Neuntes Kapitel. Landwirthschaft.

Unter Abt Rupert war die Rede vom Ankaufe eines grössern Gütercomplexes in Wohlen. Der Anonymus spricht von zwei Höfen, dem obern und untern, und entwirft dann ein beachtenswerthes Bild von der damaligen Bewirthung des Landes und den Verpflichtungen der Bauern gegen ihre Grundherren. „Der Steuersatz“, meldet er, „ist jetzt für jene Freibauern folgender: Alle Grundlasten liegen einzig nur auf den Gebäuden eines Hofgutes, und wer ein solches hat, zinset. Mag der Bauer mit seinen Äckern und Matten anfangen, was er will, sie verkaufen oder verlehnen, freilich nur an Standesgenossen, so ist doch kein Anderer steuerpflichtig für diese Grundstücke, als der Inhaber des Hofes, zu dem sie ursprünglich gehörten1. Dadurch ist aber der Steuerbezug ein so verwickelter geworden, dass man sich darin kaum mehr zurecht finden kann. Sie müssen nämlich ein gewisses Mass Spelz, etwas grösser als ein halbes Züricher-Mütt abgeben, welches Einige ganz zu zinsen haben, Andere zur Hälfte, wieder Andere nur den vierten Theil, Manche trifft aber auch eine, zwei- oder drei-, ja sogar sechsfache Leistung, je nach den Grundstücken. Allein diese Verschiedenheit in den Abgaben rührt von den Erbtheilungen her, welche die Erben unter sich machen. Je grösser daher der Erbtheil ausfällt, um so höher wird der Betreffende im Steuerbetrage stehen, und so viel Felder und Wiesen er bebaut, ebensoviel (I-052) entrichtet er an Steuer, an Zinshühnern, Flachsbüscheln und Werg- (Hanf-) Reisten. Kommt es zum ackern, so wird, wie bei den Huben, alles ausgemessen je nach dem Antheile, der einem Jeden zukommt; die Marken werden durch kleine Pflöcke im Boden angezeigt. Das Gleiche geschieht mit den Wiesen. Überdies müssen Felder und Wiesen eingezäunt werden2. Der zum Mahd bestimmte Tag wird Jedem vorher angesagt, erscheint er aber diesen und den folgenden Tag nicht, und tritt darüber Regenwetter ein, so verfällt er einer Busse. Kommt er dagegen rechtzeitig, so hat es für ihn, auch wenn ein Landregen eintritt, keine nachtheiligen Folgen. Ist das Heu gemäht und getrocknet , dann muss er es mit seinen Ochsen zu unserem Stalle führen; ebenso muss er Hühner und Flachs zum Hause bringen. Die Leute, deren Wohnungen zu den Hofstätten diesseits des Dorfbaches (Bünz) gehören, entrichten zwei Hühner wegen der Waldbenutzung; hingegen die jenseits des Baches nur ein Huhn. Am Sylvestertage (31. Dezbr.) geben sie den Haferzins nach vorerwähnter Massbestimmung. Über alle diese Leistungen musste man sich früher mit den Leuten abfinden, jetzt aber werden sie als strenge Verpflichttung gefordert. Die Zahl solcher Freibauern, die sonst in Wohlen sehr gross war, ist jetzt gering, namentlich seit den Zeiten jenes elenden (pestiferi) Gerung3, der seine Gemeindegenossen durch Ränke und Gewaltstreiche aus ihrem Erbe verdrängte und dadurch so erbitterte, dass sie ihn später tödteten. Und so ist es heute noch streitig, ob die geraubten Besitzungen uns oder den Erben Gerung's gehören. Gegenwärtig zählt man nur noch 50 solcher Leute daselbst, die zusammen 18 Mütt Spelz, 8 Mütt Hafer und das eine Jahr 30, das andere Jahr 44 Hühner uns zinsen. Neben ihnen gab es aber zu Wohlen noch andere Freibauern, die als Mönche in unser Kloster eintraten, wie Reginbertus und Egilolfus4. Dasselbe thaten (I-053) selbst einige von den Zinsbauern, als Ruprecht, Uolderik, Gotschalk, Giselbrecht und Diepolt. Drei dieser Namen stehen im Hermetschwiler-Nekrologium5. Auch sie hatten, wie die zwei oben genannten, ihre Güter dem Konvente geschenkt und lebten in unserer Mitte. Der berühmte Egilolf brachte dem Kloster 60 Juchart Acker nebst Wiesen zu; diese tragen 20 Fuder Heu. Ausserdem haben die Wohlener-Bauern an drei Kirchen Zehnten zu entrichten: einige zinsen an die Kirche in Villmergen, andere an die von Niederwil und wieder andere an die von Göslikon; doch der Zehent, weichen die nach Göslikon gehörigen zahlen, wird uns entrichtet, weil wir ihn gegen den von Walde6 und Visbach eintauschten“.

Im Anschlusse an diese Mittheilungon über die Verhältnisse der Höfe in Wohlen hören wir noch den Anonymus über den Güterbetrieb in Muri im 11., 12. und 13. Jahrhunderte.7

„Für alle dem Kloster untergebenen Leute, sagt der Verfasser, gelten insgemein folgende Bestimmungen: Sobald irgendwo auf unserem Grunde und Boden ein Bauer angenommen, eingesetzt und verpflichtet wird, muss ihm eine Pflugschar nebst Zubehör gegeben werden, ferner ein Lastwagen mit vier Ochsen, ein Mutterschwein und zwei jährige Ferkel, ein Hahn mit zwei Hennen, die der Empfänger das Jahr über selber füttern und seiner Zeit den Gebern zurückerstatten soll. Auch erhält er Sichel, Beil, Hacke und alle nothwendigen Geräthe, desgleichen die verschiedenen Samengattungen, wie Spelz, Hafer, Lein-, Rüben-, Erbsen-, Bohnen- und Hirsensamen und dgl., Wohnhaus, Waldung und sonstige Bedürfnisse. Gehen während des Jahres Ochsen oder Schweine zu Grunde, so müssen sie ihm ersetzt werden. Der Besitzer einer vollständigen Hube (Huber)8 zinst alljährlich vier Malter Spelz und sechs Malter Hafer nach dem dazu bestimmten „fronemene“9 oder Herrenmass. Am Feste des hl. Georg geben die Huber, deren Häuser nicht im Walde liegen, ein 12 Ellen langes und (I-054) 3 Ellen breites Leinwandstück, vorausgesetzt, dass sie Leinsamen erhalten haben. Wäre dies nicht geschehen, so geben sie bloss ein 6 Ellen langes und 5 (?) Ellen breites Stück und zwar nach Ablauf des Monats August, sobald es verlangt wird, ferner fünf Hühner in dem einen und vier im andern Jahre. Am St. Andreastage liefert der Huber zwei Schweine im Werthe von drei Schilling Herrschaftsgeldes (fronchuste)10, welchen 9 Schilling des Zürcher Geldes gleich kommen, da eine solche Münze drei Züricher-Münzen aufwiegt. Sind die Schweine nur drei Schillinge werth, so braucht er nichts zu vergüten, wohl aber , wenn sie noch weniger werth, Von St. Andreas bis Lichtmess hat der Huber einen Ochsen oder eine Kuh zu füttern oder dafür das Futter zu liefern, und darum bringen sie jetzt ein Fuder Heu. Während derselben Zeit müssen sie auch abwechselnd Nachtwache halten, und ist der Betreffende für etwaigen Schaden haftbar11. Der Wächter bekommt ein halbes Brod und einen Trunk Bier. Dreimal im Jahre, im Juni, Herbst und Frühling hat der Huber fünf Juchart Ackerland zu pflügen12, jedes sechs Ruthen breit und dreissig Ruthen lang, die Ruthe zu neun Ellen; inzwischen brauchen sie nicht zu scharwerken, mit Ausnahme eines Wochentages, wozu sie jedoch auch eine Magd anstellen können. Die vierte Umackerung besorgt der Propst (Ökonom des Klosters); wäre jedoch vom vorigen Anbau etwas übrig, dann müsste der Huber auch bei der vierten Pflügung mithelfen und thun, was ihm aufgetragen wird, um seine Schuldigkeit zu erfüllen. Vom Feste des hl. Johannes bis zum Feste des hl. Remigius (24. Juni - 1. Okt.), die Feiertage ausgenommen, frohnen sie täglich, zu andern Zeiten dreimal wöchentlich, mit Abzug jener 6 Wochen, in welchen sie dreimal jährlich zu ackern haben. Im Herbste besorgen sie die Weinfuhren aus dem Elsass, Breisgau oder sonst einem diesseits von Strassburg gelegenen Orte oder auch aus einer andern gleichweit entfernten Gegend, obwohl einige behaupten, sie brauchten bloss bis Otinspöle13 zu fahren. Drei (I-055) zusammen stellen einen Fuhrwagen und laden 15 Saum Züricher-Masses auf. Jeder muss nämlich laut Satzung 4 Ochsen anspannen und 5 Saum besagten Masses liefern und auch alle Auslagen, mit Ausnahme der Zölle, bestreiten. Für jedes Paar Ochsen wird jeden Tag, den letzten ausgenommen, der Preis eines Brodes14 gerechnet und vom Propste nachher vergütet. Ebenso muss der Huber zur Sommerszeit, im Mai oder Juni, einen Ochsen zur Weinfuhr stellen; jedoch kann er, wenn er will, an seiner statt auch einen Knecht schicken, welchen dann der Abt zu verköstigen und zu kleiden hat, während der Propst jedem Fuhrknechte ein Paar Sohlen zu Schuhen verabreicht. Der Bauer muss ferner dreimal im Jahre mit seinem Wagen nach jedem ihm bezeichneten Platze zwischen den Flüssen Aare und Reuss fahren und, was man braucht, herbeischaffen; desgleichen vor Weihnachten zwei Fuhren Holz, eine mit grünem und eine mit dürrem, nebst drei Fuhren Reisbündel liefern und dreimal jährlich Stroh für die Gastbetten zur Verfügung stellen. Wenn er zwischen St. Andreastag und Mariä Lichtmess um Nachsicht für seine Versäumniss bittet, kann er einem gerichtlichen Einschreiten gegen sich vorbeugen. Der Maier aber, wie alle unsere Maierbauern, gibt vor Weihnachten einen grossen Fisch, 5 Schilling werth, was man „Visitation“ nennt. Jener dagegen, welcher über den Bann (das Gericht) gesetzt ist, entrichtet dreimal des Jahres 100 Eier. Die Bebauer einer Schuposse frohnen einen Tag in der Woche und die Bebauer einer halben Schuposse einen Tag in jeder andern Woche oder sie zahlen den entsprechenden Zins. Einmal im Jahre stellen sie sich beim Maier; denn jeder gibt zwei Stück Fleisch (Schulterblätter), 2 Brode und den vierten Theil von einem Fasse Bier, der Maier dagegen reicht ihnen das Mittagessen. Auch ist es hergebracht, dass der Abt die Zinsen, der Propst die Huben und der Maier die andern Sachen verwaltet. Unsere Vorfahren legten jedoch hier und in der Umgegend nicht viel auf Zins an“.

Wie über die Feldwirthschaft verbreitet sich der Schreiber der Akten auch über den Weinbau. Das Kloster besass von den ersten Zeiten her Weingüter am Zürichersee, im Reussthale und am Rhein. Der Anonymus spricht von 24 Parzellen15, (I-056) welche Mannwerk16 heissen. Zehn davon bebaut das Kloster selbst, die übrigen werden gegen Entschädigung von 13 Bauern besorgt. Unter den erstem zehn sind auch jene zwei Mannwerke miteinbegriffen, welche von Berinher von Rotwil, einem Kriegsmanne des Grafen Adalbert von Habsburg um 20 Talente Züricher-Geldes gekauft wurden, die Alberkt17 von Eschibach, der hier Mönch wurde, mitgebracht hatte. Weil gerade vom Weinbau die Rede ist, wollen wir mit dem Chronisten hier auch jenes Kaufvertrages gedenken, welchen Abt Ronzelin im Jahre 1132 zu Rinheim am Rhein mit dem Grafen Eberhard von Nellenburg18 für 60 Talente Basler-Geldes abschloss, zu deren Aufbringung Ronzelin unter Anderm auch einen goldenen Kelch, eine Weihgabe der Gräfin Reginlint, zerbrach. Übrigens war der ganze Handel dem Kloster wenig erspriesslich, da Eberhard sich unredlich benahm, die bessern Güter zurückbehielt und die schlechtem abtrat. Aber auch sonst hatte man auf den dortigen Gütern (im Breisgau) mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich ungeachtet mancher Versuche nicht immer heben liessen. Wollte das Kloster selber die Weinberge bebauen, so überstiegen die Ausgaben die Einnahmen; übergab es dieselben Bauleuten, so thaten diese ihre Schuldigkeit nicht, vernachlässigten ihre Arbeit, machten Umschweife und zehrten mit Weib und Kind auf, was sie hätten abliefern sollen“. – Nebenbei gibt uns der Chronist auch einige Aufschlüsse über die Cultur der Weinberge. „Jeder Baumann, schreibt er, soll jährlich auf sein Mannwerk 7 Fuhren Dünger bringen, muss die Reben schneiden und binden, das Erdreich zweimal mit der Hacke umarbeiten, wo es nöthig ist, Gruben machen und junge Reben nachpflanzen, Erde zuführen, Umzäunungen anlegen, kurz dem Weingute alle Sorgfalt zuwenden, häufig überall nachsehen, auch das nöthige Pfalzholz herbeischaffen; wenn die Trauben wachsen, die überflüssigen Triebe abbrechen und endlich dem gemeinsamen Hüter19 den Lohn geben. Hat er zu Ostern die Reben noch nicht geschnitten (I-057) und das Erdreich nicht bearbeitet, so verfällt er der Strafe; das gleiche trifft ihn, wenn er um das Fest der Geburt des hl. Johann Baptist den Boden nicht gelockert und das Binden nicht besorgt bat. Kommt die Zeit der Weinlese, so muss er den Winzern alles Nöthige geben, Speise und Trank, Lohn und Geschirre. Sind die Trauben eingesammelt und gepresst, so muss er den Most in unsere Keller bringen, wobei er je den sechsten Eimer für sich behalten darf; die Eimer aber müssen nach Vorschrift geaicht sein. Auch sollen auf den Hügeln, in den Weinbergen, an den Wegen und im Keller Aufseher bestellt werden, welche die Träger genau überwachen. Hat nun der Baumann alles dieses gethan, so geht er zum Maier und bringt ihm zwei Brode, ein Viertel Saum Wein und zwei Immen20 Hafer oder Gerste. Eben darum (schliesst der Erzähler) soll man auch für ein so einträgliches und ehrenvolles Geschäft einen rechtschaffenen, verlässigen und umsichtigen Meister oder Maier anstellen, der den Hof zu verwalten und in gutem Stande zu halten fähig und willig ist“.

Auch im Elsass, in Ruffach und Pfaffenheim, hatte Muri Besitzungen, die von einem Laienbruder (frater exterior) des Konventes21 verwaltet wurden und von Männern und Frauen herstammten, die in unser Doppelkloster eintraten. Es waren zwei Häuser und zwei Hofstätten, zu denen ausser 37 Juchart Ackerland und zwei Wiesen auch noch 80 Stück Rebland gehörten, die man dort „Scaza“ nannte22.

Wie der Bodencultur, so wendete das Kloster auch der Viehzucht seine Aufmerksamkeit zu. Zu Gersau am Fusse des Rigi besass Muri dem Chronisten23 zufolge einigen Feldbau und mehrere Wiesengründe, worauf eine Schaf- und Kuhherde weidete. Früher gehörte der ganze Ort und die Kirche zum Kloster, kam aber später in andere Hände24. Um die Mitte Mai, zur Zeit der Schafschur, soll der Propst dorthin gehen, um die Wolle in Empfang zu nehmen, den Zehnten vom neuangebauten Lande zu erheben, nämlich fünf Schafe sammt den Lämmern, und das Auftreiben der Schafe auf die Alpen (I-058) anzuordnen. Im September, wenn die Schafe von den Alpen herabkommen, fand er sich wieder dort ein, um für deren Überwinterung daselbst oder in andern Orten der Waldstätten zu sorgen. Gegen Ende November kam er zum dritten Male dahin, um die Abgaben an Naturalien zu erheben und in das Kloster zu liefern, nämlich Käse, Fleisch, Fische, Schlachtvieh, Tuch, Wolle, Häute, Felle, Leder, Früchte, Nüsse25 u. dgl. Die Hofordnung, welche dort nicht durchführbar war, überging der Anonymus. Indessen theilt er uns von der Alpenwirthschaft Mehreres mit, was wir um so weniger übergehen dürfen, weil es über diesen Zweig der Landescultur in den Urkantonen der älteste einlässliche Bericht ist. Nach Aufzählung der Alpen, welche Muri zumeist in der Gegend von Wolfenschiessen und Engelberg besass, fährt der Chronist also fort: „Du frägst, was ein „Sistir“26 sei? Es ist ein herkömmlicher und feststehender Ausdruck; denn auch die Alpenwirthe haben für das, was bei ihnen vorkommt, Namen erfunden, deren sie sich bedienen. Sie heissen nämlich „Immi“ eine bestimmte Quantität Milch, woraus man einen Käs macht27. Acht Immi zusammen werden ein „Sester“ genannt und geben mithin acht Käse. Vereinigt man das Vieh von 12 Besitzern zu einer Sennerei, so wird ein Meister („Senn“) an die Spitze gestellt. Treibt Jemand sein Vieh auf eine fremde Alpe, so muss er es sich gefallen lassen, dass der Andere die Kühe zweimal melkt und die Milch oder den daraus bereiteten Käs für sich behält. Anfangs Juli aber versammeln sich alle, welche ihr Vieh auf den Bergen beisammen haben, und Jeder misst dann seine Milch und je nach dem Ergebniss hat er im Herbst vom Senn seinen Antheil zu erwarten. Ein anderer Brauch ist, dass derjenige, welcher einen Kessel herleiht und zur Benützung überlässt, dafür jedes Jahr 8 Käse empfängt. Da nun, schliesst der Chronist, die Viehzucht so einträglich ist, so sollen alle Angehörigen dieses Klosters ihres eigenen Vortheiles wegen für die Alpen recht besorgt sein und die in den Waldstätten befindlichen Maier28 zu gewissenhafter Pflichterfüllung anhalten“.

(I-059) „Übrigens stehen diese Berge unter der Gewalt des Abtes und des Propstes, die das Vieh nach Belieben vertheilen können“.

Eine andere nicht unbedeutende Einnahmsquelle für das Kloster Muri waren seit den ältesten Zeiten die zahlreichen Fischereirechte (Fischenzen), deren Werth nach Einführung der Cluny-Satzungen wegen der vielen Abstinenztage noch erhöht wurde. Solche Rechte hatte Muri auf dem Zugersee,29 dann auf dem Vierwaldstättersee und zwar in Küssnach, Buochs und Stansstad.30 Zu Immensee, am Ende des Zugersee's, heute zum Kt. Schwyz gehörend, hatte Muri seinen eigenen Fischer, der vom März bis Mitte Mai die Fischrechte im Zugersee und dann in Küssnach am Vierwaldstättersee ausbeuten musste. Dieser und sein Gehilfe erhielten während dieser Zeit ihr Brod aus der dortigen Klostermühle, und der Maier musste dem Fischer die Barke von Immensee nach Küssnach mit den Ochsen des Klosters hinüberführen. Im obern Theile des Zugersees besass es das Recht zu dritthalb Zügen und übte dasselbe in 21 Zugstellen.31 Diese Züge mussten aber mit den Bewohnern von Buchennas zur Hälfte getheilt werden. Die Zugstelle Wipfling32 gehörte zur Hälfte nach Fraumünster in Zürich und zur Hälfte nach Muri. Dagegen fischte Muri ganz allein an den Zugstellen „Wida, an ein Horn, Tannen, Grube, Obergrube und Askart.“ An dem letztgenannten Orte fing man im Sommer die beute noch gerühmten „Rötheleinfische“ (Forellen).

Hiemit schliessen wir die schätzbaren Mittheilungen über die Landwirthschaft in den obern deutschen Landen und wenden uns zu dem Leben der Mönche in ihren Zellen.


  1. Diese Rechtsverhältnisse scheinen sich in der Umgebung Muri's in den sogen. „Trägereien“ und „Hausgerechtigkeiten“ bis auf die jüngste Zeit erhalten zu haben. Diese Colonen (Bauleute) waren zwar noch keine freien Bauern, aber auch keine Grundholden (Alb. Jäger, Gesch. der ständ. Verfassung Tirols I. 547).

  2. Das Ganze beruhte auf dem „Zelgensysteme“. Der Inhaber eines Hauptgutes der Zeige (der dritte Theil des der Dreifelderwirthschaft unterzogenen Gemeindebaulandes), „Träger“ genannt, hatte die Zinsleistung zu besorgen. Allein wegen des häufigen Güterwechsels musste in einer Gemeinde fast immer zu je 50 Jahren eine amtliche „Güterbereinigung“ vorgenommen werden (Arch. Muri in Aarau u. Luzern). Zufolge der Dreiviertelwirthschaft säte man auf einer Zelg Korn oder Weizen, auf der andern Hafer und die dritte lag brach, so wechselte man alle Jahre mit den Zelgen. Auf die Brachzelg trieb man Schafe u. anderes Vieh zur Weide. Jeder Bauer hatte seine Acker in allen drei Zeigen zerstreut (Argovia XI., 391). Unter den oben genannten steuerpflichtigen Feldern und Wiesen werden solche gemeint sein, die ursprünglich nicht zum Hofe gehörten.

  3. Ist noch nirgends urkundlich aufgetaucht.

  4. Der erstere steht im Hermetschw. Nekrol. am 27. April eingezeichnet, der andere am 30. April.

  5. Am 15. Jänner, 3. November u. 19. März.

  6. Walde, Hof zwischen Göslikon u. Bremgarten (Argovia VIII., 63); kam später an das Kloster Einsiedeln. – Visbach, Dorf in der Pfarrei Göslikon.

  7. Acta Mur., Bl. 21 b-24 a.

  8. Eine Hube (mansus) hatte bei 48 Juchart zu 30600 Qu.-F., das Mannwerk dagegen zu 54000 Qu.-F. (Balthasar's Merkwürdigkeiten II., 72, 73). Die Hube zerfiel in 4 Schupossen zu 10-20 Jucharten. Die Zelgen waren grösser als die Huben (vgl. M. Estermann, Neudorf, S. 288 ff, 308 ff.).

  9. Mene entspricht dem italienischen Mina, in Mailand ein Flüssigkeitsmass von etwa drei Quart, in andern italienischen Städten ein halber Scheffel. Die Scheffelsteuer heisst französisch Minage (Mone, Zeitschrift XIII., 48).

  10. Frônochuste, der von der Obrigkeit festgesetzte Preis; „kuste“ oder „chuste“ bedeutet 1) die Art u. Weise, wie etwas auserkoren wird, 2) die Erprobtheit; Echtheit u. Treue (Müller-Zarnke, Mittelhochdeutsches Wörterbuch).

  11. Solche Wächter im Kloster Muri, freilich später vom Abte bestellt u. besoldet, waren bis 1841.

  12. Nimmt man die Ruthe zu 10', so würde die Juchart nur 18000 Qu.-F. sein, allein zu 9 Ellen oder 18' beträgt sie 58320 Qu.-F., also mehr als die in Beromünster (vgl. Estermann, Neudorf, S. 289).

  13. Wohl Ottensbühl am Eggenbach, welches Flüsschen oberhalb Schlettstadt Ober- u. Unterelsass scheidet (Mone, Anzeiger, 1837, S. 232).

  14. Die Grösse eines Brodlaibes, der jährlich einmal den Frohnbauern vom Herrn gegeben werden musste, wird in der Offnung von Ermattingen (Kt. Thurgau) also bemessen: wenn man den Laib auf dem Fussrücken aufsetzt, soll er so weit hinaufreichen, dass man einem Knechte oder Hunde ein Morgenbrod oberhalb des Kniees davon abschneiden mag (Beiträge des Thurg.-histor. Vereins, 1861, 2. Heft, S. 69). Die Brode, welche die Freiherren von Bodman den Fischern auf dem Untersee bringen mussten, hatten das Gewicht von 18 Pfd. (Uhland in Pfeiffer's German. IV., 55).

  15. Acta Mur., Bl. 33 b.

  16. Er gibt hiefür die Erklärung, „quia uni viro committitur ad colendum et est tantum terre, quantum par boum in die arare sufficit“.

  17. Dieser Alberkt stand wohl mit Ritter Mangold von Eschenbach (Acta Mur., Bl. 27 b), in näherer Verbindung.

  18. Graf Eberhard III., der Selige, erscheint von 1002-1075 (Quellen zur Schw. Gesch. III., S. 4-14); sein Sohn Eberhard IV. stirbt schon 1075 (Hopf, histor.-geneal. Atlas, S. 81), u. ein Eberhard (III.), Neffe der Erbtochter N. von Nellenburg, ist 1132-1169 genannt (Hopf, l. c.; Quellen zur Schw. Gesch. III., 106-123). Hier haben wir an den letztgenannten Eberhard zu denken.

  19. Das Institut der Traubenhüter besteht heute noch im Etschthale (Tirol) in Wallis u. Elsass.

  20. Das Wort „Immi“ möchte vom lateinischen hemina abzuleiten sein, war aber nur halb so gross. Vier Constanzer-Immen machten ein Viertel; acht Viertel glatte Frucht machten ein Malter; sechszehn Viertel rauhe Frucht auch ein Malter (Mone, Zeitschrift X., 20). Nach Stalder (Idiot. II., 69) ist es in Luzern u. Zürich ein Hohlmass für trockene Sachen, der neunte Theil eines Viertels.

  21. Acta Mur., Bl. 36 a.

  22. Scaza war der fünfte Theil eines Mannwerkes.

  23. Acta Mur., Bl. 30 a; Geschichtsfrd. IX., 199-201.

  24. Ähnlich war es in Aristau, was der Anonymus auch andeutet, „sed cum palus“ etc. (Acta, Bl. 27 b).

  25. Die Nüsse gedeihen am Vierwaldstättersee vortrefflich.

  26. Sëhster, sëhter, sester, sister ist 1) ein bestimmtes Mass für trockene und flüssige Sachen aus dem latein. Sextarius, ahd. „sextari“. Ein Sester hat in der Schweiz 16 Mass; 2) ein Gefäss, Behälter überhaupt (Müller-Zarnke, Wörterb. II., 241, 242).

  27. Seracium, kann von serum lactis abgeleitet werden. Rochholz gibt darüber eine lange Erklärung (Argovia, Jahrg. 1861, S. 38-40), ohne den Leser zu befriedigen. Zu den heute noch üblichen „Geisskäsen“ in Obwalden braucht es für je einen 2-3 Mass Milch, und das bis auf die letzte Zeit daselbst gebrauchte Immi fasst cirka 3 alte Mass.

  28. Nach den Urk. von 1159 u. 1179 zu schliessen, hatte Muri einen solchen in Gersau u. einen andern in Buochs, Ausser dem Kloster Muri besassen in Unterwalden auch die Klöster St. Blasien (Eidgen. Absch. I, 66) u. Allerheiligen (in Schaffhausen) Alpen (Quellen zur Schw. Gesch. III, 131).

  29. Acta Mur., Bl. 29 a, b.

  30. Acta Mur., Bl. 30 a, b.

  31. Diese Stellen trugen folgende Namen: Burruck, Huirwilzug, Honzug, Tenrein, der for (vordere) Huirwilzug, Flehen, an ein Stüde, an ein Grube, ze Horn, Giblungshorn, an Tannen, an die fordern Tannen, an die Riebe, an Steine, an die niedern Grube, an obren Grube, ze Horn, uf Langelon, an Stuben, an der fordren Stuben, an Slunt, an Gondelzug, im Rörli.

  32. Wipfe und Wiffe heissen im Bodensee die Pfähle, mit denen die Fischer die Grenzen ihres Fischfanges bezeichnen (Argovia IV, 37).