Viertes Kapitel. Ita und Radeboto setzen das Stiftungswerk fort. Reginbold von Einsiedeln, erster Propst (1032-1055). Burkard, zweiter Propst (1055-1065).

Vermöge der Ordnung, in der der Verfasser der Muri-Akten die Ereignisse erzählt, können wir denen, welche glauben, Ita sei 1026, und Graf Radeboto 1027 gestorben,1 nicht beistimmen. Ohne Zweifel wollte auch der Verfasser der Habsburger-Genealogie mit dem Ehrentitel „Wiederherstellerin“ („reparatrix“), den er der Gräfin Ita beilegte, andeuten, dass sie das Stiftungswerk des Klosters Muri nach dem Tode Bischof Werner's mit ihrem Gemahl Radeboto fortsetzte und der Vollendung entgegenführte. Unser Anonymus berichtet hierüber folgendes:2 „Graf Radeboto und die Gräfin (Ita) drangen in den oben besagten Kuno von Rheinfelden, dem schon früher die Erlangung eines päpstlichen Schutzbriefes für das neue Kloster überbürdet worden war, dass er sein Wort einlöse. Kuno gab endlich dem Drängen nach, ging nach Thalwil am Zürichersee und übergab diesen Ort und Alles, was ihm anvertraut worden, Gott und seiner Mutter Maria, dem hl. Petrus und allen Heiligen.“ Dieser Graf schenkte somit das ihm zuständige Thalwil der Muristiftung und hoffte so seinem Versprechen, in Rom selbst den Schutz der Stiftungsgüter zu erbitten, Genüge geleistet zu haben. Um diese Zeit (1030)3 war bei Glattbrugg4 eine Gauversammlung, die Bischof Warmann von Constanz, als Verweser des Herzogthums Schwaben, ausgeschrieben haben mag.5 Graf Radeboto wohnte derselben bei und berief dahin den Abt Embricus von der Meinrad's Zelle (Einsiedeln). Dieser erschien, und der Graf bat ihn, er möchte um der Liebe Gottes willen den Klosterbau in Muri vollenden, alles, was die Bewohner desselben (I-021) brauchen, besorgen und Mönche dahin absenden. Der Abt machte anfänglich Schwierigkeiten, bis der Graf und seine Gemahlin das genannte Kloster ganz seiner Oberleitung überliessen. Nun ordnete er den Mönch Reginbold, gebürtig aus dem befestigten Orte Solothurn, einen in jeder Beziehung preiswürdigen Mann, dahin ab, setzte ihn als Propst ein und trug ihm auf, ungesäumt in dem neuen Kloster alle nöthigen Anstalten zu treffen. Reginbold dürfte um das Jahr 1032 nach Muri gekommen sein. Bald trafen noch andere Brüder als Gehilfen ein und brachten Bücher, Kleider, Kirchen- und Hausgeräthe mit sich.

Die Pfarrkirche in Muri hatte damals ein Priester, Voko mit Namen, inne. Dieser empfing von allem, ausser was dem Grafen zufiel, den Zehnten. Nun gingen Radeboto und Reginbold zum Bischofe Warmann6 und baten, er möchte den Mönchen die Pfarrkirche sammt ihren Gütern und Zehenten überlassen, indem sie versprachen, einen Leutpriester (Pleban) für das Volk zu halten. Mit grösster Bereitwilligkeit wurde die Bitte erhört. Voko begab sich seiner Pfründe und erhielt dafür von Radeboto mit Zustimmung seiner Gemahlin Ita zwei Kirchen in den Dörfern Aettikofen und Esigkofen im heutigen Kanton Solothurn.

Darauf liess der vorsichtige Propst Reginbold die alte Pfarrkirche abbrechen, baute dafür die „Leutpriester“- oder „Obere Kirche“ (ecclesia superior) und liess sie am 7. Juli (das Jahr ist unbekannt) zu Ehren des hl. Goar7 einweihen. Diese war ausschliesslich für den Gottesdienst der Pfarrgemeinde bestimmt, besass keine eigenen Güter und keinen Zehnten, ausgenommen den in Walaswil, ja sie hatte nicht einmal pfarrliche Rechte, Taufstein und Begräbniss, indem dies Alles der Klosterkirche blieb8, deren Bau demnächst begonnen werden sollte. Dagegen musste der Konvent, in dessen Gewalt sich die obere Kirche befand, für deren innere und äussere Ausstattung und alles zum Gottesdienste Nöthige sorgen. Taufe und Begräbniss aber scheinen doch am Ende des zwölften oder Anfangs des dreizehnten Jahrhunderts auf den Leutpriester übergegangen zu sein, indem der zweite Überarbeiter der Muri-Akten den Worten des ersten, der die Sache als noch bestehend meldet, die Bemerkung kurz beifügt, so sei es viele Jahre geblieben9, und später, da er die Rechte der Klosterkirche (I-022) gegenüber der Leutpriesterkirche weitläufiger behandelt, sich dahin ausspricht: dass der Leutpriester nach dem Vorgange anderer Klöster seine Widmung und seinen Zehnten nach dem Willen des Abtes und des Kapitels habe; jedoch dürfe in der Klosterkirche um Ostern und Pfingsten nach Belieben getauft, um Lichtmessen die Kerzen und am Palmsonntage die Palmen geweiht werden, zudem könne der Konvent jeden Pfarrgenossen, insoferne er es wünscht, innerhalb der Klostermauern begraben10. Dergleichen Begräbnisse hatte dann der jeweilige Custos des Klosters zu besorgen, der zugleich bis in das 17. Jahrhundert die Würde eines Pfarrers für die Mitbrüder und das innerhalb der Klostermauern wohnende Hausgesinde, wie auch für die Gäste, bekleidete11.

Als Voko die Pfarrei Muri verlassen hatte, beriefen die Konventualen als Leutpriester einen gewissen Türing, dem sie, wie auch seinem Nachfolger, das Nöthige verabreichten. Die Leutpriester richteten sich stets in Betreff des Gottesdienstes nach den Gebräuchen des Klosters, gaben nie eigenmächtig die Pfarrei auf und führten die Prozesse nur gemeinsam mit dem Kloster, weil der Leutpriester und die Mönche Eine juridische Person bildeten.

Als für die Pfarrei genügend gesorgt war, wünschten die Mitbrüder des Propstes Reginbold Wohngebäude mit klösterlichen Einrichtungen. Zunächst bedurften sie ausreichender und gesunder Schlafzellen - eines Dormitoriums, das unterhalb ein heizbares Gemach hatte12. Einsiedeln diente ihm dabei als Muster; doch änderte er weislich, was ihm nicht gut und passend schien13. Vor Allem aber liess sich Reginbold angelegen sein, Heiligenreliquien, Bücher, Paramente und Kirchenschmuck in das Kloster zu bringen. Den Guss der zwei grössern Glocken besorgte Reginbold um 10 Talente Basler-Geldes in Strassburg, andere Glocken liess er in Muri selbst giessen. Sodann zählt der Anonymus eine lange Reihe erworbener Bücher (I-023) auf und bemerkt zum Schlusse: dass von diesen durch Reginbold erworbenen Sachen Manches bereits durch Alter, Diebstahl oder Fahrlässigkeit zu Grunde gegangen, Einiges jedoch noch vorhanden sei14.

Als das Kloster bereits vollendet war, baute Reginbold auch die St. Michaelskapelle.

Die Schule, welche mit einem Benediktinerkloster von jeher immer verbunden war, vergass der eifrige Propst nicht; „er Iiess sehr viele Knaben edler Männer im Gotteshause erziehen und in den Wissenschaften unterrichten“15.

Die Ökonomie blühte unter seiner weisen Leitung; zu den Stiftungsgütern fügte er Geltwil16 durch Kauf und Tausch hinzu. – Der Bau der Klosterkirche war bereits vollendet; am Kloster selbst fehlte nur Weniges. Auf dem einen Flügel desselben waren die Fenster bereits eingesetzt, eine Summe Geldes hatte er schon in den Händen, um Kirche und Kloster feierlich einweihen zu lassen. Doch er konnte die Freude nicht erleben; noch vorher sollte er den ewigen Lohn für seine Arbeiten erlangen und mit dem wahren Ecksteine, der Christus ist, vereinigt werden. Sein Tod erfolgte am 15. Juli 1055. Die irdischen Ueberreste dieses „in Allem lobenswerthen Mannes“17 wurden in der Klosterkirche auf der rechten Seite der Apsis beigesetzt. Das alte Hermetswiler-Nekrologium hat seinen Namen, wie den Bischof Werner's durch rothe Punkte hervorgehoben18. Die spätem Jahrhunderte legten ihm das wohlverdiente Prädikat „ehrwürdig“ bei, und Mitglieder unseres Konventes trugen auch seinen Namen19. Graf Radeboto und seine Gemahlin Ita waren dem Propste Reginbold in die Ewigkeit vorangegangen.

Nach der Mittheilung der Thätigkeit Reginbold's und seines Todes meldet nämlich der Anonymus, Graf Radeboto sei unterdessen (interea) gestorben. Seine Leiche brachte man nach Muri, wo sie vor dem Altare des hl. Kreuzes begraben wurde20. Das Hermetswiler-Nekrologium hat seinen Namen am 30. Juni in der ersten Abtheilung ohne besondere Hervorhebung21, (I-024) während ihn das neue, erst 1621-1631 für Muri angefertigte Nekrologium am 28. Juni hat22. Das Jahr seines Hinganges ist unbekannt. Würdtwein glaubt, er möchte 1052 gestorben sein; denn bei diesem Jahre fand er ihn im Nekrologium von Prüm23.

Noch unbestimmter sind Jahr und Tag des Hinganges der edelgesinnten Ita. Vor der Meldung des Todes Radeboto's schreibt der Anonymus: sie habe Reginbold in allem trefflichen Beistand geleistet, Maurer herbeigezogen, selbe verpflegt, bezahlt und gekleidet24. Dann aber schweigt er gänzlich von ihrem ferneren Leben und ihrem Ende. Das Hermetswiler-Nekrologium erwähnt ihrer mit keinem Worte, wohl aus dem Grunde, weil die Klosterfrauen von Hermetswil von ihrem Stiftungsgute nichts erhielten, indem sie erst 1082 aus Berau (im Schwarzwald bei St. Blasien) nach Hermetswil kamen, und dieser Ort (Hermetswil) ausserhalb der in den Akten (Bl. 21 a) genau angegebenen Grenzen ihrer Stiftung für das Männerkloster liegt. Das neue Muri-Nekrologium25 hat ihren Namen am 23. Juli, an welchem Tage im Hermetswiler-Nekrologium mit besonderer Hervorhebung eine „Tamburg“ (sanctimonialis) eingeschrieben ist, welche somit eine ausnehmende Wohlthäterin der Frauen gewesen sein mag26. Die von Ägid Tschudi abgeschriebenen und mit Anmerkungen bereicherten Einsiedler-Antiquitäten haben die Ita gleichfalls im Juli27; jedoch das Kalendarium von Niedermünster in Regensburg hat sie, wenn es überhaupt die Habsburger Ita ist, am 15. Oktober28. Aber alle diese Quellen geben uns keine Sicherheit bezüglich ihres Todestages, weil das alte Muri-Nekrologium fehlt.

Graf Radeboto hinterliess aus seiner Ehe mit Ita, so viel bekannt, vier Kinder: eine Tochter Richenza, welche mit einem Grafen von Lenzburg, Ulrich, verheirathet war, dann drei Söhne: Otto I., Adalbert I. (Adelberktus) und Werner II. Nach dem Tode des Vaters theilten sich die drei Söhne in (I-025) das Erbe29. Die Vogtei über Muri wird zunächst Otto I., als der Älteste, in den Händen gehabt haben, dann Adalbert. Erst als der Anonymus den Tod beider gemeldet hat, berichtet er vom Drittgebornen Handlungen, welche beweisen, dass er die Vogtrechte ausübte. „Dieses Verfahren war, schreibt Gfrörer30, den im letzten Willen Bischof Werner's enthaltenen Verfügungen gemäss“. Der Mönch geht kurz über die Geschichte des Erstgebornen hinweg; doch wird die Wortkargheit des Anonymus einigermassen durch eine Urkunde Konrad's II. vom 15. Juli 102531 ergänzt, welche gelegenheitlich bei Bestätigung einer zu Steinenbrunn gemachten Schenkung (für Einsiedeln) bemerkt, dieser Ort liege im Sundgau und in der Grafschaft Otto's. Mit Ekkard glauben wir daher annehmen zu dürfen, dass dieser Otto der Sohn des habsburgischen Grafen Radeboto sei. Otto von Habsburg besass demnach eine Grafschaft im Elsass, wo bekanntlich sein Haus später sehr begütert war. Unser Anonymus erzählt noch von ihm: „Nachdem er längere Zeit gelebt hatte, fiel Graf Otto unter den mörderischen Händen eines Ritters, Erinlier32, und wurde zu Strassburg begraben“. Dies deutet auch darauf hin, dass Otto gewöhnlich seinen Sitz im Elsass hatte. Ebenso wortkarg ist der Anonymus über Adalberktus. Er sagt bloss: Als Adalbert zu Hünigen auf dem Todbette lag, vermachte er ein Drittel von dem Gute, das er hier (in Muri) besass, dem Gotteshause und ward allda neben der Leiche seines Vaters Radeboto33 beigesetzt. Mit seinen Ueberresten kam auch ein grosser Leuchter und Anderes nach Muri. Das Drittel, wovon hier die Rede ist, wird nach Gfrörer so zu verstehen sein: „Jedem der drei Brüder sei von allen Stücken des gemeinsamen Erbes ein Drittel zugewiesen worden, also dass keine wirkliche Absonderung stattfand, sondern das Gesammtvermögen beisammen blieb, wie es in den Zeiten des Vaters gewesen. Nur hatte jeder Bruder ein Drittel des Gesammtertrages anzusprechen“. Der Verfasser der Akten sagt aber von den Kindern Adalbert's und Otto's kein Wort, während er genügenden Aufschluss über die Nachkommenschaft des dritten Bruders, Werner's II., gibt: „Sieht dies nicht so aus“, schreibt Gfrörer34, „als habe nur (I-026) Einer der Söhne Radeboto's geheirathet, und weiter, als sei gegen Zersplitterung des Hauptgutes dadurch Vorsorge getroffen worden, dass, wenn mehrere Söhne da waren, je nur Einer die Rolle des Stammhalters übernahm? Ist endlich dieser ausgesproche Satz nicht in der Geschlechtsfolge der Habsburger, wie sie an der Spitze der Muri-Akten steht, unverkennbar bestätigt!“

Nach dem Tode Reginbold's begab sich Graf Werner, der den Ort Muri allein besass, mit einigen Brüdern der Klostergemeinde nach Einsiedeln und bat den Abt Hermann35 um einen zweiten Propst. Dieser sandte (1055) einen sehr achtungswürdigen Mann, Burkard von Gossau36, der von Jugend auf in Einsiedeln erzogen worden war. Dieser vollendete mit aller Sorgfalt, was am Klosterbau (Estrich, Verwurf der Mauern, Fenster, Zimmergetäfel u. s. w.) oder am Bücherschatze und Anderm noch fehlte, und kaufte auch einige Höfe in Alikon37, Brunnwil38, Ottenhusen39 und Rifferswil40.

An der Stelle der alten abgebrochenen Pfarrkirche, erhob sich die Klosterkirche, deren Bau im Jahre 1064 vollendet ward. Graf Werner II. und Propst Burkard hatten bereits Lebensmittel gesammelt und alle nöthigen Anstalten für die Kirchweihe getroffen, und luden nun den Bischof von Constanz zur Vornahme derselben ein.

Rumold41, so hiess der Bischof, ehemals Burkard's Mitbruder in Einsiedeln, weihte noch in demselben Jahre am 11. Oktober die Basilika in Anwesenheit des Grafen Werner II. von Habsburg und vieler edelgeborner Männer und Frauen feierlich ein42. Auch Herzog Rudolf von Schwaben, eine (I-027) riesige, aber hinkende Gestalt, dürfte bei der Einweihung dieser Basilika, wie wenige Wochen später bei der in Schaffhausen, zugegen gewesen sein43. Der Anonymus nennt nur einen Altar, den des hl. Bischofs Martinus, während in den spätem Zeiten noch fünf andere erscheinen, nämlich der Mutter-Gottes-, St. Peter-, St. Benedikt-44, Heiligkreuz-Altar und endlich der in der Krypta. Bischof Rumold legte in den Hauptaltar Reliquien des hl. Bischofs Martin und anderer Heiligen. Die heute noch vorhandene Chorgruft (Krypta) möchte aus dieser Zeit stammen. Sie ist 8,8 Meter lang und 7,2 Meter breit mit geradlinigem Abschlusse im Osten und drei Säulenpaaren, hat rundbogige, rippenlose Kreuzgewölbe mit schwach vortretenden Quergurten und Archivolten, niedrige Würfelkapitäle und attische Basen mit hohen und straffen Hohlkehlen, an den Wänden schwach vortretende Halbpfeiler mit Schmiegen für Gesimse und Basen. Ebenso möchten der Giebel des nördlichen Querschiffes und die untere Hälfte des südwestlichen Thurmes , welche mit hohen und schmalen Rundbogenblenden verziert sind, wie auch der Thurm der heutigen Pfarrkirche aus dieser Periode stammen45.

Am Tage der Kirchweihe liess Graf Werner II. auch alle Besitzungen des Gotteshauses verzeichnen und auf dem Altare des hl. Martin niederlegen, sowohl die vom Propst Reginbold erworbenen als die aus andern Schenkungen stammenden Güter, desgleichen das Vermögen und den Zehnten der frühem Pfarrkirche, auch den Maier und die übrigen Zinsleute, Knechte und Mägde des hl. Martin nahm der Bischof unter die kirchliche Obhut.46. Unser Anonymus sucht dann ein vollständiges Güterverzeichniss herzustellen. Zuerst nennt er Muri sammt allen seinen Rechten und Gerechtigkeiten. Der Kastvogt, zugleich Mitglied der Stifterfamilie, übergab also ganz Muri dem Gotteshause mit der ausdrücklichen Erklärung, dass künftig das Kloster das freie Verwaltungs- und Verfügungsrecht habe, und dass die Gotteshausleute demselben nach dem von ihnen frei gewählten (Luzerner) Rechte Gehorsam schuldig seien. Der Anonymus bemerkt noch, Graf Werner habe seinen Theil in Muri, den er sich anfänglich unrechtmässig zugeeignet hatte, ohne Entschädigung nicht abtreten wollen; es scheint aber doch geschehen zu sein. Andere Besitzungen waren: (I-028) Thalwil, Zelingen47, Bellikon48, Uster49, Walabouch (Wallenbach), Tenzelingen, Askebach, Schwerzenbach (Schwarzenbach), Aristouw50, Althüsern, Birchi, Gruti, Hermenswile, Winterwil51, Vinse52, Miarchimos53, Göslikoven54, Wohlen, Wile55, Rordorf, Obrunburk56, Bruggo, Biralophon57, Böllikon58, Buttwile, Geltwile, Zwilare59, Brunwile, Regensfridswile60, Eggenswile61, Wecwile62, Ouwa63, Utinhusen, Ailikon64, Chamo, Immensee, Chüsnach65, Buochs, Cherns66, Meggen67, Benzeswile68, Gersouwe69, Maswanden70, Stallikon71, Terisbak72. Am Schlusse dieser Güterbeschreibung ist bemerkt: dass ursprünglich bis Windisch hinab diesseits der Reuss alle Kirchen den Zehnten nach Muri zahlten; selbstverständlich waren sie keine Collaturen, sondern entrichteten nur einen Theil vom Kirchensatze73. Obgenannte Höfe bildeten den Grundstock der Stiftung, wie er aus den Händen der drei Hauptstifter, des Bischofs Werner, des Grafen Radeboto und der Gräfin Ita hervorgegangen war. Den eigentlichen Kern aber bildete Ita's Mitgift. (I-029) Der Anonymus beschreibt uns die Grenzen, innerhalb deren die geschenkten Güter (Dörfer, Acker, Wiesen, Wälder u. s. w.) lagen. Sie waren: Ottenbach, Meriswand, Walaswil, Isenbrechtswil, Geltwil, Buttwil, Boswil, Waltiswil74, Hermetswil, Rotiswil, Stegen75 und Niederlunkhofen bis an die Reuss76. Dann bemerkt er noch, dass vom Weiler Werd77, obgleich er innerhalb eben genannter Grenzen liege, nur der dritte Theil nach Muri gehöre. Dieser Weiler, wie auch Isenbergschwil, Wile und Muri-Egg standen unter der Leitung des Kloster-Maiers (villicus), der später „Ammann“ (magister) hiess und häufig das Kloster in Rechtsangelegenheiten vertrat, im Namen des Klosters die Zinsen einzog und die niedere Polizei handhabte. Doch unterstand er bezüglich der Ökonomie und der Zinseneintreibung dem Propste (præpositus), der ein Mitglied des Klosters und vom Abte bestellt war. Bezüglich der Rechtsangelegenheiten und Polizei erhielt der Maier die Weisungen vom Abte oder auch vom Kastvogte78.

Wir sind nun an der Hand des Stifterbüchleins mit der Gründungsgeschichte Muri's zu Ende gekommen. Derselben gedenken weder Hermannus Contraktus79, noch die zwei Fortsetzer seiner Chronik, Berthold und Bernold, noch Otto von Freising und die Fortsetzer seines Werkes, wie Otto von St. Blasien; nur die oben citirten Annalen von Einsiedeln machen eine Ausnahme80.


  1. Herrgott, Geneal. I. 145; Heer, Anonymus denud., p. 338 etc.

  2. Acta Mur., Bl. 2 b-4 b.

  3. Äg. Tschudi setzt im Liber Heremi das Jahr 1032 an. (Jahrbuch für Schweizerische Gesch. X. 301).

  4. Weiler am Flüsschen Glatt, Kt. Zürich.

  5. Damberger, Synchron. Gesch. V., 73-78, 83.

  6. Regierte von 1026-1034.

  7. Ob die alte, an der Stelle der heutigen Klosterkirche gestandene Pfarrkirche, ebenfalls dem hl. Goar geweiht war, ist nirgends gesagt.

  8. Acta Mur., .Bl. 3 b; 4 a, b; 20 a,

  9. Acta Mur., Bl. 4 b,

  10. Acta Mur., Bl. 20 a, b. Diese Mittheilung der Akten findet darin ihre Bestätigung, dass man in den 30ger Jahren des 19. Jahrhunderts in dem Klostergarten viele Menschengebeine ausgrub und im heutigen Friedhofe der Pfarrei beisetzte. (Augen- u. Ohrenzeugen).

  11. Kloster-Annalen.

  12. „Subtus autem pisalem“ – also ähnlich wie bei den Kapuzinern. Nach Du Cange Glossar. wäre „pisalis“ so viel als „vestiarium“. Allein in einem alten Rituale findet sich folgende Oratio in pisali: „Omnip. sempit. Deus, cujus sapientia hominem docuit, ut domus hec careret aliquando frigore a vicinitate ignis, ita nunc quæsumus, ut sic omnes habitantes vel convenientes in eam careant infedelitatis frigore a fervore ignis Spiritus sancti. P. D. (Biblioth. in Gries, Msc.)

  13. Acta Mur., Bl. 4 b; 5 a.

  14. Acta Mur., Bl. 5 a, b. – Hier spricht wohl der zweite Anonymus, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte.

  15. „Pueros nobiles quam plurimos fecit hic educari et libris instrui“.

  16. Dörflein auf dem Lindenberg in der Pfarrei Muri.

  17. „per cuncta laudabilis vir“.

  18. Jd. Julii. R. e. g. i, n. b. o. l. d. u. s. m. n. c. Ein Einsiedler Nekrologium hat ihn am 13. Juli („III. Jd. Julii obiit Reginboldus presbyter, monachus et frater“). Vgl. Acta Mur. Bl. 6 a ; P. Ans. Weissenbach, Eccles., S. 49 u. a. O.

  19. Vgl. Katalog der Mitglieder von Muri-Gries; Leben u. Wirken des hl. Meinrad, Einsiedeln, 1861, S. 165.

  20. Acta Mur., Bl. 5 b.

  21. Quellen zur Schweizer Gesch. III., Kloster Muri, S. 152 („Radeboto comes“).

  22. Herrgott, Geneal. III., 837.

  23. „Anno 1052. Radebodo comes“.

  24. Acta Mur. Bl. 5 b.

  25. Herrgott, Genealogie III., 837.

  26. Quellen zur Schw. Gesch. III., Kloster Muri, 154.

  27. „Domina Ita Ducissa Lothringiæ Mossellanæ, Conjunx Comitis Ratbotonis de Vuindonissa. Cujus cenobium Murense hereditarium fuit“, (Geschichtsfrd. I., 418, 422; Jahrbuch für Schw.-G. X., 348).

  28. Gerbert, Monum. v. Lit. alem. I., p. 500.

  29. Acta Mur., Bl. 6 a.

  30. Papst Gregor VII., Bd, I., 333 ff.

  31. Böhmer, Reg., Nr. 1290; Trouillat, Monum. I., 159, 160. Letzterer fügt bei, Graf Otto, Sohn Radeboto's, sei im J. 1046 getödtet worden, während sein Vater am 30. Juni 1037 starb; er sagt aber nicht, aus welchen Quellen er die Zahlen 1037 u. 1046 geschöpft habe.

  32. Etwa so viel als Erlewinus!

  33. Also lebte seine Mutter noch, die Gräfin Ita!

  34. Papst Gregor VII., Bd. I., 334.

  35. Hermann, Graf von Kiburg u. Winterthur, folgte 1052 auf Abt Embricus (E. Fr. von Mülinen, Helvetia sacra I., 79).

  36. Ob das Gossau im Kt. St. Gallen oder das im Kt. Zürich bei Usteri gemeint sei, ist unbekannt; allein wir können keine Gründe finden, es für das Gösgen im Kt. Solothurn, wie Viele glauben, anzusehen: erstens ist deutlich „Gossöwa“ geschrieben; zweitens weder die ältere noch die jüngere Burg Gösgen erscheint als Gossouwe, sondern bald als Gozequoun (Trouillat, Monum. I., 341), Gösikon (daselbst, S. 606), bald als Gozekoven u. Gozinkoven (Kopp, Gesch. d. eidg. Bünde II, 2, 402).

  37. Weiler im Bezirke Muri, Pfarrei Sins.

  38. Weiler der Pfarrei Beinwil bei Muri.

  39. Dorf der Pfarrei Hochdorf, Kt. Luzern.

  40. Ober- u. Unterrifferswil, A. Knonau, Kt. Zürich.

  41. Regierte vom J. 1051-4. Nov. 1069.

  42. „et fecerunt dedicari hanc Basilicam quinto Idus Octobris, feria secunda, luna XXVI. a Rumoldo Constantiensi episcopo anno dominice Incarnazionis Mo. LXo. quarto, indictione secunda, anno decemnovennalis cicli primo bisextilique anno primo“, Ein Kalendar aus dem 12. Jahrhunderte hat am gleichen Tage: „V. Jd. Oct. Dedicatio Murensis ecclesie“ (Bibliothek in Gries).

  43. Damberger, Synchronistische Gesch. VI., 641; Annales Heremi.

  44. Im 15. Jahrhunderte der „neue“ Altar genannt.

  45. Anzeiger der Schweizer. Alterthumskunde, Jahrg. 1872, V. Bd., S. 32, 326.

  46. Acta Mur., Bl. 6 b.

  47. Vielleicht Seele, Weiler am Albis, Kt. Zürich.

  48. Filiale von Rohrdorf, Kt. Aargau.

  49. Diese Orte sind im Amte Greifensee, Kt. Zürich, wovon Tenzelingen abgegangen, wenn es nicht für Esslingen zu nehmen ist.

  50. Aristau, Althäusern, Birri, Unter-Rüti, Hermetswil sind Weiler und Dörfer im Reussthale, nicht weit von Muri.

  51. Weiler in der Pfarrei Beinwil, Bez. Muri.

  52. (?) Winkel, Hof zwischen Bremgarten und Göslikon.

  53. Abgegangener Name eines Hofes in der Pfarrei Wohlen.

  54. Göslikon, Pfarrdorf, Bez. Bremgarten.

  55. Niederwil, Pfarrdorf im Bez. Bremgarten.

  56. Oberburg, Weiler bei Brugg.

  57. Birrenlauf, Dorf im Bez. Brugg.

  58. Bellingen, Dorf am rechten Rheinufer, unterhalb Basel, Grossh. Baden.

  59. Wile, Weiler beim Kloster Muri.

  60. Retschwil am Baldeggersee.

  61. Pfarrei bei Bremgarten.

  62. Wiggwil, Dorf in der Pfarrei Beinwil.

  63. Auw, Pfarrdorf im Bez. Muri.

  64. Alikon, Dorf in der Pfarrei Sins.

  65. Kam, Immensee und Küssnach, Dörfer am Zuger- u. Vierwaldstättersee.

  66. Buochs u. Kerns, Pfarreien im Kt. Unterwalden.

  67. Pfarrei im Kt. Luzern.

  68. Dorf in der Pfarrei Merenschwand bei Muri.

  69. Gersau, Pfarrei im Kt. Schwyz.

  70. Maschwanden, Amt Knonau, Kt. Zürich.

  71. Pfarrei im Kt. Zürich.

  72. Derschbach, Höfe bei Hünoberg, Pfarrei Kam.

  73. Etwa den 4. oder 12. Theil. Diese Kirchen möchten gewesen sein: Göslikon, Niederwil, Mellingen, Wohlenschwil u. Birr. Vgl. Güterkarte von Muri in “Quellen zur Schweizer Gesch. III., Kloster Muri“.

  74. Für Waltiswil sollte vielleicht Besenbüren stehen!

  75. Stegen ein abgegangener Hof in Rottiswil am Fahr.

  76. Vgl. Acta Mur. Bl. 21 a.

  77. Gehört zur Pfarrei Lunkhofen, obwohl er am linken Ufer der Reuss liegt.

  78. Vgl. Offnung vom J. 1413 (Arch. Muri in Aarau) u. a. O.

  79. Herimanni Augiensis Chronicon, ed. Pertz, Mon. SS. V.; Urstisius, Germ. hist. illust, ed. Francof. 1585, p. 131-158 u. 319-343; Ussermann, abgedr. in Migné, Patrol. lat., T. 143.

  80. Geschichtsfrd. I., 122 ff.