Zweites Kapitel. Muri's Sturm- und Drangperiode.

Dr. Martin Luther hatte bereits seine Brandschriften „an den Kaiser und Adel der deutschen Nation von des christlichen Standes Besserung“, „von der babylonischen Gefangenschaft“, „von der Freiheit eines Christenmenschen“, und „wider die Bulle des Antichrist“ (1520) in die Öffentlichkeit geworfen und so die Revolution auf breitester Grundlage gepredigt. Auch Ulrich Zwingli war von Einsiedeln, wo er schon gegen Wallfahrten und Seelenmessen als Ortspfarrer geeifert hatte, mit seinen lockeren Sitten 1519 als Leutpriester nach Zürich, nur 4 gute Stunden von Muri entfernt, gekommen.

Was die Schriften Luther's, die häufig in die Klosterzelle wie in die Hütte des Landmannes gekommen, am hl. Glauben wankend gemacht hatten, suchte Zwingli in heiteren Gesellschaften und durch Predigten in Zürich und Umgebung zur Befriedigung seiner Sinnlichkeit und Hoffart auszubeuten. Er selbst gesteht seinem Freunde Mykonius, dass er diesen Fehlern ergeben sei, indem er schreibt: „Lieber Bruder, sagt man euch, ich sündige mit Hoffart, Fressen, Unlauterkeit, glaubt, es sei wohl möglich; denn ich den und andern Lastern leider unterworfen bin“.1

Den äussern Anlass zum Bruch mit der katholischen Kirche nahm Zwingli, da Bernardin Samson, ein Franziskaner (I-283) aus Mailand, über Bremgarten (? Muri) nach Zürich kam, und dort den Ablass für den Bau der St. Peterskirche in Rom predigte (1520). Heftig fuhr Zwingli nun gegen die Kirche und den Papst auf der Kanzel und in Gesellschaften los und befahl dem Rathe in Zürich, anzuordnen, dass alle Pfarrer gleichmässig über das neue Testament (nach dem Sinne Zwingli's) predigen und ihre Lehren einzig aus der Bibel beweisen. Die Geistlichen wollten die Befugniss des Rathes nicht anerkennen, auch der Bischof von Constanz erhob dagegen seine Stimme. Allein der Rath, an dessen Spitze Max Röust als Bürgermeister stand, schützte Zwingli, weil er durch ihn die volle Kirchengewalt in seine Hände zu bekommen hoffte. Man wechselte nun verschiedene Streitschriften; am 26. Jänner 1523 wurde auf der grossen Rathsstube in Zürich nach damaliger Sitte ein Religionsgespräch abgehalten. Die Zwinglianer stritten mit den Katholiken über das Evangelium, als der einzigen Quelle der christlichen Lehre, über die Priesterweihe, das Messopfer, die Fastengebote, das Gelübde der Keuschheit, die geistliche Gewalt, die religiösen Orden und die Fürbitte der Heiligen. Am 12. Oktober desselben Jahres folgte eine zweite Disputation über Bilder, die hl. Messe und das Fegfeuer. Der Rath sprach in beiden Disputationen den Sieg dem Ulrich Zwingli zu. Messe, Processionen und Frohnleichnamsfest hörten jetzt in Zürich auf, die Bilder wurden zerstört und der Klang der Orgel verstummte.

Damals kam gerade an Zürich die Reihe, im Namen der übrigen fünf regierenden Orte einen Landvogt nach Muri und die umliegenden Ämter auf zwei Jahre (1523 und 1524) zu schicken. Die Regierung bestimmte hiefür einen eifrigen Anhänger Zwingli's, Thomas Maier. Nach dem Wunsche seines Freundes und der Räthe in Zürich war Thomas mehr ein Apostel der neuen Lehre, als ein Richter weltlicher Händel; er las fleissig den Bauern das Evangelium vor, gelegen oder ungelegen, und erklärte dasselbe nach dem Sinne Zwingli's2. Zudem übte auf die Bewohner Muri's und die des Freiamtes die stäte Verbindung mit Zürich, wohin ihr Handel ging, einen üblen Einfluss. Den zum Abfall aufreizenden Worten des Landvogtes schenkten Viele um so mehr Glauben, da der Abt Joner von Kappel und der Dekan Bullinger in Bremgarten offen zu Zwingli übertraten. – Anfänglich waren es nur Fastengebote3, über die sich die Bauern nach dem Beispiele des Landvogtes hinwegsetzten. Allein die Tagherren aus den Urkantonen, die der katholischen Kirche (I-284) treu blieben, erkannten bald, dass diese Leute schnell bereit seien, die gesetzliche Ordnung umzustürzen. – In jenen Tagen liess das Staatsrecht überhaupt keine Freiheit des Individuums in Glaubenssachen gelten; man ging nämlich von der Ansicht aus: die Obrigkeit habe die Pflicht, für Erhaltung und Reinbewahrung des von den Vätern ererbten und von den Päpsten und Kirchenversammlungen als wahr erkannten Glaubens mit allen ihr zu Gebote stehenden erlaubten Mitteln zu sorgen. Die fünf katholischen Stände erliessen daher, als die Mehrheit der Landesherren, in den Freiämtern strenge Verordnungen wegen der Übertretung des Fastengebotes. Eine solche vom 16. Februar 1524 bestimmte, dass die Bauern in den Ämtern, in und bei Muri, welche nach dem Beispiele des Vogtes Fleisch „fressen“, von den Untervögten in den verschiedenen Kirchspielen, ohne Rücksicht auf den Obervogt, angezeigt und nöthigenfalls verhaftet werden, damit man sie bestrafe4.

Dieses Donnerwort schaffte eine Zeit lang Ruhe unter den Bauern, die rein vom Eigennutz geleitet waren, wie dies Utz Eckstein, Pfarrer von Uster, ein eifriger Anhänger Zwingli's, selbst gesteht, wenn er in seiner Satyre „Reichstag“ schreibt:

Ob man schon leert, gottswort ein geyst, So sucht man dennocht allermeist, Das dem lyb allein kum wol, Und gibt man nit gern stür und zol, Und wär man gern, wie Adam, fry, Also Eigennutz steckt allweg derby5.

Die Landvögte, welche aus den katholischen Orten dem züricherischen Vogte, Thomas Maier, in den Freiämtern folgten6, suchten mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die reformatorische Bewegung zu unterdrücken. Allein das Unkraut wucherte im Geheimen fort. In der Umgebung von Muri hatte die zwinglische Sekte bald einen grossen Anhang. Bremgarten war ihr Mittelpunkt. Nicht wenig Vorschub leisteten den abgefallenen Freiämtern der Comthur zu Hitzkirch, Albrecht von Mülinen, und Johann Textor (Weber) in Merenschwand, der in jenen Tagen die Abtissin von Rathhausen heirathete7. Indessen hielt die Pfarrei Sins, welche das Kloster Engelberg als Collator einem Hans Zehnder aus Schwyz anvertraut hatte, treu zur katholischen Kirche.

(I-285) Das Verhalten der Geistlichkeit auf den Muricollaturen war aber in diesen Zeiten der Ausscheidung sehr verschieden. Heinrich Hausherr, Leutpriester in Eggenwil, nahm die Reformation an und heirathete Quinteria Lüthard von Bremgarten8. Dagegen blieb der Leutpriester in Wohlen, Jakob Schwertweger, anfänglich dem alten Glauben treu. Heinrich Bullinger suchte ihn aber 1524 für die Reformation zu gewinnen, indem er in einer Schrift, die er ihm widmete, nachweisen wollte, dass die hl. Messe kein Opfer sei. Herr Jakob übergab diese dem gelehrten Dr. Johann Burkard, Prediger in Bremgarten, der in einer Schrift, die 1525 unter dem Titel „Gesprächbüchlein“ erschien, den Herrn Bullinger gehörig zurechtwies9. Dessenungeachtet trat Schwertweger bald zur zwinglischen Partei über. Ihm folgte als Pfarrvikar in Wohlen ein Petrungus aus Freiburg, Konventherr in Wettingen. Dieser verliess 1529 die Pfarrei und den Orden und eilte ebenfalls dem Zwingli zu. Erst 1531 am 31. Dez. konnte Abt Laurenz von Muri den katholischen und seeleneifrigen Johann Engel, gebürtig von Altstätten und Kaplan in Beromünster, als Leutpriester nach Wohlen senden10. Den Leutpriester in Muri, Johann Sikust, der den gelobten Cölibat frech verletzt hatte, werden die äussern Verhältnisse in der hl. katholischen Religion erhalten haben. Entschieden standen zum alten Glauben Johann Rappold, Leutpriester und Dekan in Boswil, Heinrich Nagel, Pleban in Eggenwil, Jakob Wüest, wie auch sein Nachfolger (1526) Jakob Schertweg, Pleban in Lunkhofen und endlich die Vierherren in Sursee. Sikust scheint die Pfarrei Muri eine Zeit lang verlassen zu haben, weil der Konventual Thomas Löchlin 1526 seine Stelle versah und sogar Kammerer des Kapitels Mellingen war. Doch am Ende dieses Jahres leitete wieder Sikust diese Pfarrei.

Abt Laurenz liess kein Mittel unversucht, um der Ausbreitung der Reformation vereint mit den V katholischen Orten entgegen zu wirken. Im Jahre 1526 sandte er zwei seiner Konventualen, Herrn Daniel Schatt und Herrn Thomas Löchlin, nach Baden, wo von Dr. Johann Eck aus Deutschland vom 19. Mai bis zum 8. Juni eine Disputation zwischen den Katholiken und den Anhängern Zwingli's abgehalten wurde. An Geist und Zahl waren die Katholiken den Zwinglianern überlegen. (I-286) Die zwei Muri-Konventualen mischten sich zwar nicht in den Streit; sie unterzeichneten aber am Schlusse des Religionsgespräches die katholischen Lehrsätze. Ihre Namen stehen nach folgenden Männern aus der Eidgenossenschaft: Thomas Murner, Franciskaner in Luzern, ein kräftiger Vertheidiger des hl. Glaubens; Johannes Burkhardt, Doktor der heil. Schrift und Prädikant zu Bremgarten; Magister Johannes Schatt, Kaplan; Daniel Schatt, Konventual zu Mure; Thomas Löchli, Kämmerer zu Mure; Ulrich Füchsli u. s. w.11 Den Herrn Daniel Schatt wird die alte Bernerregierung, welche noch 1526 geschworen hatte, beim alten katholischen Glauben zu bleiben, als Pfarrer für Gontenschwil von Abt Laurenz erbeten haben; denn am 1. Jänner 1528 wohnt er der Disputation zu Bern bei, welche die neue, dem Zwingli ergebene Regierung angeordnet hatte. Daniel unterschreibt als neunter Priester die katholischen Sätze, allein die katholische Partei blieb in Minderheit. Der bernerische Rath führte nun die Reformation mit Strenge und Gewalt in allen seinen unterworfenen Gebieten durch. Am 12. März d. J. schickte er dem Landvogt in Lenzburg den Befehl, zu: „Der Pfarrer in Gundeswil solle die Kutten abziehen und entweder die zehn Schlussreden (Zwingli's) predigen oder hinwegziehen“. Am 25. März entscheidet der Rath: man könne einen Priester nicht dulden, der nicht nach ihrem Mandate lebe; und am 31. März präsentirte der Rath an die Stelle Daniel Schatt's in Gontenschwil den Prediger Hans Boss.

Herr Daniel war beim Religionsgespräch zu Bern auch gegen Zwingli aufgetreten. Denn Dr. Johann Eck, der, obwohl er der Disputation in Bern nicht beiwohnte, die zehn Schlussreden Zwingli's im Juli 1528 widerlegte, schreibt S. 63: „Es hat Herr Daniel Schat arguirt wider den Zwingli: Ist Christus ein Haupt der Kirche nach der Gottheit, so ist er nicht ein einiges Haupt; denn Gott der Vater und der hl. Geist sind auch ein Haupt“12. Zwingli verspottete Daniel, als wenn er nicht wüsste, dass Ein Gott und drei Personen seien.

Wie seine Konventualen, suchte auch Abt Laurenz den hl. Glauben öffentlich zu bekennen. Während Zwingli und sein Anhang die Wallfahrten verhöhnten, zeigte er thatsächlich. dass selbe ein Gott wohlgefälliges Werk seien. An der Spitze eifriger Katholiken aus den Urkantonen und mit Landammann Töss von Uri machte er Mitte Mai 1528 eine Wallfahrt zur St. Beatushöhle (I-287) am Thunersee. Dort hatten die Berner bereits die Reformation eingeführt und die Gebeine des hl. Beat im Kloster Interlaken begraben lassen. Diese Pilger trugen aber nicht wenig zur Ermunterung und Erbauung der daselbst noch treu gebliebenen Katholiken bei. Einige Pilger erkundigten sich nach den Reliquien des hl. Beat, und es gelang ihnen solche zu erhalten, welche sie dann nach Zug brachten13, von wo die Wallfahrt ausgegangen war. Ammann Töss, wie auch die Landvögte Stocker und Schönbrunner sollen am 18. Mai d. J. weitere Versuche, aber vergeblich, zur Erlangung der Reliquien gemacht haben14.

Einen besondern Eifer für die Erhaltung der katholischen Religion entfaltete der Muri-Konventual, Herr Ulrich Schnyder, genannt „zur Sonne“, als Vierherr (Kaplan der Muttergottespfründe) in Sursee. Mit Johann im Graben, Organist daselbst, hatte er in dortiger Pfarrkirche die Bruderschaft „zu den Schmerzen Mariens“ angeregt und eingeführt15. Der Hass der Andersgläubigen brachte ihm den Tod. Am 20. Oktober 1530 war Ulrich nach Muri gekommen, um seine Mitbrüder zu besuchen. Ein Johann Wiederkehr, Müller von Nidingen im Dorfe Wey bei Muri, erstach ihn innerhalb der Klosterpforte zum Schrecken der Gotteshausleute16. Durch die Fürbitte des Abtes Laurenz, seines Konventes und anderer Männer wurde dem Mörder das Leben geschenkt, nur mussten seine Söhne und er in der Klosterkirche zu Muri nach Ausspruch des Landvogtes am 5. Dezember 1530 ein Kapital, das jährlich 2 Gld. Zins abwarf, anlegen und Schadenersatz leisten17.

Diesem Eifer des Abtes Laurenz und der Mehrheit seines Konventes für die Ehre Gottes und seiner Kirche konnte das Faule nicht Stand halten. Daher verliessen zwei Mitbrüder, deren Glauben Schiffbruch gelitten hatte, die friedlichen Zellen des Klosters und eilten zu Zwingli nach Zürich: Herr Jakob Schmid, der Sohn des Bürgermeisters Felix Schmid in Zürich18, und Sebastian von Fulach. (I-288) Von Beiden wird später mehr gesagt werden. Neuen Schmerz bereiteten dem jetzt viel geprüften Abte Laurenz auch die Konventfrauen in Hermetschwil. Zu den zwei frühem schon erwähnten Abtrünnigen, Margaretha Göldlin und Elisabeth Zehnder, gesellten sich noch zwei andere, Dorothea Gampin und eine Russinger aus Rapperswil, welche ihre Gelübde brachen und das Kloster verliessen19. Die katholischen Orte befahlen nun dem Abte die leeren Plätze der ihm unterworfenen Gotteshäuser zu besetzen20. Gerne kam Laurenz dem Wunsch seiner Schutzherren entgegen; er konnte schon Ende Dezember 1529 zwei seiner hoffnungsvollen Konventualen dem Bischof von Constanz zum Empfang der Weihen zusenden, indem er zugleich bezeugte, dass dieselben wohl unterrichtet und gut gesittet seien. Einer von ihnen hiess Joachim Schilling, den der Abt bereits zum Akolythen geweiht hatte21. In dem wohlstilisirten lateinischen Schreiben spricht Laurenz die Hoffnung aus, diese Novizen werden das Kloster zu seiner früheren Blüthe und das Geschrei der Religionsfeinde zum Schweigen bringen. Letztere werden den Muth wohl sinken lassen, wenn sie sehen, wie das Kloster auf der ruhmvollen Bahn der Ahnen fortschreite und dem alten Glauben und der alten Sitte treu bleibe. In der That, wie bis dahin blieben auch künftig der Abt und die Mehrheit des Konventes dem katholischen Glauben treu trotz der vielen Verlockungen. Daher schreibt auch Salat in seiner Reformationschronik zum Jahre 1529: „Ein Herr und Abt zu Mure blieb gar weislich und standhaftiglich an dem alten Glauben für und für, mit tapferm Widerstand, ungeachtet vielfältigen Prakticirens und Anreizens an ihn und sein Gotteshaus“22.

Auch beim Landvolk arbeitete Abt Laurenz für die Erhaltung des alten wahren Glaubens. Das war jedoch eine schwierige Aufgabe. Die abgefallenen Bauern wollten keine Belehrung annehmen und benahmen sich gegen geistliche und weltliche Obern immer trotziger. Im Hinblick auf die Hilfe des Standes Zürich wagten sie es sogar, im Vorhofe des Klosters Muri eine Kanzel aufzurichten. Als sich wirklich da ein reformirter Prediger zeigte, erhob sich ein eifriger Anhänger des alten Glaubens aus dem Volke, tadelte heftig die Frechheit des Predigers und drohte, denselben mit einer geladenen Handbüchse (I-289) niederzuschmettern, wenn er nicht sogleich die Kanzel verlasse und sich aus dem Staube mache23.

Endlich brach das Feuer der Irrlehre in den Freiämtern in hellen Flammen aus. Am 3. Mai 1529 versammelten sich in Wohlen um Hans Zubler, Untervogt daselbst, die Untervögte und Landleute von neun Gemeinden, worunter Hermetschwil, Boswil, Villmergen, Hegglingen und Niederwil waren. Diese erklärten sich für die Reformation und begehrten von der Stadt Zürich Hilfe, Rath und Prädikanten24. Um den Ernst ihrer Gesinnung kund zu thun, verbrannten die Bremgartner im gleichen Monate alle Bilder in der Kirche zu Eggenwil. Der Landvogt, ein Schwyzer, drohte die Thäter zu bestrafen. Allein die Züricher Regierung versicherte die Meuterer am 22. Mai ihres Beistandes25. Sofort (24. Mai) wurden die Kirchen in Villmergen, Hegglingen, Niederwil, Wohlenschwil und Göslikon grauenhaft verwüstet26. Auch in Hermetschwil wollten die Bauern die Bilder verbrennen. Es geht aber die Sage, die Frau Meisterin habe sie aus der Kirche hinausgejagt. Jetzt stimmten die einzelnen Gemeinden ab, ob sie beim alten Glauben bleiben oder den neuen annehmen wollen. Bei der ersten Abstimmung in Muri sollen nur drei Männer sich für den alten Glauben ausgesprochen haben, und am folgenden Tage seien auch diese zur neuen Lehre übergegangen27. Dieser Bericht des oberflächlichen Brugger-Blattes ist ganz unrichtig. Vom 23. bis 29. Mai 1529 bereiste eine Gesandtschaft der katholischen Orte die Freiämter, um die Stimmung in Glaubenssachen zu erforschen. In Muri wollten bei 140 Männer beim alten wahren Glauben verbleiben; dagegen gaben etwa 70 Männer ihre Meinung dahin ab, sie wollen zum neuen Glauben stehen, auch wenn es ihnen Grund und Boden kosten sollte. Während die erstern die Rechte der regierenden Orte nicht anzutasten verlangten, begehrten die letztern Stock und Galgen; erstere wünschten jedoch, auf eigene Rechnung Steine und Pulver und etwa 40 Spiesse herbeischaffen zu dürfen28. Das ist ein Beweis mehr, wie der kernhafte, Ordnung liebende Bauer in der Reformation sogleich den Geist der Revolution erkannte, der nur durch Waffengewalt in Schranken gehalten werden kann. Die im (I-290) folgenden Jahre und 1535 begangenen Morde bestätigen den richtigen Blick der glaubenstreuen Bauern.

Kaum hatten die Gesandten der katholischen Stände die Reise nach der Heimath angetreten, so übergaben die Leute von Bünzen (30. Mai) die Bilder den Flammen29. Im Jahre 1529 war die Reihe an Obwalden gekommen, einen Landvogt nach Baden zu schicken. Weil dieser Halbkanton sich in die Religionsangelegenheiten im Berner Oberland gemischt hatte und den dortigen Katholiken zu Hilfe gekommen war, so nahmen dies die Züricher zum Anlass, ähnliche Hilfe auch ihren Glaubensgenossen in Baden und in den Freiämtern zukommen zu lassen. Als der neue Obwaldner Landvogt, Peter zum Weissenbach, über Muri nach Baden wollte, suchten es die Züricher mit Waffengewalt zu verhindern30. Sie schickten nämlich unter Peter und Thomas Maier von Zürich und Säckelmeister Edlibach am 4. Juni31 über Bremgarten eine Truppenmasse nach Muri, um daselbst den ankommenden Unterwaldnern die Spitze zu bieten32. Im Kloster trafen die Züricher gerade den abtretenden Landvogt von Schwyz beim Abte, der Anstalten zum Empfange der Unterwaldner getroffen hatte. Die Mahlzeit war bereits gerüstet. Der Abt und der Schwyzer Landvogt wurden von den feindlichen Schaaren sofort gefangen genommen. Sie protestirten kräftig gegen eine solche Verletzung des Völkerrechts oder, wie Bullinger sagt, „dess warend dise beid nit wol zufrieden, vermeintend, diewyl das Kloster gewaltiglich yngenommen, so sölte man sy an ir gewarsame verfahren lassen“. – Gleichzeitig schaarten sich bei 200 abgefallene Freiämtler um Johann Zubler, Untervogt in Wohlen, und zogen den Zürichern in Muri zu. Am folgenden Tag (5. Juni) erschien daselbst aus Zürich eine Verstärkung von 500 Mann mit 4 Feldschlangen. Schon am 4. Juni war ein Bote aus Muri nach Luzern geeilt, um dem ankommenden Landvogt aus Unterwalden abzuwinken und die Einnahme des Klosters zu melden. Sogleich erging der Sturm in den katholischen Kantonen. Die Regierung von Luzern theilte ihre Macht und schickte eine Abtheilung, vereint mit den Hochdorfern und (I-291) Maienbergern und Andern, nach Hitzkirch; die andere Abtheilung stiess zur Hauptmacht der Katholiken, welche den Zürichern in Muri melden liessen: sie werden sie bald aus dem Kloster „herausfuchsen“33.

Auf diese Drohung schrieen die Züricher um Hilfe und baten kläglich die in Lenzburg liegenden Berner, sie ja nicht zu verlassen. Die Berner erklärten aber: sie seien in diesen theuren Zeiten nicht zum Kriege geneigt und haben zudem keine Vollmacht, nach Muri oder Zürich zu marschiren; überdiess haben die Züricher den Krieg ohne Zustimmung der Berner angefangen. Die Züricher beklagten sich über diese kalte Antwort des Kriegsobersten zu Lenzburg bitterlich beim Rathe in Bern34. Zum Troste der Züricher zogen unter Schultheiss Mutschli 110 Bremgartner ihnen zu Hilfe, diesen folgte endlich ein Freiharst (Freicorps) von nahezu 300 Mann unter Jöry Göldlin aus Zürich35. Die erste Abtheilung der Katholiken rückte aus Hochdorf mit 9 Kanonen gegen Muri, entschlossen, obwohl sie den Feind daselbst nur beobachten und dessen Einfall in das Luzerner Gebiet hindern sollten36, sich mit ihm zu messen. Der Züricher Hauptmann Stoll wagte es aber nicht, die anrückenden Katholiken in Muri abzuwarten. Mit Zurücklassung vielen Kriegsmaterials eilte er auf die Hügel von Besenbüren zurück (9. Juli), ohne dem Abte die Zeche bezahlt zu haben, und zog den folgenden Tag bei Bremgarten über die Reuss37. Abt Laurenz und der Landvogt aus Schwyz erhielten wieder ihre Freiheit. Die Katholiken hielten sich in Muri nur kurze Zeit auf; denn sie eilten der Hauptmacht ihrer Brüder, welche in Baar stand, zu Hilfe. Alles war zu einer Schlacht gerüstet. Es kamen jedoch viele Friedensvermittler in beide Lager. Diese vermochten endlich am 25. Juni einen Frieden, der allgemein der „faule“ heisst, zu vermitteln. Jener Artikel dieses Friedens, der lautete: „dass es jeder Kirchgemeinde in den gemeinen Herrschaften frei stehe, sich für den neuen oder alten Glauben zu entscheiden“, gab bald zu heftigen Streitigkeiten Anlass.

(I-292) Auch in Muri kam es unmittelbar nach dem Abschlusse des Friedens zu blutigen Schlägereien zwischen den zwei Parteien. Anlass sollen dazu die Katholiken gegeben haben, welche zum Zeichen, dass sie Anhänger der Mehrheit ihrer Landesherren seien, Tannenzweige auf ihren Kopfbedeckungen trugen38. Zu diesen Excessen gesellte sich die Klage des züricherischen Abgeordneten (21. Juli 1529) auf der Tagsatzung zu Baden gegen den Landvogt in den Freiämtern, als hätte er die Bauern in Muri mit Strafe bedroht, wenn sie das züricherische Glaubensbekenntniss annähmen. Nach Bullinger hätten die dortigen Bauern das reformirte Glaubensbekenntniss „ermehrt“39. Doch dieses ist unsicher. Was er aber weiter erzählt: die Züricher haben schon daran gedacht, ihre Verordnung betreffend Säkularisation der Klöster in den gemeinen Herrschaften auch auf Muri anzuwenden, hat wohl seine Richtigkeit, wie es die im Staatsarchiv Zürich liegenden Briefe deutlich genug zu erkennen geben40. Wenn er dann weiter behauptet: die Züricher hätten das Kloster in eine Schule umwandeln und die zum Lehrstande nicht geeigneten Konventualen pensioniren wollen, so möchten wir das sehr bezweifeln, weil dies der Reformationsgeschichte widerspricht und auch kein derartiger Plan vorliegt. Dass die aufgehobenen Klöster Embrach, Töss, Beerenberg, Zürichberg, Rüti u. s. w. in Schulen umgewandelt worden,weiss kein protestantischer Schriftsteller zu erzählen. Die in Kappel bestehende Schule hörte bald auf. Und dann schreibt Theodor von Liebenau: „Die Züricher waren erklärte Feinde der Stifts- und Klosterschulen; denn im Jahre 1529 schlossen sie gemeinsam mit den Städten Bern, Glarus und Solothurn, obwohl diese gar keinen Titel für solch ein Unternehmen vorweisen konnten, einen Vertrag ab, betreffend der Regulirung der thurgauischen Angelegenheiten. Darin bestimmten sie unter Anderm: es sollen im Thurgau keine Klosterschulen mehr sein, sondern die als fähig befundenen jungen Leute sollen durch den Klostervogt in die Schulen der Städte geschickt werden41. Als die Züricher vollends ihre Reformation durchgeführt hatten, dachten sie sogar daran, nicht nur die neu dotirten, sondern auch die ältesten städtischen Schulen aufzuheben“. Denn am 17. Februar 1532 erschienen Abgeordnete von der Propstei Zürich mit Heinrich Bullinger an der Spitze vor dem Rathe, um gegen die Aufhebung (I-293) des Stiftes und die Einziehung der Schule zu protestiren42. Übrigens wäre in Muri die Einrichtung einer Schule gar nicht nöthig gewesen, weil da eine solche, wie bereits gesagt wurde, schon bestand43. Doch gehen wir zur Geschichte der Abstimmung in Muri zurück.

Dass die Reformirten in Muri nicht die Mehrheit hatten, wie die Züricher vorgaben, geht aus dem Schreiben des Schultheissen und Rathes von Luzern hervor, das sie am 24. September 1529 an ihre Abgeordneten nach Baden richteten, worin sie melden: sie haben vernommen, dass die Reformirten in Muri, obwohl ihrer 40 weniger seien, als die Zahl der Katholiken ist, die Bilder aus den Kirchen entfernen wollen. Da eine solche Handlung dem Landfrieden zuwider sei, so können sie nicht gleichgiltig zusehen, sondern verlangen, dass die Schiedsleute die Züricher anhalten, von solchem Aufstacheln abzustehen44. Diese stellten aber, wohl im Bewusstsein der Schuld, die Sache auf den Tagsatzungen (am 28. Oktober zu Frauenfeld u. a. O.) so dar, als läge ihnen eigentlich gar nichts an Muri. Doch es lag ihnen viel daran.

Die Katholiken verlangten die Aufhebung des Gelöbnisses, das die Züricher ihren Anhängern in Muri und in den Freiämtern im Frühling dieses Jahres gemacht hatten. Die Züricher antworteten: die Zusage an die Leute von Muri sei vor dem Frieden geschehen und bleibe daher rechtskräftig; es sei denn, dass die Leute von Muri die Züricher ihrer Zusage entlassen. Die Leute von Muri seien aber jetzt noch der Meinung und Hoffnung, „wenn ihnen Pfaffenkind45, Kloster- und Pfaffengesind abgenommen“ und zur Abstimmung in Glaubenssachen nicht zugelassen werden, werde die evangelische Partei obsiegen. Die Züricher verlangten sodann, dass nur die Beisässen und Landleute, die im Kirchspiele angesessen seien und Häuser , Heimwesen , Herd und Amtsrecht besitzen, sammt deren Kindern zur Abstimmung zugelassen werden sollen. Dagegen sollten die Pfaffen, deren Kinder, Dienstleute, Besoldete, das Hofgesinde des Klosters, dessen Diener und Gesinde, soferne dieselben nicht rechte Landleute und Hintersässen wären , von der Gemeindeversammlung ausgeschlossen werden. In diesem Falle versprachen die Züricher, eine weitere „Abmehrung“ in Muri zu befürworten. Aber dann (I-294) soll nur je ein Bote aus den fünf Orten und einer von Zürich anwesend sein, damit es nicht heisse, die Leute haben aus Furcht so und so gestimmt46.

Allein die Züricher, welche die erste Abstimmung nicht gelten lassen wollten, waren auch so nicht geneigt, eine zweite freie Abstimmung zu gestatten, worüber sich die Katholiken am 6. Jänner 1530 in Bern beschwerten. Dies scheint aber wenig gefruchtet zu haben; denn am 29. April beklagten sich diese vor den in Brunnen versammelten katholischen Ständen „hoch und vast“, dass die sektiererische Partei so viele gefährliche Fünde gebrauche, dass sie beinahe nicht mehr beim alten Glauben bleiben können, und „die von Zürich handeln so, als wenn sie allein Herren in den Freiämtern wären“47. Allein diese Stände konnten jetzt keine Hilfe bringen, und so bestand in Muri wider den Landfrieden faktisch eine paritätische Kirchgemeinde48. Die Evangelischen hatten nämlich ihren eigenen Prädikanten aus Zürich. Denn am 7. April war das Gerücht ausgegangen, die Luzerner hätten den Prädikanten in Muri gefangen genommen und werden nächstens den Landsturm ergehen lassen, worauf alle waffenfähige Mannschaft nach Muri ziehen sollte. Ulrich Funk in Aarau gab sich daher alle Mühe, um seinen Freunden und Herren in Zürich eine rechtzeitige und richtige Nachricht zu ertheilen. Schultheiss von Heidegg in Aarau, Oheim unseres Abtes Laurenz, konnte ihm das Wahre vom Gerede mittheilen: der Prädikant sei nicht gefangen; aber es heisse, die Züricher wollen in den nächsten Wochen einen andern Prädikanten nach Muri senden, und die Katholiken berathen daher, wie sie das verhindern könnten49.

Endlich kam doch eine Abstimmung über den Glauben in Muri zu Stande. Die Mehrheit war wieder auf Seite der Katholiken. Aber jetzt beschuldigten die Züricher auf der Tagsatzung zu Bremgarten (15. Juni 1531) diese Mehrheit, als hätte sie den Landfrieden gebrochen. „In Muri, sagten sie, wäre das vorgebliche Bekenntniss ermehrt worden; allein die Katholiken hätten den Ihrigen so viel Beistand geleistet („Ruggen und Buch gegeben“), dass die „biderben Christen“ vom Mehr abstehen und dass die Minderheit das Mehr sein musste“50.

(I-295) Jedoch begründeter waren die Klagen der Katholiken über die Züricher und ihren Anhang in den Freiämtern. Nebst den Bauern, wie wir vernommen, beschwerte sich auch Abt Laurenz öfters in seinen Briefen 1530 und 1531 über das herrische und eigenmächtige Vorgehen der Züricher gegen ihn und seinen Konvent, wie auch ihre eigenen Briefe den befehlenden Ton stark genug ausdrücken. So schreibt der Züricher Rath am 31. Oktober 1530 hinsichtlich der Novizenaufnahme dem Abte: „Weil Ihr nun genugsam berichtet seid, dass Uns solche und dergleichen Ceremonien und solchen üblichen Gottesdienst in den gemeinen Vogteien weiter zu pflanzen in keinem Wege gemeint, so ist Unsere ernstliche Meinung, Ihr wollet davon abstehen; denn Ihr wollet bedenken, dass Euch solches nicht gestattet ist“51.

Drei Tage früher beklagte sich der Abt (am 28. Oktober) bei dem Züricher Rath, dass er ihn wegen der zwei abgefallenen Mönche vor sich allein, als Schirmherrn, anstatt vor die sechs geladen habe, und dass er (der Rath) dieselben schirme, da sie doch ihrem Versprechen untreu geworden, das Kloster freiwillig verlassen hätten52. Der Rath von Zürich ging aber soweit, dass er verlangte, Abt Laurenz solle sich mit Sebastian von Fulach und Jakob Schmid aus dem Einkommen von den Muri-Gütern in Thalwil abfinden und ihnen auf ein Jahr das Einkommen ihrer Pfründen für Tisch und Chor ausrichten. Als der Abt ihnen aus Güte das Einkommen für den Chor, nicht aber für den Tisch zukommen lassen wollte, so entschied der Rath in aller Härte zu Gunsten der zwei Untreuen und belegte den Wein des Klosters in Thalwil mit Beschlag. Von der Noth gedrängt, erlaubte jetzt der Abt, die Abgefallenen mögen den in Beschlag genommenen Wein, der bei 400 Gulden werth sei, verkaufen; dieselben sollen jedoch aus dem Erlös den Lebensleuten des Klosters ihr Betreffendes, etwa 200 Stüber, zukommen lassen. Allein die eigentliche Aussteuer schlug er ab und zwar aus folgenden Gründen: a. habe das Kloster wegen der vorhergehenden Kriege und Hagelschläge, und weil die Lebensleute die Zinsen nicht zahlen und er für acht im Gotteshaus wohnende Konventualen sorgen müsse, nicht die genügenden Mittel, die verlangte Aussteuer zu leisten; b. bemerkte er: das Vermögen, welches die zwei Herren in das Kloster gebracht hatten, sei unbedeutend, und zudem sollte das Kloster jetzt Beide gleich entschädigen, was um so unbilliger ist, weil Sebastian von Fulach nicht einmal so viel in's Kloster gebracht habe, als Jakob Schmid.

(I-296) Der Rath wollte nicht glauben, dass der Abt unvermögend sei, zwei austretende Konventualen zu entschädigen und erklärte dann, er könne jetzt den Wein nicht vortheilhaft genug verkaufen und wolle daher denselben noch einstweilen aufsparen. Am Schlusse des Schreibens stimmte er den drohenden Ton herunter, und bittet dringend, Abt und Konvent möchten sich ihrer armen Mitbrüder erbarmen. Auf das hin erklärte sich der Abt am 30. Dezember bereit, mit den beiden Herren in Gegenwart eines Rathsboten von Zürich in Bremgarten am Dreikönigen Abend (5. Jän. 1531) in neue Unterhandlungen wegen ihrer Pension, soferne die katholischen regierenden Stände nichts dagegen haben, zu treten. Diesem fügte er aber die Bemerkung bei: er sei fest entschlossen, noch acht Konventualen in seinem Kloster zu halten, damit dem Gottesdienste kein Abbruch geschehe. Der Rath von Zürich gab die Zustimmung zur Conferenz am 2. Jänner. Ihr Resultat ist uns nicht bekannt. Wahrscheinlich liess sich der Abt herbei, den zwei Unglücklichen, von denen Sebastian eine Zeit lang den Freitisch in Wettingen genossen hatte, eine Pension jährlich zu verabreichen. Diesen leuchtete aber künftig kein Glücksstern. Jakob Schmid zog 1531 mit Zwingli nach Kappel, gerieth nach der Schlacht in die Gefangenschaft, kam am 13. Nov. in das Lager der Katholiken nach Inwil bei Baar und starb – wahrscheinlich im Gefängnisse zu Luzern53. Denn der Rath von Zürich schrieb am 11. August 1533 nach Luzern wegen der Forderung in Betreff der Einrichtung der Abzugs- und Verpflegungskosten für Herrn Jakob Schmid selig, der in Luzern nach der letzten „Empörung“ in Gefangenschaft gewesen sei. „Her Jakob Schmied's Erben (haben) fürgewendt, dass sy nützet, dann klyne kynd von im geerpt, der hoffnung, och nüdt schuldig ze sin“54.

Sebastian von Fulach zog, nachdem er den Freitisch in Wettingen verloren hatte, zu seinen Verwandten nach Schaffhausen. Auf der Tagsatzung zu Baden (23. Juli 1532) baten Bürgermeister und Rath von Schaffhausen dringend, den Abt von Muri anzuhalten, dem Sebastian von Fulach, seinem ehemaligen Konventualen „die vor Jahr zuerkannte Competenz zu verabfolgen, indem derselbe sonst seinen armen Verwandten zur Last fallen müsse“. Allein Abt Laurenz liess durch die (I-297) Abgeordneten der Landesherren antworten: er glaube dem von Fulach nichts verabfolgen zu müssen, da derselbe aus dem Kloster gelaufen, und das nicht halte, wofür das Kloster gestiftet worden. Auf einer der nächsten Tagsatzungen, am 4. September, meldete der Abgeordnete von Schaffhausen: Sebastian von Fulach, der in Muri Mönch gewesen, sei gestorben, und es möchte der Abt Laurenz den Kindern das zurückstellen, was derselbe in's Kloster gebracht hatte55. Während Herr Jakob nicht in's Muri-Nekrologium eingetragen wurde, steht Herr Sebastian dort am 9. Juni.

Wir können aus dem Benehmen der Züricher Muri gegenüber entnehmen, dass sie den 1529 abgeschlossenen Landfrieden zu halten nicht gewillt waren. Sie wollten herrschen und Zwingli's Lehre überall anerkannt wissen. Zu dem Zwecke war ihnen jedes Mittel willkommen, auch die Verläumdung, die sie gegen Muri ebenfalls in Anwendung brachten56. Zündstoff zum neuen Krieg ward in kurzer Zeit genügend angehäuft. Katholiken wie Reformirte beschuldigten sich gegenseitig des Friedensbruches. Verhandelt und vermittelt wurde viel; doch vergebens. Endlich kamen die Züricher und Berner mit ihren Bundesgenossen auf den unglücklichen Gedanken, eine Kornsperre gegen die katholischen Orte anzuordnen, in der Hoffnung, es komme dann in den Urkantonen zu einem Aufruhre, wobei die Anhänger der katholischen Religion gestürzt und Zwingli's Freunde, wie in Bern, Sitze in der Regierung erlangen würden. Allein diese herzlose Massregel, wodurch sogar für das Vieh die Zufuhr des Salzes verweigert wurde57, hatte gerade die entgegengesetzte Wirkung zur Folge. Statt des Krieges unter den Katholiken entstand Krieg gegen die Reformirten. In den kornarmen Urkantonen machte sich bald ein grosser Mangel an Lebensmitteln bemerkbar. Um demselben abzuhelfen, wird von ihnen im Vertrauen auf Gott beschlossen, den mächtigen Feind anzugreifen und die Wege für die Zufuhr wieder zu öffnen. In der Kriegserklärung an Zürich vom 9. Oktober 1531 zählen die Katholiken alle Ursachen auf, die sie zum Kriege bewogen haben58; darunter findet sich auch diese: in einigen Orten in den Freiämtern sei bis dreimal der alte Glaube ermehrt worden; die Züricher haben aber stets gedroht, bis die Gemeinden den reformirten Glauben annahmen, so in Hermetschwil, wo die Klosterfrauen gerne Messe und Regel beibehalten hätten.

(I-298) Die Katholiken zogen bald nach Absendung der Kriegserklärung in die Freiämter. Der abgefallene Comthur in Hitzkirch rief (9. Oktober) die Berner um ihre Hilfe an und meldete: die Katholiken wollen Hitzkirch und Muri einnehmen59. Es geschah, wie er geschrieben hatte. Die abgefallenen Bauern wichen über Sarmenstorf und Wohlen nach Bremgarten. Am 11. Oktober waren die Katholiken über den Lindenberg nach Boswil gezogen. Dort hörten sie bald von Kappel her schiessen und erhielten die Nachricht, dass die Hauptmacht der Katholiken, die sich in Zug gesammelt hatte, bereits mit den Zürichern im Kampfe stehe. Um 3 Uhr frühe des folgenden Tages kam die Nachricht hieher vom Siege der Katholiken bei Kappel. Alle knieten im Lager voll Freude nieder und beteten 5 Vater unser und Ave Maria und den Glauben und gaben Gott und Maria die Ehre60.

Die Berner waren nur langsam vorwärts gerückt, und liessen zuerst die feurigen Züricher zum Handkuss kommen. Am 15. Oktober waren sie in Villmergen, 2 Stunden von Muri, angekommen und vereinigten sich bald mit den geschlagenen Zürichern in Bremgarten. Am 16. Oktober kamen sie nach Muri. Die 3000 Katholiken, welche unter dem Luzerner Schultheiss Hug zur Deckung der Freiämter in Boswil gestanden, zogen sich allmälig zurück, gingen über die Reuss und vereinigten sich mit der katholischen Hauptmacht in Baar bei Inwil. Die Bauern in Muri, welche wenige Tage vorher den Katholiken den Eid der Treue geleistet hatten61, mussten jetzt den anrückenden Bernern schwören, wozu sich Viele, weil nach Meldung Agid Tschudi's62 der zwinglische Glaube in ihnen „steckte“, ganz bereitwillig zeigten. Bei diesen Berner Truppen befand sich auch eine Compagnie reformirter Solothurner unter Hauptmann Schmied, welche sich Raub und manche Gewaltthätigkeiten gegen Wehrlose erlaubten63. Agid Tschudi schildert das Treiben dieser Horde in Muri mit folgenden Worten: „Sie zerschlugen die Bilder in der Kirche, plünderten das Kloster gänzlich, raubten, was da war, so dass nicht eine Glasscheibe in allen Fenstern blieb64; einige (I-299) Berner aber erstachen den armen Narren, der ein natürliches Kind war und wehrlos“. Der Gerichtsschreiber Salat von Luzern, der als Feldschreiber der Katholiken diesen Krieg mitmachte, schreibt in seiner Chronik65: „Die Berner hausten in Muri, wie savoysche Krämer; sie kämpften mannlich mit Tafeln, geschnitzten Bildern, Gestühlen und Kirchenzierden“. Das war ihre erste Kriegsthat, Der Muri-Annalist, P. Anselm Weissenbach, erzählt Ähnliches66, sagt zugleich, dass der Narr, welchen die Berner erstachen, Heinrich Träer geheissen habe, und fügt bei: die Berner haben auch den grossen Bohnenhafen unter Anderm gestohlen. Wenn aber Heinrich Pantaleon laut vernommener Aussage der Murikonventualen im Jahre 1510 schreibt: „Am 16. Oktober (1531) sei das Kloster Muri schwerlich beschädigt und verbrannt worden“67, so möchten wir das „Verbrennen“ nur auf einzelne Theile des Klosters ausgedehnt wissen, wobei jedoch viele Schätze der Kunst und Wissenschaft zu Grunde gingen.

Dieser Brand wird auch bestätigt durch Bullinger, welcher von Muri sagt: ein Burgdorfer sei enthauptet worden, weil er in's Kloster Feuer eingelegt habe, während die Führer nur Essbares zu nehmen erlaubt hätten68. Bezüglich der Zerstörung der wissenschaftlichen Schätze erzählte der Abt J. Jodok Singeisen dem fleissigen Sammler für die Muri-Geschichte, P. Aug. Stöcklin, im Jahre 1629: er habe von seinen alten Mitbrüdern vernommen, die Bernertruppen haben 1581 im Gotteshause die Musikbücher (Choralbücher) theils durchstochen, theils zerrissen; das Jahrzeitbuch der Pfarrkirche von Muri sei verbrannt, daher seien dort keine Jahrzeiten, die vor 1500 gestiftet wurden, zu finden.

Auf die Klagen, welche der Rath von Luzern an den Rath von Solothurn wegen der Plünderung in Muri und Merenschwand richtete, antwortete dieser69, er werde nach der Rückkehr des Hauptmannes ein Verhör anstellen. Das Ergebniss ist nicht bekannt. Dieses Treiben der Berner in Muri fand sogar in den Volksliedern seinen Wiederhall70. Zufolge einer Sage, die in unserm Kloster lebt und von P. Anselm Weissenbach weitläufig (I-300) erzählt wird71, flüchtete sich der Abt Laurenz bei der Ankunft der Berner nach Luzern. Die Sage lautet: Des Abtes eigener Bruder (welcher von den drei, ist nicht gesagt) sei Oberbefehlshaber einer Abtheilung Berner gewesen. Schon früher drohte dieser dem Abte, weil er ihn zur katholischen Religion wieder zurückführen wollte, ihn und seine Mitbrüder aus dem Kloster mit bewaffneter Hand zu vertreiben. Als er mit den Truppen nach Muri kam, besetzte er Langenmatt und beschoss von dort aus das Kloster, das von Luzernern besetzt war. Kaum waren diese abgezogen, da besetzte er es sofort. Abt Laurenz habe sich indessen auf ein Pferd geworfen und wollte spornstreichs nach Zug reiten. Auf dem Scheideweg nach Luzern und Zug lenkte er rasch sein Ross gegen Luzern. Schon waren ihm die Berner auf der Ferse und würden ihn ohne Zweifel eingefangen haben, wenn nicht die schlaue Antwort eines Weibleins ihnen auf dem Scheideweg die Meinung beigebracht hätte, der Abt habe den Weg nach Zug eingeschlagen. Dieser verpflegte später das Weiblein lebenslänglich auf die ehrenvollste Weise.

Bei ihren Verheerungen in Muri und Umgebung vergassen die Berner nicht das Frauenkloster Hermetschwil. Das Rechnungsbuch sagt von diesem Jahr: „Das Kloster war ganz geplündert; die Klosterfrauen flüchteten sich über Weggis nach Brunnen. Dort blieben sie 12 Tage und verbrauchten während der ganzen Zeit ihres Fortseins 14 Kronen und 2 Schillinge. Als die Frauen über Lowerz und Zug heimgekommen waren, mussten sie in Hermetschwil einige Tage in einem Privathause wohnen, bis das verhehrte Kloster restaurirt und das Nöthigste eingekauft war“. – Die Frau Meisterin, Anna von Effringen, eilte von Zug aus nach Zürich, um wahrscheinlich Reklamationen und Einkäufe zu machen. Die Rechnungen weisen nach, dass ihnen Löffel, Salzbüchslein, Pfannen, Gewürz, Tuch u. s. w. ja jeder Hausbedarf fehlte, und dass sie zudem noch dem Ammann 14 Gulden zahlen mussten für ein Fass Wein, das er den durstigen Bernern im Namen des Klosters zu geben genöthigt war72. Ein Besuch der katholischen Tagherren mit dem Boten von St. Gallen mag die armen Klosterfrauen getröstet haben. Ihr sehnlichster Wunsch war, wieder einen Priester zu erhalten, den sie schon lange vermissten. „Eine heil. Messe hatten die Nonnen in Hermetschwil ebenso selten, als Fische in den Fasten“73.

(I-301) Die Berner hatten in Muri und Umgebung bei 4 Tage ihren Muthwillen mit dem Heiligen getrieben74. Dann zogen sie über die Reuss nach Baar und schlugen den Katholiken gegenüber ihr Lager auf. Am 24. Oktober war die Schlacht am Gubel, und die mit den Bernern vereinten Züricher – über 8000 Mann – wurden von 632 Katholiken zum zweiten Male geschlagen. Die innere Kraft der Züricher war nun gebrochen, und sie schlossen mit den katholischen Ständen auf dem Hofe zu Denikon (bei Baar) auf freiem Felde einen dauerhaften Frieden. Die Religionsfreiheit wurde beiderseits gewährt; jedoch schlossen die V Orte nebst Wallis diejenigen von diesem Frieden aus, welche von dem Freiamt im Aargau, von Bremgarten und Mellingen mit den Bernern gemeinsame Sache gemacht hatten, ferner die Toggenburger, Rapperswiler, Gasterer und Wesener. „Doch soll mit ihnen gnädig verfahren werden“75. Die Züricher ertheilten nun den abgefallenen Freiämtern den Rath: vom Bündnisse mit den Bernern abzustehen und den Krieg gegen die Katholiken aufzugeben. Allein diese antworteten ihnen: die Züricher hätten ihnen gelobt, sie mit Gut und Blut zu unterstützen. Herr Hauptmann Stoll entschuldigte sich jedoch mit der Bemerkung: die Züricher haben jetzt nichts mehr thun können, nachdem sie Leib und Gut verloren, und sie möchten den Freiämtern noch zu einem guten Frieden verhelfen76. Die Berner waren über den Separatfrieden der Züricher ergrimmt und versprachen den Freiämtern Hilfe. Da aber die Katholiken mit 12,000 Mann über Sins, Muri und Hägglingen ihnen nachzogen, so entsank ihnen der Muth. Am 18. November war die katholische Streitmacht in Muri und Umgebung einquartirt, und die Hauptleute, Bannerherren und Kriegsräthe der V Orte empfingen im Kloster Gesandtschaften der Berner, von Bremgarten etc., welche wegen des Friedens unterhandeln wollten77. Allein die Berner hatten die Freiämter noch nicht verlassen, und so waren die Verhandlungen unmöglich. Die Katholiken wollten sich bei Villmergen mit denselben messen; die Gegner wichen jedoch nach Lenzburg und Aarau zurück. Am 24. November schlossen dann auch die Berner mit den katholischen Ständen den Aarauer Frieden, der, wie der Deniker Friede, beiden Parteien Religionsfreiheit gewährte; jedoch die Bremgartner, Mellinger, Rapperswiler, (I-302) Toggenburger u. s. w. bleiben der Bestrafung der fünf Orte vorbehalten und sind im Frieden nicht inbegriffen78.

Die Erbitterung der abgefallenen Freienämter wider die Berner war viel grösser als gegen die Züricher. Schultheiss Mutschli von Bremgarten sagte in seinem Unwillen: ,Unsere Prädikanten predigten, der Prophet Jeremias habe gesprochen: „Verflucht sei der Mensch, der seine Hoffnung auf einen Arm von Fleisch setzt“. Dieser Spruch sei nun an den Bremgartnern in Erfüllung gegangen, die so grosse Hoffnung auf die Berner setzten'. Die Katholiken jagten als Sieger in den abgefallenen Dörfern des Freienamtes die Prädikanten aus dem Lande, entzogen ihnen das Recht, ihre Untervögte selbst zu wählen, nahmen ihnen das Banner ab, unter dem sie früher ausgezogen waren und gaben es den treugebliebenen Maienbergern, welche zugleich zur Belohnung von den V katholischen Orten das Recht erhielten, den Bannerherrn für das ganze Freiamt aus ihrer Mitte zu wählen. Die auferlegten Geldbussen wurden den Strafbaren später erlassen. Als VI. katholischer Ort trat jetzt in den Freienämtern auch Uri bei. Im Jahre 1539 sandte dieser Stand den ersten Landvogt dahin, und stellte für das Kloster Muri 1549 einen besondern Schirmbrief aus, der ähnlich ist dem der übrigen Stände vom Jahre 143179. Am 4. Juni 1533 beschlossen die Tagherren in Luzern: der neue Landvogt in den Freienämtern soll in Muri durch die Abgeordneten der VII regierenden Orte den anwesenden Landbewohnern vorgestellt werden. In der Eidesformel mussten die abgefallenen Dörfer sich als meineidig vor dem Landvogte bekennen80.

Zufolge des fünften Artikels des Landfriedens vom 24. November waren die Berner verpflichtet, für das Kloster und die Kirchen zu Muri, Merischwanden, Baar, Cham, Steinhausen und Beinwil, und was sie zu Blickenstorf verbrannten, 3000 Sonnenkronen zu zahlen81.

Trotz der vielen Verluste, welche Muri in diesen Religionskriegen erlitten hatte, konnte der Abt noch einen Theil der auf den Streifzügen verwundeten Katholiken in die Pflege nehmen und erhielt dafür vom Rathe zu Luzern eine Entschädigung von 71 Gulden82.

(I-303) Nach dem Friedensschlusse vom 24. November zogen die Krieger in ihre friedlichen Hütten zurück, und Abt Laurenz war sofort bedacht, die Schäden des Krieges auszubessern und die aufgeregten Gemüther einer ruhigeren Lebensweise entgegenzuführen.


  1. Dr. J. B. Weiss, Lehrbuch der Weltgeschichte, IV., 382.

  2. Vögelin, Gesch. der Schweiz. Eidgenossenschaft, Bd, II., 297; Tagsatzungsabschied vom 27. Jän. 1524 (Eidgen. Absch. IV., 1, 360).

  3. Reformationsarch, I., S. 67 (Salat, Chronik).

  4. Eidgen. Absch. IV., 1 a, S. 372.

  5. Theod. v. Liebenau, Monatr. XV. Jahrg., S. 8.

  6. Von Luzern: Heinrich Egli (1525, 1526); von Schwyz: Peter Ratheller (1527, 1528); von Unterwalden: Heinrich zum Wyssenbach (1529, 1530); von Zug: Konrad Nussbaumer (1631, 1632).

  7. J. Balmer, Joh. Weber, Lebensbild eines Freienämter Reformators, S. 5, 6.

  8. Balthasar, Helvetia I., 110.

  9. C. Pestalozzi, H. Bullinger, S. 38, 39. Burkard wurde auf dem Reichstag in Augsburg 1530 von Kaiser Karl V. mit andern Theologen zur Widerlegung der Confessio Augustana auserlesen (H. Lämmer, Vortridentin. katholische Theologie, S. 35).

  10. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 320-322; P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 496, 505.

  11. Eidgen. Absch. IV., l a, S. 932.

  12. „Widerlegung der Disputation zu Bern mit grundgöttlicher Geschrift durch Johann Eck, Doktor, an die christl. Ort der Eidgenossenschaft“; ohne Druckort.

  13. Tillier, Geschichte des Kts. Bern, Bd. III., 228; Hottinger, Hulderich Zwingli, S 397; Geschichtsfreund XVIII., 214; Kathol. Schweizerblätter für Wisssenschaft und Kunst, IV. Jahrg., S. 102; Valerius Aushelm († 1540) und seine Fortsetzer der Bernerchronik zum Jahre 1528, abgedr. im Schweizer. Geschichtsforscher X., 299 ff.

  14. P. Aus. Weissenbach, Eccles., p. 461.

  15. Die kirchliche Bestätigung der Bruderschaft erfolgte 1535.

  16. P. Ans. Weissenbach, Eccles., S. 179, 180; Annales, p. 497, 498; Archiv für die schweizer. Reformationsgesch. III., 619.

  17. Archiv Muri Q, 4. A, 19; P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 276.

  18. Leu, Lexikon XVI., 373; Archiv Muri in Gries A. I. I. e.

  19. Bullinger II., 275-276; Hottinger, Helvetische Kirchengesch. IV., 507 u. a. O.

  20. Archiv für die Reformationsgeschichte III., 617, 618.

  21. Th. v. Liebenau, Monatr. Jahrg., S. 33.

  22. Archiv für die Reformationsgeschichte I., 222.

  23. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 492.

  24. Heinrich Bullinger, Reformationschronik II., 143-144, 153.

  25. B. Weiss, Chronik in Füssli's Beiträgen zur helvet. Kirchengeschichte IV., 100.

  26. Murus et Antem. III., 91.

  27. Neujahrsblatt von Brugg 1829, S. 41.

  28. Gesandtschaftsbericht im Staatsarchiv Luzern, Akten: Religionshändel.

  29. J ahrzeitbuch in Bünzen. Die nahen Boswiler wird der kräftige Pfarrer Rappold von ähnlichem Treiben abgehalten haben.

  30. Schon im April d. J. mahnten Ammann Richmut von Schwyz, Ammann Amstein von Unterwalden und Christian Z'hag von Zug, welche gerade in Muri versammelt waren, ihre Regierungen zur Vorsicht gegen die Züricher, welche die kleine Besatzung der V katholischen Orte aus Bremgarten zu vertreiben beabsichtigten (Argovia VI., 69).

  31. P. Ans. Weissenb. (Annales, p. 495) hat den 6. Juni, so auch Salat (Archiv für die Reformationsgesch. I., 219).

  32. B. Weiss, Chronik in Füssli's Beiträgen, IV., 101, 102 u. a, O.

  33. Bullinger l. c. II., 155; Archiv für die Reformationsgeschichte I., 222. Diese Hauptmacht sammelte sich in Zug gegenüber den Zürichern, die in Kappel standen.

  34. Bullinger l. c. II., 158-160.

  35. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 495.

  36. Missiv vom 9. Juni 1529, Staatsarchiv Luzern.

  37. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 495; Archiv der Reformationsgeschichte I., 222. Dass die nachkommenden Katholiken sich werden in Muri gütlich gethan haben, glauben wir dem Bullinger ganz gerne; dass sie aber im „Fressen“ und Saufen mehr gethan als die Züricher, möchten wir bezweifeln.

  38. Osw. Mykonius bei Lauffenburg, Beitr. IV., 160.

  39. Reformationsgeschichte II., 202, 241.

  40. Archiv für die Reformationsgeschichte III., S. 618 ff.

  41. Staatsarchiv Luzern, ehemaliger Aktenband, Nr. 64, Blatt 26 ff. Vermuthlich hielten die Züricher die Klosterschulen nach Luther für Eselställe, Teufelsschulen, Mördergruben und Vorgebirge der Hölle.

  42. C. Pestalozzi, Heinrich Bullinger, S. 124. Der Protestant Ruhkopf sagt in seiner Geschichte des Schul- und Erziehungswesens (I., 312): „Wo das Lutherthum ist, da ist das Grab der Wissenschaften“.

  43. S. oben, S. 274.

  44. Staatsarchiv Luzern, Abschiedsband I., Fol. 123.

  45. Darunter sind die vom Leutpriester J. Sikust verstanden.

  46. Staatsarchiv Luzern, Abschiedsband I., 137, 138.

  47. Archiv für die Reformationsgeschichte I., 259, 260.

  48. Johann Müller, der Aargau, S. 83, Zürich, 1870.

  49. Archiv für die Reformationsgeschichte III., 616. – Im Jahre 1529 hatte dieser Schultheiss, von den Anhängern Zwingli's als „stolz“ bezeichnet, der katholischen Sache in Aarau das Wort geredet; erst als man ihn entsetzt hatte, kam die Reform daselbst zum Durchbruche (J. J. Hottinger, Gesch. der Eidgen. II., 178).

  50. Bullinger l. c. III., 1-9.

  51. Staatsarchiv Zürich, Akten: Kloster Muri; Archiv für die Reformationsgeschichte III., 618.

  52. Daselbst.

  53. Staatsarchiv Luzern, Missiv, Akten: Religionskriege. – Fast gleichzeitige Chronisten lassen ihn am 11. Oktober 1531 auf dem Schlachtfelde zu Kappel fallen (Ägid Tschudi, Chronik; Fassbind, Bd. IV., 209; Bullinger III., 145 u. A.).

  54. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kappelerkrieg.

  55. Archiv für die Reformationsgeschichte III., 623.

  56. Th. v. Liebenau, Monatrosen, XV. Jahrg., S. 43.

  57. Vögelin, Geschichte der Schweiz. Eidgen. II., 378.

  58. Bullinger, l. c, III., 92-103.

  59. Staatsarchiv Bern, Akten: Religionskriege.

  60. Monatrosen, XV. Jabrg., S. 72; Hottinger, Helvet. Kirchengeschichte IV., 604; Archiv für die Reformationsgeschichte I., 215-254 u. a. O.

  61. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 322.

  62. Helvetia II., 199.

  63. Schmied bestritt den Raub und „anerbot“ (verlangte) das Recht (Schweiz. Museum, 1816, S. 797).

  64. Oswald Mykonius sagt kurz: „Bernenses ... Murium ditissimam abbatiam ex itinere diripiunt“ (Lauffer, Beitr. I., 170).

  65. Arch. für die Reformationsgeschichte I., 315-316.

  66. Annales, p. 502. „Ausi sunt Bernates omnia susdeque vertere in sacris vestimentis, carnes coquere, fenestras infringere, monumenta discerpere ..... et ænea fabarum urna ex spoliis reportata“. Dasselbe sagt auch Hürlemann, Pfarrer in Luzern († 1577), Geschichte der XIII eidg. Orte (Handschr. der Stadtbibl. Luzern).

  67. Deutscher Nation wahrhafter Helden, S. 123.

  68. L. c. III., 188.

  69. Schreiben vom Freitag nach St. Andreas 1531, Staatsarch. Luz.

  70. Monatrosen, XV. Jahrg., S. 73; Lilienkron, Historische Volkslieder IV., 25; Archiv für die Reformationsgeschichte I., XIX.-XXIII.1 344, 350-351 u. a. O.

  71. Annales, p. 502.

  72. Archiv des Frauenklosters Hermetschwil.

  73. Daselbst.

  74. Fast alle Kirchen (in Boswil, Bünzen, Wohlen, Hermetschwil etc.) mussten wieder consecrirt werden.

  75. Archiv für die Reformationsgeschichte II., 482.

  76. Bullinger l. c. III., 216 ff.

  77. Argovia VI., S. 73; P. Ans. Weissenb., Annales, p. 603.

  78. Archiv für die Reformationsgeschichte II., 389.

  79. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 507, 512, 520. Das Banner von blauer Farbe mit der Säule Christi erhielten die Freienämter am 22. Juli 1512 vom Papst Julius II. (Annales, p. 475).

  80. Pfarrlade Bünzen.

  81. Archiv für die Roformationsgeschichte II., S. 390, 391; Bullinger, l. c. III., 273.

  82. Staatsarchiv Luzern, Akten: Religionskriege und Kloster Muri.