erlitten hatten15. Bei der Unmöglichkeit eines friedlichen Ausgleiches musste der Rechtsweg eingeschlagen werden. Die missliebigen Abgaben von „Fall“ und „Ehrschatz“ gaben am öftesten dazu Anlass. Schon unter Abt Johann Christoph entspann sich desshalb 1562 in Villmergen ein Streit. Die Murilehensleute daselbst erklärten: sie werden nur dann Fall und Ehrschatz dem Kloster geben, wenn die VII regierenden Orte den Brief vom 16. Oktober 1431 in allen Theilen bestätigen. Diese thaten es, um den Halsstärrigen jeden Vorwand zu benehmen16. Ein ähnlicher Streit waltete noch vor diesem mit den Lehensleuten in Ottenhausen, Niederebersoll17 und in Lengnau bei Thalwil18. Im Jahre 1566 liess ein Gericht den Spruch ergehen, dass alle zu Thalwil Gesessenen, welche die Erbzinsen und Lehensgüter des Gotteshauses Muri inne haben, laut Offnung den Fall zu geben schuldig seien; die Nichtbehausten zahlen für den Fall 20 gute Bazen19. Allein wegen Misswachs und anderer Umstände konnte das Kloster innerhalb 20 Jahre den Fall und Ehrschatz kaum einmal fordern; daher der Einzug dieser Abgabe und somit auch das Recht darauf nicht selten in Vergessenheit gerieth. Zudem hatte der Rath (I-320) zu Luzern am 15. Dezember 1564 bezüglich der Verjährung festgesetzt: „Wenn innerhalb 9 Jahren und 10 „Laubrisenen“ eine Ansprache nicht gefordert wird, so ist der Angesprochene keine Antwort mehr zu geben schuldig“. Zufolge der Verjährung verlor Muri damals seine Fischrechte in Merenschwand und andere Rechte im Kt. Luzern20. Um den vielen Klagen, die sowohl von den Lehensleuten als auch von den Grundherren bei den VII regierenden Orten einliefen, die Spitze abzubrechen, verordneten ihre Abgeordneten (9. April 1567): Die Landvögte sollen die Rechtsverhältnisse der einzelnen Güter untersuchen und das Recht schützen und schirmen, wo es liege21. Demnach spricht der Rath von Zürich: Eva Landis, die ein Eigengut des Gotteshauses Muri auf dem Albis inne hatte, sei schuldig, den Fall zu geben22; ferner wird dem Kloster der Vogthafer zugesprochen, den das Spital in Luzern vom Hofe in Winterschwil schuldete23; dann behauptete der Abt Hieronymus die Rechte bezüglich der Wälder, welche die Einwohner von Muri und Bünzen dem Kloster streitig machten24, und die Fischrechte in der Bünz, welche die Stadt Bremgarten angriff25. Die VII regierenden Orte gestatteten dem Abte, die Bünz in den Bann zu thun26. Ein Lehensmann in Beinwil hatte den dritten Lehenszins nicht gezahlt. Die Richter daselbst sprachen im Namen des Rathes in Zürich: der Hof sei frei und ledig dem Kloster anheimgefallen27. Zur Erlangung eines Rechtes für eine angekaufte Matte zwischen Äsch und Fahrwangen verspricht unser Abt Hieronymus (30. Oktober 1575) dem Statthalter des Ritterhauses Hohenrain, Theobald Muser, dem jeweiligen Pfarrer in Asch drei Fuder Holz vor das Haus zu führen28.

Mit gleicher Sorgfalt suchte Abt Hieronymus auch die Immunität und das Asylrecht zu wahren.

Das Kloster Muri war ein „Freihof“ und stand als solcher dem „Dinghof“ gegenüber29. Das Recht des Friedens und der (I-321) Freiung war unserem Kloster 1247 durch Papst Innocenz IV. und 1571 durch Papst Pius V. ertheilt worden30. Diese Freiung oder Immunität schliesst auch das Recht in sich, die Gerichtsbarkeit des weltlichen Armes in jenen Sachen auszuschliessen, welche zu den Rechtsbefugnissen eines Dinghofes gehören, woraus dann das vom Landesherrn nicht zu verletzende Asylrecht entspringt. Diesem zufolge durfte ein Mörder, der ohne Bosheit, nur um sein eigenes Leben zu retten, einen Mord beging, nicht innerhalb der Klostermauern ergriffen werden31.

Wer somit das schützende Asyl des Gotteshauses Muri aus dieser Ursache zu gebrauchen begehrte, musste, bevor er in eine Kirche ging, dem Abte seine Sünden beichten und nach geistlichem Gebrauche dafür Genugthuung leisten. Papst Pius V. ertheilte daher (1571) dem Abte Hieronymus und dem jeweiligen Abte von Muri die Erlaubniss, vom Todschlage zu absolviren, wenn etwa hiebei möchte eine Todsünde begangen worden sein32. Dann musste der Unglückliche Tröstung (Caution) dem Kloster für Alles geben, was er für seinen Unterhalt nöthig hatte; auch durfte er keineswegs die Priester und andere Personen in ihren Wohnungen beunruhigen, sondern sollte sich mit seinem Gemache und seiner Kammer begnügen33; er hatte jede Waffe abzulegen und sie dem Abte oder Ökonom zu übergeben. In diesem Orte des Asyls konnte er so lange bleiben, bis er mit seiner Obrigkeit oder mit der Sippschaft, gegen die er gefrevelt, gänzlich ausgesöhnt war; begegnete ihm ausserhalb des Klosters ein Unglück, so mochte er die Sache an sich selbst haben; Gastgelage im Kloster mit seinen Freunden u. s. w. zu halten, war untersagt; Besuche von Verwandten etc. konnte er nur mit Bewilligung des Abtes annehmen, und endlich sollte er mit den Klosterbewohnern in Frieden leben. „Welcher vorbemelte Artikul übersehen und dieser Freiheit (I-322) Rechte nicht statt thun würde, derselbe soll ohne Gnad die Freiheit ganz verwirkt und verloren haben“34. Obige Bestimmungen für diejenigen, welche in Muri ein Asyl suchten, blieben mit geringen Abänderungen bis zur französischen Revolution aufrecht. Diese Freiheit benützte unter Anderen im Jahre 1566 Kaspar Bilgeri35.

Um diese Freiheit, wie auch die Ruhe, das Leben und Eigen der Klosterbewohner besser zu schützen, ersuchte schon Abt Johann Christoph die VII regierenden Orte, sie möchten ihm gestatten, die Thore des Klosters zu schliessen. Er beklagte sich nämlich, dass böse Leute ihm während der Nacht die Thore aufreissen, weil sie nicht eingehängt sind, und dass sie dann zum Schrecken der Insassen in die Klosterräume eindringen. Der Abt versprach zugleich einen Wächter (Pförtner) hinzustellen; ferners verpflichtete er sich, die Strasse beim Kloster hinauf für das Fahren und Reiten zu unterhalten. Die Bitte wurde gewährt36. Später erhielt auch das Kloster Hermetschwil (1572) bessere Ringmauern und das heute noch bestehende Thor gegen Westen37. Im Jahre 1577 bestätigten die Schirmherren unseres Klosters neuerdings die Schliessung der Thore von einem „Betläuten“ zum andern38, und zwar aus dem Grunde, weil allgemein das Gerücht ging: böse „Buben“ haben sich verschworen, Orte und Flecken zu verbrennen, „wie es leider in Einsiedeln geschehen“39, und diese hätten auch gegen Muri Drohworte ausgestossen.

Um die niedere Gerichtsbarkeit besser handhaben zu können, erachtete es Abt Hieronymus als nothwendig (1568), für die „Dinghöfe“ in Muri-Wei, in Boswil und Bünzen neue Rechtsbestimmungen zu geben. Die alten Offnungen (Weisthümer) wurden vom Landvogt Imhof im Herbstgerichte wieder untersucht, geprüft und von den Schirmorten bestätigt und besiegelt und so als erweiterte, rechtskräftige Offnung dem Volke vorgelesen und zur Beachtung vorgehalten. Die Erneuerung der alten Hofrechte wird damit begründet, weil die alten Rechte und Gewohnheiten in ungewöhnlicher, verblichener Schrift abgefasst, (I-323) seit vielen Jahren nicht mehr erneuert und den gemeinen Genossen an den Maien- und Herbstgerichten nicht vorgelesen worden seien, wie auch, dass viele Erbfälle, Gebräuche, die Abhaltung der Wochengerichte und Amtsordnungen bisher nicht schriftlich aufgezeichnet worden, sondern bloss die tägliche Übung und den Gebrauch der Genossen und der Bauern zur Rechtsgrundlage hatten, wesshalb viele Streite, Unkosten und Verluste entstanden waren. – Jeder Genosse wurde dann aufgefordert, beim Eide seine und des Klosters Rechte anzugeben.

Die 3 Offnungen bestanden aus je drei Theilen: der erste behandelte die Rechte des Gotteshauses, der zweite die Erbrechte und der dritte die Rechtsordnung40. Die Eigengüter des Gotteshauses richtete der Kast- oder Landvogt; der Klosterammann oder der Keller verkündeten das Maien- und Herbstgericht und das Gericht auf St. Hilarien; er führte anstatt des Abtes den Stab an Wochen- und andern Gerichten und musste den Ehrschatz und Fall einziehen41. Zum Twing oder Amte Muri gehörte nebst der Pfarrei Muri die Hub zu Besenbüren mit Zubehörde, das Dörflein Waltenschwil, der Hof im Horwen, der Hof Brunnwil mit Ausschluss des untern alten Hauses, das nur zur Hälfte in's Muriamt gehörte. – Der Twing des Keilenhofes in Boswil umfasste ausser dem Dorfe und den Leuten in Boswil das Dorf Besenbüren, mit Ausnahme der Hub, das Dörflein Waldhäusern, die Höfe in Bülisacher, das Dorf Kalchern (Kallern), das Dörflein Hinterbül und den Hof zu Werdenswil (jetzt Weissenbach). In Boswil führte der Keller, auch Ammann genannt, für den Abt in Muri den Stab. Der Twing und Bann Bünzen erstreckte sich über das Dorf und die Leute zu Bünzen und über den Hof zu Niesenberg. Den Stab führte wieder im Namen des Abtes der dortige Ammann. – In diesen Zwingen oder niedern Gerichten wurden behandelt: Geldschulden, Uebergriffe in Mass und Gewicht, Käufe und Verkäufe, Marchen und Häge, und was sonst zum Zwinge gehört bis zum Frevel, worüber der Landvogt richtete42. Ein besonderer Rechtsfall trat 1558 wegen der zwei Wirthschaften in Muri ein. Das Kloster besass diese allein. Die Leute im Amte wollten dieses Recht nicht achten; allein die VII Orte schirmten hierin das Gotteshaus mit aller Kraft43. (I-324) Die vielen Zwiste wegen der Rechte im Dörflein Werd an der Reuss fanden unter Abt Hieronymus eine gütliche Ausgleichung zwischen Muri und Bremgarten (1566). Dieselbe sagt: Der niedere Gerichtszwang zu Werd mit Twing, Bann, Bussen oder Strafen und anderer Nutzung der niedern Gerichte, bis an das hohe Gericht oder an das Blut und die den VII Orten gehörende Kriegsmannschaft, soll beiden Theilen gleich und gemein sein, so dass sie das Gericht zu Werd ein Jahr um das andere abwechselnd besetzten. Die Nutzung desselben soll demjenigen Theil zukommen, der das Gericht besetzt hat. Die Appellationen gehen sodann gleichfalls entweder nach Muri oder Bremgarten. Beide Grundherren durften aber in Werd keine Strafe bestimmen, die über 9 Schilling ging. Höhere Bussen gehörten dem Landvogt44.

Die Rechte des Twinges Thalwil mussten 1567 und 1572 gleichfalls erneuert und amtlich bestätigt werden. In der gütlichen Bereinigung wurde festgesetzt: die ehrschätzigen Güter geben Muri den 20. Pfennig als Ehrschatz; jedoch halte das Kloster die Leute allweg gnädig; das Gotteshaus lasse die Gerichte im Mai oder Herbst auf seine Kosten in Thalwil abhalten und die Gerechtigkeit offnen. Bei den Mai- und Herbstgerichten und bei den Wochengerichten daselbst soll der Obervogt oder auch der Untervogt zu Gerichte sitzen. Die Zinsverschreibungen sind vom Herrn Obervogt zu versiegeln; hingegen die Briefe, welche dem Wochengerichte zu behandeln zukommen, besiegelt der Abt in Muri. Der Ammann des Gotteshauses in Muri mag die, welche die Urtheile des Gerichtes übertreten, mit 3 Schill. bestrafen. Vor den Ammann des Gotteshauses gehören auch laut Offnung Käufe und Verkäufe u. s. w.45

Im Jahre 1563 kam das Gotteshaus in Misshelligkeiten mit der Dorfgemeinde Boswil wegen Ansprüche auf die Taferne, die Neubrüche und Waldnutzung. Die oberste Gerichtsbehörde, die Abgeordneten der VII regierenden Orte sprachen darüber das Urtheil46.

(I-325) Die Bedeutung und Wirksamkeit des Ammanns in Muri erlitt durch die ständige Haltung eines weltlichen Schreibers im Kloster und durch die Einsetzung eines besondern Ammanns in den Ämtern Boswil und Bünzen47 eine Einbusse. Hingegen gewann dieser Schreiber oder Sekretär des Abtes immer mehr an Ansehen und Einfluss. Er nahm unter den Beamteten innerhalb der Klostermauern bald den ersten Rang ein und blieb bis auf die jüngste Zeit. Seine Bedeutung wurde erhöht, da ihn zeitweilig auch der Landvogt mit Erlaubniss des Abtes in seine Dienste nahm. – Dieser Muri-Sekretär wird das erste Mal 1539 erwähnt48. Im Jahre 1559 erscheint als solcher Wilhelm Mundbrodt49; auf diesen folgte um das Jahr 1561 Jodok oder Jost Loriti, ein Vetter (nicht Sohn)50 des gelehrten Heinrich Loriti51. Die VII regierenden Orte ernannten diesen Jost auf der Jahresversammlung zu Baden (um 1562) zum Landschreiber in den Freiämtern52. Bevor er nach Muri kam, hatte er schon fünf Herren als Schreiber gedient. Abt Johann Christoph hatte ihn 5 ½ Jahre in seinem Dienste und schenkte ihm in der letzten Zeit wenig Zutrauen. Nach dem Tode dieses Abtes liessen die VII Schirmorte (am 1. April 1565) über Jost Loriti wegen Betrügereien im Amte des verstorbenen Abtes eine „Kundschaft“ aufnehmen, entsetzten ihn seines Amtes, hielten im Oktober eine Tagleistung, um Loriti zu einer Rechnungsablage zu veranlassen. Allein dieser wusste die Gefahr zu beseitigen, agitirte gegen Muri und betrog das Gotteshaus, so dass der Abt am 28. Oktober bei der Tagsatzung in Luzern sich darüber beschwerte. Loriti vermochte sogar die Regierung seines Heimatlandes, Glarus, zu gewinnen, dass diese bei der Tagsatzung für ihn Fürbitte (1566) einlegte. Diese verschob die Angelegenheit; verlangte aber 1567 entschieden, dass er an einem ihm gelegenen Orte Rechnung ablege. Loriti suchte sich zu rechtfertigen, hob in dem Schreiben (I-326) seine Verdienste hervor und gedenkt ruhmrednerisch seiner vielen Freunde und besonders seines verstorbenen Vetters, Heinrich Loriti Glariani53. Abt Hieronymus antwortete ihm: „Wenn er (Loriti) an ihm etwas zu fordern habe, so möge er ihn auf der Tagsatzung zu Baden suchen“. Er bemerkte auch: aus den beigelegten Kundschaften und Briefen gehe hervor, Muri sei ihm nichts schuldig; sein Vorfahre, Abt Johann Christoph, habe ihn mehr als bezahlt54. Hiemit war dieser Handel abgeschlossen.

Besser entsprach dem Kloster Muri und den VII regierenden Orten Gebhard Regner von Winterthur, der „als Landschreiber in den Freienämtern und als Schreiber des Gotteshauses Muri“55 von 1566 bis 1604 mit aller Zufriedenheit diente. Abt Hieronymus hatte ihn als Landschreiber in den Freiämtern empfohlen. Die Tagherren sprachen zwar jetzt schon davon, einen besondern Landschreiber für diese Vogtei anzustellen, zumal Regner für das Kloster Muri viel zu schreiben habe, wie Urbarien u. s. w.56; allein dieser Gedanke kam erst nach Regners Tod zur Ausführung.


  1. P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 194, 195; Annales, 536, 637.

  2. So werden von nun an die V katholischen Orte vom Muri-Konvent genannt.

  3. Staatsarchiv Luzern, Akten: Muri; Protokollauszug: „auf Sonntag z'Nacht sein's an der herberg gsin“.

  4. Er selbst schrieb in ein Kalend.: „2. Oct. i. e. S. Leodegarii. Hoc die electus sum ego Fr. Hieronymus Frei in abbatem 1564“. Die Benennung „Pater“ kam erst im folgenden Jahrhundert in Übung.

  5. P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 195.

  6. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 537. In Zürich starben an dieser Pest 1564 bei 3000, in Basel 10,000 und in Bern, Stadt und Land, bei 30,000 Menschen.

  7. Im Jahre 1570 baute er die Sakristei und die Annakapelle in der Klosterkirche, weihte 1582 den neuen U. L. Frauenaltar im Kloster und restaurirte den Chor in der Klosterkirche (1585).

  8. Er liess unter andern 1566 die 49 Zentner schwere Glocke für das Kloster giessen.

  9. So baute er 1566 die später einträgliche Ziegelhütte, schaffte 1573 den steinernen Brunnen für die Aufbewahrung der Fische herbei u. s. w.

  10. Beim Umbau des Klosters wurden diese Öfen vom Abt Placidus wegen ihres Kunstwerthes wieder verwendet (P. Ans. Weissenb., Eccles. 199-201; Annales, p. 548).

  11. Solche Ankäufe sind: eine Wiese (1566) in Meilen um 470 Gl.; wieder Güter daselbst (1567) um 1000 Gl.; ein Wäldchen nicht ferne von Sursee um 380 Gl. (1570); der Zehent in Birri (1580) um 575 Gl. Die Ankäufe in Lunkhofen geschahen 1564, 1569 und 1571 (P. Ans. Weissenbach, Eccles. und Annales).

  12. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri, 1661 u. s. w.

  13. Daselbst.

  14. Muri-Archiv in Aarau; Archiv der Frauen von Hermetschwil; Argovia VIII., 53.

  15. Einen solchen Vertrag machte Muri unter anderm im Jahre 1583 mit den Lebensleuten in Thalwil und Meilen (Arch. Muri in Aarau).

    1. Juni 1562. Archiv Muri in Aarau; P. Aug. Stöcklin Miscell., p, 668-671.
  16. Der Luzerner Rath findet 1551 Muri's Anforderung für unbegründet, weil der Fall lange Zeit nicht „geheuscht“ worden sei; die Ottenhauser bekennen jedoch 1561, dem Kloster ein Pfd. und 7 Schill. schuldig zu sein (Staatsarchiv Luzern).

  17. Nach dem Ausspruche des Züricher Rathes mussten die Lengnauer (1558) dem Kloster Fall und Ehrschatz geben (Archiv Muri in Aarau; Eccles., p. 192; Annales, p. 524, 525).

  18. Archiv Muri in Aarau; Annales, p. 538.

  19. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  20. Archiv des Frauenklosters Hermetschwil.

  21. Archiv Muri in Aarau; Copie in Gries B. I., 1.

  22. Abt Hieronymus schreibt in dieser Angelegenheit am 5. Dezember 1569 nach Luzern (Staatsarch. Luzern).

  23. Eidgen. Abschiede IV., 2, 1130.

  24. Diese Rechte begannen beim Twing in Wohlen und erstreckten sich bis zum Bogen in Muri-Egg (Eigen. Abschd. IV., 2, 1131). Mit seiner Federschnur durfte Jeder in der Bünz fischen.

  25. Argovia VIII.. 26; Archiv Muri in Aarau.

  26. Staatsarchiv Zürich.

  27. Archiv Hohenrain in Luzern.

  28. Im Landfrieden vom Jahre 1281 lautete das Kapitel 48 wegen der kirchlichen Freistätten: „Chloster, Kirchen, Vrethof (Friedhof), widum suln ganz frid haben; wer sie angrifet, der ist fridbräch“ (Pertz, c. 40, Klosterfriede).

  29. „Paci quoque et tranquillitati vestræ in posterum solicitudine providere volentes“ etc. (Murus et Antem. III., 26, 32, 33).

  30. „Monasterium Muri inter cætera privilegia hoc habet, ut iis, qui vel casu vel ad suam vitam tuendam coacti, servato justæ tutelæ moderamine, non sicariorum more, homicidium aliquod commiserint, eo tamquam ad tutissimum asylum confugere liceat“ (daselbst).

  31. „pro tutiori tamen cautela Tibi ac pro tempore existenti ejusdem monasterii abbati, homicidas prædictos ... in foro conscientiæ tantum absolvendi potestatem .... concedimus“ (Murus et Antem. III., 34).

  32. Dieser Punkt blieb später weg.

  33. Argovia, Jahrg. 1861, S. 64, 65; Arch. in Gries A. II. 1.

  34. Staatsarch. Luzern, Muri-Akten.

  35. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p, 660, 661; P. Ans. Weissenbach, Eccles., p. 191.

  36. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 547.

  37. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 647-649; P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 551.

  38. Es ging in Einsiedeln das unbegründete Gerede: „Buben“ von Rheineck seien von einem Protestanten gedungen worden, das Kloster sammt dem Flecken Einsiedeln anzuzünden (Annales, p. 550).

  39. Der erste Theil umfasste für das Muriamt 19 Artikel, für die „Twinge“ in Boswil und Bünzen je 10 Artikel, der zweite Theil in allen drei Aemtern je 15 Artikel und der dritte Theil für Muri und Bünzen 54 und für Boswil 53 Artikel.

  40. Archiv Muri in Gries A. II., 1, S. 63.

  41. Handschriften in Gries und Aarau.

  42. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 666, 667.

  43. Arch. Muri in Gries A. V. V, 10. Die Urkunde hiefür wurde am 4. Juli 1566 ausgestellt (Arch. Muri in Aarau G, 3. G, 1). Die Ausdrücke „bis an das hohe Gericht“, „bis an das Blut“, veranlassten viele Erörterungen seit 1574 (Arch. Muri in Aarau G, 3. G, 2). Muri und Bremgarten erhielten endlich das Recht, bis zum flagranten Fall eines Todschlages daselbst zu handeln (Eidgen. Absch. IV., ll, 1130).

  44. Archiv Muri in Gries B. I, 1 (Auszüge vom Jahre 1732).

  45. Sie sprachen: a) bei Verlehnung der Taferne sei der Ammann des Abtes anwesend, und dann erhalten beide Theile die Hälfte des Nutzens; b) wer im Amte Boswil Neubrüche macht, zahlt dem Abte jährlich 1 Viertel Hafer als Bodenzins; c) von den über Feld und Holz ausgesetzten Strafen erhält die Gemeinde 2/3 und der Abt 1/3; d) die Gemeinde hat das Recht, nach Bedürfniss im Walde Holz zu hauen, darf aber kein Holz verkaufen, und das Kloster kann nach Bedürfuiss Bauholz schlagen; e) die Gemeinde darf Einzüger annehmen u. s. w. (Arch. Muri in Gries, Copienbuch, S. 90 u. a. O.)

  46. Als erster Ammann in Bünzen erscheint 1570, Ammann Lux (Lukas). Gemeindearchiv Boswil.

  47. Frauenklosterarchiv Hermetschwil.

  48. P. Aug. Stöcklin, Miscell., 277. Dieser Mundbrodt war 1565 Ammann in Sursee (Staatsarchiv Luzern: Abschiede T, 346-347).

  49. Brief vom 15. Juni 1567.

  50. Leu, Lexikon XII., S. 226.

  51. Eidgen. Absch. IV., 2, 1114.

  52. „und besonder bedenken myn frommen, lieben vettern säl. Heinricum Loritum Glarianum, den Poëten, der Eidtgnoschaft, Priss, Lob, Eer je und herlich ussgespreitet und beschriben“ (Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri).

  53. Eidg. Abschd. IV., 2, 1131; Staatsarch. Luzern.

  54. Vergl. Urkunde von 1568, 4. Okt. und 1577 u. s. w. (P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 647; Eidgen. Absch. IV., 2, 1118). - Im Jahre 1565 bittet Werner Schodeler, Stadtschreiber von Bremgarten u. Chronist, Urkunden für die untern Freiämter ausfertigen zu dürfen (Eidgen. Abschiede IV., 2, 1114).

  55. Missiv im Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.