Drittes Kapitel. Die Zeit nach den Religionskriegen – oder die Restauration (1532-1549).

Abt Laurenz gab sich alle Mühe, die Schäden, welche die Religionskriege angerichtet hatten, wieder auszubessern. Zunächst suchte er die seinem Kloster zugesicherten Entschädigungen zu erhalten. Daher legte er am 1. Dezember 1531 bei den in Zug versammelten Eidgenossen die Bitte ein, dass man ihm den erlittenen Kriegsschaden abtragen und die Zehenten verabfolgen lasse; dann möchten die Tagherren dem Gotteshause für die zerschlagenen Glasfenster neue Ehrenwappen schenken und die in seinen Kirchen zernichteten Fenster ausbessern1. Die zweite Bitte scheint ohne Anstand Erhörung gefunden zu haben; schwieriger ging es mit der Entschädigungssumme. Die Tagherren wollten aus den 3000 Kronen, welche die Berner zahlen mussten, zuerst die Landleute in Zug und Merenschwand befriedigen2. Die Kirchgenossen von Muri stellten daher ein besonderes Gesuch an die Tagherren um Schadenersatz ihrer verwüsteten Kirche. Die katholischen Orte beschlossen dann auf der Versammlung zu Baden (29. Jän.): es sollen für das Kloster und die Kirche in Muri 300 Gulden ausbezahlt werden3. Diese kleine Summe leistete dem Abte in seiner Geldnoth grosse Dienste.

Die Regierung von Luzern ertheilte ihrem Abgeordneten auf die am 15. Dezember 1531 in Baden abzuhaltende Tagsatzung wegen des Klosters Muri folgende Instruktion: „Da Hauptmann Thomas Schmied von Solothurn einen Kelch, grossen Hafen und einige Messgewänder in dem Kloster Muri genommen, so mag er es mit Kundschaft belegen, wenn er es nicht bekennen will, und soll den Solothurnern – die ohne Grund gegen die (I-304) Katholiken zu Feld gezogen waren – geschrieben werden, dass sie den Thomas Schmied anhalten, dem Gotteshaus Muri das Seine zurückzugeben“4. Mit welchem Erfolg der Gesandte diesen Auftrag vollzogen habe, ist uns nicht bekannt; nur das wissen wir, dass Schmied den Raub läugnete.

Abt Laurenz besorgte zunächst bloss die nöthigsten Reparaturen und Ausschmückungen im Kloster und in den Kirchen. Die werthvollen Glasgemälde, die später der Stolz des Gotteshauses Muri waren, kamen grösstentheils erst 1536-1573 in das Kloster5. Zürich verehrte 1536 sein Wappen nach Muri, wie auch in den Jahren 1543 und 15546.

In den Kloster- und Pfarrkirchen wurden die Altäre fleissig restaurirt. Die St. Martinskapelle in Boswil konnte daher schon im Mai 1532 reconciliirt werden. Im Oktober kam der Weihbischof Melchior von Constanz in die Freienämter und reconciliirte am 8. Oktober die Pfarrkirche in Bünzen7, am 9. wahrscheinlich die in Boswil, am 10. weihte er die Pfarrkirche in Muri und am 11. und 12. Okt. sechs Altäre in der Klosterkirche: a. den St. Martinsaltar; b. den des hl. Benedikt oder St. Peter und Paul; c. den der 10000 Martyrer oder St. Michaelsaltar; d. den hl. Kreuzaltar; e. den der 11000 Jungfrauen; f. den Muttergottesaltar. Wegen Mangel an Geld konnten nicht alle Kirchen und Kapellen sogleich restaurirt werden8. Daher fand die Renovation und Reconciliation der Kapelle für den Abt und des Altars in der Krypta erst im Juni 1541 statt9. Von Muri ging der Weihbischof Melchior am 13. Oktober nach Hermetschwil und reconciliirte die dortige Kirche. Die Reconciliation in Wohlen fand am 6. Oktober und die von Eggenwil schon am 24. Juli d. J. statt10.

Der eifrige Pfarrer, Johannes Engel in Wohlen, wusste der Kirchgemeinde eine solche Liebe zum katholischen Glauben beizubringen, dass sie alsbald beschloss, die von den Reformirten entweihte und theilweise zerstörte Pfarrkirche gänzlich niederzureissen (I-305) und vom Grunde aus neu zu bauen11. Die Filialkapelle zur hl. Anna am Ende des Dorfes wurde gleichzeitig mit der Pfarrkirche geweiht. In Folge einer Predigt, die Engel bei dieser Gelegenheit hielt, wurden die Bürger von Wohlen so für ihn eingenommen, dass sie den Untervogt, Weckerli, und den Kirchmaier, Ulrich Humbeli, mit ihm nach Bremgarten schickten, um den Abt Laurenz im Namen der Kirchgemeinde zu bitten, den Herrn Engel der Pfarrei Wohlen definitiv als Leutpriester zu geben. Der Abt gewährte die Bitte sofort12.

Auf grössere Schwierigkeit stiess die Wiedereinführung des katholischen Gottesdienstes in Lunkhofen, wo die Züricher die Reformation bereits durchgeführt hatten. Abt und Konvent von Muri setzten mit Einwilligung der Bremgartner, welche daselbst die niedere Gerichtsbarkeit besassen, dahin wieder einen katholischen Leutpriester. Das erweckte bei den abgefallenen Pfarrgenossen und bei den angrenzenden Zürichern Zorn und Ingrimm. Unter letzteren verbreitete sich plötzlich das Gerücht: der Leutpriester in Lunkhofen habe die Zwinglianer „Ketzer“ gescholten. Sogleich erging der Sturm in den zürcherischen Ämtern Affoltern und Knonau. In der Pfingstnacht 1532 zogen die Reformirten lärmend nach Lunkhofen, nahmen den Leutpriester in seinem Hause gefangen, führten ihn nach Jonen, beschimpften dort einen Katholiken und jagten den Pfarrer bei Ottenbach über die Reuss nach Muri, indem sie ihm die Drohworte nachriefen: wenn er sich wieder in Lunkhofen sehen lasse, werde man ihn hängen. Diese gewaltthätige Handlung verursachte in der Eidgenossenschaft grosse Aufregung, zumal erst vor einigen Monaten der zweite Landfrieden geschlossen worden war. Die Tagherren untersuchten die Angelegenheit und bestraften die Rädelsführer aus den Ämtern Affoltern und Knonau13.

In den übrigen Collaturen Muri's kehrten die Abgefallenen willig zum katholischen Glauben zurück. So zeigten sich namentlich gehorsam die Kirchgenossen von Muri wie auch die Bettwiler.

Mit dieser Thätigkeit für die Erhaltung der katholischen Religion in den zu Muri zuständigen Pfarreien verband Abt Laurenz auch die Sorgfalt für das Innere seines Gotteshauses. Für die beraubte Klosterkirche erwarb er aus Zürich durch Kauf ein silbernes Muttergottesbild14 und bald darauf aus dem ehemaligen (I-306) Benediktinerkloster Allerheiligen in Schaffhausen einen Abtstab. Als die Zinsen wieder reichlicher flossen, erweiterte er die Wohnungen des Abtes und fügte neue Bauten hinzu, schmückte den obern Chor mit einer kostbaren Oberdecke, baute im Konvente den kleinen Kreuzgang mit Nebengebäuden und erstellte den Murihof in Bremgarten, welcher im Jahre 1693 noch die Aufschrift trug:

„Jodocus renovat, struxit Laurentius ædes“.

Jodok neuet das Haus, das Abt Laurentius baute15.

Wegen dieser Bauten sagt der Chronikschreiber Stumpf von Laurenz: er habe das Kloster „wunderbarlich mit Gebeuw“ verbessert16. Um die Einkünfte des Klosters nicht zu schwächen, verwendete er dazu viel von seinem väterlichen Erbgute. Doch was hätte ein ausgeschmücktss Kloster ohne glaubenstreue Konventualen genützt? Abfall und Tod hatte die Zahl der Mitglieder in Muri und Hermetschwil stark gelichtet. Auf der Tagsatzung in Zug am 8. Jänner 1532 wurde vorgebracht: wie das Kloster Muri reich und mächtig sei, dass aber der Abt dennoch nicht mehr, als Einen Priester im Kloster habe. Wir glauben aus Gründen diese Worte in dem Sinne zu verstehen, dass alle andern Priester wegen Priester-Mangel damals auf Pfarreien sich befanden17. Die Abgeordneten beschlossen daher: mit Abt Laurenz zu reden, dass er das Gotteshaus der Stiftung gemäss mit Priestern versehe. Der sorgsame Prälat war diesem Wunsche der katholischen Landesherren bereits zuvorgekommen. Am 17. Dezember desselben Jahres konnte er seinen Konventualen, Johann Honegger, den er zum Akolythen geweiht hatte, zum Bischofe nach Constanz senden, damit er ihm die Weihe des Subdiakonates ertheile18. Dieser folgte dem Herrn Georg Flecklin in der Würde eines Priors19.

Als echter Benediktiner warf Abt Laurenz sein Auge bei der Restauration sogleich auf die Schule. Dieselbe wurde (I-307) bald nach den Kriegen wieder eröffnet und neue Zöglinge fanden Aufnahme. Unter diesen war Johann Christoph von Grüt aus Zürich, dessen Vater Stadtschreiber war, der aber, weil er den Zwingli bekämpfte, Amt und Stadt verlassen musste. Der junge Joh. Christoph kam am St. Antonientag 1532 als Schüler nach Muri und legte 1535 am St. Agathentag die hl. Profession ab20. An der Spitze der Schule scheint aber ein Laie gestanden zu sein, der 1535 erstochen wurde21. Diesem wird Johannes Bronbüler als Studienpräfect gefolgt sein. Denn ein Dichter aus Erfurt, Abraham Werlich, sang über Muri im Jahre 1550:

„Illic, qui pueros doctrina pascit et arte,

In Musis celebris rite Johannes adest“.

Dort erschaust du Johannes, der glänzt in jeglichem Wissen,

Der die Knaben belehrt, führend zur Tugend und Kunst22.

Von den freien Künsten wünschte der Abt vorzüglich die Pflege des Gesanges. Leider hatten die Berner die alten Choralbücher entweder zerstört oder stark beschädigt. Daher schrieben die jungen Konventualen 1534 mit allem Fleisse Choralbücher, Antiphonarien und Graduale ab. Darunter war besonders Einer, der eine zierliche Handschrift schrieb. Auch besass dieser eine ziemliche Fertigkeit im Zeichnen und fügte dann dem Wappen des Abtes Laurenz oder anderen Wappen die Buchstaben „S. Z.“ oder „F. S. Z.“ bei, die wohl seinen Namen andeuten sollen23. Doch wir konnten denselben bisher nicht ermitteln. Nebst Anderem schrieben die Mitbrüder damals das Marienofficium und das „Salve“ mit Noten, welches vom ganzen Konvente, auch nach 100 Jahren noch, in der Muttergotteskapelle gesungen wurde24. Nicht unerwähnt dürfen wir lassen das Messbuch von Pergament vom Jahre 1535, welches im verflossenen Jahrhundert der gelehrte Benediktiner, August Calmet, auf seiner Reise durch die Schweiz in Muri bewunderte. Er hob namentlich die vielen Einschaltungen im „Gloria“ für die Muttergottesfeste hervor25. Die Bibliothek wurde neu angelegt und mit Handschriften und Druckwerken bereichert. – Zur Belebung des religiösen Lebens im Konvente und beim Volke erlaubte der Abt die Einführung passender (I-308) Andachten und sorgte, dass der Gottesdienst in geziemender Würde nach kirchlicher Vorschrift gehalten werde26.

Viele Mühe verwendete Abt Laurenz für die Restauration des Klosters Hermetschwil. Das tolle Treiben der Reformirten hatte dort tiefe Wunden geschlagen. Die wenigen Frauen, die noch im Kloster geblieben waren, hatten den wahren religiösen Geist verloren. Die Tagherren der katholischen Stände vernahmen daher am 29. Jänner 1532 mit Schmerz, dass einzelne Frauen in Hermetschwil ein ärgerliches Leben führen. Sie beschlossen daher, ernste Massregeln zur Reform des vielgeprüften Klosters anzuwenden27. Doch der Abt und die Meisterin Anna von Effringen werden die Vorschriften mit Kraft zur Besserung der Sitten unterstützt haben; denn künftig dringen keine Klagen mehr über dieses Kloster in die Öffentlichkeit. Die genannte Frau Meisterin verschied am 27. Februar 1541. Ihre Leiche wurde übungsgemäss nach Muri gebracht und in der Muttergotteskapelle, der Begräbnisstätte der Meisterinnen von Hermetschwil, beigesetzt28. Ihr folgte in der Würde Anna von Trüllerey aus jenem alten Geschlechte, das in Aarau und Schaffhausen reich begütert war und Hermetschwil bereits eine Meisterin, Agnes, gegeben hatte. Anna regierte von 1541-1553 mit vielem Lobe.

In Muri war die Übung, nur Männer aus dem Adel zur Profession zuzulassen, schon längst verschwunden; doch in Hermetschwil sei der Grundsatz, wie die Hauschronik sagt, bis zum Jahre 1541 stehen geblieben, obwohl er in der That seit langem nicht mehr beobachtet wurde. Gangolf von Trüllerey, der Vater der besagten Meisterin, soll der Tochter den Rath zur Beseitigung dieses Grundsatzes ertheilt haben.

Um den Fleiss und die Thätigkeit des Abtes Laurenz nach allen Seiten hin zu bewundern, müssen wir noch die Leitung der Ökonomie und die Wahrung der Klosterrechte nach 1531 in's Auge fassen. Wir haben gehört, dass die Tagherren in Zug das Kloster Muri unmittelbar nach dem Kriege als „reich und mächtig“ bezeichneten, – ein schönes Lob für Abt Laurenz als Haushälter. Am 29. September 1532 waren diese Tagherren zur Anfertigung eines Urbars für die Landvogtei der Freiämter in Muri versammelt29. Die Lehen, (I-309) welche unser Kloster im Aargau seit vielen Jahren von den Landesherren inne hatte, wurden ihm auch für die Zukunft zugesagt; ebenso blieb dem Gotteshause die niedere Gerichtsbarkeit. Zugleich hatten am 10. Juni d. J. die katholischen Orte den Wunsch ausgedrückt, es möchte in Muri ein Thurm für die Gefangenen gebaut werden30.

Rechtshändel haben wir von 1531-1549 keine finden können. Der Handel vom 24. Mai 1544 wegen eines Thürleins und zweier Fenster, die den Lehensleuten dreier Häuser in Bremgarten vom Abte in Muri gestattet wurden, war ein gütlicher Vergleich. Das Thürlein sollte nur in Kriegszeiten und bei Feuersbrünsten gebraucht werden31. Bullinger hatte desshalb vollständig recht, wenn er schreibt: Abt Laurenz war ein „schiedlicher und freundlicher“ Mann. In dasselbe Lob stimmt auch Heinrich Pantaleon ein, wenn er sagt: „Laurenz war ein milder, hochverständiger Herr, welcher von seinen Mitbrüdern mehr hatte geliebt, als gefürchtet werden wollen. Darum er auch, soviel an ihm gestanden, mit den Nachbaren den Frieden erhalten und auch männiglich darzu ermahnt hatte“32.

Im Jahre 1543 war unter seinen Händen die Ökonomie trotz der vielen Restaurationen und Bauten so erstarkt, dass er mehrere Bodenzinse von einem Hofe in Wohlen um 276 Gl. kaufen konnte33. Ja, schon am 19. Dezember 1532 hatte er von Hans und Rudolf Hofmann 7 Tagwerke Reben in Zuffikon um 130 Gulden für das Kloster erworben34.

Die letzten Lebensjahre des Abtes Laurenz flossen ruhiger dahin. Unter seiner Leitung erwuchs ein zahlreicher, lebensfähiger Konvent; in den Collaturpfarreien waren fast alle Zwinglianer wieder zum wahren Glauben zurückgekehrt und beteten wieder Jesus im allerheiligsten Altarssakramente an. Aber schmerzlich traf ihn das Hinscheiden seiner besten Freunde, die mit ihm für die Erhaltung der katholischen Religion gekämpft hatten. In Einsiedeln ging am 26. Februar 1544 in die ewigen Freuden ein der hochverdiente Fürstabt Ludwig Blaarer von Wartensee, der sein Kloster vom Untergange gerettet hatte, und wenige Jahre später schied in ein besseres Leben der gelehrte Dr. Barnabas Bürki, Abt in Engelberg. Die drei Abte Ludwig, Barnabas und Laurenz waren damals vermöge ihrer Glaubenstreue) Gelehrsamkeit und Sorge für (I-310) ihre Klöster die Zierde des Benediktinerordens in der Eidgenossenschaft. Allen Dreien spendet unser Chronist, P. Ans. Weissenbach, wegen des Kampfes für den hl. Glauben gebührendes Lob35.

Mit Freuden wird Abt Laurenz der Eröffnung des Concils von Trient (1545) entgegen gesehen haben. Es schmerzte ihn aber genug, dass die Katholiken der Eidgenossenschaft bei dessen Eröffnung (1545) keine Vertretung hatten. Ihm selbst gestattete das hohe Alter nicht, eine Reise nach Trient zu unternehmen. Indessen betete er eifrig für sein Kloster und die kämpfende Kirche und sah getrost dem nahen Tode entgegen. Derselbe erfolgte am 20. Februar 1549. Die Regierung des Abtes Laurenz währte vierzig Jahre und vier Monate. In allen seinen Handlungen zeigt sich ein gemessenes, muthvolles Vorgehen, ein Erbtheil seiner ritterlichen Ahnen, ein andauerndes Festhalten am Alten und eine hohe Achtung vor Gott und allem Heiligen. Für die Erhaltung des Klosters und die Vertheidigung der Rechte desselben scheute er keine Mühe. Daher preisen ihn unsere Chronisten auch als einen wahren Restaurator des Gotteshauses. Seine Leiche liegt in der Klosterkirche hinter dem Altare der 14 Nothhelfer36. Auch fremde Geschichtsforscher stimmen in dieses Lob ein und rühmen seine Klugheit, Festigkeit und den unermüdlichen Eifer in Erhaltung des katholischen Glaubens37. Der Protestant, Heinrich Pantaleon, schliesst seine kurze Lebensbeschreibung: „Wie er also in die 40 Jahre dem Kloster vorgestanden und in hohes Alter gekommen, ist er letzlich im Jahre 1549 gestorben und mit grossem Leide zur Erde bestattet worden“38.

Dritter Abschnitt. Nachwehen der Reformation (1549-1596).

Erstes Kapitel. Johann Christoph von Grüt, XXXIII. Abt (1549-1564).

(I-311) Abt Johann Christoph war der Sohn des geschwornen Unterstadtschreibers in Zürich, Joachim von Grüt, und der Veronika Schwarzmurer von Zug39. Joachim wirkte ehemals als Schullehrer in Rapperswil. Im Rathe zu Zürich war er einer der Wenigen, welche lesen und schreiben konnten, und zugleich der entschiedenste und gefährlichste Gegner Zwingli's. Wider diesen schrieb er eine Schrift: „Christliche Anzeigung, dass im Sakramente des Altars wahrlich sei Fleisch und Blut Christi – wider den schädlichen und verführerischen Irrthum Zwingli's zu Zürich“40. Die „Anzeigung“ ist eine Vorrede und ein Abriss der züricherischen Reformationsgeschichte; sie ist vom Geiste der Sanftmuth und Bescheidenheit durchweht und steht im grellen Gegensatze zu dem unbeugsamen und gewaltthätigen Charakter Zwingli's. Joachim von Grüt wich diesem tyrannischen Geiste aus und zog mit der Familie wieder nach Rapperswil, um dort ruhig die Kinder im wahren Glauben und in der Gottesfurcht erziehen zu können; denn er schreibt: „Es ward beschlossen, der Zwingli sollte seine Meinung und ich die (I-312) meinige in Geschrift stellen. Da jede gestellte Meinung verhört ward, redete Zwingli: Wenn mein (Joachim's) Rathschlag durchgehen sollte, wollte er auf der Kanzel öffentlich predigen und schreien. Also nahm ich meinen Rathschlag wieder zu mir und sagte: Ich will unausgeschrieen sein; denn ich sehe wohl, dass er wolle regieren und predigen und nicht leiden, dass Jemand anders rathe oder rede, denn so viel er sagt und ihm gefällt, und ich ging damit hinweg“41. – Aus den Früchten erkennt man den Baum. Alle Kinder Joachim's blieben der römisch-katholischen Kirche treu; die meisten derselben gingen in Klöster42 und zeichneten sich durch religiösen Sinn, Thatkraft und Ordnungsliebe aus, Eigenschaften, die sie für höhere Stellen empfahlen. Joachim unternahm später eine Pilgerreise nach Rom zu den Gräbern der Apostel, starb daselbst und wurde auf dem „Campo santo“, nahe bei der Peterskirche, begraben. Im Jubeljahre 1575 besuchte sein Enkel, Adam Heer, Abt in Einsiedeln, den Grabhügel des verdienten Mannes und schreibt darüber: „Morgens an dem hl. Weihnachtstage, hielten wir Messe in Campo santo auf dem Choraltare, in welcher Kirche unser leiblicher Grossvater, Joachim von Grüt, liegt, der ein Ritter und der Stadt Zürich Unterschreiber gewesen. Dieweil er aber sich des Zwinglischen Glaubens wollte zu bestreiten unternehmen, da er wohl wusste, dass er falsch sei, auch wider den Zwingli schrieb und diesen von seinem Vorhaben abzustehen ermahnte, was aber nicht fruchtete, hat man gegen ihn einen Unwillen gefasst, und er zog nach dem Ausspruch der hl. Schrift hinweg, schlug den Staub von den Füssen mit mehreren andern Adelichen“43. Die edle Mutter der oben erwähnten Kinder, Veronika Schwarzmurer, ging nach dem Tode ihres Mannes Joachim, zu ihrer Tochter Sophia nach Dänikon (Kt. Thurgau), wo sie in ihrer Krankheit 1564 von der jüngern Tochter, Meliora, Meisterin in Hermetschwil, besucht wurde44.

(I-313) Der drittgeborne Sohn dieser glaubenstreuen Eltern, Johann Christoph, kam, wie oben gesagt wurde, 1532 als Schüler nach Muri, trat am 15. Mai 1533 daselbst in's Noviziat und legte erst am 5. Febr. 1535 die hl. Profession ab. Im Jahre 1549 verwaltete er mit Lob das Amt eines Custos im Kloster45.

Drei Tage nach dem Tode des Abtes Laurenz erschien der Prior von Muri, Johannes Honegger, mit dem Landvogt in den Freienämtern, Pfändler von Glarus, vor den Abgeordneten der VII regierenden Orte in Baden und meldete, dass der Abt von Muri gestorben sei und dass das dortige Gotteshaus die Freiheit besitze, innerhalb 10 Tage im Beisein der Äbte von St. Gallen, Einsiedeln, Rheinau und Engelberg einen andern Prälaten zu wählen; allein der Landvogt wendete dagegen ein: die Wahl dürfe ohne Vorwissen der regierenden Orte nicht vorgenommen werden46. Der Prior bat sodann die Tagherren, den Konventualen in der Wahl eines Abtes nicht hinderlich zu sein. Am 17. März47 waren die Hemmnisse beseitigt. Sieben Kapitularen schritten an diesem Tage in der Sakristei der Klosterkirche zur Abtwahl, nämlich: Johannes Honegger, Prior, Johann Christoph von Grüt, Custos, Joachim Schilling, Theodor Beringer, Matthias Walz, Heinrich Hubacher und Jakob Steiner48. Die Mehrheit der Stimmen vereinigte sich auf Johann Christoph von Grüt. Die Äbte der oben erwähnten Klöster, Diethelm, Joachim, Bonaventura und Bernard präsidirten dem Wahlakte und versahen das Amt der Stimmenzähler; Zeugen waren: Leonhard Gartenhauser, Comthur in Hitzkirch; Johannes Rappold, Leutpriester in Boswil und Dekan des Landkapitels Mellingen; Johann Waldmann, Vikar des Abtes von St. Gallen in Wil; Johannes Buecher, Propst in Fahr; als apostolischer Notar handelte Bovilli, Priester. Bei dieser Wahl sehen wir das erste Mal die Abgeordneten der VII regierenden Orte erscheinen. Aber sie waren keineswegs anwesend, um den feierlichen Akt zu beeinflussen, sondern nur als Schützer und Schirmer der freien Wahl, selbe gesetzlich zu machen, zu fördern und zu sorgen, dass die alten Gebräuche beobachtet werden49. Die (I-314) fünf katholischen Orte legten dann beim Bischof von Constanz eine Fürbitte in Betreff der Confirmationsgebühr für den Neugewählten ein, indem sie ihr Gesuch damit begründeten, dass das Gotteshaus beim letzten Kriege schwer gelitten habe, so dass, wenn nicht mit der Gnade Gottes die fünf Orte „Leib und Leben dargestellt hätten“, dasselbe zu Grunde gegangen wäre50. Am 9. Juli erfolgte die Bestätigung des neugewählten Abtes durch den Bischof Christoph von Constanz. Dieser benedicirte ihn dann auch am 18. August feierlich im Kloster Muri in Anwesenheit der frommen Mutter des Abtes, Veronika Schwarzmurer51.

Der Hauptzug im Leben des neugewählten Abtes ist Milde, welche der nöthige Ernst begleitete. Wohlthun und Unglücklichen beispringen und helfen war seine Freude. Im Jahre 1553 empfiehlt er bei der Regierung in Luzern einen Priester für eine Pfründe52 und am 21. Mai 1563 derselben Regierung einen Juden, der zum Christenthum übertreten wollte. Er schreibt unter Anderm: „Zu Lob Gottes des Allmächtigen, seiner geliebten Mutter Maria und aller himmlischen Chöre ... soll man machen, dass die Seele der Ungläubigen nach diesem vergängl. elenden Jammerthale auch die ewige Freud und Seligkeit erlangen möge“53. Noch wenige Monate vor seinem Tode empfiehlt er (11. Jänner 1564) wieder Luzern einen Wolfgang von Muri, der sich in Luzern als Steinmetz niederlassen wollte54. Seinen Ernst, den er mit dieser Milde verband, erkennen wir in der Handhabung der Zucht und Ordnung in den zwei ihm unterworfenen Konventen. Das Pfründwesen, das wieder die Schranken der Mässigung zu überschreiten drohte, wies er zu den gegebenen Bestimmungen zurück. Betrübende Vorgänge, die im zweiten und dritten Jahre seiner Regierung unter den Konventualen vorkamen55 , wovon wir später im Zusammenhang sprechen werden, haben ihn wohl zur Überzeugung gebracht, dass die bestehende Ordnung vierteljähriger Vertheilung des Einkommens unter den Konventualen im grellen (I-315) Widerspruche zur Regel des hl. Vaters Benedikt stehe. Hätte er nach dem Abschlusse des Concils von Trient die Inful von Muri erlangt, so würde er nicht ermangelt haben, die Umwandlung seiner Konvente nach dem Wunsche des hohen Kirchenrathes und an der Hand der heiligen Regel vorzunehmen. Zur Einhaltung besserer Disciplin im Kloster wird er auch das Amt eines Subpriors eingeführt haben. Indessen musste er zufrieden sein, die Ruhe im Kloster durch kluge Massregeln und mit Hilfe der katholischen Stände zu erhalten. Gerade diese Umsicht, die er hier an den Tag legte, erwarb ihm die Achtung und das Zutrauen bei Hohen und Niedrigen. Sogar nach Rom war hievon die Kunde gedrungen. Der hl. Stuhl ernannte daher den Abt Johann Christoph von Muri nebst dem Fürstabte Joachim von Einsiedeln als Commissär für die Einverleibung des ehemals selbständigen, jetzt tief heruntergekommenen Benediktinerklosters, St. Johann im Thurthal, mit dem fürstlichen Kloster St. Gallen (1555)56.

Wie er die klösterliche Ordnung zu wahren bestrebt war, so eiferte er gleichfalls für die Ausschmückung der Kirchen und die Vermehrung der äussern Pracht beim öffentlichen Gottesdienste. Durch ihn wurde der nördliche Thurm der Klosterkirche im Jahre 1558 im gothischen Stile gebaut57 und mit der grossen Glocke ausgestattet58.

Den im romanischen Stile gebauten Seitenthurm unterwarf er einer Renovation. Die Sakristei im Kloster bereicherte Abt Joh. Christoph mit einer kostbaren Inful und einem silbernen, schön gearbeiteten Speisekelch. Aus seiner Regierungszeit stammen auch zwei Gemälde auf Holz, welche Doppelflügel eines schmucken Altars im Kloster waren, – ein sprechender Beweis von dem religiösen Sinne des Abtes Joh. Christoph und von seiner Liebe zur Kunst. Der rechte Flügel hat den hl. Christoph, den hl. Martin, Bischof, und den hl. Vater Benedikt; der linke die hl. Katharina, die hl. Barbara und die hl. Elisabeth im frischen Colorit59. Andere Bauten, die er innerhalb und ausserhalb der Klostermauern aufführte, waren mannigfach. Sie trugen gewöhnlich sein Wappen, einen schwarzen Baumstrunk, mit abgehauenen (I-316) und im Brande befindlichen Ästen, auf gelbem Felde60.

Wie für das Haus Gottes, so sorgte Abt Christoph auch für die Ökonomie. Dem Kloster Engelberg erwies er sich gefällig, indem er die Murizehenten zu Neuenkirch mit dem Engelbergereinkommen zu Küssnach am Zürichersee zu vertauschen bereit war61.

Trotz der grossen Auslagen für die eben berührten Bauten waren die Geldvorschüsse des Klosters Muri stark genug, um bedeutende Güterankäufe zu machen. In Sursee erwarb er einen Kornzehenten von 16 Malter um 1030 Luzerner Gulden. Es ist jener Zehent, den Rathsherr Johann Has in Luzern 1491 von den Trüllerey in Aarau gekauft hatte. Ebenso brachte dieser Abt die Mühle in Winterswil um 3500 Gulden an sein Gotteshaus und einen Theil des Baldeggerzinses62. Gegen unbillige Geldanforderung des Rudolf Stapfer von Bremgarten schützten ihn und sein Kloster (1552-1553) die Landesherren63. In wenigen Jahren hatte er Vieles im Geistigen wie im Materiellen für das Kloster gethan64. Im gleichen Geiste wirkte seine Schwester Meliora, Meisterin (1553-1599) in Hermetschwil. Leider erreichte dieser edle Prälat kaum das fünfzigste Altersjahr. Die Krone des Himmels erlangte er am 23. September 1564. Das ist der letzte Abt für Muri aus der Stadt Zürich, aus der wenigstens vier an die Spitze unseres Konventes berufen worden65.

Johann Christoph liegt vor dem Altare der 14 Nothhelfer begraben, wo später die Kapelle des hl. Martyrers Leontius gebaut wurde66. Seine Grossmutter, die über 110 Jahre alt wurde, war ihm 8 Monate früher, am 8. Jänner, in die Ewigkeit vorausgegangen67.

Zweites Kapitel. Hieronymus I. Frei, XXXIV. Abt (1564-1585).

(I-317) Der Muri-Konvent befand sich, wie 1480, durch den Hingang des Abtes Johann Christoph in der traurigsten Lage. Der gelehrte und treffliche Prior, Herr Rudolf Gwicht, war gerade vor einigen Monaten zum heil. Grabe verreist; Herr Johannes Brunner, der erste Subprior des Konventes, hatte am 31. Mai des Jahres 1564 das Zeitliche gesegnet, und der neue Prior, Herr Hieronymus Frei, war erst 29 Jahre alt und nur seit kurzer Zeit im Amte68. Sieben Kapitularen umstanden weinend die Leiche des verblichenen Vaters. Drei Tage nach dessen Hingange (26. September) sandten sie aus ihrer Mitte Abgeordnete zum Rathe nach Luzern, mit der Bitte, die Schirmherren und „Kastvögte“69 möchten den Muri-Konvent, da der Herr Abt gestorben, bei den Freiheiten lassen und die andern Schirmherren versammeln, damit in dieser „unmässigen“ Zeit ein anderer Herr (Abt) gesetzt werde. Luzern bestimmte den 2. Oktober als Wahltag mit dem Anerbieten, dieses nicht bloss den übrigen katholischen Orten, sondern auch Glarus zu melden, und fügte bei: die Konventualen können in Anwesenheit der Abgeordneten einen Abt nach ihrem „Gebrauche“ wählen. Am Vorabende des besagten Tages waren auch die berufenen Äbte und Zeugen nebst den Gesandten der regierenden Orte in Muri erschienen.70. Die übrigen 6 Kapitularen, ohne den genannten Prior, waren: Theoderich Beringer, Kaplan in Villmergen; Alexander Schnyder, Ökonom; Michael Luchsinger, Leutpriester in Bünzen; Ludwig Studer, Leutpriester in Muri; Johannes Schumacher, Leutpriester in Hägglingen und Hieronymus Göldlin, Custos. Diese schritten am besagten Tage zur Wahl und ernannten den jungen Prior, Hieronymus Frei, zum Abte von Muri71. Die Auslagen für diesen Tag waren nicht gering. Die Ehrengelder für die eidgenössischen Boten und Trinkgelder für deren Diener und für die Diener der Äbte beliefen sich (I-318) auf 500 Gulden. Die kirchliche Bestätigung erfolgte aber erst am 23. Mai 1565 durch den Kardinal Markus Sittikus, Bischof von Constanz72. Die Ursache dieser Verzögerung mag die damals in Oberdeutschland wüthende Pest gewesen sein73. Der Benediktionstag ist nicht angegeben.

Hieronymus war der Sohn des Stadtschreibers Frei in Diessenhofen, Kt. Thurgau. Er kam als 15jähriger Jüngling am 17. März 1551 nach Muri und empfing somit die höhere Bildung von unsern Mitbrüdern. Ihn zeichnete besonders die Thätigkeit aus; er hatte Sinn für alles Gute und Edle, eiferte für die Ehre Gottes nach allen Richtungen und wusste in seinen Einrichtungen auch das Zweckdienliche zu finden. Beginnen wir mit dem Bauwesen, so übertraf er hierin seinen Vorgänger. Er liess Kirchen und Altäre repariren und ausschmücken und baute Kapellen74, sorgte für neue Glocken75, errichtete vor der Klosterkirche eine schmucke Halle und versetzte dahin die Begräbnisstätte der Mitbrüder und der Mitschwestern von Hermetschwil (1575). Die Bauten für die Ökonomie sind zahlreich76; er erneuerte auch die Klosterringmauern und vermehrte die Zahl der Gastzimmer, die er mit kunstreichen Öfen versah (1579)77. Trotz dieser Bauten blieben ihm noch Summen zur Verfügung, um den Besitz des Klosters an Zinsen und Gütern zu erweitern. So kaufte er Güter in Meilen am Zürichsee, in Sursee und Lunkhofen78. Die Anlegung der 1531 zerstörten Urbarien und Lehensbücher wurde entweder von ihm angeregt und begonnen oder die begonnenen (I-319) Arbeiten vollendet79. Die Landvögte der Freienämter und anderer Orte erhielten daher von ihren Regierungen den Auftrag, die Lebensleute eidlich zur Angabe ihrer zinspflichtigen Güter zu verhalten80. Dazu kam die nothwendig gewordene Bereinigung der Muri- und Hermetschwiler Güter, wodurch amtlich festgesetzt wurde, welche Güter oder Höfe nach Muri und Hermetschwil zehentpfiichtig, und welches die Zinsen seien81. Bei diesen Bereinigungen waren oft neue Verträge mit den Lehensleuten nothwendig, weil die Fruchtpreise und die Geldwerthe in der Länge der Zeit oft grosse Veränderungen erlitten hatten82. Bei der Unmöglichkeit eines friedlichen Ausgleiches musste der Rechtsweg eingeschlagen werden. Die missliebigen Abgaben von „Fall“ und „Ehrschatz“ gaben am öftesten dazu Anlass. Schon unter Abt Johann Christoph entspann sich desshalb 1562 in Villmergen ein Streit. Die Murilehensleute daselbst erklärten: sie werden nur dann Fall und Ehrschatz dem Kloster geben, wenn die VII regierenden Orte den Brief vom 16. Oktober 1431 in allen Theilen bestätigen. Diese thaten es, um den Halsstärrigen jeden Vorwand zu benehmen83. Ein ähnlicher Streit waltete noch vor diesem mit den Lehensleuten in Ottenhausen, Niederebersoll84 und in Lengnau bei Thalwil85. Im Jahre 1566 liess ein Gericht den Spruch ergehen, dass alle zu Thalwil Gesessenen, welche die Erbzinsen und Lehensgüter des Gotteshauses Muri inne haben, laut Offnung den Fall zu geben schuldig seien; die Nichtbehausten zahlen für den Fall 20 gute Bazen86. Allein wegen Misswachs und anderer Umstände konnte das Kloster innerhalb 20 Jahre den Fall und Ehrschatz kaum einmal fordern; daher der Einzug dieser Abgabe und somit auch das Recht darauf nicht selten in Vergessenheit gerieth. Zudem hatte der Rath (I-320) zu Luzern am 15. Dezember 1564 bezüglich der Verjährung festgesetzt: „Wenn innerhalb 9 Jahren und 10 „Laubrisenen“ eine Ansprache nicht gefordert wird, so ist der Angesprochene keine Antwort mehr zu geben schuldig“. Zufolge der Verjährung verlor Muri damals seine Fischrechte in Merenschwand und andere Rechte im Kt. Luzern87. Um den vielen Klagen, die sowohl von den Lehensleuten als auch von den Grundherren bei den VII regierenden Orten einliefen, die Spitze abzubrechen, verordneten ihre Abgeordneten (9. April 1567): Die Landvögte sollen die Rechtsverhältnisse der einzelnen Güter untersuchen und das Recht schützen und schirmen, wo es liege88. Demnach spricht der Rath von Zürich: Eva Landis, die ein Eigengut des Gotteshauses Muri auf dem Albis inne hatte, sei schuldig, den Fall zu geben89; ferner wird dem Kloster der Vogthafer zugesprochen, den das Spital in Luzern vom Hofe in Winterschwil schuldete90; dann behauptete der Abt Hieronymus die Rechte bezüglich der Wälder, welche die Einwohner von Muri und Bünzen dem Kloster streitig machten91, und die Fischrechte in der Bünz, welche die Stadt Bremgarten angriff92. Die VII regierenden Orte gestatteten dem Abte, die Bünz in den Bann zu thun93. Ein Lehensmann in Beinwil hatte den dritten Lehenszins nicht gezahlt. Die Richter daselbst sprachen im Namen des Rathes in Zürich: der Hof sei frei und ledig dem Kloster anheimgefallen94. Zur Erlangung eines Rechtes für eine angekaufte Matte zwischen Äsch und Fahrwangen verspricht unser Abt Hieronymus (30. Oktober 1575) dem Statthalter des Ritterhauses Hohenrain, Theobald Muser, dem jeweiligen Pfarrer in Asch drei Fuder Holz vor das Haus zu führen95.

Mit gleicher Sorgfalt suchte Abt Hieronymus auch die Immunität und das Asylrecht zu wahren.

Das Kloster Muri war ein „Freihof“ und stand als solcher dem „Dinghof“ gegenüber96. Das Recht des Friedens und der (I-321) Freiung war unserem Kloster 1247 durch Papst Innocenz IV. und 1571 durch Papst Pius V. ertheilt worden97. Diese Freiung oder Immunität schliesst auch das Recht in sich, die Gerichtsbarkeit des weltlichen Armes in jenen Sachen auszuschliessen, welche zu den Rechtsbefugnissen eines Dinghofes gehören, woraus dann das vom Landesherrn nicht zu verletzende Asylrecht entspringt. Diesem zufolge durfte ein Mörder, der ohne Bosheit, nur um sein eigenes Leben zu retten, einen Mord beging, nicht innerhalb der Klostermauern ergriffen werden98.

Wer somit das schützende Asyl des Gotteshauses Muri aus dieser Ursache zu gebrauchen begehrte, musste, bevor er in eine Kirche ging, dem Abte seine Sünden beichten und nach geistlichem Gebrauche dafür Genugthuung leisten. Papst Pius V. ertheilte daher (1571) dem Abte Hieronymus und dem jeweiligen Abte von Muri die Erlaubniss, vom Todschlage zu absolviren, wenn etwa hiebei möchte eine Todsünde begangen worden sein99. Dann musste der Unglückliche Tröstung (Caution) dem Kloster für Alles geben, was er für seinen Unterhalt nöthig hatte; auch durfte er keineswegs die Priester und andere Personen in ihren Wohnungen beunruhigen, sondern sollte sich mit seinem Gemache und seiner Kammer begnügen100; er hatte jede Waffe abzulegen und sie dem Abte oder Ökonom zu übergeben. In diesem Orte des Asyls konnte er so lange bleiben, bis er mit seiner Obrigkeit oder mit der Sippschaft, gegen die er gefrevelt, gänzlich ausgesöhnt war; begegnete ihm ausserhalb des Klosters ein Unglück, so mochte er die Sache an sich selbst haben; Gastgelage im Kloster mit seinen Freunden u. s. w. zu halten, war untersagt; Besuche von Verwandten etc. konnte er nur mit Bewilligung des Abtes annehmen, und endlich sollte er mit den Klosterbewohnern in Frieden leben. „Welcher vorbemelte Artikul übersehen und dieser Freiheit (I-322) Rechte nicht statt thun würde, derselbe soll ohne Gnad die Freiheit ganz verwirkt und verloren haben“101. Obige Bestimmungen für diejenigen, welche in Muri ein Asyl suchten, blieben mit geringen Abänderungen bis zur französischen Revolution aufrecht. Diese Freiheit benützte unter Anderen im Jahre 1566 Kaspar Bilgeri102.

Um diese Freiheit, wie auch die Ruhe, das Leben und Eigen der Klosterbewohner besser zu schützen, ersuchte schon Abt Johann Christoph die VII regierenden Orte, sie möchten ihm gestatten, die Thore des Klosters zu schliessen. Er beklagte sich nämlich, dass böse Leute ihm während der Nacht die Thore aufreissen, weil sie nicht eingehängt sind, und dass sie dann zum Schrecken der Insassen in die Klosterräume eindringen. Der Abt versprach zugleich einen Wächter (Pförtner) hinzustellen; ferners verpflichtete er sich, die Strasse beim Kloster hinauf für das Fahren und Reiten zu unterhalten. Die Bitte wurde gewährt103. Später erhielt auch das Kloster Hermetschwil (1572) bessere Ringmauern und das heute noch bestehende Thor gegen Westen104. Im Jahre 1577 bestätigten die Schirmherren unseres Klosters neuerdings die Schliessung der Thore von einem „Betläuten“ zum andern105, und zwar aus dem Grunde, weil allgemein das Gerücht ging: böse „Buben“ haben sich verschworen, Orte und Flecken zu verbrennen, „wie es leider in Einsiedeln geschehen“106, und diese hätten auch gegen Muri Drohworte ausgestossen.

Um die niedere Gerichtsbarkeit besser handhaben zu können, erachtete es Abt Hieronymus als nothwendig (1568), für die „Dinghöfe“ in Muri-Wei, in Boswil und Bünzen neue Rechtsbestimmungen zu geben. Die alten Offnungen (Weisthümer) wurden vom Landvogt Imhof im Herbstgerichte wieder untersucht, geprüft und von den Schirmorten bestätigt und besiegelt und so als erweiterte, rechtskräftige Offnung dem Volke vorgelesen und zur Beachtung vorgehalten. Die Erneuerung der alten Hofrechte wird damit begründet, weil die alten Rechte und Gewohnheiten in ungewöhnlicher, verblichener Schrift abgefasst, (I-323) seit vielen Jahren nicht mehr erneuert und den gemeinen Genossen an den Maien- und Herbstgerichten nicht vorgelesen worden seien, wie auch, dass viele Erbfälle, Gebräuche, die Abhaltung der Wochengerichte und Amtsordnungen bisher nicht schriftlich aufgezeichnet worden, sondern bloss die tägliche Übung und den Gebrauch der Genossen und der Bauern zur Rechtsgrundlage hatten, wesshalb viele Streite, Unkosten und Verluste entstanden waren. – Jeder Genosse wurde dann aufgefordert, beim Eide seine und des Klosters Rechte anzugeben.

Die 3 Offnungen bestanden aus je drei Theilen: der erste behandelte die Rechte des Gotteshauses, der zweite die Erbrechte und der dritte die Rechtsordnung107. Die Eigengüter des Gotteshauses richtete der Kast- oder Landvogt; der Klosterammann oder der Keller verkündeten das Maien- und Herbstgericht und das Gericht auf St. Hilarien; er führte anstatt des Abtes den Stab an Wochen- und andern Gerichten und musste den Ehrschatz und Fall einziehen108. Zum Twing oder Amte Muri gehörte nebst der Pfarrei Muri die Hub zu Besenbüren mit Zubehörde, das Dörflein Waltenschwil, der Hof im Horwen, der Hof Brunnwil mit Ausschluss des untern alten Hauses, das nur zur Hälfte in's Muriamt gehörte. – Der Twing des Keilenhofes in Boswil umfasste ausser dem Dorfe und den Leuten in Boswil das Dorf Besenbüren, mit Ausnahme der Hub, das Dörflein Waldhäusern, die Höfe in Bülisacher, das Dorf Kalchern (Kallern), das Dörflein Hinterbül und den Hof zu Werdenswil (jetzt Weissenbach). In Boswil führte der Keller, auch Ammann genannt, für den Abt in Muri den Stab. Der Twing und Bann Bünzen erstreckte sich über das Dorf und die Leute zu Bünzen und über den Hof zu Niesenberg. Den Stab führte wieder im Namen des Abtes der dortige Ammann. – In diesen Zwingen oder niedern Gerichten wurden behandelt: Geldschulden, Uebergriffe in Mass und Gewicht, Käufe und Verkäufe, Marchen und Häge, und was sonst zum Zwinge gehört bis zum Frevel, worüber der Landvogt richtete109. Ein besonderer Rechtsfall trat 1558 wegen der zwei Wirthschaften in Muri ein. Das Kloster besass diese allein. Die Leute im Amte wollten dieses Recht nicht achten; allein die VII Orte schirmten hierin das Gotteshaus mit aller Kraft110. (I-324) Die vielen Zwiste wegen der Rechte im Dörflein Werd an der Reuss fanden unter Abt Hieronymus eine gütliche Ausgleichung zwischen Muri und Bremgarten (1566). Dieselbe sagt: Der niedere Gerichtszwang zu Werd mit Twing, Bann, Bussen oder Strafen und anderer Nutzung der niedern Gerichte, bis an das hohe Gericht oder an das Blut und die den VII Orten gehörende Kriegsmannschaft, soll beiden Theilen gleich und gemein sein, so dass sie das Gericht zu Werd ein Jahr um das andere abwechselnd besetzten. Die Nutzung desselben soll demjenigen Theil zukommen, der das Gericht besetzt hat. Die Appellationen gehen sodann gleichfalls entweder nach Muri oder Bremgarten. Beide Grundherren durften aber in Werd keine Strafe bestimmen, die über 9 Schilling ging. Höhere Bussen gehörten dem Landvogt111.

Die Rechte des Twinges Thalwil mussten 1567 und 1572 gleichfalls erneuert und amtlich bestätigt werden. In der gütlichen Bereinigung wurde festgesetzt: die ehrschätzigen Güter geben Muri den 20. Pfennig als Ehrschatz; jedoch halte das Kloster die Leute allweg gnädig; das Gotteshaus lasse die Gerichte im Mai oder Herbst auf seine Kosten in Thalwil abhalten und die Gerechtigkeit offnen. Bei den Mai- und Herbstgerichten und bei den Wochengerichten daselbst soll der Obervogt oder auch der Untervogt zu Gerichte sitzen. Die Zinsverschreibungen sind vom Herrn Obervogt zu versiegeln; hingegen die Briefe, welche dem Wochengerichte zu behandeln zukommen, besiegelt der Abt in Muri. Der Ammann des Gotteshauses in Muri mag die, welche die Urtheile des Gerichtes übertreten, mit 3 Schill. bestrafen. Vor den Ammann des Gotteshauses gehören auch laut Offnung Käufe und Verkäufe u. s. w.112

Im Jahre 1563 kam das Gotteshaus in Misshelligkeiten mit der Dorfgemeinde Boswil wegen Ansprüche auf die Taferne, die Neubrüche und Waldnutzung. Die oberste Gerichtsbehörde, die Abgeordneten der VII regierenden Orte sprachen darüber das Urtheil113.

(I-325) Die Bedeutung und Wirksamkeit des Ammanns in Muri erlitt durch die ständige Haltung eines weltlichen Schreibers im Kloster und durch die Einsetzung eines besondern Ammanns in den Ämtern Boswil und Bünzen114 eine Einbusse. Hingegen gewann dieser Schreiber oder Sekretär des Abtes immer mehr an Ansehen und Einfluss. Er nahm unter den Beamteten innerhalb der Klostermauern bald den ersten Rang ein und blieb bis auf die jüngste Zeit. Seine Bedeutung wurde erhöht, da ihn zeitweilig auch der Landvogt mit Erlaubniss des Abtes in seine Dienste nahm. – Dieser Muri-Sekretär wird das erste Mal 1539 erwähnt115. Im Jahre 1559 erscheint als solcher Wilhelm Mundbrodt116; auf diesen folgte um das Jahr 1561 Jodok oder Jost Loriti, ein Vetter (nicht Sohn)117 des gelehrten Heinrich Loriti118. Die VII regierenden Orte ernannten diesen Jost auf der Jahresversammlung zu Baden (um 1562) zum Landschreiber in den Freiämtern119. Bevor er nach Muri kam, hatte er schon fünf Herren als Schreiber gedient. Abt Johann Christoph hatte ihn 5 ½ Jahre in seinem Dienste und schenkte ihm in der letzten Zeit wenig Zutrauen. Nach dem Tode dieses Abtes liessen die VII Schirmorte (am 1. April 1565) über Jost Loriti wegen Betrügereien im Amte des verstorbenen Abtes eine „Kundschaft“ aufnehmen, entsetzten ihn seines Amtes, hielten im Oktober eine Tagleistung, um Loriti zu einer Rechnungsablage zu veranlassen. Allein dieser wusste die Gefahr zu beseitigen, agitirte gegen Muri und betrog das Gotteshaus, so dass der Abt am 28. Oktober bei der Tagsatzung in Luzern sich darüber beschwerte. Loriti vermochte sogar die Regierung seines Heimatlandes, Glarus, zu gewinnen, dass diese bei der Tagsatzung für ihn Fürbitte (1566) einlegte. Diese verschob die Angelegenheit; verlangte aber 1567 entschieden, dass er an einem ihm gelegenen Orte Rechnung ablege. Loriti suchte sich zu rechtfertigen, hob in dem Schreiben (I-326) seine Verdienste hervor und gedenkt ruhmrednerisch seiner vielen Freunde und besonders seines verstorbenen Vetters, Heinrich Loriti Glariani120. Abt Hieronymus antwortete ihm: „Wenn er (Loriti) an ihm etwas zu fordern habe, so möge er ihn auf der Tagsatzung zu Baden suchen“. Er bemerkte auch: aus den beigelegten Kundschaften und Briefen gehe hervor, Muri sei ihm nichts schuldig; sein Vorfahre, Abt Johann Christoph, habe ihn mehr als bezahlt121. Hiemit war dieser Handel abgeschlossen.

Besser entsprach dem Kloster Muri und den VII regierenden Orten Gebhard Regner von Winterthur, der „als Landschreiber in den Freienämtern und als Schreiber des Gotteshauses Muri“122 von 1566 bis 1604 mit aller Zufriedenheit diente. Abt Hieronymus hatte ihn als Landschreiber in den Freiämtern empfohlen. Die Tagherren sprachen zwar jetzt schon davon, einen besondern Landschreiber für diese Vogtei anzustellen, zumal Regner für das Kloster Muri viel zu schreiben habe, wie Urbarien u. s. w.123; allein dieser Gedanke kam erst nach Regners Tod zur Ausführung.

Drittes Kapitel. Die Äbte Johann Christoph und Hieronymus heben mit Hilfe der katholischen Stände Religion und Schulen. - Muri's Beziehung zur Stifterfamilie.

Um die freundliche Stellung Muri's zu den politischen Behörden unter den Äbten Johann Christoph und Hieronymus noch besser zu beleuchten, wollen wir aus vielen vorhandenen Beweisen eine kleine Nachlese halten. – Muri, das reichste Kloster in den Freiämtern, bot den V katholischen Ständen die besten geistigen und materiellen Mittel zur Wiederbelebung (I-327) und Reinerhaltung des katholischen Glaubens. Die Tagherren von Luzern und den Urkantonen kehrten auf ihren Reisen nach Baden zu den Jahresrechnungen gerne in Muri wie auch in Hermetschwil ein, und der Landvogt nahm oft Herberge innerhalb der friedlichen Mauern Muri's. Seine Gerichte hielt dieser mit Vorliebe entweder im Gotteshause oder in dessen Nähe „unter der Linde“. Die eidgenössischen Abschiede sagen: „Die Verhandlungen wurden grösstentheils, weil kein Gerichtshaus vorhanden war, im Gotteshaus Muri vorgenommen“. So wurde am 26. April 1559 ein obwaltender Streit zwischen Luzern und den übrigen VI regierenden Orten wegen Strafen und Freveln in Kleindietwil in Muri entschieden124. – In kriegsgefährlichen Zeiten, die damals wegen der Religionszwiste häufig eintraten, galt Muri nebst Hitzkirch für die V katholischen Stände als Kornkammer und als fester Punkt gegen Zürich und Bern. So lange Muri treu mit den V Orten über die Reinerhaltung der katholischen Religion bei dem Volke wachte, war der schmale Landstrich der Freiämter stark genug, die zwei reformirten Kantone, Bern und Zürich, von einander zu trennen. Politische und religiöse Gründe bewogen Muri, entschieden mit der Mehrheit der Landesherren zu halten. Nur einmal wäre dieses trauliche Verhältniss beinahe getrübt worden. Einige Tagherren der VII regierenden Orte wollten dem Kloster die Zumuthung machen, dem Landvogte in den Freiämtern, da er keine eigene Behausung hatte, zu Gefallen der Schirmherren eine besondere Wohnung und für die Verbrecher ein Gefängniss zu bauen. Allein die Regierungen der Tagherren sahen dieses Begehren für unbillig an, weil der Vogt im Gotteshause stets eine gute Aufnahme finde und da „lieb und werth sei“. Muri wies auch seine erhaltenen Freiheits- und Schirmbriefe vor. Im Jahre 1581 wurde die Angelegenheit mit dem Ausspruche beigelegt: dass der Landvogt indessen noch ferner seine Behausung im Kloster Muri habe125.

Das Zusammenwirken der kathol. und reformirten Stände in der Regierung der Freiämter war vielen Schwierigkeiten unterworfen, zumal nach den Kriegen vom Jahre 1531 der bedenkliche Grundsatz: „Wer Herr des Landes, ist auch Herr der Religion seiner Unterthanen“ (cujus regio, ejus religio), von beiden Parteien streng durchgeführt, und beide Religionen nur in jenen Gebieten gestattet wurden, wo die Friedensbedingungen sie gesetzlich erlaubten. Allein die Reformirten stellten (I-328) bald nach feierlich gelobtem Friedensartikel, „die Katholischen in ihren eignen Städten, Ländern etc. zu belassen“126, an die VII katholischen Stände das Ansinnen: „sie sollen Jedem die Religion frei lassen!“ Bei diesem Begehren hatten sie vorzüglich die Bewohner der Freiämter im Auge, die vom Frieden ausgeschlossen worden und dem Gutdünken der siegreichen Katholiken überlassen waren. Daher suchten diese die katholische Religion daselbst mit allem Ernst wieder zur Geltung zu bringen; die Reformirten thaten das Gleiche in ihren Ländern mit ihrer Religion und gebrauchten dazu oft Waffengewalt127. Endlich antworteten diesen die Katholiken auf obige Zumuthung und sagten unter Anderm: „Uns erfasst ein Verwundern, dass ihr, Andersgläubige, eine solche Glaubensfreiheit begehrt. Das Wort dieses Satzes gibt auch den klarsten Beweis, dass ihr die Besitzungen und Güter der Bischöfe, Klöster, Kirchen und anderer frommen Stiftungen, die ihr wider jedes Recht an euch gezogen habt, den rechtmässigen Herren und ihren Nachfolgern zurückerstatten sollet, damit sie in ihre alten Rechte wieder eingeführt, frei nach dem Willen der Stifter und nach ihrem eigenen Wunsche den Satzungen der katholischen Religion nachleben können! Ist ferner die Glaubensfreiheit eine so heilige Sache, warum gestattet ihr, Andersgläubige; den Priestern der römisch-katholischen Kirche nicht, die Kanzeln eures Landes zu besteigen? Und soll euer Vorschlag, Niemanden der Religion wegen zu belästigen, eine Wahrheit sein, warum bestraft ihr diejenigen, welche zu unserer Religion herüber treten oder derselben nur günstig gestimmt sind, mit aller Schärfe, indem ihr sie den Landesverräthern gleich stellet? – Wir harren auf Antwort!“ – Das sind ernste Worte und zeigen, dass die katholischen Stände vom Bewusstsein der innern Kraft und des Rechtes erfüllt waren. Darnach muss dann auch ihr strenges Auftreten gegen Sünde und Laster und gegen Gesetzesüberschreitungen, mochten sich dieselben Priester oder Laien zu Schulden kommen lassen, beurtheilt werden. Die Männer, welche katholischerseits an der Spitze der Regierung standen, waren stark im hl. Glauben und von der Wichtigkeit ihrer hohen Aufgabe erfüllt128. Ihre Übergriffe in die kirchlichen (I-329) Rechte erscheinen daher wegen der Absicht, die sie dabei hatten, in einem ganz andern Lichte, als die heutigen Tages. Dann war die Auffassung der gegenseitigen Hilfe zwischen Kirche und Staat nach christlichen Grundsätzen damals viel reiner und ernstlicher, als in den letzten Jahrhunderten, in denen der Staat nach Luthers Grundsätzen die kirchliche Gewalt an sich riss und damit zur Erreichung einer unedlen, selbstsüchtigen Zwecke die Völker geisselte. Übrigens griffen die katholischen Orte nicht ohne Rechtstitel zu jenen Zeiten in das kirchliche Leben ein. Die Luzerner Regierung versprach dem Bischof von Constanz, die Bestimmungen des Concils von Trient und die Synodalbeschlüsse seiner Diöcese zuerst bei der Geistlichkeit durchzuführen. Diese widersetzte sich aber wegen ihrer gelockerten Sitten dem edlen Bemühen der weltlichen Behörde (1568). Die Regierung schrieb daher, das Unvermögen des Landesbischofes kennend, an den päpstlichen Stuhl. Papst Pius V. erliess dann am 6. September 1569 an alle VII katholischen Orte (Freiburg und Solothurn inbegriffen) ein Breve, worin er sie ernstlich auffordert: die Vorschriften des Tridentinums gegen die widerspänstigen und ein sündhaftes Leben führenden Priester mit Anwendung des weltlichen Armes zu unterstützen129. Zufolge dieses päpstlichen Auftrages bestraften diese Regierungen den fehlenden Priester ohne weiteres strenge mit Kerker, Landesverweisung oder auch mit dem Schwerte130. Indessen waren jene Priester des Beistandes des weltlichen Annes in den Ländern dieser Regierungen sicher, welche für die Reinerhaltung der katholischen Religion arbeiteten.

Abt Hieronymus Frei war schon als einfacher Konventuale und Leutpriester in Boswil bemüht, den Conciliumsbeschlüssen beim Volke Eingang zu verschaffen. So bewirkte er, dass an der Vigil (Vorabende) des hl. Apostels Matthias, welche 1565 auf die Fastnacht fiel, das Fasten in jenen Familien, wo die alte, christliche Lehre aufrecht geblieben war, ordentlich und christlich beobachtet wurde131. Ferner vermochte er die Kirchgenossen dieser Pfarrei dasselbe Jahr dahin zu bewegen, dass sie die Oktav des heil. Stephanus wieder festtäglich feierten, (I-330) was seit dreissig Jahren während des Abfalles nicht mehr geschehen war132.

Im Jahre 1577 vernahmen die V katholischen Orte, dass die Priester bezüglich des Arbeitens an Feiertagen in den Freiämtern zu nachsichtig seien. Sie schrieben daher dem Abte Hieronymus von Muri: er solle allein und nur in dringenden Fällen, z. B. wegen des Wetters und zur Zeit der Ernte die Erlaubniss hiefür ertheilen. Zugleich beauftragten sie den Abt, er möge sich mit der ehrwürdigen Priesterschaft berathen und sofortige Besserung mit kirchlicher Gewalt eintreten lassen, um die alten löblichen Gebräuche wieder einzuführen und die hl. Religion in Aufnahme zu bringen. Abt Hieronymus liess den Dekan des Kapitels Mellingen, Meister Johann Müller, Pfarrer in Sarmenstorf, wie auch die übrige Geistlichkeit des Kapitels am 18. Juni nach Muri kommen. Die Versammlung fand in der dortigen Pfarrkirche statt. Man berieth eine Ordnung wegen Haltung der Sonn- und Feiertage133. Dekan Müller fasste sie schriftlich ab und überbrachte sie den Gesandten der V katholischen Orte in Baden. Diese fanden an derselben ein „gutes Vergnügen“; bestätigten die aufgesetzte Ordnung und befahlen sie sogleich zu verkünden, die Unterthanen zu deren Befolgung aufzufordern und die Verordnung in das Jahrzeitbuch einer jeden Pfarrei einzuschreiben, damit sie nicht in Vergessenheit gerathe. Die Schirmherren drohen zugleich, die Übertreter dieser Ordnung streng zu bestrafen134.

Abt Hieronymus pflegte als Freund der Wissenschaften eifrig die Klosterschule, schickte die jungen Mitbrüder in fremde Seminarien, um sie in der Theologie ausbilden zu lassen135. Er war aber auch, wie sein Vorgänger, Abt Johann Christoph, bereit, durch Geldbeiträge die Gründung guter Lehranstalten nach dem Wunsche des Bischofs und der katholischen Stände zu ermöglichen. Die Tagherren der VII kath. Regierungen melden in ihrer Versammlung zu Baden (5. Feb. 1560): die Abte von St. Gallen, Kreuzlingen, Rheinau, Wettingen, Muri u. a. haben bereits ihre Unterstützung für die Gründung einer hohen Schule oder Universität zugesichert. Da sie die Nothwendigkeit einsahen, dass gelehrte Priester herangebildet werden, welche im Stande wären, über ihre Lehre Rechenschaft zu geben, so beschlossen sie, dass jeder Abgeordnete dieses an seine Obern bringe und kein Ort soll sich die dazu bestimmte Summe gereuen lassen136.

(I-331) Die V katholischen Urstände hatten zu „mehrer Äuffnung und Pflanzung tugendhafter Priester“ die Absicht, jene, welche Priester werden wollten, durch von ihnen bezeichnete Geistliche prüfen zu lassen. Abt Hieronymus schrieb daher dem Schultheiss und Rath in Luzern: er werde ihrem Wunsche „steif und strax“ nachkommen und keinem ein Patrimonium oder eine Pfründe verleihen, der sich einer solchen Prüfung nicht unterzogen hat137. In Rücksicht der Zeitverhältnisse und der guten Absichten, welche die katholischen Stände hiebei hatten, tadeln wir das willfährige Entgegenkommen unseres Abtes in dieser Sache nicht.

Der eifrige Abt Johann Christoph von Grüt machte bei den katholischen Tagherren die Anzeige, dass mehrere Unterthanen in den Freiämtern den Eid immer nicht zu Gott und den Heiligen nach altem Gebrauche ablegen wollen. Die V katholischen Orte schickten demnach 1563 einen Abgeordneten nach Muri, dass er mit dem neuen Landvogte, Johann Ziegler von Zürich, herumreite und darauf sehe, dass der Eid gehörig abgelegt werde, und dieser Abgeordnete solle den Untervögten und Amtsleuten den Auftrag ertheilen, diejenigen anzuzeigen, welche wider den Landfrieden oder den alten wahren Glauben handeln138.

Thomann von Luzern, abtretender Landvogt der Freiämter, stellte 1567 die Bitte an die V katholischen Schirmorte, sie möchten die acht Gemeinden Hitzkirch, Boswil, Hermetschwil, Wohlen, Villmergen, Dottikon, Hägglingen und Wohlenschwil, welche 1531 am Kriege gegen die V katholischen Orte theilgenommen und daher ihr Banner verloren hatten und als meineidig erklärt worden waren, wieder begnadigen, indem sie seit jener Zeit sich wohl gehalten haben, die Meisten der Theilnehmer aber auch gestorben und die Kirchen und Kapellen wieder hergestellt worden seien. Das folgende Jahr wiederholten diese Bitte des ehemaligen Landvogtes Abgeordnete oben genannter Pfarreien und legten zur Nachhilfe ihrer Bitte den V Orten auch eine Zuschrift des Abtes von Muri bei. Hieronymus bemerkte in diesem Schreiben, dass er desto „tapferer und geneigter“ für sie Fürbitte einlege, weil sie seit 1531 immer als gute Katholiken mit Kirchengehen u. s. w. sich betragen haben. Die regierenden Orte antworteten in ihrer Mehrheit: insoferne die genannten Gemeinden einen Revers ausstellen, dass sie in Zukunft gehorsam sein und nie mehr vom katholischen Glauben abfallen wollen, werde man ihnen (I-332) Gnade und Verzeihung angedeihen lassen. Sie stellten am 4. Oktober 1568 den Revers aus und versprachen: beim katholischen Glauben zu bleiben, die Feiertage zu halten und dem Mehrtheil ihrer Herren, den V katholischen Orten, gehorsam sein zu wollen. Diese Urkunde besiegelten dann der Abt Hieronymus von Muri und der Landvogt, Jakob Imhof, von Uri139. Wegen fernem guten Verhaltens erhielten 1614 die Ämter Maienberg, Muri, Boswil und Bünzen von den katholischen Regierungen die Gnade, ihren Hauptmann selbst wählen zu können140, und seit 1687 hatte der Abt das Recht, die Fahne des Muri-Amtes im Kloster in Gewahrsam zu halten141.

Selbst gegen den Landesbischof glaubten die V katholischen Orte Muri schirmen zu müssen. Derselbe hatte sich bei ihnen beschwert, dass der Abt Johann Christoph, kirchliche Funktionen in fremden Kirchen (Glockenweihe in Rickenbach) vorgenommen habe142. Die Abgeordneten der Regierungen antworteten ihm höflich: hinsichtlich der Weihung von Kirchen, Altären, Kelchen u. dgl. haben die Prälaten von Einsiedeln und Muri, der Abt zu St. Urban u. a. diesbezügliche Freiheiten vom Papst erhalten143. Wenn aber schon Papst Pius V. dem Abte Hieronymus die Rechte, Kirchen und Altäre etc. zu weihen, im Jahre 1571 wieder bestätigte, so wollte er dadurch keineswegs die Rechte des Bischofs schmälern144.

Es erübrigt noch zu erwähnen, wie Muri nach langer Unterbrechung, damals in eine Beziehung mit der Stifterfamilie, dem erlauchten Hause Habsburg-Osterreich gekommen sei. Ohne die nähere Veranlassung zu kennen, begegnen wir 1562 einem Beweise, dass beide, das Kloster wie die Stifterfamilie, das lebendige Bewusstsein der Zusammengehörigkeit in sich trugen. Die Kammer von Innsbruck in Tirol erliess unter dem 20. Mai besagten Jahres an die dortige Landesregierung, welche Kaiser Ferdinand I. selbst noch führte, folgendes Schreiben: „Dieweil der Herr Prälat zu Muri ein guter Österreicher und die Stiftung (I-333) so alt ist, so hat sich die Kammer gefallen, dass dem Heggenzer145 befohlen werde, zu Zürich, da ein guter Maler und Schmelzer sein soll, das alte und neue österreichische Wappen in einem Glase nebeneinander oder „quartiert“ und darüber ein Erzherzog „Hüttl“ oder aber römisch-kaiserlichen Majestät jetzig Wappen ... schmelzen zu lassen, auch die Kosten darzuleihen und dann das Wappen dem Prälaten (in Muri) von Ihro Majestät wegen in ein Fenster zu verehren“. – Die Landesregierung in Innsbruck antwortete der Kammer am 22. Mai d. J. beifällig und schliesst das Schreiben mit den Worten: „Darauf also die Herren von der Kammer-Verordnung auch dem Heggenzer aufzulegen werden wissen, damit nach Gelegenheit die Kirchenfenster zu seiner, des Heggenzer's Bescheidenheit, gesetzt werden, beide österreichischen sammt dem habsburgischen Wappen, in Glaswerk geschmelzt, zugerichtet und gemacht und folgends dieselben dem Prälaten zu Muri durch ihn (Heggenzer) verehrt werden“146.

Uns ist nicht zur Kenntniss gekommen, ob diese hohen Geschenke wirklich nach Muri gekommen und, wenn sie dahin gekommen sind, ob sie vielleicht jetzt noch irgendwo vorhanden sind147.


  1. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 253; Balthasar, Helvet. II., 344.

  2. Archiv für die Reformationsgeschichte II., 408; Abschied auf dem Tage zu Baden am 8. und 23. Jän. 1582.

  3. Staatsarchiv Luzern, Abschiede.

  4. Archiv für die Reformationsgeschichte II., 417.

  5. Dr. Wilhelm Lübke, Die alten Glasgemälde der Schweiz.

  6. Auszug aus den Zürchersäckelamtsrechnungen (Mittheil. von Dr. Hermann Meyer).

  7. Der Pfarrer Georg Diez von Veringen las nach der Verheerung das erste Mal daselbst die hl. Messe am 21. Jänner 1532.

  8. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 506, 607; P. August. Stöcklin, Miscell, p. 273; Archiv für die Reformationsgeschichte I., S. 809.

  9. P. Aug. Stöcklin, p. 9.

  10. Murus et Antem. III., 100; P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 822. Nach der Chronik der Frauen von Hermetschwil wurde die Kirche daselbst von den abgefallenen Unterthanen verheert.

  11. Studer, Geistliche Befreiung, S. 91, 92; P. Aug. Stöcklin, Miscell., 322.

  12. Studer, daselbst; Meng, Landkapitel Mellingen, S. 102, 103.

  13. Argovia VI., S. 61, 103, Reformation in Lunkhofen 1532 vom Juni bis zum Oktober.

  14. Murus et Antem. IV., 7 4: „Reparatis deinde Muris exulem alibi Deiparam argentea in efiigie invexit“.

  15. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 513, 514.

  16. Chronik, Fol. 633 b.

  17. Beweis, dass der Muri-Konvent am 8. Jänner 1582 mehr als einen Piester hatte: a. Der Prior Georg Flecklin starb erst um das Jahr 1534; b. Herr Jakob Kalb war 1529 und 1532 Leutpriester in Hermetschwil oder hielt wenigstens am Sonntag den Gottesdienst daselbst; c. Hr. Laurenz Nor lässt 1633 ein Glasgemälde einem Privatmanne anfertigen; d. Hr. Joach. Schilling wird schon 1529 zu den Weihen nach Constanz geschickt und lebt 1549 noch; e. Herr Daniel Schatt mag ebenfalls noch am Leben gewesen sein (Beilage, Katalog). Endlich schreibt Abt Laurenz am 24. Dezember 1530, dass „acht Personen in den Chor gehen“ (Arch. für die Reformationsgeschichte III., 621).

  18. Latein. Formelbuch im Staatsarchiv Luzern.

  19. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 509.

  20. Archiv Muri in Gries A. I. I. fase. IV.

  21. S. oben S. 274, 290.

  22. P. Ans. Weissenb., Eccles. XXII.

  23. P. Ans. Weissenbach, Annales, p, 509.

  24. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 509.

  25. Diarium Helv. August. Calmet, p. 25. - Solche Beisätze sind: Nach unigenite J. Chr.: „Spiritus et alme orphanorum Paraclite“; nach Filius Patris: „Primogenitus Mariæ Virginis matris“; – deprecationem nostram: „ad Maria, gloriam“; – tu solus sanctus: „Mariam sanctificans“; – tu solus dominus: „Mariam gubernans“ etc.

  26. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 608.

  27. Staatsarch. Luzern, Abschiede.

  28. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 512, 513.

  29. Die Tagherren waren: Zürich – Rudolf Stoll; Luzern – Junker Christoph von Sonnenberg; Schwyz – Peter Ratheller; Unterwalden – Nikolaus Omlin; Zug – Hans Jörg; Glarus _- Fridli Dolder. Uri ist noch nicht dabei (Handschr. Archiv Muri in Gries).

  30. Mittheil. von Theod. v. Liebenau.

  31. Archiv Muri in Gries B. II. fasc. IV.

  32. Deutscher Nation wahrhafter Helden, S. 123.

  33. Staatsarch. Luzern, Conceptbuch Nr. 13, fol. 36.

  34. Archiv Muri in Aarau I., 3. A, 3,

  35. Annales, p. 481, 514, 515.

  36. Im Muri-Nekrologium lesen wir am 20. Februar: „Obiit (1549) Laurentius de Heidegg, Abbas noster, qui summa cum laude et fidei catholicæ insigni zelo et constantia periculosis admodum temporibus abbatire præfuit annis 40, mensibus 4, requiescit in monasterio retro novum altare Ss. Auxiliatorum“. Vgl. auch P. Ans. Weissenbach, Annales p. 517; Eccles., p. 187; P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 289; Murus et Antem. IV., 74, 75.

  37. Egb. Fr. von Mülinen, Helvet. sacra I., 108; Gallia christiana V., 1042. Diese schreibt: „Laurentius de Heidegg, excelsi animi præsul et, cum esset indefesso prorsus studio, Romanæ fidei integritatem sartam tectamque servavit“.

  38. Deutscher Nation wahrhafter Helden, S. 123.

  39. Im Jahre 1544 erscheint ein Herr Jos. Schwarzmurer in Zug; P. Aug. Stöcklin gibt dann auch das Wappen dieser Schwarzmurer an (Miscell., p. 197).

  40. Arch. für die Reformationsgeschichte II., 493. Eman. Haller sagt in seiner Bibliothek der Schweizergeschichte III., N, 236: „Der Ort des Druckes ist nicht angezeigt“. - Stadlin (Kt. Zug, Bd. III., 834) bemerkt: die Schrift sei in Tübingen gedruckt worden. Allein Weller's Repertorium syngraphium der deutschen Literatur, im I. Vrtl. XVI., Nr. 8423, behauptet, sie sei in Freiburg i. Br. bei Johann Wörlin 1525 erschienen: denn dieses erhelle aus den beigegebenen Wappen des Druckers.

  41. Arch. für die Reformationsgeschichte II., S. 494.

  42. Makkabäus war regulirter Chorherr in Kreuzlingen; Theodos, Mönch in Wettingen; Johann Christoph, Mönch und Abt in Muri; Theophil, Amtmann in Pfirt und Vater der Veronika von Grüt, Abtisssin in Dänikon (1608-1617); Sophia, Abtissin in Dänikon (1548-1579); Meliora, Meisterin in Hermetschwil; Dorothea, Klosterfrau in Frauenthal (P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 149); Adam Heer, Abt in Einsiedeln (1569-1585), war sein Enkel (Stadlin III., 334).

  43. Archiv für die Reformationsgeschichte II., 493. P. Anselm Weissenbach sagt in seinen Annalen (p. 520) von Joachim v. Grüt: „erat religionis orthodoxe cultor ac defensor acerrimus, qui Zwinglium gravissime oppugnavit“. Vgl. Murus et Antem. IV., 77.

  44. Archiv der Frauen in Hermetschwil. - Ein Herr Baron von Grüt überbringt 1701 am 20. Nov. vom Kaiser Leopold dem Abte Placidus Zurlauben das Placet für die Erhebung in den Fürstenstand nach Muri und bekam hiefür das Erzkämmereramt von letzterem (Arch. Muri in Gries A. I. IV, 21).

  45. Archiv Muri in Gries A. I. I. IV.

  46. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  47. P. Ans. Weiss. (Eccles., p. 189) hat den 12. März.

  48. Annales, p. 518; P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 137; Archiv Muri in Aarau A, 1, E.

  49. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 519, schreibt von dieser Wahl: „Antequam ulterius procederetur, ibidem exposuerunt (Legati VII Cant.) et dixerunt, nullam ob aliam causam se esse missos, quam ut animadverterent, ne inter electores discordia, fraus ... interveniret, quantum et quoad eos se in hujusmodi electione aliter intromittere nollent, nec impedire eam, sed eandem electionem rite, legitime fiendam, promovere et procurare deberent, nulla quaque in re præjudicari vellent“.

  50. Eidgen. Abschiede, Bd. IV., S. 66.

  51. Archiv Muri in Gries A. I. I. IV. Joh. Christoph schrieb selbst: „1649, XV. Kal. Sept. Agapiti, hic sumpsi benedictionem“.

  52. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  53. Daselbst.

  54. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  55. Staatsarchive Sarnen und Luzern.

  56. P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 191; Annales, p. 523.

  57. Bei der Renovation dieses Thurmes 1661 fand man in dessen Knopf eine Urkunde folgenden Inhaltes: „Turris ista constructa est sub nostro Reverendissimo Domino Johanne Christophoro de Gruth ex Tiguro, Abbate, et Domino Rudolpho Wicht, Priore, Domino Johanne Schilling, D. Heinrico Hubacher, D. Mathia Walz, D. Hieronymo Frei, D. Johanne Brunner, D. Alexandro Schneider, D. Michaele Luchsinger, D. Johanne Schumacher, D. Ludovico Studer, omnibus conventualibus“ etc.

  58. Diese Glocke ist bei 60 Zentner schwer, wurde 1679 in den südlichen Thurm versetzt und hat die Inschrift: „Festa colo, defunctos deploro, fulgura frango“ (P. Ans. Weissenb, Eccles, p. 193).

  59. Kapelle im Collegium zu Sarnen.

  60. Alte Speicher sind jetzt noch vorhanden; doch die Fischteiche in Hasli, die Christoph dort anlegte, sind verschwunden.

  61. Conferenz in Engelberg am 20. Mai und in Muri am 6. Juli 1555 (Eidgen. Abschiede, Bd. IV., 1, 1, S. 1238 und 1242).

  62. P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 193; Annales, p. 533, 535.

  63. Eidgen. Abschiede, Bd. IV., 1, e, S. 854.

  64. Murus et Antem. IV., 77.

  65. „Felices Muri, quod tantum caput (Johann Christoph.) haberent et felices, quod inde (nämlich Zürich) haberent, unde postea nec sperare alterum valeant“ (Murus et Antem. IV., 76).

  66. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 290.

  67. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 535.

  68. P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 194, 195; Annales, 536, 637.

  69. So werden von nun an die V katholischen Orte vom Muri-Konvent genannt.

  70. Staatsarchiv Luzern, Akten: Muri; Protokollauszug: „auf Sonntag z'Nacht sein's an der herberg gsin“.

  71. Er selbst schrieb in ein Kalend.: „2. Oct. i. e. S. Leodegarii. Hoc die electus sum ego Fr. Hieronymus Frei in abbatem 1564“. Die Benennung „Pater“ kam erst im folgenden Jahrhundert in Übung.

  72. P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 195.

  73. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 537. In Zürich starben an dieser Pest 1564 bei 3000, in Basel 10,000 und in Bern, Stadt und Land, bei 30,000 Menschen.

  74. Im Jahre 1570 baute er die Sakristei und die Annakapelle in der Klosterkirche, weihte 1582 den neuen U. L. Frauenaltar im Kloster und restaurirte den Chor in der Klosterkirche (1585).

  75. Er liess unter andern 1566 die 49 Zentner schwere Glocke für das Kloster giessen.

  76. So baute er 1566 die später einträgliche Ziegelhütte, schaffte 1573 den steinernen Brunnen für die Aufbewahrung der Fische herbei u. s. w.

  77. Beim Umbau des Klosters wurden diese Öfen vom Abt Placidus wegen ihres Kunstwerthes wieder verwendet (P. Ans. Weissenb., Eccles. 199-201; Annales, p. 548).

  78. Solche Ankäufe sind: eine Wiese (1566) in Meilen um 470 Gl.; wieder Güter daselbst (1567) um 1000 Gl.; ein Wäldchen nicht ferne von Sursee um 380 Gl. (1570); der Zehent in Birri (1580) um 575 Gl. Die Ankäufe in Lunkhofen geschahen 1564, 1569 und 1571 (P. Ans. Weissenbach, Eccles. und Annales).

  79. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri, 1661 u. s. w.

  80. Daselbst.

  81. Muri-Archiv in Aarau; Archiv der Frauen von Hermetschwil; Argovia VIII., 53.

  82. Einen solchen Vertrag machte Muri unter anderm im Jahre 1583 mit den Lebensleuten in Thalwil und Meilen (Arch. Muri in Aarau).

    1. Juni 1562. Archiv Muri in Aarau; P. Aug. Stöcklin Miscell., p, 668-671.
  83. Der Luzerner Rath findet 1551 Muri's Anforderung für unbegründet, weil der Fall lange Zeit nicht „geheuscht“ worden sei; die Ottenhauser bekennen jedoch 1561, dem Kloster ein Pfd. und 7 Schill. schuldig zu sein (Staatsarchiv Luzern).

  84. Nach dem Ausspruche des Züricher Rathes mussten die Lengnauer (1558) dem Kloster Fall und Ehrschatz geben (Archiv Muri in Aarau; Eccles., p. 192; Annales, p. 524, 525).

  85. Archiv Muri in Aarau; Annales, p. 538.

  86. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  87. Archiv des Frauenklosters Hermetschwil.

  88. Archiv Muri in Aarau; Copie in Gries B. I., 1.

  89. Abt Hieronymus schreibt in dieser Angelegenheit am 5. Dezember 1569 nach Luzern (Staatsarch. Luzern).

  90. Eidgen. Abschiede IV., 2, 1130.

  91. Diese Rechte begannen beim Twing in Wohlen und erstreckten sich bis zum Bogen in Muri-Egg (Eigen. Abschd. IV., 2, 1131). Mit seiner Federschnur durfte Jeder in der Bünz fischen.

  92. Argovia VIII.. 26; Archiv Muri in Aarau.

  93. Staatsarchiv Zürich.

  94. Archiv Hohenrain in Luzern.

  95. Im Landfrieden vom Jahre 1281 lautete das Kapitel 48 wegen der kirchlichen Freistätten: „Chloster, Kirchen, Vrethof (Friedhof), widum suln ganz frid haben; wer sie angrifet, der ist fridbräch“ (Pertz, c. 40, Klosterfriede).

  96. „Paci quoque et tranquillitati vestræ in posterum solicitudine providere volentes“ etc. (Murus et Antem. III., 26, 32, 33).

  97. „Monasterium Muri inter cætera privilegia hoc habet, ut iis, qui vel casu vel ad suam vitam tuendam coacti, servato justæ tutelæ moderamine, non sicariorum more, homicidium aliquod commiserint, eo tamquam ad tutissimum asylum confugere liceat“ (daselbst).

  98. „pro tutiori tamen cautela Tibi ac pro tempore existenti ejusdem monasterii abbati, homicidas prædictos ... in foro conscientiæ tantum absolvendi potestatem .... concedimus“ (Murus et Antem. III., 34).

  99. Dieser Punkt blieb später weg.

  100. Argovia, Jahrg. 1861, S. 64, 65; Arch. in Gries A. II. 1.

  101. Staatsarch. Luzern, Muri-Akten.

  102. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p, 660, 661; P. Ans. Weissenbach, Eccles., p. 191.

  103. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 547.

  104. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 647-649; P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 551.

  105. Es ging in Einsiedeln das unbegründete Gerede: „Buben“ von Rheineck seien von einem Protestanten gedungen worden, das Kloster sammt dem Flecken Einsiedeln anzuzünden (Annales, p. 550).

  106. Der erste Theil umfasste für das Muriamt 19 Artikel, für die „Twinge“ in Boswil und Bünzen je 10 Artikel, der zweite Theil in allen drei Aemtern je 15 Artikel und der dritte Theil für Muri und Bünzen 54 und für Boswil 53 Artikel.

  107. Archiv Muri in Gries A. II., 1, S. 63.

  108. Handschriften in Gries und Aarau.

  109. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 666, 667.

  110. Arch. Muri in Gries A. V. V, 10. Die Urkunde hiefür wurde am 4. Juli 1566 ausgestellt (Arch. Muri in Aarau G, 3. G, 1). Die Ausdrücke „bis an das hohe Gericht“, „bis an das Blut“, veranlassten viele Erörterungen seit 1574 (Arch. Muri in Aarau G, 3. G, 2). Muri und Bremgarten erhielten endlich das Recht, bis zum flagranten Fall eines Todschlages daselbst zu handeln (Eidgen. Absch. IV., ll, 1130).

  111. Archiv Muri in Gries B. I, 1 (Auszüge vom Jahre 1732).

  112. Sie sprachen: a) bei Verlehnung der Taferne sei der Ammann des Abtes anwesend, und dann erhalten beide Theile die Hälfte des Nutzens; b) wer im Amte Boswil Neubrüche macht, zahlt dem Abte jährlich 1 Viertel Hafer als Bodenzins; c) von den über Feld und Holz ausgesetzten Strafen erhält die Gemeinde 2/3 und der Abt 1/3; d) die Gemeinde hat das Recht, nach Bedürfniss im Walde Holz zu hauen, darf aber kein Holz verkaufen, und das Kloster kann nach Bedürfuiss Bauholz schlagen; e) die Gemeinde darf Einzüger annehmen u. s. w. (Arch. Muri in Gries, Copienbuch, S. 90 u. a. O.)

  113. Als erster Ammann in Bünzen erscheint 1570, Ammann Lux (Lukas). Gemeindearchiv Boswil.

  114. Frauenklosterarchiv Hermetschwil.

  115. P. Aug. Stöcklin, Miscell., 277. Dieser Mundbrodt war 1565 Ammann in Sursee (Staatsarchiv Luzern: Abschiede T, 346-347).

  116. Brief vom 15. Juni 1567.

  117. Leu, Lexikon XII., S. 226.

  118. Eidgen. Absch. IV., 2, 1114.

  119. „und besonder bedenken myn frommen, lieben vettern säl. Heinricum Loritum Glarianum, den Poëten, der Eidtgnoschaft, Priss, Lob, Eer je und herlich ussgespreitet und beschriben“ (Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri).

  120. Eidg. Abschd. IV., 2, 1131; Staatsarch. Luzern.

  121. Vergl. Urkunde von 1568, 4. Okt. und 1577 u. s. w. (P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 647; Eidgen. Absch. IV., 2, 1118). - Im Jahre 1565 bittet Werner Schodeler, Stadtschreiber von Bremgarten u. Chronist, Urkunden für die untern Freiämter ausfertigen zu dürfen (Eidgen. Abschiede IV., 2, 1114).

  122. Missiv im Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  123. Eidgen. Absch. IV., 2, 1121, 1122; ferner Anstände des Muri-Abtes mit den Lehensleuten 1564 (daselbst, S. 1130 ff.).

  124. Eidgen. Absch. IV., 2, 1115; P. Ans. Weissenb., Annales, p. 558; Arch. Muri in Gries, Copienbuch, S. 61.

  125. Archiv für die Schweiz. Reformationsgeschichte I., 329 u. a. O.

  126. Zur Einführung der Reformation gebrauchten die Berner im Haslithal u. s. w. Kanonen und das Schwert (Vögelin, Geschichte der Schweiz II., 346-347 und 452-454).

  127. Man denke an Nikolaus von Flüe, Landammann in Obwalden u. Nepot des sel. Nikolaus von Flüe (Gesehichtsfrd. XXVIII., 203). Archiv Muri in Gries.

  128. „Nos ... dilectiones vestras ... hortamur et si opus est, mandamus et monemus, ut (clericos concubinas) a se segregare et expellere cogatis, contumaces ... puniendos curetis“ (Segesser, Rechtsgesch. IV., 403, 404 und 412-417).

  129. Staatsarchiv Luzern, Obwalden u. s. w.

  130. Dieses hatte er eigenhändig in das Bünzer Jahrzeitbuch eingezeichnet und unterschrieb sich: „Fr. Hieronymus Frey, Leutpriester zu Boswil auch Conventherr zu Mury“.

  131. Pfarrarchiv Boswil, Jahrzeitbuch.

  132. Diese Feiertage hatte die Synode von Constanz 1567 festgesetzt.

  133. Archiv für die Reformationsgeschichte I., S. 809, 810.

  134. Archiv Muri in Gries, Compendium Archivii Mur.

  135. Eidgen. Abschd. IV., 2, 112. – Die angestrebte Universität kam nicht zu Stande, für dieselbe wurden aber die Jesuiten-Collegien in Luzern und Freiburg gegründet.

  136. Missiv im Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  137. Eidgen. Abschd. IV., 2, 1116.

  138. Eidgen. Abschd. IV., 2, 1116. Die Urkunde stellte Jak. Hegner aus. Ein Exemplar liegt im Staatsarchiv Obwalden.

  139. Gemeindearchiv Bünzen.

  140. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 801, 802.

  141. Archiv Gries A. I. I, 95. Dies beweist, dass der Bischof von Constanz seine bischöflichen Rechte wieder geltend zu machen suchte. Freilich wollten die katholischen Regierungen, welche während der Reformationsstürme viele solcher bischöflichen Rechte mit oder ohne Erlaubniss des Papstes handhabten, selbe nicht gerne wieder aus den Händen lassen.

  142. Eidgen. Absch. IV., 2, 248, 249.

  143. P. Ans. Weissenbach, Annales 545. „Aqua tamen prius ab Episcopo benedictâ“.

  144. Hans Melchior Heggenzer war kaiserlicher Rath und Pfandinhaber der Herrschaft Hauenstein (Kt. Solothurn bei Göslikon). Vgl. Leu, Lexikon X., 14, 15.

  145. H. von Aufsetz und F. J. Mone; Anzeige für Kunde des deutschen Mittelalters VII., 606-607.

  146. Die Murichronisten machen hievon keine Erwähnung.